„Wüstenblume“

Essen - Lichtburg

 

Deutschlandpremiere für den Film „Wüstenblume“ von Sherry Hormann (Regie und Drehbuch) und Peter Herrmann (Produzent) nach der Autobiografie von Waris Dirie

 

Die Story des afrikanischen Nomadenmädchens Waris Dirie, das aus dem tiefsten Afrika kommend, kometenhaft in die Glamourwelt international gefragter Topmodells aufsteigt, bewegte weltweit die Gemüter. Doch geht es der Autorin nicht nur um eine moderne Aschenputtelgeschichte, sie hat noch ein anderes Anliegen. Zum ersten Mal erfährt die Welt etwas über ein Thema, welches der westlichen Bevölkerung bisher verborgen geblieben war. Dirie informiert über Praktiken grausamer Beschneidungsrituale, die in vielen Ländern der Welt an Frauen verübt werden. Das archaische Ritual soll die „Reinheit der Frau“ garantieren und eine eigenständige weibliche Sexualität verhindern. Nicht nur in Afrika, sondern weltweit sind Frauen Opfer dieser grausamen Prozeduren. Die menschenverachtenden Praktiken wurzeln tief in der Barbarei patriarchaler Verhältnisse, Frauen werden dort als Besitz angesehen und sind fremdbestimmt. Seit gut 3000 Jahren wird die rituelle Beschneidung an Frauen begangen. Nach Schätzungen der UN sollen noch heute rund 6000 weibliche Personen täglich Opfer dieser Mißhandlungen werden. Die Öffentlichkeit reagierte schockiert auf Diries Enthüllungen. Das Buch wurde ein internationaler Bestseller und ein Kassenschlager mit über 11 Millionen verkauften Exemplaren.

 

Auch der Film beschäftigt sich mit der Thematik der Genitalverstümmelung. Dass es schwierig ist, eine Lebensgeschichte in ein Drehbuch zu verwandeln, ist allgemein bekannt. Drei Jahre dauerte es deshalb insgesamt, bis die endgültige Fassung der Wüstenblume vorlag. Mit großem Einfühlungsvermögen, Rückblenden und Zeitsprüngen nimmt Regisseurin Sherry Hormann im Film immer wieder Bezug auf das grausame Schicksal der jungen Somalierin. Diries Zeit in London rückt dabei ins Zentrum der Handlung, ihr Aufenthalt in Afrika wird eher marginal behandelt. Gedreht wurde zum Teil an Originalschauplätzen mit einem Ensemble bekannter Schauspieler, aber auch mit großartigen Laiendarstellern. In Deutschland, London, New York und um möglichst authentisch zu sein, auch in Djibouti. Das Filmen dort sei schwierig gewesen, berichtet Regisseurin Sherry Hormann. Selbst im 21 Jahrhundert sei man weitentfernt von westlicher Zivilisation. Es gäbe Stämme, die noch nie einen Weißen zu Gesicht bekommen hätten.

 

Die Handlung des Films ist schnell erzählt. Mutterseelenallein durchstreift Waris im Alter von 13 Jahren die Wüste, um der Verheiratung mit einem wesentlich älteren Mann zu entgehen. Bei der Familie ihrer Mutter findet sie für kurze Zeit Unterschlupf. Ihre Verwandten vermitteln ihr eine Stelle als Hausangestellte in der somalischen Botschaft in London. Jahrelang lebt sie dort wie eine Gefangene, das Haus darf sie nicht verlassen, ist abgeschirmt von der Außenwelt. Doch trotz widriger Lebensumstände gibt sie nicht auf, verliert nicht den Mut, behält ihren Stolz und ihre Würde. Als ihr die Abschiebung ins Heimatland droht, flieht sie. Hungrig und auf der Suche nach einem Obdach irrt sie durch London. Und sie hat Glück. In einem Warenhaus lernt sie die Verkäuferin Marilyn kennen und freundet sich mit ihr an. Sie findet Arbeit in einem Fastfood Restaurant und wird von dem bekannten Fotografen Donaldson entdeckt. Von nun an geht es bergauf. Dirie jettet rund um den Globus, die großen Modejournale reißen sich um sie. Ihr Leben ist zum Inbegriff eines modernen Märchens geworden. Als die Zeitschrift "Marie Claire" ein Interview über ihre unglaubliche Karriere veröffentlich will, weigert sie sich Auskunft zu geben. Stattdessen gesteht sie der Journalistin, Opfer einer grausamen Tat geworden zu sein. Als kleines Mädchen habe man ihre Genitalien verstümmelt und wieder zugenäht. Dieses Trauma begleite sie ein Leben lang. Die Welt müsse erfahren, welches Leid mit diesen archaischen Ritualen für Frauen verbunden sei. Von diesem Zeitpunkt an, kämpft Dirie unermüdlich gegen das grausame Verbrechen der Verstümmelung an Frauen. Selbst in der Uno hält sie ein mitreißendes Plädoyer

 

Der autobiographische Film lebt von seinen großartigen Darstellern, allen voran Liya Kebede, die eine unglaubliche Ausstrahlungskraft besitzt und von dem besonderen Blick der Regie auf die Protagonisten des Streifens. Trotz der schwierigen Thematik ist deshalb ein sehr unterhaltsam Film daraus geworden. Dirie zeigte sich höchst zufrieden mit dem Ergebnis. Der Film habe eine wichtige Funktion, er bewirke etwas in den Menschen und werde hilfreich sein im Kampf gegen die Beschneidung. Auch Hauptdarstellerin Liya Kebede glaubt das und sagte:“ Menschen, die den Film gesehen haben, sollten danach beides können, lachen und weinen, vor allen Dingen sollen sie aber eines spüren, den Drang etwas verändern zu müssen. “

 

Das Publikum in der Lichtburg zeigte sich begeistert und applaudierte begeistert dem gesamten Ensemble. Für Waris Dirie, einer ungewöhnlich mutigen Frau, Autorin und schillernden Persönlichkeit, sowohl für die faszinierende Hauptdarstellerin Liya Kebede gab es stehende Ovationen. (Ha-K)

www.lichtburg-essen.de

 

 

 

Die Krupps- eine deutsche Familie

Iris Berben als Bertha und Benjamin Sattler als Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Iris Berben als Bertha und Benjamin Sattler als Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Der historische Film erzählt die Geschichte der Familie Krupp über mehrere Generationen. Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen der Alleinerbin Bertha Krupp und ihrem ältesten Sohn Alfried von Bohlen und Halbach.

 

Regie: Carlo Rola; mit Iris Berben, Heino Ferch, Barbara Auer, Benjamin Sadler

 

Als Alleinerbin des „Kanonenkönigs Fritz“ erlebt Bertha Krupp (1886-1957) als junges Mädchen die glanzvollen Zeiten, in denen die Firma Krupp unter Kaiser Wilhelm II. zur „Waffenschmiede des Deutschen Reichs“ wird. In der riesigen „Villa Hügel“, dem repräsentativen Wohnsitz der Familie Krupp in Essen, erzieht ihre Mutter Margarethe (1854-1931) Bertha und ihre jüngere Schwester Barbara nach einem preußischen Regelsystem, in dem wenig Platz für Emotionen ist. Umso mehr hängt Bertha an ihrem sanft auftretenden Vater Fritz. Als Gerüchte um ein Doppelleben ihres Mannes laut werden, bittet Margarethe den Kaiser um Hilfe - und wird daraufhin als „Hysterikerin“ vorübergehend in eine Nervenklinik eingewiesen. Erst nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes kehrt Margarethe nach Essen zurück. Die tragischen Ereignisse um ihre Eltern prägen die junge Bertha für immer. Sie lernt: Wer Krupp sein will, darf sich niemals gehen lassen - und sollte es vermeiden, politische Machthaber vor den Kopf zu stoßen. Vom Kaiser höchstpersönlich wird die „Thronfolgerin“ mit dem preußischen Diplomaten Gustav von Bohlen und Halbach verheiratet, mit dem sie sieben Kinder bekommt. Während Gustav den Namen und die Unternehmensführung von Krupp übernommen hat, zieht Bertha ihre Fäden im Hintergrund. Unerbittlich schwört sie ihren Ältesten Alfried (1907-1967) auf die ihr vertrauten Werte ein: „Krupp“ steht über allem, „Krupp“ bedeutet Ehre und Pflichtgefühl, Disziplin, Bescheidenheit und Gehorsam. Berthas Sohn soll einmal verwirklichen, was ihr selbst als Frau verwehrt geblieben ist. Der schüchterne Alfried jedoch fühlt sich von der Wucht des Kruppschen Vermächtnisses schier erdrückt. Als „Kronprinz“ des riesigen Konzerns und Patenkind von Wilhelm II. wächst er - weitgehend isoliert von seinen sechs jüngeren Geschwistern - in der Villa Hügel auf. Unter dem Regiment eines rigide disziplinierenden Vaters und der ehrgeizigen Mutter entwickelt sich der Junge zu einem verschlossenen Mann, der die Werte der Familie gründlich verinnerlicht hat und zeitlebens um seine Unabhängigkeit von ihnen kämpfen muss. Seine große Liebe Anneliese, hält ihrer Ablehnung auf Hügel nicht stand und Alfried verlässt sie schließlich; der gemeinsame Sohn Arndt wächst fernab von Essen auf. Währenddessen wird die Firma Krupp zum wichtigsten Waffenlieferanten des „Dritten Reichs“. Auf Hügel wehen Hakenkreuzflaggen, zwei von Berthas Söhnen fallen an der Front, ein dritter gerät in Kriegsgefangenschaft. Alfried übernimmt 1943 die Unternehmensleitung - und wird nach Kriegsende, als sein Vater Gustav bereits schwer krank ist, von den Alliierten zur Rechenschaft gezogen und als Kriegsverbrecher verurteilt. In den 50er Jahren jedoch wird er aus der Haft entlassen, erhält sein Vermögen zurück und beginnt gemeinsam mit seinem neuen Generalbevollmächtigten Beitz mit dem Wiederaufbau der Firma.

 

(üpm)

 

www.lichtburg-essen.de