Theater
Schauspielhaus Bochum
"Bunbery" (Oscar Wilde)
von Oscar Wilde
Premiere: 10. Februar 2012, Kammerspiele
Die amüsante Verwechslungskomödie zeigt das türbulene Lotterleben der Dandys Jack Worthing und Algernon Moncrieff. Sie haben keinerlei Skupel die Gesellschaft aufs Schändlichste hinters Licht zu führen. Algernoon rechtfertigt seine ständigen Ausflüge in die Metrople mit einem Freund namens Bunbery, der krank ist und seiner Hilfe bedarf. Jack behauptet einen Bruder zu haben mit dem Namen Ernst, dem er zur Seite stehen muss, da er sonst verkommt. Kurioserweise nennt sich Jack in der Stadt selber Ernst.
„The Importance of Being Earnest“ lautet der englische Untertitel von Oscar Wildes Komödie. Alle wollen nur eines: E/ernst sein. Doch das gelingt nur Jack. Lügend hat er – ohne sein Wissen – immer die Wahrheit gesagt.
Theater mini-art
„Der große Saal“ nach dem Roman "de groote zaal“ von Jacoba van Velde
29.09.2011 im Grend Kulturzentrum in Essen-Steele
Das Theater mini-art präsentierte sein mehrfach preisgekröntes Stück nicht in einem „großen Saal“ und ebenso wenig auf einer großen Bühne. Und doch hat das Stück „Größe“. Das überwiegend schon etwas ältere Publikum im Grend Kulturzentrum in Essen, zeigte sich vom Thema des Abends sichtlich berührt.
Das Theaterstück „Der große Saal“ basiert auf einem Roman von Jacoba van Velde. Im Zentrum steht der Prozess des Alterns und Sterbens. Schauplatz der Handlung ist ein Altenheim in den 50er Jahren in den Niederlanden. Die Heiminsassin Geertruide van den Veen schaut voller Wehmut auf ihr Leben zurück. Eine Perspektive für die Zukunft hat sie nicht.
Das Stück wird als Puppenspiel aufgeführt. Helena, Geertruides Tochter, erzählt die Lebensgeschichte ihrer Mutter. Schuldgefühle plagen sie, denn sie hat ihre Mutter nach einem Schlaganfall ins Heim gebracht.
Die Darsteller: Sjef van der Linden und Rinus Knobel verstehen es vortrefflich, die Charaktere der Heimbewohner darzustellen. Da ist die alte Dame, die vorgibt aus einem vornehmen Haus zu sein und die mit ihrem angeblichen einstigen Wohlstand prahlt und die übrigen Heim-Bewohner damit nervt. Besonders das zänkische "alte Fräulein", ärgert sich über sie. Dass im Altenheim auch Platz für Klatsch und Tratsch ist, zeigt das Stück auf amüsante Art und Weise. Wenn sich die Alten versammeln, um zu kommunizieren, kann man durchaus schmunzeln. Die Situationen entbehren nicht einer gewissen Komik.
Doch obwohl an vielen Stellen die Charaktere der skurrilen Alten durchaus Anlass zur Heiterkeit geben, bleibt das Lachen oftmals im Hals stecken. Denn das jämmerliche Dasein der Heimbewohner bleibt den Zuschauern nicht lange verborgen.
Der „Große Saal“ erweist sich als letzte Station im Leben der alten Menschen. Diejenigen, die dorthin verlegt werden, deren Schicksal ist unabänderlich besiegelt. Diese Tatsache ist den Bewohnern des Altenheimes sehr wohl bewusst. Der Kontakt zur Außenwelt ist längst abgebrochen, dem straffen Reglement des Heimes haben sie nichts entgegenzusetzen. Ein selbstbestimmtes Leben ist für sie nicht mehr möglich, stumpfsinnig leben sie in den Tag hinein. Ihren Angehörigen sind sie nur noch eine Last, diese würden ihre Existenz am liebsten vergessen. Lassen sie sich überhaupt einmal blicken, dann sind die Besuche nur von kurzer Dauer.
Das emotionale Spiel der Schauspieler bewirkt beim Zuschauer eine Empathie für Trauer, Schmerz und Einsamkeit der alten Leute. Die Geschichte hält der Gesellschaft einen Spiegel vor, indem sie das ganze Ausmaß des Elends der „Alten“ verdeutlicht.
Dramaturgisch höchst geschickt wird nicht nur die Lebensgeschichte von Geertruide in Szene gesetzt, sondern parallel dazu auch eindrucksvoll die Gewissenskonflikte der Tochter geschildert. Wie unglücklich ihre Mutter im Heim ist, weiß Helena genau. Doch da sie im fernen Paris lebt, findet sie gute Gründe, um die Mutter nicht bei sich aufnehmen zu müssen. Behutsam und mit der nötigen Distanz macht die Regie deutlich, wie es mit Altern und Sterben in unserer Kultur bestellt ist. Sich in die Lebenssituation der alten Menschen hineinzufühlen, fällt dabei nicht schwer. Wie das Ende von Geertruide und den anderen Heimbewohnern aussehen wird, ist kein Geheimnis.
Das Stück setzt auch beim Publikum durchaus Ängste frei, denn noch immer hat unsere Gesellschaft weder Mittel noch Wege gefunden, um ein Altern in Würde zu gewährleisten. Ganz im Gegenteil, sie schaut weg. Bestenfalls ist für Pflege und Unterkunft im Heim gesorgt, doch an Zuwendung mangelt es. Einzige Bezugspersonen sind oft die Pflegekräfte, doch denen fehlt es an Zeit. Die Bürokratie nimmt darüber hinaus eine nicht unwesentliche Zeit des Personals in Anspruch. Für den medizinischen Dienst müssen die Abläufe im Heim akribisch dokumentiert werden, der Mensch bleibt dabei auf der Strecke.
Im Alter dahin vegetieren zu müssen, krank, hilflos, einsam und alleine zu sein, eine Horrorvorstellung. Für viele Menschen ist diese Lebensweise heute zur grausamen Realität geworden.
Das berührende Spiel der Darsteller wird vom Publikum entsprechend honoriert. Hautnah spürt man die Betroffenheit der Anwesenden. Die Schauspieler bieten nach einer kleinen Pause noch eine Diskussionsrunde an.
Das Unternehmer-Ehepaar Bärbel und Heinz Farwick führt bereits zum zweiten Mal eine Veranstaltung mit dem Theater Mini-art durch. Die Eintrittsgelder fließen komplett in eine Alteneinrichtung. Damit sollen Parkbänke angeschafft werden. (Ursula Harms-Krupp)
www. farwick-veranstaltungen.de
Liebeskomödie
EINE INSEL NAMENS UDO
Kritik von Nina Jung
Deutschlandpremiere am 9. Juni um 20.00 Uhr in der Lichtburg mit Regisseur Marcus Sehr und den Hauptdarstellern Kurt Krömer und Fritzi Haberlandt
Kinostart: 16.6.2011
Kennen Sie auch diese Momente, an denen andere Menschen Sie einfach übersehen, achtlos an Ihnen vorbeieilen? Für Udo (Kurt Krömer) ist das ein Dauerzustand, denn er leidet seit frühester Kindheit unter „Schwersichtbarkeit“ – er wird von seinen Mitmenschen einfach nicht wahrgenommen, wenn er nicht gerade besonders hartnäckig auf sich aufmerksam macht.
Udo hat aus der Not jedoch eine Tugend gemacht: Seine Gabe prädestiniert ihn geradezu für den Job des Kaufhausdetektivs, im Restaurant stibitzt er den arglosen Gästen schon mal den Kuchen und da ihn auch der Nachtwächter nicht sehen kann, macht er es sich über Nacht im Zelt der Sportwarenabteilung bequem. Das geregelte Leben auf Udos „Insel“ wird jedoch tüchtig durcheinander gewirbelt, als die ehrgeizige Hotelmanagerin Jasmin (Fritzi Haberlandt) ihn eines Tages beim Espresso-Mundraub erwischt und lauthals zur Rede stellt. Udo ist vollkommen geschockt: Jasmin ist der erste Mensch, der ihn sofort wahrnimmt! Es kommt, wie es kommen muss- die beiden verlieben sich und werden ein Paar, was für Udo jedoch unerwartete Folgen hat: Plötzlich ist er auch für andere Menschen sichtbar- und damit fangen die Probleme erst richtig an. Denn Udo ist nicht gerade geübt im Umgang mit anderen Menschen, in Konversation und Stil. Immer, wenn er es Jasmin besonders recht machen will, geht garantiert etwas besonders schief. Sein verzweifelter Versuch, „normal“ aufzutreten, bei dem er von einem Fettnapf in den nächsten tritt, stellt die Liebesbeziehung vor eine harte Zerreißprobe…
Regisseur Marcus Sehr ist mit seinem ersten Kinofilm eine kurzweilige Liebeskomödie gelungen, deren skurrile Situationskomik und spritzigen Dialoge dem Premierenpublikum in der Lichtburg herzhafte Lacher entlockten. Neben der Schauspielerin Fritzi Haberlandt (Liegen lernen, Nichts als Gespenster) glänzte der Berliner Kultkomiker Kurt Krömer in seiner ersten Kinohauptrolle, für die er die gewohnte Bühnenpräsenz etwas zurücknehmen musste, aber am Premierenabend von Regisseur Sehr ein wohlwollend-augenzwinkerndes „Arbeitszeugnis“ erhielt. Liebenswert schrullig sind auch die Nebenfiguren gezeichnet – Bernd Moss als transsexuelle Parfümdame und engste Freundin sowie Kari Ketonen als Udos finnischer Chef.
Neben Klamauk bietet diese sympathische Komödie jedoch auch jede Menge leise-nachdenkliche Töne. Letztendlich geht es für die beiden Figuren darum, sich dem Menschen, den sie lieben, offen zu zeigen- mitsamt ihren Schwächen und Schrulligkeiten. Was sie schließlich vielleicht nicht zu einer perfekten, dafür aber zu einer wahrhaftigen Beziehung führt. Regisseur Sehr fand den Zugang zu seiner Hauptfigur in der eigenen Grundschulzeit, in der er selbst ungefähr anderthalb Jahre unsichtbar war. Zu einer Zeit, in der ein Mädchen aus der Parallelklasse seine Existenz einfach nicht bemerken wollte. So wirft der Film die Frage auf, wie intensiv wir selbst unsere Mitmenschen eigentlich wahrnehmen. An wie vielen gehen wir einfach vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen, wie viele erwidern unser Lächeln nicht, weil sie es gar nicht sehen. Voll und ganz auf die wunderbare Warenwelt eines Kaufhauses konzentriert, fällt der Traumprinz vielleicht einfach durchs Raster der Aufmerksamkeit. Also Augen auf, beim nächsten Einkauf - vielleicht lohnt es sich, jenseits des Gemüses genauer hinzusehen
Deutschland 2011; 80 Min.; Regie: Markus Sehr; mit Kurt Krömer, Fritzi Haberlandt, Bernd Moss, Kari Ketonen; Kinostart 16.06.11
Informativ Kritisch Unabhängig
