Münster
Günter Grass im Stattheater mit „Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung“.
24. 11. 10
Wahre Begeisterung und Liebe für die deutsche Sprache vermittelte Günter Grass seinem Publikum am 24. Oktober 2010 in Münster. Er las aus seinem neuen Buch Die Lesung wurde von den Städtischen Bühnen im Rahmen der neuen Reihe Literaturbegegnungen organsiert. Ursprünglich sollte die Veranstaltung am 2. Oktober stattfinden. Aufgrund einer Erkrankung des Autors musste der Termin allerdings verschoben werden.
Die Veranstaltung „Jürgen Manthey trifft Günter Grass“ bot dem Publikum neben der Lesung des Literaturnobelpreisträgers auch eine Diskussion zwischen dem literarischen Wegbegleiter, Lektor und Freund von Grass Jürgen Manthey und dem Autor selbst. Hier staunte Manthey über den Reichtum der Sprache in Grass neuem Werk und bemängelt gleichzeitig den Verlust dieses Reichtums in unserem täglichen Umgang mit Worten. Es ging hier auch um den politischen Günter Grass und die autobiographischen Elementen in seinem Roman.
„Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung“ spielt mit den Wörtern unserer Sprache. Alleine der Laut „ach“ wir mit unglaublich vielen Assoziationen verbunden, gleichzeitig werden alle mögliche Bedeutungen dieses Wortes beschrieben. Immer wieder kommen solche Wortassoziationen vor, so dass der Titel dem Inhalt durchaus gerecht wird.
Günther Grass verstand es durch seinen Vortrag das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Jeder Lesevortrag wurde mit begeistertem Applaus belohnt. Auch die Diskussion mit Jürgen Manthey wurde immer wieder durch begeisterten Applaus unterbrochen. Dieser Auftakt der Reihe Literaturbegegnungen lässt auf viele spannende Veranstaltungen hoffen.
Was Männer von Frauen wollen
Helmut Karasek im GOP in Münster
Eigentlich sollte sein Buch „Männerwelt“ heißen, aber davon konnte Hellmuth Karasek seinen Verlag nicht überzeugen. Auf der zehnten Soirée im GOP Münster am 13. September stellte er daher sein neues Buch unter dem Titel „Ihr tausendfaches Weh und Ach: Was Männer von Frauen wollen“ vor. Wer unter dem Titel ein weiteres Buch über die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau erwartet hatte, sollte glücklicherweise spätestens jetzt enttäuscht werden.
Die Kulisse stimmte und lud den Zuschauer zum gemütlichen Lauschen ein: Zwei Sessel, auf einem liegt ein Plüschhund, ein kleiner Tisch bedeckt mit Büchern und Zeitungen. Hellmuth Karasek gelingt es als charmanter Erzähler, den Zuschauer, in dieser Atmosphäre, in die Welt seines Buches und seiner Glosse hineinzuziehen und ein amüsiertes und aufmerksames Lauschen zu erzeugen. Auch kleine technische Probleme konnten so weder dem Zuschauer noch dem Autor die Stimmung vermiesen.
Karaseks Buch spielt in der Zeit der größten sexuellen Revolution der Menschen, wie er sagt. Es lässt den Leser in einige, auch amüsant-peinliche Erlebnisse des Autors blicken. Der Leser erfährt, weshalb der Referendar Karasek sich gegen der Lehrerberuf entschied, wie der Autor sich fühlte, als Billy Wilder ihm erzählte, dass er drei, vier Stunden Poker mit Marilyn Monroes Agenten spielte und den damals noch unbekannte Star unbeachtet zugucken ließ, und wie die Emanzipation die Gesellschaft seiner Meinung nach verändert hat. Dennoch ist das Buch nicht aus der Ich-Perspektive geschrieben. Durch das „er“ gelingt es Karasek, eine Distanz zu sich selbst aufzubauen, denn der Mensch verändert sich und der heutige Karasek hat nichts mehr mit dem der erzählten Geschichten zu tun.
Dass die vom Autor vorgelesenen Stellen das Publikum begeisterten und Lust auf mehr machten, zeigte sich spätestens am lang anhaltenden Applaus. (LA-S)
"MÄNNERSPIELZEUG"
Lesung mit Helge Jepsen
in der WOHNGEMEINSCHAFT in Essen
25.03.2010, 20:00 Uhr
Einen Auszug aus seiner „beinahe vollständigen Sammlung lebensnotwendiger Dinge" bot am Donnerstagabend Helge Jepsen. In der Wohngemeinschaft, einem Geschäft in Essen, gab der Rüttenscheider eine Kostprobe aus seinem Buch „Männerspielzeug". Von Automobil über Grillen und Uhr bis hin zur Zigarre verschafft das Buch einen Überblick über Sachen, die der Mann braucht. Dabei darf es natürlich nicht jede x-beliebige Uhr sein, die er sich um den Arm schnürt, denn der Mann ist ein Jäger und er macht sich auf die Pirsch nach genau dieser Uhr, nach genau diesem Auto, nach genau diesem Rasenmäher. „Männerspielzeug" erklärt, enthüllt und verblüfft mit interessanten Details zur Jagd.
Eigentlich ist Jepsen Kommunikationsdesigner - die zahlreichen gelungenen Illustrationen im Buch unterstreichen dies. Doch auch schreiben kann der gebürtige Nordfriese. Mit einer Auswahl seiner Texte sorgte der gebürtige Nordfriese in der Wohngemeinschaft für einen unterhaltsamen Abend und brachte die Zuhörer in entspannter Wohnzimmeratmosphäre zum Schmunzeln, zum Lachen und machte Lust auf mehr. (B-AH)
"Männerspielzeug"
Cadeau-Verlag
ISBN: 978-3-455-38056-9
14,99
SLAM 2010
Kulturzentrum Grend
08.03.2010, 10:00 Uhr
Im Zuge der Kulturhauptstadt stellte das Team des Kulturzentrums Grend in Essen ihren Beitrag für 2010 vor: die deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam. Unterstützt wurden die
Organisatoren Johannes Brackmann (Geschäftsführer), Markus Meyer (Grend, Projektleiter des SLAM2010) und Sebastian Rabsahl von Aslı Sevindim (Künstlerische Direktorin von RUHR.2010) und Martin
Husmann (VRR, Projektsponsor). Zum ersten Mal ist die Ruhrmetropole Austragungsort der SLAM2010.
Poetry Slam bedeutet mit selbstgeschriebenen Texten ein Publikum in einer bestimmten Zeitspanne zu beeindrucken. Sieger wird derjenige, dem dieses am besten gelungen ist.
Geslamt wird 2010 u.a. in den fünf Ruhrstädten Bochum, Duisburg, Essen, Herne und Oberhausen. Mehr als 150 Poeten aus mehr als 80 europäischen Städten werden versuchen mit Wortakrobatik das
Publikum zu überzeugen. Auch Slammer aus nicht deutschsprachigen europäischen Ländern werden Gedichte in ihrer Muttersprache zum Besten geben. Das gesamte Jahr über werden Slam-Freunde auf ihre
Kosten kommen. Mit der RoadToSLAM2010 soll es mindestens einen öffentlichen Auftritt pro Monat geben, so Markus Meyer. Beginn ist der 12. März. Aslı Sevindim freut sich schon auf den Zeitpunkt,
an dem sie morgens im Zug sitzt, nicht ganz so ausgeschlafen, und jemand vor ihr ein Gedicht aufsagt. Und darauf darf sich wohl jeder Kulturhauptstädter freuen.
Außerdem wird es Workshops für junge Slammer geben. Vor allem den unter Zwanzigjährigen soll dies den Einstieg in die Slam-Szene ermöglichen. „Nachwuchs kann die Szene immer gebrauchen" sagt
Projektleiter Sebastian Rabsahl.
Der eigentliche SLAM2010 ist dann im November vom 10. bis zum 13. Wer zum Finale möchte, sollte den Weg zur Jahrhunderthalle in Bochum kennen und wer weiß, vielleicht trifft er im Zug dorthin
noch auf den einen oder anderen Slammer.
Als Kostprobe gab's an diesem Morgen Live-Slam mit Jonas Jahn und Frank Klöttgen und das machte Lust auf mehr.
Tickets für die Veranstaltungen gibt es unter
FRANK WEDEKIND
Anatol Regnier singt und liest Texte von Frank Wedekind
Wann: 13.11. um 19:30 Uhr
Wo: Eventkirche
Langenberg
Ein Wedekind-Abend mit Lesung und Musik
Frank Wedekind
Lesung und Lieder zur Gitarre mit Anatol Regnier
Der Autor Anatol Regnier ist der Sohn von Pamela Wedekind und Charles Regnier. Anatol Regnier begann seine Laufbahn als klassischer Gitarrist. Mit seiner Familienbiographie über seine Großmutter Tilly Wedekind und ihre beiden Töchter Pamela und Kadidja begeisterte er ein großes Publikum.
Frank Wedekind (1864-1918) war nicht nur seinen Zeitgenossen ein Rätsel. Die Literaturwissenschaft tut sich schwer mit ihm und sieht ihn irgendwo zwischen Verklemmung und sexueller Obsession. Sein Enkel Anatol Regnier öffnet nun einen neuen Blick auf diesen zutiefst widersprüchlichen Menschen
ROSE AUSLÄNDER
„Deiner Stimme Schatten“
Zum zwanzigsten Todestag von Rose Ausländer
17. Februar 2008
Grillo Theater Essen
Leben und Werk von Rose Ausländer (1901-1988), eine der bedeutensten Lyrikerinnen dieses Jahrhunderts, stellte Helmut Braun im Cafe Central im Grillo Theater in Essen vor. Braun lernte die Dichterin 1975 kennen und wurde ihr langjähriger Vertrauter, Herausgeber ihres Gesamtwerkes, sowie Verleger und Verwalter des literarischen Nachlasses. Ein aufmerksames Publikum verfolgte seinen interessanten Vortrag über die fruchtbare Zusammenarbeit mit der berühmten Lyrikerin. Die beiden Schauspielerinnen, Sabine Osthoff und Katharina Heuser, trugen Gedichte von Rose Ausländer vor und Katharina Desemo begleitete die Veranstaltung am Cello.
Braun schilderte viele Details aus dem Leben Rose Ausländers. Dabei erwähnte er auch das anfängliche Misstrauen der Dichterin ihm gegenüber und ihre recht eigenwillige Persönlichkeit. Es sei ihm aber relativ schnell gelungen ihr Vertrauen zugewinnen. Immerhin entwickelte sich aus ihrem Zusammentreffen eine Freundschaft, die bis zum Tode Rose Ausländers im Januar 1988 anhielt. Sie empfing ihn wöchentlich, jeden Freitag um 18:45, genau zu dem Zeitpunkt, wenn der Rabbiner das Nelly Sachs Haus
in Düsseldorf besuchte. Es war ein Affront, denn der Rabbiner kam ins Heim um den Sabbat einzuleiten und die anderen Insassen des Heimes nahmen daran teil.
Braun zeichnete Lebenslinien und Lebensbrüche der Dichterin nach und erinnerte an ihre Herkunft. Geboren wurde sie in Czernowitz, im früheren österreichischen Kronland Bukowina. Heute gehört die Stadt zur Ukrainischen Republik. Sie wuchs in einem weltoffenen und liberal geprägten jüdischen
Elternhaus auf. Ihre Eltern zählten zu der großen Gruppe von Juden, die sich assimiliert hatten. Sie pflegten die fast zweihundertjährige Sprach- und Literaturtradition und waren integriert in ein deutschsprachiges Kulturleben. Existenziell bestimmend für Rose Ausländer aufi ihrem Lebensweg fuhr Braun weiter fort, seien Emigrationen, Flucht, Ghetto, das Trauma der Shoa, Heimatverlust und Heimatsuche geworden.
Nachdem sie einige Jahre in New York gelebt hatte, sei sie Anfang der 50er Jahre nach Europa zurückgekehrt, da sie sich in Amerika nicht Zuhause gefühlt habe. Während ihres Aufenthaltes dort habe sie nur englischsprachig geschrieben.In ihrer Muttersprache zu schreiben, „Der Sprache der Mörder“ sei ihr lange Zeit nicht möglich gewesen. Erst ab 1956 schrieb sie wieder Gedichte, Kurzprosa und gelegentlich auch Erzählungen in deutscher Sprache. Sie fand eine neue Heimat in Düsseldorf.
Immer stärker, so erzählte Braun, zog sie sich in die Isolation zurück, um sich nur noch ihrem Schreiben widmen zu können. Ab 1977 wurde sie bettlägerig, schrieb aber mit ungeheurer Disziplin und Kraftanstrengung weiter. Unerbittlich redigierte sie ihre Gedichte und überprüfte sie in sprachkritischer Hinsicht. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen und Preise.
Ihre über 2200 Gedichte und ein Nachlass von mehr als 20 000 Seiten (Manuskripte, Notizen, etc) gelten als ein Zeugnis dafür, dass Leben und Dichtkunst für Rose Ausländer eine unverwechselbare Einheit bildete. Von der ganz besonderen Sprachfärbung ihrer Gedichte konnten sich auch die Zuhörer
während der Veranstaltung ein Bild machen. Deutlich klangen in den vorgetragenen Gedichten Fremdheit und Exil, sowie das Unbeschreibbare von Ghetto und Shoa an. Als einzigartig kann der Bilderreichtum ihrer Lyrik bezeichnet werden. Bis zu ihrem Tode führte Rose Ausländer einen
lebendigen Dialog mit dem Wort. Auf den Kontakt mit Menschen verzichtete sie in ihren späteren Lebensjahren, bis auf wenige Ausnahmen.
Informativ Kritisch Unabhängig
