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Love Parade - 19 Tote und 342 Verletzte nach Massenpanik in Duisburg

1,3 Millionen Besucher kamen zur Loveparade nach Duisburg. Zunächst verlief die Party friedlich und ohne Zwischenfälle, die Raver waren aus vielen Städten Deutschlands angereist und bester Stimmung. Techno Musik dröhnte unerträglich laut aus den Lautsprechern, die Party lief auf Hochtouren. Das Fiasko begann, als Hunderttausende aus zwei Richtungen kommend den alten Güterbahnhof, an der Karl-Lehr-St. , erreichen wollten. Um 17 Uhr war dort ein weiterer Höhepunkt der Technoparty angekündigt worden. Zwischen zwei Tunneln traf die Masse aufeinander. Ein unglaubliches Gedränge entstand, 10 000 drängten sich vor dem Tunnel, dem einzigen Zugang zum umzäunten Festivalgelände. Um dem Tunnel, der wie ein Nadelöhr wirkte zu entgehen, suchten viele nach einem Ausweg und kletterten über die Absprerrungen und über einen Container zu einer Treppe, die nicht abgesichert war. Laut Augenzeugenberichten waren einige schon alkoholisiert. Die Stimmung wurde zunehmend aggressiver. Absperrungen wurden niedergerissen, Menschen verletzten sich und stürzten mehrere Meter tief in die Menge. Wer hinfiel hatte keine Chance, er wurde buchstäblich niedergetrampelt.

 

Panik brach aus

 

Zuvor hatte die Polizei bereits mehrfach regulierend eingegriffen und den Tunnel wegen des Massenansturms kurz gesperrt.. Nach wie vor gibt es unterschiedliche Meldungen, wie die Menschen zu Tode gekommen sind. Während einige Augenzeugen berichteten, Menschen seien im Tunnel umgekippt, weil sie keine Luft mehr bekamen und dann überrannt worden, hieß es im Polizeibericht, die Todesfälle seien ausschließlich außerhalb des Tunnels passiert. Wolfgang Rabe, Leiter des Krisenstabes, sagte in den Tagesthemen:“ Auslöser des Unglücks waren Menschen, die versucht haben, außerhalb des Tunnels Absperrungen zu überwinden und an Wänden hochgeklettert sind. Als diese Menschen abstürzten, kam es zu der Massenpanik.“ Die schreckliche Bilanz: 19 Tote und 342 Verletzte. Noch am Unfallort mussten etliche Verletzte reanimiert werden. Wegen der vielen Menschen hatten die Rettungskräfte zunächst große Probleme sich zum Unglücksort durchzuarbeiten. Die anwesenden Helfer waren mit der Situation hoffnungslos überfordert. Deshalb beorderte man Hilfskräfte von überall her an den Unglücksort. Für 19 Menschen kam jegliche Hilfe zu spät.

 

Die Party geht weiter

 

Von der Tragödie um sie herum bekamen viele der Partygäste zunächst nichts mit. Ausgelassen feierten sie noch stundenlang weiter, besonders diejenigen, die sich unmittelbar an der Bühne aufhielten, bemerkten durch die extrem laute Musik nicht, was inzwischen geschehen war. Das Fest wurde nicht abgesagt, weil Polizei und Krisenstab befürchteten, bei einem plötzlichen Abbruch könne es zu einer weiteren Panik kommen. Per Handy wurden viele Techno Fans von ihren Angehörigen über das Unglück informiert und traten daraufhin den Heimweg an. Das führte zeitweise zum Chaos auf den Bahnhöfen, an einen geordneten Rückzug war nicht zu denken. Die Bahn musste mehrfach die Strecken sperren, weil Raver die Schiene betreten hatten. Noch bis in die Morgenstunden irrten junge Menschen durch die Stadt oder warteten auf dem Bahnhof auf einen Zug, der sie nachhause brachte. Zeitweise brach das Handynetz zusammen. Verängstigte Angehörige versuchten stundenlang die eingerichteten Hotline zu erreichen.

 

Wer trägt die Verantwortung

 

Die Suche nach den Schuldigen ist voll im Gang. Mittlerweile gibt es massive Kritik am Sicherheitskonzept. Mit dem Imagegewinn der Stadt Duisburg hätten die Veranstalter und die Verantwortlichen Politiker die Durchführung der Loveparade in Duisburg begründet, hieß es. Im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 habe man auf dieses Event  nicht verzichten wollen. Veranstalter und Stadtverwaltung wiesen jegliche Schuld von sich. Alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen seien getroffen worden, behaupteten sie. Fest steht, 500 000 Besucher sind von den Veranstaltern angemeldet worden sein. Für 300 000 Besucher ist das Gelände jedoch nur vorgesehen, keinesfalls aber für 1,3 Millionen. Wie viele Besucher sich tatsächlich auf dem Gelände befanden, darüber gibt es noch immer keine exakten Zahlen. Zur Loveparade in Essen kamen 1,6 Millionen, in Duisburg war ebenfalls von einer hohen Besucherzahl ausgehen.

 

Experten haben gewarnt

 

Das Sicherheitskonzept der Veranstalter hatten Experten von Anfang an bemängelt. Für den zu erwartenden Besucherstrom sei das Geländes des alten Güterbahnhofs viel zu klein, warnten sie. Der Tunnel als einziger Zu- und Abgang war nur für eine Kapazität von 20 000 Besuchern pro Stunde ausgelegt, es mussten aber 200 000 Personen hindurch. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile die Akten der Loveparade Veranstalter beschlagnahmt. Laut Polizeiaussagen ist bekannt geworden, dass ein zweites Sicherheitskonzept existierte. Aus Kostengründen wurde es nicht verwendet.

 

 

Kulturhauptstadt 2010- Still-Leben- das Großereignis der Metropole Ruhr

"Still-Leben" A40

 

60 Kilometer Autobahn – mitten durch das Ruhrgebiet. Eine Vollsperrung der A40 würde im Normalfall eine Katastrophe bedeuten. Doch wir schreiben das Jahr 2010, das Ruhrgebiet ist Kulturhauptstadt und außer Rand und Band. Also nicht normal, und der 18.Juli 2010 wird ein Ausnahmezustand sein. An diesem Tag kann jeder die Autobahn betreten, der Lust hat. Man kann sich sogar einen der 20.000 Tische mieten, die auf der „längsten Tafel der Welt“ aufgebaut werden. Nur sitzen ist aber nicht, man sollte schon einen Beitrag leisten und den Fußgängern Unterhaltung bieten. Die Tische kann man anschließend auch beim Baumarkt Hellweg, einem Hauptsponsor des Projektes, käuflich erwerben. Der Hellweg, im Mittelalter Europas bedeutendster Handelsweg, führte durch das heutige Ruhrgebiet, so hieß die A40 früher. Bei den Dortmunder ist es die B1. Der Dortmunder Oberbürgermeister Ulrich Sierau betont bei der Übergabe des Erlaubnisbescheides der zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf an die Ruhr.2010 GmbH am 7.7.2010 in der Essener Grugahalle, dass die Stadt Dortmund mit der Teilsperrung der Autobahn B1 zur Veranstaltung der Loveparade sehr gute Erfahrungen gemacht hat. „Die Menschen haben sich Tische und Stühle hingestellt, haben ihren Hunde ausgeführt und sind mit dem Fahrrad und mit Segways dort entlang gefahren“, sagt Sierau bei der Pressekonferenz. 1, 6 Millionen Besucher feierten auf der Party-Meile. In dieser Größenordnung spielt sich der erwartete Besucherandrang für das Still-Leben-A40 ab. Der VRR rechnet mit einer Million Gästen, die mit speziellen Shuttle-Bussen zur Autobahn gebracht werden. Der ADFC, der die autofreie Autobahn zum längsten Fahrradmuseum der Welt ernannt hat, rechnet bei schlechtem Wetter mit 500.000 Fahrradfahrern, bei guten Bedingungen mit bis zu drei Millionen Zweirädern. Sie können die Mobilitätsspur – die Fahrbahn Richtung Dortmund – gemeinsam mit Inline-Skatern und allen, die Rollen haben, aber keinen Motor, an diesem Tag nutzen. Die andere Fahrbahn Richtung Duisburg ist die Tischspur, zu der auch Fußgänger Zutritt haben. Zahlreiche Programmbeiträge von Kabarettisten, Musikern Fußballfans, Tänzern, Sport- und Kulturvereinen bieten Unterhaltung. Sieben Bühnen werden von Dortmund bis Duisburg aufgebaut sein. Die Ruhr.2010 GmbH hat bewusst auf große Stars verzichtet, „denn der Star ist die Straße“, frohlockt der Pressesprecher der GmbH Marc Oliver Hänig. Auf die Frage, ob denn der Autobahn-Tunnel hinter dem Essener Hbf beleuchtet sein werde, antwortet er: „Wir werden an diesem Tag alle so strahlen, dass wir selber leuchten“. Die Vorfreude auf dieses Großereignis ist allen Beteiligten anzumerken. Fritz Pleitgen, Vorsitzender der Geschäftsführung, bedankt sich bei allen Beteiligten Städten, die trotz Probleme mit dabei sind und das Projekt gemeinsam realisieren. Er hofft, dass der 18.Juli 2010 im Jahre 2030 rückblickend als Gründungstag der Metropole Ruhr in die Geschichte eingeht. Aber eins ist sicher: DAS hat es noch nicht gegeben.

 

Wer noch einen Tisch mieten möchte, kann das noch bis zum 12. Juli unter www.ruhr2010.de/still-leben/tischtickets oder telefonisch unter 01805- 15 2010 (Festnetz 0,14 €/Min, Mobilfunkpreis max. 42 €/Min.) tun. Bis 17.Juli gibt es Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Ein Ticket kostet 25 Euro zzgl. 3,50 Gebühren und zzgl. Versandkosten. An einen Tisch passen acht bis zehn Personen. Teilnehmer werden gebeten, einen Programmbeitrag zu leisten. (A-D)

Holz- so weit das Auge blicken kann und ein fleißiger Helfer, ein "Volunteer" für das Großereignis "Still-Leben" auf der A40

 

 

 

SPAREN, SPAREN

Es ist vollbracht! Der Haushaltsentwurf 2010/2011 steht. Gespart werden muss an allen Ecken und Enden, damit die Konsilidierungslinie erreicht werden kann. Rund 110 Millionen Euro sind es insgesamt, die eingespart werden müssen.

 

Oberbürgermeister Reinhard Paß betonte dann auch auf der Pressekonferenz im Rathaus, wie frustrierend es sei, einen überschuldeten Haushalt vorzufinden, der praktisch keinen Handlungsbedarf mehr zulasse. Dem Bürger klar zu machen, dass es zu höheren Steuern, Gebühren und Eintrittsgeldern keine Alternative gäbe, sei wahrhaft kein Vergnügen. Doch für die Stadt gehe es darum, handlungsfähig zu bleiben.

 

Großes Einsparpotiential sieht Stadtkämmerer Lars-Martin Klieve bei den Personalkosten. Die gute Nachricht: Kündigungen sind nicht vorgesehen, Stellen werden abgebaut durch Fluktuation und durch Nichtbesetzen freigewordener Stellen. In den kommenden Jahren werde ein großer Teil städtischer Bediensteter in den Ruhestand entlassen. Dadurch sei die Stadt in der Lage rund 500 Stellen abzubauen. Rund 48,4 Millionen könne man durch die Personalreduzierung im Haushalt bis 2013 einsparen.

 

Für die Städtischen Beteiligungsgesellschaften wird es bitterernst. EVAG, Stadtwerke und Allbau müssen in den kommenden Jahren 20 Millionen einsparen. Das Sparvolumen soll bis zum Jahr 2014 auf 39, 4 Millionen Euro anwachsen. Besonders hart trifft es die Theater- und Philharmonie, sie muss ihre Kosten bis zum Jahr 2013 um insgesamt 7 Millionen verringern. Allein durch höhere Eintrittsgelder oder durch die Kürzung des Etats für neue Produktionen wird dies nicht zu leisten sein. Die Schließung einer oder mehrerer Sparten ist eine Option, die ins Auge gefasst werden müsse, gab Kulturdezernent Bomheuer unumwunden zu. Das sei aber eine interne Sache der TuP. Die Liste der unpopulären Maßnahmen für den Bürger setzt sich weiter fort. Erhöhung der Grund, Gewerbe, Hunde- und Vergnügungssteuer. Die Gundsteuer wird pro Kopf auf 16 Euro angehoben und beläuft sich damit pro Einwohner und Jahr auf 180 Euro. Oberbürgermeister Paß verweist in diesem Zusammenhang auf das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, hieraus resultierten alleine rund 14 Millionen Steuereinnahmen, die fehlen, darunter 8 Millionen an Gewerbesteuer.

Höhere Parkgebühren fallen für die Autofahrer an, veranschlagt werden 20 Cent pro Stunde, Gebühren orientieren sich fortan an Öffnungszeiten der Geschäfte, maximal bis 22 Uhr sollen sie erhoben werden. Schwimmbäder und Musikschulen werden teurer. Ebenso sind Schulen, Kindergärten und Kitas von den Sparmaßnahmen betroffen. Geschwisterkinder in Kindergärten sind nicht mehr frei.

 

Die Öffentlichkeit wird am Stadtbild deutlich merken, dass gespart werden muss, äusserte sich Baudezernentin Simone Raskob. Denn Grün und Gruga, wird die Pflege der Grünanlagen und Parks zurückfahren müssen. Auch bei Spielplätzen muss der Rotstift angesetzt werden. Neue Spielgeräte können nicht mehr angeschafft werden, im schlimmsten Fall sind Schließungen unvermeidbar.