Fim
„Das Leben ist zu lang“ – Publikumsgespräch mit Regisseur Dani Levy
Astra Theater
28.08.2010, 20:15 Uhr
„Der Humor ist eine der letzten Freiheiten, die wir noch haben, “ sagt sich Alfi Seliger, „Erfolgsregisseur“ aus Berlin. Grund genug für ihn, einen Film über den Karikaturenstreit zu drehen. Fünf Jahre benötigte er um sein Drehbuch zu schreiben und nun will es keiner haben. Der Kampf um Schauspieler und Produzenten beginnt. Dann soll der Film auch noch zur Serie umgemünzt werden… Ganz nebenbei hat Seliger (brillant: Markus Hering) noch einige Probleme rund um seine Familie zu bewältigen: Seine Frau hat eine Affäre, seine Kinder wollen einen anderen Vater und alles kommt von Minute zu Minute dicker für Alfi. Bis er sich fragt: Wer bestimmt eigentlich mein Leben?
Nach „Alles auf Zucker“ und „Mein Führer“ läutet auch der neue Film von Regisseur Dani Levy eine Happy Hour für Humor ein. Mit „Das Leben ist zu lang“ nimmt Levy die Filmbranche unter die Lupe und rechnet humorvoll mit ihr ab. Von der ersten Minute an muss der Zuschauer sein Zwerchfell kontrollieren – doch bevor der tragische Held bzw. der Versager dieses Films sich zu erkennen gibt, ist der erste Lachanfall schon vorbei. „Das Leben ist zu lang“ ist charmant verrückt und ein bisschen chaotisch. Eine Herausforderung für jeden aufmerksamen Kinobesucher dabei ist es, alle bekannten mitwirkenden Gesichter zu erkennen. Heino Ferch, Elke Sommer, Ex-Soap-Star Yvonne Catterfeld – das ist nur eine geringe Auswahl der Schauspieler, die sich auf der Leinwand präsentieren. Bis Dani Levy selbst in seinem Film auftaucht…
Während des Publikumsgesprächs im Astra machte Levy seinem Film alle Ehre: ein bisschen chaotisch, sehr humorvoll und vor allem mit viel Leidenschaft für seine Arbeit. Für ihn hat jeder Film ein Eigenleben, jeder Film entwickelt und verändert sich während seiner Entstehung. So ist auch „das Leben ist zu lang“ schnell, intuitiv und impulsiv entstanden – grade mal 25 Tage wurde gedreht. Und wahrscheinlich macht gerade diese Entstehungsgeschichte den Reiz des Films aus – schnelle Entwicklungen in Seligers Leben lassen es dem Zuschauer keine Sekunde langweilig werden. Auf die Frage nach biographischen Ähnlichkeiten zwischen Alfi und Levy antwortet letzterer folgendermaßen: „Wir haben die gleiche Tochter, aber zu mir ist sie netter als zu Alfi“. (Be-A)
HENRI 4 IN DER LICHTBURG
Fotos: Bernadette Ahmann
Premiere: HENRI 4 LICHTBURG ESSEN
Ein Prominenter folgte dem Anderen. Trotzdem warteten alle gespannt auf die Ankunft der Bundeskanzlerin. Denn Angela Merkel ließ es sich nicht nehmen am 28. Februar 2010 die Premiere von Henri 4 in der Lichtburg in Essen zu besuchen. Die Premiere wurde vom Sturm Xynthia begleitet, so dass die französischen Darsteller an der Teilnahme der Premiere gehindert wurden.
Produzentin Regina Ziegler bedankte sich im Rahmen ihrer Eröffnungsrede bei der Bundeskanzlerin, dass sie einen ihrer wenigen freien Sonntage geopfert hat. Zusammen verfolgten die Besucher die Geschichte um Henri Quatre. Der 19. Millionen teure Kinofilm spielt im Frankreich des 16. Jahrhunderts. In einem Land, dass von Glaubenskriegen erschüttert wird. Katholiken und Protestanten kämpfen in den Hugenottenkriegen gegeneinander. Um Frieden herzustellen plant die Königin Katharina von Medici ihre Tochter Margot mit Henri zu verheiraten. Da die Brüder von Margot an einer rätselhaften Blutkrankheit leiden und Henri im Fall einer Hochzeit nach ihrem Tod König von Frankreich werden kann, drängt Henris Mutter ihn zur Heirat. Doch die Hochzeit endet durch den mörderischen Plan von Königin Katharina in einem Blutbad. Henri wird gefangen genommen und gezwungen Katholik zu werden. Doch bei der ersten Gelegenheit ergreift er die Flucht. Er führt seinen Kampf um Glaubensfreiheit und Gerechtigkeit weiter. Auf seinem Weg zum Thron entwickelt er sich zu einem wahren Humanisten.
Für den Stoff begeisterte sich Produzentin Regina Ziegler schon im Alter von neunzehn Jahren. In der Hauptrolle ist Julien Boisselier zu sehen. In weiteren Rollen spielen Joachim Król, Roger Casamajor, Armelle Deutsch, Chloé Stefani, Hannelore Hoger, Ulrich Noethen, Devid Striesow, Karl Markovics, Andreas Schmidt, Sandra Hüller, Gabriela Maria Schmeide, André M. Hennicke und Wotan Wilke Möhring.
Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Frankreich, Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik. Grundlage für das vom Regisseur Joe Baier verfasste Drehbuch bildet der Romanklassiker „Henri Quatre" von Heinrich Mann. Seine Weltpremiere feierte der Film im Rahmen des Filmfestivals Berlinale, wo er keinen großen Anklang fand und ausgebuht wurde. Wer dennoch neugierig geworden ist, kann den Film ab dem 18. 03. 2010 im Kino sehen.(LA-S)
SHERLOCK HOLMES
Sherlock Holmes mit Robert Downey Jr. und Jude Law, Regie Guy Ritchie
Denkt man an Arthur Conan Doyle, denkt unweigerlich an Sherlock Holmes und dessen Partner Watson. Diese beiden kehren in einer Verfilmung von Guy Ritchie auf die Leinwand zurück: Sherlock Holmes
(Robert Downey Jr.) muss mit Watson (Jude Law) einen ausnehmend schwierigen Fall lösen. Holmes beweist auch 2010 seinen untrüglichen Verstand und seine rasante Auffassungsgabe und nimmt es
schließlich in einem beispiellosen Duell mit seinem Gegner auf, um das gesamte Land vor der Zerstörung zu bewahren.
Mit Ritchies Verfilmung wurde der alte Klassiker neu aufgelegt. Dabei wurden den Figuren mehr Charakterfacetten gutgeschrieben. So spielt Law einen unabhängigeren Watson und Downey Jr. einen
Helden mit Fehlern und Schwächen. Dennoch bleibt auch hier die Basis, die Doyle 1887 erstmals zum Leben erweckte, erkennbar: Holmes kombiniert auch noch nach 123 Jahren immer noch mit
messerscharfen Verstand. Allerdings ist dieses im Film nicht immer etwas für schwache Nerven. Bei einem Boxkampf mit detaillierter Beschreibung, zudem noch in Zeitlupe, wird sich wohl so manches
Auge schließen. „Sherlock Holmes" ist spannend, unterhaltsam und birgt viele witzige Dialoge. Alles in allem ist der Film eine sehr gelungene Adaption des Klassikers
NEW YORK - I LOVE YOU
New York, I love you - u.a. mit Hayden Christensen, Andy Garcia, Rachel Bilson, Natalie Portman, Orlando Bloom und Ethan Hawke
„New York I love you" - Das sind zwölf Geschichten aus dem Big Apple. Nach dem Erfolg des Vorgängers „Paris, je t'aime" beleuchten nun elf weitere Regisseure unter dem Motto „Cities of Love" New York. Unter anderem erzählen Fatih Akin und mit einem Regiedebut Natalie Portman ihre Geschichten aus, um und mit der Metropole. „Jede Geschichte beginnt mit einem Moment." Dieser Moment bildet den Anlass in diese Geschichten einzutauchen, sie zu beleuchten. Jede einzelne handelt von Menschen in ihrer alltäglichen Welt. Ein altes Ehepaar, das an seinem 63. Hochzeitstag durch New York läuft, ein Jugendlicher der kurz vor dem Abschlussball von seiner Freundin abserviert wird und Hilfe durch einen Apotheker erfährt, der ihm seine als Begleitung seine Tochter vorschlägt, die allerdings im Rollstuhl sitzt, ein Aufreißer, der sich an einer Eroberung die Zähne ausbeißt und und und. Einige Geschichten lassen den Zuschauer fragend zurück, ihm wurde nur ein Blick auf die Geschichte gegönnt ohne ihr Ende zu erfahren oder mit weiteren Informationen verwöhnt zu werden. Aber genau das soll „New York, I love" wohl auch sein. Lediglich ein Blick in die verschiedensten New Yorker Leben. Genau wie die Filmerin, die als verbindendes Glied der Erzählungen fungiert, wird auch der Zuschauer zum Beobachter eines Teiles der unterschiedlichsten Lebens- und Liebesgeschichten. Eines haben diese Geschichten aber alle gemeinsam. Sie sind eine Liebeserklärung an die Stadt, die niemals schläft. Leider sind nicht alle Geschichten gänzlich gelungen, aber dennoch wird der Kinobesucher angenehm unterhalten und sich auf die kommenden Städte der „Cities of Love"-Reihe freuen.(B-A)
Lichtburg Essen
ALBERT SCHWEITZER- EIN LEBEN FÜR AFRIKA
Jeanette Hain
Albert Schweitzer. Ein Leben für Afrika - NRW-Premiere mit Jeroen Krabbé, Jeanette Hain, Armin Rohde und Regisseur Gavin Miller – Lichtburg – 16.12.2009 – 20:00 Uhr.
Bereits mit dreißig Jahren war Albert Schweitzer bekannt als Theologe und als Philosoph. Dann schulte er um, studierte Medizin und ging zusammen mit seiner Frau Helene nach Afrika, um dort ein Krankenhaus aufzubauen. Unter dem Motto „Ehrfurcht vor dem Leben“ versuchte er auf dem Kontinent etwas von der Schuld abzutragen, die die Kolonialmächte auf sich geladen hatten. Er gründete Lambarene. Und hier setzt der Film „Albert Schweitzer. Ein Leben für Afrika“ ein. Schweitzer ist mit Helene in den Vereinigten Staaten auf Spendersuche für das sich einzig aus Spenden finanzierende Krankenhaus. In der Zeit des Kalten Krieges sieht er sich dort, als Atomgegner, immer mehrenden Feindseligkeiten ausgesetzt, die bald auch die Existenz von Lambarene bedrohen. Schweitzer ist vor die Entscheidung gestellt: Die Verantwortung für Lambarene oder die Verpflichtung gegenüber der Welt, diese vor einer der größten Gefahren zu warnen?
Der Film von Gavin Miller bleibt leider an einigen Stellen zu oberflächlich. Miller gibt viele Informationen und versucht einen Rundumschlag über das Bemühen Schweitzers für Lambarene darzubieten, wobei er häufig nur an der Oberfläche kratzt. Auch die Personen bleiben häufig auf der Strecke. Aber vielleicht liegt hier auch gerade die Botschaft des Films. Auch Schweitzer wird vorgeworfen, dass er über die Liebe zu allen Menschen den einzelnen vergisst. Vielleicht ist dieser Film gerade deswegen gut, weil Miller diese Botschaft auch in dessen Umsetzung mit einfließen lässt. Ein Plus sind die Darsteller, die mit guter Schauspielkunst brillieren. Allen voran spielt Jeroen Krabbé den Schweitzer mit viel Einfühlungsvermögen. Ein weiterer Trumpf ist Armin Rohde in der Rolle des Albert Einstein. „Albert Schweitzer“ startet am 24. Dezember in den deutschen Kinos.
(Bernadette Ahmann)
THIS IS LOVE ist der erste Kinofilm von Regisseur und Autor Matthias Glasner seit seinem Berlinale-Beitrag „Der freie Wille“ (Silberner Bär 2006). Bildgewaltig und auf mehreren Zeitebenen erzählt Glasner von Menschen, die von der Liebe beschädigt sind - sie vermeiden wollen aber doch ohne sie nicht leben können. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen Corinna Harfouch und Jens Albinus („Dancer In The Dark“, „Idioten“). Zum glänzenden Ensemble gehören außerdem die Neuentdeckung Lisa Nguyen als Jenjira, Jürgen Vogel, der auch als Produzent fungiert, sowie Devid Striesow („So glücklich war ich noch nie“, „Yella“).
(üpm) Quelle: Lichtburg
DIE WÜSTENBLUME
Essen
Lichtburg
Deutschlandpremiere für den Film „Wüstenblume“ von Sherry Hormann (Regie und Drehbuch) und Peter Herrmann (Produzent) nach der Autobiografie von Waris Dirie
Die Story des afrikanischen Nomadenmädchens Waris Dirie, das aus dem tiefsten Afrika kommend, kometenhaft in die Glamourwelt international gefragter Topmodells aufsteigt, bewegte weltweit die Gemüter. Doch geht es der Autorin nicht nur um eine moderne Aschenputtelgeschichte, sie hat noch ein anderes Anliegen. Zum ersten Mal erfährt die Welt etwas über ein Thema, welches der westlichen Bevölkerung bisher verborgen geblieben war. Dirie informiert über Praktiken grausamer Beschneidungsrituale, die in vielen Ländern der Welt an Frauen verübt werden. Das archaische Ritual soll die „Reinheit der Frau“ garantieren und eine eigenständige weibliche Sexualität verhindern. Nicht nur in Afrika, sondern weltweit sind Frauen Opfer dieser grausamen Prozeduren. Die menschenverachtenden Praktiken wurzeln tief in der Barbarei patriarchaler Verhältnisse, Frauen werden dort als Besitz angesehen und sind fremdbestimmt. Seit gut 3000 Jahren wird die rituelle Beschneidung an Frauen begangen. Nach Schätzungen der UN sollen noch heute rund 6000 weibliche Personen täglich Opfer dieser Mißhandlungen werden. Die Öffentlichkeit reagierte schockiert auf Diries Enthüllungen. Das Buch wurde ein internationaler Bestseller und ein Kassenschlager mit über 11 Millionen verkauften Exemplaren.
Auch der Film beschäftigt sich mit der Thematik der Genitalverstümmelung. Dass es schwierig ist, eine Lebensgeschichte in ein Drehbuch zu verwandeln, ist allgemein bekannt. Drei Jahre dauerte es deshalb insgesamt, bis die endgültige Fassung der Wüstenblume vorlag. Mit großem Einfühlungsvermögen, Rückblenden und Zeitsprüngen nimmt Regisseurin Sherry Hormann im Film immer wieder Bezug auf das grausame Schicksal der jungen Somalierin. Diries Zeit in London rückt dabei ins Zentrum der Handlung, ihr Aufenthalt in Afrika wird eher marginal behandelt. Gedreht wurde zum Teil an Originalschauplätzen mit einem Ensemble bekannter Schauspieler, aber auch mit großartigen Laiendarstellern. In Deutschland, London, New York und um möglichst authentisch zu sein, auch in Djibouti. Das Filmen dort sei schwierig gewesen, berichtet Regisseurin Sherry Hormann. Selbst im 21 Jahrhundert sei man weitentfernt von westlicher Zivilisation. Es gäbe Stämme, die noch nie einen Weißen zu Gesicht bekommen hätten.
Die Handlung des Films ist schnell erzählt. Mutterseelenallein durchstreift Waris im Alter von 13 Jahren die Wüste, um der Verheiratung mit einem wesentlich älteren Mann zu entgehen. Bei der Familie ihrer Mutter findet sie für kurze Zeit Unterschlupf. Ihre Verwandten vermitteln ihr eine Stelle als Hausangestellte in der somalischen Botschaft in London. Jahrelang lebt sie dort wie eine Gefangene, das Haus darf sie nicht verlassen, ist abgeschirmt von der Außenwelt. Doch trotz widriger Lebensumstände gibt sie nicht auf, verliert nicht den Mut, behält ihren Stolz und ihre Würde. Als ihr die Abschiebung ins Heimatland droht, flieht sie. Hungrig und auf der Suche nach einem Obdach irrt sie durch London. Und sie hat Glück. In einem Warenhaus lernt sie die Verkäuferin Marilyn kennen und freundet sich mit ihr an. Sie findet Arbeit in einem Fastfood Restaurant und wird von dem bekannten Fotografen Donaldson entdeckt. Von nun an geht es bergauf. Dirie jettet rund um den Globus, die großen Modejournale reißen sich um sie. Ihr Leben ist zum Inbegriff eines modernen Märchens geworden. Als die Zeitschrift "Marie Claire" ein Interview über ihre unglaubliche Karriere veröffentlich will, weigert sie sich Auskunft zu geben. Stattdessen gesteht sie der Journalistin, Opfer einer grausamen Tat geworden zu sein. Als kleines Mädchen habe man ihre Genitalien verstümmelt und wieder zugenäht. Dieses Trauma begleite sie ein Leben lang. Die Welt müsse erfahren, welches Leid mit diesen archaischen Ritualen für Frauen verbunden sei. Von diesem Zeitpunkt an, kämpft Dirie unermüdlich gegen das grausame Verbrechen der Verstümmelung an Frauen. Selbst in der Uno hält sie ein mitreißendes Plädoyer
Der autobiographische Film lebt von seinen großartigen Darstellern, allen voran Liya Kebede, die eine unglaubliche Ausstrahlungskraft besitzt und von dem besonderen Blick der Regie auf die Protagonisten des Streifens. Trotz der schwierigen Thematik ist deshalb ein sehr unterhaltsam Film daraus geworden. Dirie zeigte sich höchst zufrieden mit dem Ergebnis. Der Film habe eine wichtige Funktion, er bewirke etwas in den Menschen und werde hilfreich sein im Kampf gegen die Beschneidung. Auch Hauptdarstellerin Liya Kebede glaubt das und sagte:“ Menschen, die den Film gesehen haben, sollten danach beides können, lachen und weinen, vor allen Dingen sollen sie aber eines spüren, den Drang etwas verändern zu müssen. “.
Das Publikum in der Lichtburg zeigte sich begeistert und applaudierte langanhaltend dem gesamten Ensemble. Für Waris Dirie, einer ungewöhnlich mutigen Frau, Autorin und schillernden Persönlichkeit, sowohl für die faszinierende Hauptdarstellerin Liya Kebede gab es stehende Ovationen. (Ha-K)
DIE KRUPPS - eine deutsche Familie
(Heino Ferch bei der Premiere)
Bei der Premiere waren anwesend:
Regisseur Carlo Rola, Drehbuchautor Christian Schnalke, die Darsteller Benjamin Sadler, Barbara Auer, Heino Ferch, Valerie Koch, Marie Zielcke, Theo Trebs, Nikolai Kinski und das Filmteam
Ein Fernsehfilm des ZDF
Der historische Fernsehfilm erzählt die Geschichte der Familie Krupp über mehrere Generationen. Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen der Alleinerbin Bertha Krupp und ihrem ältesten Sohn Alfried von Bohlen und Halbach.
Regie: Carlo Rola; mit Iris Berben, Heino Ferch, Barbara Auer, Benjamin Sadler
Als Alleinerbin des „Kanonenkönigs Fritz“ erlebt Bertha Krupp (1886-1957) als junges Mädchen die glanzvollen Zeiten, in denen die Firma Krupp unter Kaiser Wilhelm II. zur „Waffenschmiede des Deutschen Reichs“ wird. In der riesigen „Villa Hügel“, dem repräsentativen Wohnsitz der Familie Krupp in Essen, erzieht ihre Mutter Margarethe (1854-1931) Bertha und ihre jüngere Schwester Barbara nach einem preußischen Regelsystem, in dem wenig Platz für Emotionen ist. Umso mehr hängt Bertha an ihrem sanft auftretenden Vater Fritz. Als Gerüchte um ein Doppelleben ihres Mannes laut werden, bittet Margarethe den Kaiser um Hilfe - und wird daraufhin als „Hysterikerin“ vorübergehend in eine Nervenklinik eingewiesen. Erst nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes kehrt Margarethe nach Essen zurück. Die tragischen Ereignisse um ihre Eltern prägen die junge Bertha für immer. Sie lernt: Wer Krupp sein will, darf sich niemals gehen lassen - und sollte es vermeiden, politische Machthaber vor den Kopf zu stoßen. Vom Kaiser höchstpersönlich wird die „Thronfolgerin“ mit dem preußischen Diplomaten Gustav von Bohlen und Halbach verheiratet, mit dem sie sieben Kinder bekommt. Während Gustav den Namen und die Unternehmensführung von Krupp übernommen hat, zieht Bertha ihre Fäden im Hintergrund. Unerbittlich schwört sie ihren Ältesten Alfried (1907-1967) auf die ihr vertrauten Werte ein: „Krupp“ steht über allem, „Krupp“ bedeutet Ehre und Pflichtgefühl, Disziplin, Bescheidenheit und Gehorsam. Berthas Sohn soll einmal verwirklichen, was ihr selbst als Frau verwehrt geblieben ist. Der schüchterne Alfried jedoch fühlt sich von der Wucht des Kruppschen Vermächtnisses schier erdrückt. Als „Kronprinz“ des riesigen Konzerns und Patenkind von Wilhelm II. wächst er - weitgehend isoliert von seinen sechs jüngeren Geschwistern - in der Villa Hügel auf. Unter dem Regiment eines rigide disziplinierenden Vaters und der ehrgeizigen Mutter entwickelt sich der Junge zu einem verschlossenen Mann, der die Werte der Familie gründlich verinnerlicht hat und zeitlebens um seine Unabhängigkeit von ihnen kämpfen muss. Seine große Liebe Anneliese, hält ihrer Ablehnung auf Hügel nicht stand und Alfried verlässt sie schließlich; der gemeinsame Sohn Arndt wächst fernab von Essen auf. Währenddessen wird die Firma Krupp zum wichtigsten Waffenlieferanten des „Dritten Reichs“. Auf Hügel wehen Hakenkreuzflaggen, zwei von Berthas Söhnen fallen an der Front, ein dritter gerät in Kriegsgefangenschaft. Alfried übernimmt 1943 die Unternehmensleitung - und wird nach Kriegsende, als sein Vater Gustav bereits schwer krank ist, von den Alliierten zur Rechenschaft gezogen und als Kriegsverbrecher verurteilt. In den 50er Jahren jedoch wird er aus der Haft entlassen, erhält sein Vermögen zurück und beginnt gemeinsam mit seinem neuen Generalbevollmächtigten Beitz mit dem Wiederaufbau der Firma.
(üpm)
www.lichtburg-essen.de
"Krupp" eine deutsche Familie
Heike Makatsch bei der Premiere von "Hilde"
Vor der Lichtburg
HILDE IN DER LICHTBURG
Deutschlandpremiere
Hilde
Mittwoch, den 4. März um 20.00 Uhr in der Lichtburg
Zur Deutschlandpremiere des Films „Hilde“ werden der Regisseur umd die Hauptdarsteller in der Lichtburg zu Gast sein.
Hildegard Knef war Sünderin und Sängerin, Hollywoodstar und ein Hit am Broadway. Vom deutschen Publikum verehrt und verachtet, wurde ihre Autobiografie das erfolgreichste Buch der Nachkriegszeit. Ihre Konzerte sind Legende. Sie war eine deutsche Ikone. „Hilde“, der neue Film von Regisseur und Grimme-Preisträger Kai Wessel („Die Flucht“, „Leben wäre schön“, „Martha Jellneck“) erzählt von den dramatischen Höhepunkten im wechselvollen Leben eines Weltstars. „Hilde“ offenbart die große Persönlichkeit einer Frau mit all ihren Träumen, ihrer Stärke und ihren Verletzungen, ihrem Lebens- und Überlebenswillen. Von der Nachwuchsschauspielerin, die 1946 mit Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ zum Star wurde, über das Idol, das eine harmlose Nacktszene in Willi Forsts „Die Sünderin“ (1950) in Ungnade fallen lässt, vergingen in der Karriere von Hildegard Knef nur wenige Jahre. Verlässlich folgten den Höhepunkten die Tiefschläge, doch sie gab nicht auf. Neben Heike Makatsch als Hildegard Knef bietet „Hilde“ spannende Rollen für Deutschlands Schauspielelite wie Grimme-Preisträger Sylvester Groth („Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“), Monica Bleibtreu („Vier Minuten“), Hanns Zischler („München“), Michael Gwisdek („Good Bye, Lenin!“) und Johanna Gastdorf („Das Wunder von Bern“). Entdeckungen wie der junge britische Nachwuchsstar Dan Stevens, der vielseitige Theater- und Filmschauspieler Anian Zollner komplettieren das hochkarätige Ensemble.
(üpm)
Mittwoch, 4. März
Filmbeginn: 20.00 Uhr
Eintritt: 8 Euro
Kartenvorverkauf ab 16.02. in der Lichtburg
info@lichtburg-essen.de - www.lichtburg-essen.de
(Reservierte Karten müssen zwei Tage vor der Veranstaltung abgeholt werden)
DER VORLESER
Nachricht
NRW-Premiere
Mittwoch, den 25. Februar um 20.00 Uhr in der LICHTBURG
Zur NRW-Premiere des Films „Der Vorleser" werden Darsteller und Produzenten in der Lichtburg zu Gast sein.
Der 15-jährige Schüler Michael lernt auf seinem Nachhauseweg die 20 Jahre ältere Schaffnerin Hanna kennen, als sie sich um ihn, dem plötzlich übel wird, kümmert. Nach seiner Genesung besucht er
sie und es entwickelt sich eine ritualisierte erotische Beziehung: Vor dem Akt muss Michael ihr immer vorlesen. Eines Tages verschwindet Hanna spurlos und Michael begegnet ihr viele Jahre später
auf der Anklagebank wieder. Die Wahrheit über Hannas Vergangenheit tritt zu Tage: Sie muss sich als ehemalige KZ-Aufseherin verantworten und hat als Analphabetin die KZ-Insassen für ihre
literarischen Interessen benutzt. „Der Vorleser" von Regisseur Stephen Daldry („The Hours", „Billy Elliot - I will dance") und den Produzenten Scott Rudin („No Country for Old Men") und Harvey
Weinstein („Der Herr der Ringe - Die Gefährten") ist die Kinoadaption des erfolgreichen deutschen Romans mit internationaler Reichweite. Der Film brilliert mit der entsprechenden prominenten
Besetzung durch Kate Winslet und Ralph Fiennes. Ein Stoff, der sich mit der immer aktuellen Verarbeitung von Schuld und Vergebung beschäftigt und nicht zuletzt zur deutschen
Vergangenheitsbewältigung beiträgt.
"Der Vorleser" wurde bereits ausgezeichnet mit dem Golden Globe für Kate Winslet als Beste Nebendarstellerin und ist nominiert für fünf Oscars!
(üpm) Quelle: Lichtburg
Mittwoch, 25. Februar
Filmbeginn: 20.00 Uhr
Eintritt: 8 Euro
BUDDENBROOKS
Die Verfilmung der „Buddenbrooks“ stellt hohe Anforderungen an das künstlerische Vermögen des Regisseurs. Immerhin sind 756 Seiten „Literaturinhalt“ zu verarbeiten. Der erfahrene Mann Kenner „Heinrich Breloer“ wagte sich an diese Aufgabe. Sein Mehrteiler „Die Manns“, den er 2001 für das Fernsehen produzierte, war ein großer Erfolg.
Thomas Manns Roman „Buddenbrook“ gilt als Jahrhundertroman. Er wurde in über 40 Sprachen übersetzt, rund 6 Millionen Mal verkauft und bekam den Literatur-Nobelpreis. Die Frage scheint berechtigt, ist dieses Mammutwerk für einen Film geeignet?
Heinrich Breloer präsentiert die Familien Saga als ein opulentes Filmerlebnis in 151 Minuten mit schönen Kinobildern und perfekter Ausstattung. Die Epoche, in der die „Buddenbrooks“ agieren, kann man leicht nach empfinden. Dem ersten Teil des Buches schenkt Breloer keine Aufmerksamkeit, orientiert sich aber ansonsten an der Romanvorlage und lässt nur einige Nebenfiguren weg.
Die Handlung setzt ein mit Konsul Jean Buddenbrook, dem Patriarchen der Familie, gespielt von Armin Müller-Stahl, der das Familienunternehmen leitet. Seine Philosophie lautet: Geschäftliche Interessen besitzen Vorrang vor privatem Glück! Von seinen vier Kindern ist nur Thomas derjenige, der das Zeug hat, Firmenchef zu werden. Sohn Christian dagegen, exzentrisch und ein Hypochonder, führt das Leben eines Boheme und schockiert die Familie mit seinem unwürdigen Benehmen. Zur Tochter Toni, hat Jean Buddenbrook ein gutes Verhältnis, das hindert ihn aber nicht, sie zur Heirat mit dem ungeliebten Grünlich zu zwingen. Später wird dieser als Mitgiftjäger entlarvt. Tochter Klara stirbt nach der Heirat.
Der unaufhaltsame Verfall der Familie wird durch die Anlegung der Charaktere und ihrer Schicksalsschläge deutlich. Konsul Jean Buddenbrook stirbt plötzlich. Toni wird auch mit ihrem zweiten Ehemann „Permaneder“ nicht glücklich und zieht wieder ins Elternhaus. Der Streit zwischen den Brüdern Christian und Thomas eskaliert. Zu allem Übel erfüllt „Hanno“, der Langersehnte Stammhalter nicht die Erwartungen seines Vaters. Er taugt nicht zum Kaufmann, seine Talente liegen auf einem anderen Gebiet, in der Musik. Charakterlich ähnelt er mehr der Mutter als dem Vater.
Die Sorge um das Unternehmen, finanzielle Verluste und die Bedrohung durch den Erzrivalen Hagenström, der ständig größer und mächtiger wird, lasten nach dem Tod des Vaters immer schwerer auf Thomas Schultern.
Der Film zeigt die Vorgänge im Hause Buddenbrook in einer chronologischen Abfolge, die immer schneller dem Ende zustrebt, dem Untergang des Hauses Buddenbrook. Dramaturgische Höhepunkte gibt es keine. Die Protagonisten feiern, lieben, heiraten und sterben in rasantem Tempo.
Die Aneinanderreihung der Episoden führen zu einer Oberflächlichkeit, die es unmöglich macht, sich den Figuren zu nähern oder sich in sie hineinzuversetzen. Der Blick auf sie wird gestattet- aber mehr auch nicht. Keiner der Figuren wird Zeit gegeben sich zu entwickeln, mit keiner ist es möglich sich zu identifizieren. Nichts von dem, was den Roman so einmalig macht, wird in dem Film gezeigt. Beispielsweise wird nicht klar, wie die Figur des Thomas überhaupt zu begreifen ist und wieso er nach einer Zahnextraktion verstirbt. Hannos sensibler Charakter tritt nur unwesentlich in Erscheinung. Auch wird nicht deutlich, wann die Liaison zwischen Toni und ihrem zweiten Mann, Permaneder, begonnen hat.
Die schauspielerischen Leistungen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Nur Arnim Müller Stahl und August Diehl bilden da eine Ausnahme. Alle anderen Darsteller enttäuschen und können den brillanten Schauspielern der Buddenbrook-Verfilmung von 1959 nicht das Wasser reichen. Besonders bei Mark Waschke in der Schlüsselrolle des Thomas ist das auffallend. Es gelingt ihm nicht die Komplexität dieser Figur umzusetzen. Iris Berbens Spiel ist starr und matronenhaft, ihr wiederholtes „Wie beliebt“ wirkt eher lächerlich.
Auch Jessica Schwarz als Toni weiß die Tragik ihrer Rolle nicht überzeugend darzustellen.
Der Film punktet mit schönen Bildern und Glamour, wird aber Thomas Manns Jahrhundertroman nicht gerecht und bildet allenfalls eine Kulisse für das einmalige Werk. (U. Ha-K)