ESSEN
Krupp - Fotografien aus zwei Jahrhunderten
Villa Hügel, Essen
Es war eine Weltsensation, als Louis Jacques Mandé Daguerre am 19. August 1839 der Pariser Akademie der Wissenschaften seine Erfindung, dauerhaft auf einer spiegelblank polierten Metallplatte fixierte Fotos, präsentierte. Alfred Krupp, der als Vertreter seiner eigenen Produkte in der Zeit von Juni bis September 1839 in Frankreich weilte, hat hierüber zunächst nichts berichtet. Er erkannte jedoch schnell den betrieblichen Nutzen des neuen Mediums - die Industriefotografie mit ihren vielfältigen Möglichkeiten zur Werbung und Dokumentation erlebte bei Krupp ihre Geburtsstunde.
Die Industriellenfamilie selbst wurde bereits ab 1846 kontinuierlich im Bild festgehalten - die „Schatzkammer“ der Ausstellung mit sorgfältig restaurierten Daguerreotypien zeigt ein Duzend solcher photografischer Raritäten.
Die Rolle der großbürgerlichen Familie wurde über vier Generationen, zum Teil von den renommiertesten Fotografen ihrer Zeit im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext dargestellt.
Beeindruckende Bildstrecken zeigen den letzten Alleininhaber, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in seinem privaten und unternehmerischen Umfeld. Die Fotos mit der royalen und politischen Prominenz, die in der Villa Hügel zahlreich empfangen wurde, dienten nicht der Dokumentation eines Ereignisses, sondern waren im hohen Maße der Repräsentation der Firma geschuldet. Detailliert inszeniert wurde auch das Kruppsche Innenleben. Selbst die Begegnung Alfrieds mit Lehrlingen wurde vom Fotografen sorgfältig erarbeitet.
Berührend, ja verstörend, fast diabolisch wirkend, das Portrait des Amerikaners Arnold Newman von Alfried in der Lokomotivenwerkstatt aus dem Jahre 1963. Im Gegensatz hierzu die Studioaufnahme von Yousuf Karsh, ein Jahr später entstanden, der Industrielle im Halbschatten, das Gesicht Krupps spiegelt strenge Autorität und gleichzeitig Sensibilität wider. Meisterwerke der Fotokunst!
Über zwei Millionen Bilder umfasst das Historische-Archiv-Krupp, dem Publikum wird eine Auswahl von 400 Fotos, Bildbänden und sonstigen Objekten gezeigt.
Einen Schwerpunkt der Schau bilden die von Hugo van Werden gefertigten Großpanoramen des Ruhrtals und das elfteilige, fast acht Meter lange Panorama der Gussstahlfabrik aus dem Jahre 1867. Die mehrere Zentner wiegende Fotoausrüstung musste auf dem Turm der Kanonenfabrik erschütterungsfrei installiert werden. Rund 250 Arbeiter wurden an ihrem arbeitsfreien Sonntag auf dem Werksgelände positioniert. Die detaillierten Regieanweisungen stammten von Firmeninhaber selbst. Der äußerst kritische Alfred Krupp war von dem Ergebnis beeindruckt: „Die Bilder [...] sind wunderschön.“
Im späten 19. Jahrhundert waren die Produktionsvorgänge schon sehr komplex, im direkten Vergleich zu den gigantischen Fertigungsanlagen wirkten die Menschen klein und schutzlos. Teils mit bloßem Oberkörper und hoch konzentriert auf ihre schwere Arbeit wurden die Kruppianer von den Werksfotografen abgelichtet. Die Aufnahmen entstanden nicht spontan, dies wäre unter den eingeschränkten technischen Möglichkeiten auch nicht realisierbar gewesen, sondern wurden nach präzisen Anweisungen erstellt - jede Pose, jeder Handgriff und wurde zum fotografischen Gestaltungelement.
Der 2. Weltkrieg war nicht nur durch die weitgehende Zerstörung der Werksanlagen und die Inhaftierung Alfried Krupps eine Zäsur in der Firmengeschichte; der Konzern wurde neu strukturiert und auch fotografische Ästhetik passte sich der neuen großindustriellen Fertigungsdynamik an. Der riesige, 28, 8 Tonnen schwere Dampfturbinenläufer hängt, von nur einem Arbeiter dirigiert, schwerelos wirkend an einem Hebezeug im Vordergrund der riesigen Werkshalle:
Die äußerst vermögende Familie Krupp war reisefreudig und dem Unbekannten gegenüber aufgeschlossen. Prachtvolle, großformatige in Leder gebundene Alben aus dem 19. Jahrhundert zeugen von der Kunstfertigkeit der damaligen Reisefotografen.
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach war selbst ein begeisterter Amateurfotograf, rund 30.000 Bilder sollen auf seinen Weltreisen entstanden sein. Eine kleine Auswahl bildet den Schluss der sehenswerten Ausstellung.
Rainer Schwirtzek
Infos:
Öffnungszeiten: bis 11. Dezember 2011, Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Eintrittspreis (Villa Hügel incl. Park und die Fotoausstellung) 3. - €.
Alle weiteren Informationen über www.villahuegel.de
VELBERT-LANGENBERG
Werke von Hajnalka Peterfy in der Galerie 23
"Abgestellt" "Altlasten"
"Ohne Titel"
"Imvisieur"
Vor den Toren Essens, aber auch gut zu erreichen aus Hattingen oder Wuppertal, liegt das besuchenswerte historische Örtchen Velbert-Langenberg, das sich in den letzten Jahren durch die Ansiedlung etlicher Antiquariate einen Namen als Bücherstadt zu machen suchte. Es hat eine interessante kulturelle Ergänzung erfahren: im Mai 2011 eröffnete in der Frohnstraße 3 die Galerie#23 und zeigt bis zum 24.7.11 eine Ausstellung der in Ratingen ansässigen Künstlerin Hajnalka Peterfy. Auf 130 qm Ausstellungsfläche, angesiedelt in einem alten Backsteinbau, präsentiert Galeristin Doris Stevermüer einen Ausschnitt aus Peterfys Werk, das sich hier zwei großen Themen widmet:
Dem zeitkritischen Aspekt der Wegwerf-Gesellschaft sind die meisten der ausgestellten Stücke zuzuordnen. In großformatigen Bildern in Öl auf Leinwand begegnen wir allem, was achtlos als Müllberg vor sich hin rostet: „Ein letzter Blick“ (…auf einen Trabi neben weiterem Müll), „Nichts mehr wie es war“, „Altlasten“ bis hin zum süffisanten Titel „Angela“, der die Unsinnigkeit der Abwrackprämie durch einen riesigen Müllberg thematisiert. Aus unterschiedlichsten Blickwinkeln werden alte Fahrräder in verfallender Umgebung und sonstiger Müll in fotorealistischem Stil in Szene gesetzt und laden zur Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit und unserem Umgang mit wertvollen Ressourcen ein.
Das Thema der Vergänglichkeit wird auf ganz andere Weise auch in der „Kriegsserie“ bearbeitet: „Die Idee vom Garten Eden“, worin die Menschen als Schatten ihrer selbst umherirren, „Verlorene Söhne“, die am Boden liegend von gebeugten Müttern betrauert werden, u.a. werden teilweise in traurigen Farben inszeniert mit silhouettenartig sich überlappenden Menschenfiguren, teilweise in kräftigen Farben, wobei symbolhaft rhythmisch sich wiederholende schussbereite Hände vom Betrachter entdeckt werden sollen („im Visier“ oder „Helden“). Der Begriff Camouflage als Tarnung kann sich hier aufdrängen.
Eine Auswahl an Holzskulpturen aus unterschiedlichen Holzarten thematisieren den Menschen und die Ursprünge menschlichen Lebens und sind eine schöne Ergänzung der Ausstellung.
"ANGELA"
Hajnalka Peterfy ist 1959 in Innsbruck geboren, hat bis 1992 in Düsseldorf studiert und sich seitdem durch Ausstellungen, hauptsächlich im Großraum Düsseldorf/Köln, aber auch in Osnabrück und Hamburg einen Namen gemacht. Von ihr erschien außerdem ein Lyrik-Band „Trianon“ (in 2. Auflage 2010 im Verlag Books on Demand, der sich ebenfalls ihrem Themenkreis Gesellschaft, Wirklichkeit, Kunst, Liebe,
4.7.11/GBW
ZETTELS TRAUM
Die Zeichnungssammlung Bernd und Verena Klüser
von der Heydt-Museum
vom 15.03. - 19.06. 2011
Handzeichnungen haben in der Kunstgeschichte eine ganz besondere Bedeutung. Es sind Kostbarkeiten, in denen sich der Künstler mit seiner Persönlichkeit, seinem Charakter, seinen Zielen präsentiert. Sie dienen aber auch als Instrument um ein künstlerisches Werk in seiner Entstehung nachvollziehen zu können.
Anhand von Studien, Entwürfen und Skizzen werden die Motive des Künstlers transparent; nicht umsonst ist das Werk eines Künstlers mittels seiner individuellen Handschrift identifizierbar. Besonders Kunstliebhaber- und Kunstkenner machen sich diese Tatsache zu eigen.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Zeichnung zu einem immer stärker beachteten eigenständigen Medium. Öffentliche und private Sammlungen verfügen über eine große Anzahl wertvoller Blätter, die auf reges Interesse des Publikums stoßen.
Die Zeichnungssammlung Bernd und Verena Klüser vereint über 200 Werke aus fünf Jahrhunderten, darunter sind Blätter von Cezanne, v. Dyck, Tiepolo, Delacroix, Matisse, Kirchner und Picabia. Der Schwerpunkt der Zeichnungen liegt im 20. Jahrhundert. In einigen Räumen sind nur einzelne Künstler vertreten: (Giacometti, Beuyss, Warhol, etc.) oder auch Werkgruppen zusammengefasst.
Der Titel der Ausstellung "Zettels Traum" ist Arno Schmidts Werk gleichnamigen Werk entliehen. Die Zeichnungen sind nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil eines Ganzen, eines Kosmos, indem Fantasie und Erstaunen ganz selbstverständlich nebeneinander existieren, ebenso wie in Zettels Traum, der Shakespeare Komödie " Ein Sommernachtstraum". (HA-K)
(Vgl. auch Text: von der Heydt Museum)
Die Ausstellung kann nur 14 Wochen in abgedunkelten Räumen gezeigt werden, da die Objekte äußerst lichtempfindlich sind.
Info/Buchen: 0202/563-6397
MO-DO 9-12 Uhr
Internet: www. zettels-traum-ausstellung.de
Essen
Ruhr Museum: Bilanz und Ausblick
Ruhr Museum - Musste hingehen!
von Nina Jung
Essen. Um die Stimmung im Ruhr Museum zu erspüren, stellt sich sein Direktor Prof. Dr. Ulrich Borsdorf gerne mal an den Kopf der Rolltreppe zur ehemaligen Kohlewäsche auf Zeche Zollverein und begrüßt seine Besucher. Gerührt berichtet er von einem Besucher, der ihm bei solch einer Gelegenheit anvertraute: „Ich will Ihnen mal eins sagen: Wir sind stolz auf das Museum!“.
Stolz sind auch die Zahlen, die Direktor Borsdorf nach einem Jahr Ruhr Museum und 363 Öffnungstagen präsentieren kann. Am 10.1.2010 wurde das Ruhr Museum zusammen mit der Kulturhauptstadt RUHR.2010 auf dem Gelände des Welterbes Zollverein eröffnet. Eine halbe Millionen Menschen besuchten das Museum seitdem - und damit weit mehr als die 150.000, mit denen das Museum ursprünglich gerechnet hatte.
Im Fokus der Dauerausstellung: Das Ruhrgebiet
Der mit Abstand größte Publikumsmagnet war 2010 die Dauerausstellung zur Natur- und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets, die auch über das Kulturhauptstadtjahr hinaus fester Bestandteil des Ruhr Museums bleiben wird. 420.000 Besucher informierten sich in der Ausstellung über die Entwicklung der Region von der Entstehung der Kohle vor über 300 Millionen Jahren, über die Römer, das Mittelalter und die Industriegeschichte bis zum heutigen Strukturwandel.
Besonders beliebt sind nach wie vor die „Zeitzeichen“ auf der ersten Besucherebene, die anhand persönlicher Erinnerungsstücke von Menschen aus dem Ruhrgebiet die Geschichte dieser Region anschaulich dokumentieren. Vom Suppenteller, der angesichts des durch Bergbau abgesenkten Hauses nur halb gefüllt werden kann, über die Uhr fürs Bergarbeiterjubiläum bis zur Schimanski-Jacke – das Identifikationspotential mit der eigenen Geschichte ist groß und damit für so manchen Besucher emotional tief bewegend. Hier habe er schon Menschen weinen sehen, meint Direktor Borsdorf.
So wundert es nicht, dass das „neue Heimatmuseum des Ruhrgebiets“ bei den Menschen der Region besonders gut ankam: 50% der Besucher kamen aus Nordrhein-Westfalen, die meisten davon aus dem Ruhrgebiet. 25% reisten aus anderen Bundesländern an, der Rest aus dem Ausland. Besonders interessiert an der Geschichte der Nachbarn zeigten sich dabei Niederländer und Belgier.
2011 sind zur Dauerausstellung Führungen und Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen und Epochen der Ruhrgebietsgeschichte geplant. Auch für Schulklassen wird es spezielle Formate geben.
Ein Museum für die ganze Familie
Der überwiegende Teil der Besucher reist gleich mit der ganzen Familie an und erforscht die Geschichte des Ruhrgebiets mit drei Generationen. Das Museum hat darauf reagiert und immer mehr Angebote für die ganze Familie entwickelt. Nicht nur die Kleinen dürften mit der Museumstasche für Familien ihre helle Freude haben: Auf einer spannenden Rätselreise durch das Museum wird auf spielerische Weise Wissenswertes zu Natur, Archäologie und Geschichte des Ruhrreviers vermittelt. Mit der Familienkarte haben Kinder bis 18 Jahre freien Eintritt, die Museumstasche können Familien für 5 Euro mieten.
Erfolgreiche Sonderausstellungen
Mit jeweils 40.000 Besuchern äußerst erfolgreich waren 2010 auch die Sonderausstellungen. „Das Große Spiel. Archäologie und Politik im Zeitalter des Kolonialismus“ sowie die beiden aktuellen Fotoausstellungen, die aufgrund der guten Resonanz bis Sommer 2011 verlängert werden sollen: „Alles wird anders. Fotografien aus der Zeit des Strukturwandels“ mit über 500 Ruhrgebietsfotografien aus der Zeit zwischen 1970 und 2000 sowie „Schwarzes Revier. Fotografien von Heinrich Hauser“, die erste zusammenhängende Fotoreportage über das Ruhrgebiet aus dem Jahr 1928.
Höhepunkt 2011: Die Krupp-Ausstellung
Höhepunkt des Jahres 2011 ist die Ausstellung „200 Jahre Krupp. Der Mythos wird besichtigt“. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Firma Krupp sowie des 200. Geburtstages von Alfred Krupp beleuchtet die Ausstellung anhand von Filmen und Leihgaben die Kruppsche Firmen- und Familiengeschichte. Die Ausstellung, die vom 4.12.2011 bis zum 12.8.2012 im Ruhr Museum zu sehen sein wird, ist Teil des Krupp-Jahres 2011, das mit einer großen Fotoausstellung auf der Villa Hügel im Juli 2011 beginnt und in der Krupp-Stadt Essen mit unterschiedlichen Aktivitäten gefeiert wird.
Öffnungszeiten: Täglich von 10-19 Uhr, ab 1. 4. 2011 von 10-20 Uhr
Zollverein A14 (Schacht XII, Kohlenwäsche), Gelsenkirchener Straße 181, Essen. www.ruhrmuseum.de
ESSEN - FOLKWANG - MUSEUM
„A Star Is Born.“ Fotografie und Rock seit Elvis
Folkwang Museum.
2. Juli - 10. Oktober 2010
Ein „Knaller“ soll die neue Ausstellung im Folkwang Museum in Essen laut Stephan Muschik werden und ein „Knaller“ kann diese Ausstellung werden. „A star is born“ zeigt ab dem 2. Juli bis zum 10. Oktober Fotografien rund um den Rock. Elvis, die Beatles, Bob Dylan, The White Stripes, Franz Ferdinand – nicht unbedingt Musiker, die sich im wirklichen Leben getroffe
n haben. Das Folkwang bringt sie nun alle an einem Ort zusammen.
Die zweite große Ausstellung im Jahr 2010 ist ein offizieller Part des Kulturhauptstadt-Projekts und setzt ihren Fokus ganz auf die Rolle der Fotografie für die Rockwelt. Seit Elvis nimmt die verstärkende Wirkung der Fotografie immer mehr zu: Rockmusiker werden durch sie gemacht, Rockmusik wird durch sie verbreitert. Dies verdeutlichen die Bilder im Folkwang nur zu gut: auf Plattencovern, T-Shirts und Postern, in Zeitschriften und Magazinen finden sich die Konterfeis der Rockstars. Die von der RWE AG-geförderte Ausstellung zeigt dieses anhand einer visuellen Geschichte von den 50er Jahren bis heute.
Der Ausstellung vorausgegangen ist eine ungewöhnliche Recherche. Viele der Fotografien stammen aus den Sammlungen von Musikfans und – der größte Teil – direkt vom Fotografen. Dieses stellt die Basis für eine außergewöhnliche und interessante Ausstellung. Ein echtes Muss für jeden Musikfan!
Ein weiterer Leckerbissen – allerdings für Jugendliche – wird das Projekt Rockbüro sein. Dieses läuft parallel zur Ausstellung vom und bietet jungendlichen Musikbegeisterten eine Plattform, um ihrer Kreativität, die musikalische aber auch die fotografische, freien Lauf zu lassen und in Workshops von den Großen zu lernen. Mit von der Partie sind dabei: Oliver Schulze, Oliver Sieber, Christine Brunel und slowboy.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Essener Filmkunsttheater kann man die Musiklegenden außerdem auf der Leinwand bewundern. Im Filmstudio Glückauf, im Eulenspiegel und im Museum Folkwang werden unter anderem Bob Dylan, Prince und Metallica in Filmen zu sehen sein. Weitere Infos gibt’s unter www.essener-filmkunsttheater.de.
(Be-A)
"DAS SCHÖNSTE MUSEUM DER WELT"
20. März - 25. Juli 2010 mehr ...
Das Folkwang-Museum hat eine lange Geschichte. Umso schöner ist es, dass es nun gelungen ist, einen Teil dieser Geschichte zurückzuholen und ihr in dem zukunftsfähigen Neubau der David
Chipperfield Architects die angemessen Räume zu geben. In Licht durchfluteten Räumen, deren beeindruckende Architektur den Namen ihrer Meister alle Ehre macht, werden Kunstwerke der größten
Künstler Europas gezeigt. Zu den Hauptwerken gehören Gaugins `Barbarische Erzählungen´, Marcs `Die roten Pferde´, Kandinskys `Improvisation´ und Kirchners ´Fünf Frauen auf der Straße´. Bis 1937
gehörten diese Bilder in den Besitz des Folkwang-Museums. Die Nazis beschlagnahmten mehr als 1.400 Werke so genannter „entarteter" Kunst, die fortan in alle Welt verstreut waren. Auf einer Tafel
im letzten Raum sollen die Namen all der Künstler, deren Werke 1937 beschlagnahmt worden sind, aufgelistet werden.
Diese erste große Sonderausstellung im Neubau soll an die beeindruckende Sammlung auch der außereuropäischen Kunst des Folkwang bis 1933 erinnern. Der Mitbegründer des Museum of Modern Art in New
York Paul J Sachs, der das Museum 1932 besuchte, bezeichnete es als „das schönste Museum der Welt". Wenn man die Leihgaben aus Ägypten, dem muslimischen Spanien, dem Vorderen Orient Mesopotamien,
Java, Korea, China, Japan und Papua-Neuguinea betrachtet, kann man ihn verstehen. Es ist absolut erfreulich, dass sich nahezu alle Leihgeber dazu bereit erklärten, die einstigen Sammlungsstücke
des Folkwang für vier Monate nach Essen zu geben. „Alle Leihgeber haben die Bedeutung begriffen und nicht gezögert", so Museumsdirektor Dr. Hartwig Fischer bei der Pressekonferenz. Zu ihnen
gehören neben Privatsammlern beispielsweise die Hamburger Kunsthalle, das Philadelphia Museum of Art, die Staatsgalerie Stuttgart und die National Gallery of Art in Washington. Ein Beweis dafür,
wie groß das Interesse an dieser Ausstellung ist, liegt in der Zahl der bereits vor der Ausstellungseröffnung gebuchten Führungen: 2.500. Die Besucher werden mit Sicherheit nicht enttäuscht
werden, die Ausstellung zeigt nicht nur „das schönste Museum der Welt", sondern auch die Schönheit der Welt. (A-D)
ESSEN - RUHRMUSEUM
RUHR MUSEUM
AB 12. Februar 2010 wird die Sonderausstellung „Das Große Spiel – Archäologie und Politik zur Zeit des Kolonialismus“gezeigt
Im neuen Ruhr Museum auf Zollverein ist hoher Besuch aus den Niederlanden eingetroffen. Charlotte Trümpler, Ausstellungsleiterin, konnte die Kopie der Büste der Nofretete in Empfang nehmen.
Sie wurde 1913 nach der Auffindung des Originals für Kaiser Wilhelm II. angefertigt. Als der Kaiser 1918 abdankte und sich ins Exil in die Niederlande begab, zog Nofretete mit um. mehr ...
Wer hat nicht schon von der "Schönen" aus Ägypten gehört.
Nofretete war die Gemahlin des ägyptischen Pharaos Echnaton. In Armana fand der Archäologe Ludwig Borchardt 1912 bei Ausgrabungen ihre Büste aus bemaltem Kalkstein. Schon in den 30er Jahren zweifelte Ägypten die Rechtmäßigkeit des Erwerbs durch den preußischen Staates an. Heute ist Nofretete im Neuen Museum in Berlin auf der Museumsinsel zu bestaunen. An der Kontroverse um ihre Rückgabe hat sich nicht geändert, eher hat die Debatte an Schärfe zugenommen. Die Ausstellung im Ruhr Museum " Das Große Spiel - Archäologie und Politik zur Zeit des Kolonialismus“ ist von großer Brisanz, denn sie thematisiert die Entdeckung der Nofretete und ihre Ausgrabung und den damit verbundenen rechtlichen Fragen. Warum die Forscher sich auf ihren Expeditionen größten Strapazen aussetzten, um antike Kulturen kennenzulernen und deren Schätze auszugraben, darauf versucht die Ausstellung ebenso eine Antwort zu finden.
ZWEI WELTEN Fotoausstellung von Annet van der Voort
Volkshochschule Essen
Foyer, 4. Etage
Die Wanderausstellung „Zwei Welten“ von Annet van der Voort wird in der Zeit vom 18. Februar bis zum 13. März in der Essener Volkshochschule präsentiert. Die niederländische Künstlerin fotografierte über einen Zeitraum von zwei Jahren Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte aus Nordrhein-Westfalen. Hierbei durften die jungen Menschen, die beispielsweise aus Afghanistan, Kasachstan, Korea und Somalia stammen, selbst entscheiden, ob ihr Porträt schwarz-weiß oder farbig sein sollte. Sie bekamen die Anweisung, nicht zu lächeln, sondern ihre wirkliches, „normales“ Gesicht zu zeigen. Überdies erarbeitete Annet van der Voort mit den Jugendlichen zusammen kurze Texte und Statements, die deren Lebenssituationen widerspiegeln. Sie beschreiben ihren Alltag, ihre Sorgen und Ängste und sprechen über ihre Zukunftspläne. Auf diese Weise wird jedem Porträt eine ganz besondere Individualität verliehen.
Die Fotografin macht bevorzugt Aufnahmen von Menschen in existenziellen Lebenssituationen. So sind in der Vergangenheit bereits Bilder von sehr jungen Müttern mit ihren Babies oder auch von sehr alten Menschen entstanden, wobei ihre Vorliebe der Porträtfotografie gilt. Annet van der Voort ist selbst Ausländerin und obwohl sie „gefühlsmäßig“ in Deutschland zu Hause ist, bleiben die Niederlande ihre wirkliche Heimat. Wie leben andere Menschen mit ihren zwei Welten? Diese Frage markiert den Ausgangspunkt dieser Ausstellung. Die Künstlerin wollte wissen, was die Jugendlichen denken und fühlen, denn für die Niederländerin bedeutet Integration, dass Menschen die Gesellschaft mit ihrem Anderssein bereichern.
Annet van der Voort, die mit analoger Kamera und ohne Kunstlicht arbeitet, möchte jedem Menschen ein individuelles Gesicht geben und dabei Raum für Fantasie und Interpretation des Betrachters lassen. Dies gelingt ihr mit ihren einfühlsamen sowie ausdrucksstarken Porträtaufnahmen und den entsprechenden Texten, die vielleicht nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Zugehen auf andere Menschen anregen können. (Lisa Wettlaufer)
Annett van der Voort
Annett van der Voort mit Thomas Kufen (Integrationsbeauftragter NRW) und Peter Renzel (Jugend, Bildung u. Soziales, Stadt Essen) bei der Ausstellungseröffnung
alle Fotos: Bernadette Ahmann
Informativ Kritisch Unabhängig

