DAS SCHWARZE SCHAF
Das Schwarze Schaf
Das Finale des Niederrheinischen Kabarettpreises 2010 am 24. April im Duisburger Theater am Marientor
Wann hat man schon mal die Möglichkeit, sechs Kabarettisten live an einem Abend zu sehen? Beim Finale des Niederrheinisches Kabarettpreises „Das Schwarze Schaf", der 1999 von Hanns Dieter Hüsch ins Leben gerufen wurde. Der „Meister des Wortkabaretts" ist für viele ein Vorbild, so auch für Harald Schmidt, der als Hauptjuror der Jury an diesem Abend anwesend ist.
Im wunderbaren Theater am Marientor, das mit seinen 1.400 Plätzen nahezu ausverkauft ist, bieten die sechs Finalisten einen Ausschnitt aus ihrem Programm. Es ins Finale geschafft zu haben, ist allein schon eine Auszeichnung: Von 60 Bewerbern durften sich 16 Künstler in den 8 Vorrunden in Wesel, Emmerich, Krefeld und Moers qualifizieren. Auffallend ist, dass alle ursprünglich aus Ost-Deutschland stammen. Darauf macht der Kabarettist Matthias Brodowy das Publikum aufmerksam. Der Preisträger von 1999 führt auf sympathische Weise durch den Abend. Und so wimmelt es von DDR-Witzen und von Honecker-Imitationen an diesem Abend, auch die NRW-Wahlen sind ein wiederkehrendes Thema. Aber wie sollte es auch anders sein beim politischen Kabarett?
Auch der erste Preisträger Nils Heinrich überzeugt die Jury sowie das Publikum, das erstmals beim Finale seine Stimme abgeben darf, mit seinen Anspielungen auf die Ex-DDR: "Die Mauer sollte eigentlich eine Autobahn werden, leider haben sie die dann hochkant gebaut. Honecker, der war gelernter Dachdecker, der hätte die DDR doch überdacht!" Mit Charme und Gitarre bringt er das Publikum gekonnt zum Lachen. Und wie Harald Schmidt in der Laudatio betont, erkennt man Talent sofort. Schließlich soll der Preisträger mit seinem Beruf auch Geld verdienen können. Über die Honecker-Parodien der anderen Teilnehmer meint er in seiner lakonischen Art: „Die Tatsache, dass er schon seit 20 Jahren tot ist, soll nicht abschrecken. Schließlich wohnt die Mehrheit der Deutschen auf dem Land, wo es keine Zeitung gibt. Die wollen sich auch mal wegschreien." In der Zugabe bringt Nils Heinrich einen lustigen Song über seine „Lactose-Intoleranz" zum Besten. Der mittlerweile in Stuttgart Lebende spielt damit auf die dortige Hip-Hop-Szene an. So fehlt es auch nicht an einer Break-Dance-Einlage. Damit beweist er sein Können und gibt der Entscheidung Recht, der erste Preisträger zu sein und die 6.000 Euro Preisgeld zu bekommen. Den zweiten Preis, datiert mit 4.000 Euro, bekommt Joachim Zawischa, der dritte Preis (2.000 Euro) geht an Michael Sens. Gefördert wird der Niederrheinische Kabarettpreis von der Stiftung Mercator.
www.dasschwarzeschaf.com
www.nilsheinrich.de
www.zawischa-live.de
www.michael-sens.de
www.stiftung-mercator.de
HERTHA MÜLLER IN DER LICHTBURG
Nobelpreisträgerin Herta Müller zu Gast in der Lichtburg
Sie sitzt da, ganz in schwarz gekleidet, so zerbrechlich, so bescheiden und doch- mit faszinierender Ausstrahlung
Nobelpreisträgerin Herta Müller ist in die Lichtburg gekommen und liest aus ihrem Roman „Atemschaukel."
Über 1000 Zuhörer waren gekommen. Die Lichtburg hatte eigens eine Hotline eingerichtet. Denn die Nachfrage nach Karten war riesengroß. Nicht alle Interessierten konnten berücksichtigt
werden.
Moderiert wurde der Abend von Schreibheft Herausgeber Norbert Wehr. Die Buchhandlung Proust in Essen hatte schon vor Bekanntgabe des Nobelpreises, Herta Müller zu einer Lesung ihres Buches
„Atemschaukel" eingeladen. Die Lesung sollte ursprünglich in der "Heldenbar" im Grillo Theater stattfinden. die dort zur Verfügung stehenden 80 Plätze hätten zum damaligen Zeitpunkt noch
ausgereicht. Zwischenzeitlich erhielt Herta Müller den Nobelpreis für Literatur. Wegen der großen Nachfrage sollte die Veranstaltung nun in der Lichtburg stattfinden. Leider musste der
Termin wegen ihrer Erkrankung verschoben werden. Die Organisatoren, die Buchhandlung Proust und das Schreibheft waren sehr glücklich, dass Herta Müller jetzt den neuen Termin wahrnehmen konnte.
Norbert Wehr befragte die Schriftstellerin über ihre Kindheit und Jugend und wollte wissen, was sie dazu bewogen habe, das Buch „Atemschaukel" zu schreiben.
Mit fester Stimme erzählte die Nobelpreisträgerin vom besonderen Verhältnis zu ihrer Mutter, die einige Jahre in einem Zwangsarbeiterlager verbracht hatte. Lebenslang sei sie davon geprägt
gewesen und auch auf ihre Kindheit und Jugend habe die Internierung der Mutter Auswirkungen gehabt. So habe sie sich als Kind oft sehr unwohl gefühlt, ein diffuses Gefühl des Unbehagens verspürt,
aber nicht gewusst, woher es rührte. Die Mutter habe die Mahlzeiten oft im Stehen verzehrt, sie sei hektisch gewesen, auch hätte sie ihre langen Zöpfe nicht abschneiden dürfen, obwohl die so dünn
wie Rattenschwänze gewesen wären. Die Mutter habe das Trauma des Kahlscherens nicht überwinden können. Sie sei auch immer viel zu dick angezogen gewesen und habe ständig geschwitzt, weil die
Mutter befürchtete, sie friere. Nachdem Herta Müller ein Kapitel aus der „Atemschaukel" vorgetragen hatte, ingesamt las sie drei, lenkte der Moderator die Sprache auf Oskar Pastior. Mit ihm hat
sie den Stoff für den Roman gesammelt, ihn besuchte sie eine Zeit lang jeden Montag. Er berichtete ihr von seiner Deportation und seinen Erlebnissen im Straflager. Ebenso wie ihre Mutter
hatte er ein paar Jahre in einem Lager verbracht. Dass Pastior eine große Rolle in ihrem Leben gespielt hat, merkt man recht deutlich. Immer wieder kommt sie auf ihn zu sprechen und betont, wie
sehr sie ihn vermisst. Bisweilen scheinen sich ihre Gedanken zu verlieren, wenn sie von ihm und von dem Lager berichtet, indem Pastior Insasse war und dass sie 2004 während einer gemeinsamen
Reise besucht haben. Sie hat dann sichtlich Mühe aus der Vergangenheit wieder in die Gegenwart zurückzufinden. Mit herzlichem Applaus wird Herta Müller verabschiedet (Ha-K)
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