Hans Scheib – Expressiver Meister der Kettensäge
Er gehört zu den bemerkenswertesten Bildhauern der Gegenwart, ist aber trotz seines beeindruckenden Œuvres, das neben Skulpturen aus Holz und Bronze auch zahllose Radierungen und Zeichnungen umfaßt, einem größeren Publikum nahezu unbekannt. Künstler zu werden, sei von klein auf sein Traum gewesen, sagt der 1949 in Potsdam geborene Hans Scheib, der schon früh eigene Wege geht und folglich immer wieder mit dem DDR-System in Konflikt gerät, was erst 1985 mit seiner Übersiedlung nach West-Berlin endet. Einer Schriftsetzer-Lehre, der wohl die bis heute anhaltende Liebe zur Druckgrafik zu verdanken ist, folgt von 1971 bis 1976 seine akademische Ausbildung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Reichlich spät, da lebt er bereits als freiberuflicher Künstler in Berlin-Prenzlauer Berg, realisiert Scheib, daß der real existierende Sozialismus für seine Art plastischer Kunst kaum etwas übrig hat – und Bronze schon mal gar nicht. So macht er aus seiner Not eine Tugend, sammelt dicke Holzbalken von Abbruchhäusern und verwandelt sie in nur auf ersten Blick grobschlächtige Figuren. Zumeist weibliche Akte oder Portraitstudien, fast immer mit weitaufgerissenen, groß geschminkten Augen, die längst typisch für Hans Scheibs in kräftigen Farben gefaßte Arbeiten sind. Keine filigrane Schnitzkunst, sondern exakte Momentaufnahmen von faszinierender Expressivität, die der 62jährige Bildhauer mit sicherem Blick und einer virtuos geführten Kettensäge aus seinem hölzernen Material schneidet. Ein reizvoller Kontrast zu den feingeformten Bronzen, die meist jahrhundertealte Mythen aufgreifen, aber auch zu seinem grafischen Werk, vor allem den Kaltnadel-Radierungen, die überwiegend Selbstbildnisse und Porträts von Politikern und Dichtern aus Gegenwart und Vergangenheit sowie Tierdarstellungen zum Thema haben.
Vom 2. bis 17. April 2011 präsentiert das Maschinenhaus Essen mit Unterstützung der Allbau-Stiftung unter dem Titel „April Gesicht“ Skulpturen und Grafiken von Hans Scheib. Ergänzt wird die Ausstellung, die Dienstags bis Sonntags von 16 bis 20 Uhr geöffnet ist, von einem Rahmenprogramm, das – künstlerisch eigenständig – mit den gezeigten Arbeiten korrespondiert und so Genre-übergreifende Kunsterfahrungen ermöglicht. (üpm)
Bilder einer Metropole - Die Impressionisten in Paris
Die Kulturhauptstadt 2010 hat ein weiteres Highlight:
Das Museum Folkwang präsentiert vom 2.10.10 – 30.01.11
Bilder einer Metropole - Die Impressionisten in Paris
Paris in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: eine Hauptstadt wird zur ersten europäischen Metropole umgestaltet. Straßen, Plätze, Kanalisation und Energieversorgung – alles wird neu, größer, prächtiger, moderner. Künstler begleiten diesen Prozess mit wachsamem Blick. Wir sehen ca. 80 Gemälde aus dieser Zeit, zum Teil wurden sie noch nie in Deutschland ausgestellt. Als Besucher flanieren wir durch das Paris dieser Zeit in 13 Sälen, die Sujets zusammenfassen. Wir beginnen mit „Blicke auf Paris“, wir sehen „Monumente und Parks“, „Die Baustellen Napoleons III.“, „ Montmartre“, „Straßen und Boulevards“, wir gehen durch die damaligen „Vororte“, erleben „Die Pariser Kommune / Straßenszenen im Arbeiterviertel“, „Caféhäuser“ und „Schauspiele“ bis hin zum grandiosen „Paris leuchtet“ nach der Elektrifizierung. Alle großen Namen sind vertreten: Monet, Manet, Renoir, Signac, Caillebotte, Pissarro, van Gogh, Cézanne, Gauguin u.v.m. Sie zeigen nicht nur die Schönheiten der Stadt sondern auch die Auswirkungen des Veränderungsprozesses , die Menschen, die interessiert und gelassen durch die Straßen flanieren und die Verlierer, die mit trostlosem Blick dem Neuen wenig Beachtung schenken.
Eine kluge Vervollständigung erfährt die Ausstellung durch die Präsentation der besten Fotografien jener Zeit. Das neue Medium zeigt unbestechlich die Veränderungen durch gigantische Baumaßnahmen, besonders eindrucksvoll im Saal „Charles Marville und Paris“ oder in den „Baustellen“. Die in jener Zeit erfundene Stereoskopie ermöglicht erste dreidimensionale Eindrücke vom Leben in der Stadt – sehr beeindruckend!
Paris veränderte sich grundlegend und wird in der Zeit des Umbruchs – nicht zuletzt durch die regelmäßig stattfindenden Weltausstellungen - zur touristischen Attraktion Europas.
Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel : dieser Leitsatz des Museums Folkwang wird hier folgerichtig weiterentwickelt. Auf eine interessante Ergänzung sei bereits an dieser Stelle noch hingewiesen: vom 16. Oktober 2010 bis zum 30. Januar 2011 zeigt das Folkwang Museum zusätzlich die Ausstellung „Urbanität gestalten – Stadtbaukultur in Essen und im Ruhrgebiet 1900 – 2010“.
"DAS GROSSE SPIEL - Archäologie und Politik zur Zeit des Kolonialismus (1860 - 1940)"
Fotos: Anja Schmidt, Anna Dettmer
Veranstaltungsort:
Ruhr Museum
Zollverein A 14
(Schacht XII, Kohlenwäsche)
Gelsenkirchener Straße 181
12. Februar - 13. Juni 2010
Öffnungszeiten: 10-19 Uhr
Das Ruhr Museum auf Zollverein zeigt nur einen Monat nach der Eröffnung die erste große Ausstellung „Das große Spiel" - Archäologie und Politik zur Zeit des Kolonialismus (1830-1940)." Die Idee zu der Ausstellung stammt von Frau Dr. Charlotte Trümpler, Leiterin der archäologischen Sammlung des Ruhr Museums. Die Kosten von 1.2 Millionen Euro wurden von Sponsoren aufgebracht.
Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Motive von Personen, die sich Ende des 19/Anfang des 20 Jahrhunderts unter großen Strapazen und unter Einsatz ihres Lebens auf Expeditionsreise begaben. Darunter sind bekannte Namen: Carl Humann, ein Essener, der den Pergamonaltar entdeckte, Lawrence von Arabien, Gertrude Bell, die Irakgründerin, Sven Hedin, der Asienforscher oder Graf Làslò Almàsy, der als Vorbild für den Film „Der englische Patient" bekannt wurde. Sie führten als erste Ausgrabungen im großen Stil durch und dokumentierten diese. Unterstützung für ihre ehrgeizigen Projekte fanden sie bei reichen Geldgebern, darunter waren Könige und Kaiser. Die Hilfe erfolgte nicht aus Uneigennützigkeit, imperiale Machtinteressen steckten dahinter. Das große Spiel um Geld, Macht und Prestige beherrschte zu diesem Zeitpunkt viele Nationen. England und Russland wetteiferten um territoriale Gebiete in Zentralasien. Aber auch andere europäische Staaten wollten teilhaben an dem großen Kuchen der lukrativsten Ausgrabungsplätze.
Die Ausstellung zeigt, wie sehr Politik und Archäologie miteinander verflochten waren und welche religiösen, politischen oder militärischen Motive ausschlaggebend waren für die Lebenswege der Entdecker. Errstaunlicherweise waren diese meistens keine Archäologen, sondern Ingenieure, Geologen, Architekten, Offiziere oder Priester. Ihre Expeditionen führten sie nach Nordafrika, den nahen Osten und Zentralasien
Archäologie ist heute ein extrem politisches Geschäft, betonte Prof. Gehrke, der Leiter des Archäolgischen Forschungsinstitut in Berlin, auf der Pressekonferenz vor der Ausstellungseröffnung. Er spielte damit auf die immer wieder aufflammenden Rückgabeforderungen archäologischer Fundstücke an. Sein Institut sei ein Forschungsinstitut, es arbeite in engster Kooperation mit 36 Ländern auf 4 Kontinenten. Absolut notwendig sei die Liebe zu dem Land, die Mitarbeiter müssen die Sprache können, die Kultur kennen und die kulturellen Codes beherrschen. Die Kollegen im Institut seien Experten für die einzelnen Länder. Archäologie sei nicht nur arbeiten an der Tradition, Archäologie gehöre zur nationalen Identität. Für eine gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Ländern habe sein Institut die besten Voraussetzungen, die Exponate bleiben im Herkunftsland. Der interdisziplinäre Gedankenaustausch zwischen den Kollegen funktioniere bestens.
Die Ausstellung thematisiert die Rückgabeforderungen, doch mehr noch fokussiert sie die rechtliche Seite, die sich mit der Ausgrabung archäologischer Stücke ergeben.
Die Biographien von 25 Personen, allesamt außergewöhnliche Personen, Entdecker und Pioniere, unterschiedlicher Nationen, stehen im Vordergrund der Präsentation. Bei der Dokumentation ihres Lebensweges wurden strenge wissenschaftliche Kriterien angewandt. Die Archäologie wird damit zur Wissenschaftsgeschichte.
In den Ausstellungräumen werden über 800 Objekte von insgesamt 65 Leihgebern, darunter große europäische Museen, wie der Louvre, die Bibliothèque Nationale de France, das British Museum oder das Pergamonmuseum gezeigt. Dank der guten Verbindungen von Frau Dr. Trümpler zu international bekannten Museen ist es gelungen, Objekte als Leihgaben zu bekommen, die noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Von dem Schweizerischen Institut für Bauforschung in Kairo bekam sie die komplette Grabungsausrüstung Ludwig Borchardts zur Verfügung gestellt. Eine Rarität ist auch der Expeditionsfilm von Graf Almàsy.
Die Gliederung der Ausstellung erfolgt in 12 Bereichen mit 32 Rauminszenierungen Die Bereiche haben den Charakter kleiner Theater mit eigenen Schauplätzen.
Präsentiert werden neben historischen Dokumenten, Karten und Filmen, darunter sind Dokumente, die die Orient Reise Kaiser Wilhelms II.1898 dokumentieren, Fotos, die einen der Bagdad Bahnhöfe zeigen und Luftaufnahmen von Libyen aus dem Jahr 1911/12, auch Fotoapparate, Aquarelle von französischer Generälen in Algerien um 1830, kostbare Seidenmalereien aus der Buddhistischen Zeit des 9. Jahrhunderts n.Chr., einzigartige Gefäße aus dem 3. Jahrtausend v.Chr. und Objekte, die in Zusammenhang mit der Vermessung Palästinas stehen und auf den größten Fälscherskandal verweisen.
Der erste Schauplatz ist eine Bibliothek. Hier starten die Besuche den Rundgang durch die Ausstellungsräume, er endet bei der Büste Nofretetes, der Schönen aus Äggpten und dem Star der Ausstellung. Es handelt sich um eine Kopie, die Kaiser Wilhelm II. anfertigen ließ. Er nahm die Kopie der Nofretete mit ins Exil, in die Niederlande. Das Original ist im Pergamonmuseum zu sehen. (Ha-K)
Öffnungszeiten:
Fotorealismus
Langenberg
Fotorealismus
In der Galerie Larose in Langenberg sprach der Künstler "Bernd Over" im Rahmen eines Vortrages über den Fotorealismus. Er erklärte den Zuhörern die Technik, die erst seit den späten 60erbei uns bekannt wurde. Der Fotorealismus basiert auf einer extrem realistischen Malweise, wobei die POP-Art (USA) für diesen Stil richtungsweisend war.
Bernd Over hat ein Kunststudium absolviert, ist Auftragsmaler und gelernter Plakatmaler. Mitgebracht hatte er sein Erstlingswerk "Jacqueline Kennedy", welches die anwesenden Gäste, unter ihnen waren viele Hobbymaler, begutachten durften.
www.galerielarose.de
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Informativ Kritisch Unabhängig
