Film

TOP FIVE CINEMAXX

Woche:  2. 01. 2012 -

 

1. SHERLOCK HOLMES: SPIEL IM SCHATTEn

2. RUBBELDIEKATZ

3. MISSION: IMPOSSIBLE - PHANTOM PROTOKOLL

4. BLUTZBRÜDAZ

5. ALVIN UND DIE CHIPMUNKS 3: CHIPBRUC

 

Info:

Karten: www.cinemaxx.de

 

BUDDENBROOKS

Die Verfilmung der  „Buddenbrooks“  stellt hohe Anforderungen an das künstlerische Vermögen des Regisseurs. Immerhin sind 756 Seiten „Literaturinhalt“ zu verarbeiten. Der erfahrene Mann Kenner „Heinrich Breloer“ wagte sich an diese Aufgabe. Sein Mehrteiler „Die Manns“, den er 2001 für das Fernsehen produzierte, war ein großer Erfolg.

 

Thomas Manns Roman „Buddenbrook“ gilt als Jahrhundertroman. Er wurde in über 40 Sprachen übersetzt, rund 6 Millionen Mal verkauft und bekam den Literatur-Nobelpreis. Die Frage scheint berechtigt, ist dieses Mammutwerk für einen Film geeignet? 

Heinrich Breloer präsentiert die Familien Saga als ein opulentes Filmerlebnis in 151 Minuten mit schönen Kinobildern und perfekter Ausstattung. Die Epoche, in der die „Buddenbrooks“ agieren, kann man leicht nach empfinden. Dem ersten Teil des Buches schenkt Breloer keine Aufmerksamkeit, orientiert sich aber ansonsten an der Romanvorlage und lässt nur einige Nebenfiguren weg.

Die Handlung setzt ein mit Konsul Jean Buddenbrook, dem Patriarchen der Familie, gespielt von Armin Müller-Stahl, der das Familienunternehmen leitet. Seine Philosophie lautet: Geschäftliche Interessen besitzen Vorrang vor privatem Glück! Von seinen vier Kindern ist nur Thomas derjenige, der das Zeug hat, Firmenchef zu werden. Sohn Christian dagegen, exzentrisch und ein Hypochonder, führt das Leben eines Boheme und schockiert die Familie mit seinem unwürdigen Benehmen. Zur Tochter Toni, hat Jean Buddenbrook ein gutes Verhältnis, das hindert ihn aber nicht, sie zur Heirat mit dem ungeliebten Grünlich zu zwingen. Später wird dieser als Mitgiftjäger entlarvt. Tochter Klara stirbt nach der Heirat.

 

Der unaufhaltsame Verfall der Familie wird durch die Anlegung der Charaktere und ihrer Schicksalsschläge deutlich. Konsul Jean Buddenbrook stirbt plötzlich. Toni wird auch mit ihrem zweiten  Ehemann „Permaneder“ nicht glücklich und zieht wieder ins Elternhaus. Der Streit zwischen den Brüdern Christian und Thomas eskaliert. Zu allem Übel erfüllt „Hanno“, der Langersehnte Stammhalter nicht die Erwartungen seines Vaters. Er taugt nicht zum Kaufmann, seine Talente liegen auf einem anderen Gebiet, in der Musik. Charakterlich ähnelt er mehr der Mutter als dem Vater.

 

Die Sorge um das Unternehmen, finanzielle Verluste und die Bedrohung durch den Erzrivalen Hagenström, der ständig größer und mächtiger wird, lasten nach dem Tod des Vaters immer schwerer auf Thomas Schultern.

Der Film zeigt die Vorgänge im Hause Buddenbrook in einer chronologischen Abfolge, die immer schneller dem Ende zustrebt, dem Untergang des Hauses Buddenbrook. Dramaturgische Höhepunkte gibt es keine. Die Protagonisten feiern, lieben, heiraten und sterben in rasantem Tempo.

 

Die Aneinanderreihung der Episoden führen zu einer Oberflächlichkeit, die es unmöglich macht, sich den Figuren zu nähern oder sich in sie hineinzuversetzen. Der Blick auf sie wird gestattet- aber mehr auch nicht. Keiner der Figuren wird Zeit gegeben sich zu entwickeln, mit keiner ist es möglich sich zu identifizieren. Nichts von dem, was den Roman so einmalig macht, wird in dem Film gezeigt. Beispielsweise wird nicht klar, wie die Figur des Thomas überhaupt zu begreifen ist und wieso er nach einer Zahnextraktion verstirbt. Hannos sensibler Charakter tritt nur unwesentlich in Erscheinung. Auch wird nicht deutlich, wann die Liaison zwischen Toni und ihrem zweiten Mann, Permaneder, begonnen hat.

 

Die schauspielerischen Leistungen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Nur Arnim Müller Stahl und August Diehl bilden da eine Ausnahme. Alle anderen Darsteller enttäuschen und können den brillanten Schauspielern der Buddenbrook-Verfilmung von 1959 nicht das Wasser reichen. Besonders bei Mark Waschke in der Schlüsselrolle des Thomas ist das auffallend. Es gelingt ihm nicht die Komplexität dieser Figur umzusetzen. Iris Berbens Spiel ist starr und matronenhaft, ihr wiederholtes „Wie beliebt“ wirkt eher lächerlich.

Auch Jessica Schwarz als Toni weiß die Tragik ihrer Rolle nicht überzeugend darzustellen.

 

Der Film punktet mit schönen Bildern und Glamour, wird aber Thomas Manns Jahrhundertroman nicht gerecht und bildet allenfalls eine Kulisse für das einmalige Werk. (U. Ha-K)