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"DAS GESICHT IM SPIEGEL"

 

Premiere am 27.03.2010

Die deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf präsentiert „Das Gesicht im Spiegel" nach der Komposition von Jörg Widmann.

 

Selten war eine Oper so modern und ein Stoff so aktuell. Das Libretto des Gegenwartsdramatikers Roland Schimmelpfennig, dessen Stücke zu den zur Zeit am meisten gespielten gehören - zuletzt der „Elfte Gesang" im Rahmen der Odyssee Europa von Ruhr 2010 am Bochumer Schauspielhaus - unterstreicht, dass es sich hierbei um Musiktheater handelt. Der viel gefragte Düsseldorfer Konzeptkünstler Mischa Kuball wurde in die Licht-Raum-Konzeption miteinbezogen.

 

 Nicht zuletzt thematisiert die Oper, 2004 in München uraufgeführt und von der Fachzeitschrift „Opernwelt" zur wichtigsten Uraufführung 2003/2004 gewählt, ein aktuelles Thema: das Klonen von Menschen.

Die Handlung:

Ein Ehepaar, das einander verloren hat, hat ausser der gemeinsamen Firma keine Gemeinsamkeiten mehr. Patrizia, die Frau, starrt nur noch auf den Bildschirm, um den Börsenkurs zu beobachten. „Immer den Blick auf die Grafik, die Kurve" heißt es da. Die Hektik und Kälte der Aktienwelt, vermag das Orchester sehr gut  musikalisch zu untermalen. Die Musik passt sich den hektischen, schnellen und intensiven Phasen und Momenten der Handlung stets optimal an. Das Büro hat das Ehepaar quasi mit nach Hause genommen, so klagt Patrizia „Bruno, mein Mann oder besser: nur noch mein Partner" verfolgt nur noch den Aktienkurs auf dem Bildschirm. Den Darstellern gelingt es die Kühle ihres Umgangs miteinander durchgehend überzeugend darzustellen, indem sie sich nicht ansehen. Als ihre Firma der „Verlierer des gestrigen Tages" ist, bleibt ihnen nur noch die Hoffnung auf ein neues Produkt: das Werk des Bioingenieurs Milton, ein Klon Patrizias. Die anfängliche Unbeholfenheit und Steifheit des Duplikats namens Justine wird gut dargestellt von Annett Fritsch. Wie ein Roboter bewegt sie sich in der für sie neuen Welt, in der sie ihr Gesicht nicht sehen darf. Alle Spiegel sollen verdeckt bleiben. Die Bühne ist hier mehr als einmal ein Hauptdarsteller. Ein großer Würfel, der zu Beginn der Szene noch das Publikum spiegelt, wird mit weißer Farbe überstrichen. Dieser Effekt überrascht den Zuschauer auch außerhalb der Aufführung, es handelt sich bei diesem Stück schließlich um ein Gesamtkunstwerk. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Die Moderne Kunst präsentiert sich durch eine Videoinstallation von Mischa Kuball, eine Videokamera spielt eine aufregende Rolle, wenn Patrizia sich filmt und ihre Aufnahmen übergroß an die Wand projiziert werden. Die Möglichkeiten der Bühnentechnik werden voll ausgeschöpft, wenn Wasser als Spiegel dient oder ein wankender Käfig die emotionale Gefangenheit des Ehepaares veranschaulicht.

 

Es ist eine moderne Inszenierung, die auch ein jüngeres Publikum anspricht, auf die Musik und das Bühnenkonzept muss man sich einlassen. Es lassen sich auch hier mythische Aspekte finden: Bruno verliebt sich in Justine, weil sie ihn an seine Frau Patrizia erinnert, wie sie einst war, und singt herzzerreißend entschuldigend: „Das konnte ich nicht wissen: dass sie so wird wie du es einmal warst...". Dabei erinnert er an Pygmalion. Dieser verliebte sich in eine von ihm geschaffene Frauenskulptur, die schließlich lebendig wurde. Brunos Flugzeugabsturz wirkt, als würde Ikarus sich wieder einmal selbst überschätzen. Die Frage „Wie weit darf der Mensch gehen?" wird in Düsseldorf neu gestellt.  Wenn es eine Antwort gibt, ist es vielleicht diese: Die Liebe folgt anderen Gesetzen als denen der Technik und selbst die Technik erliegt ihren Tücken. Homo Faber im 21. Jahrhundert als Musiktheater. Großer Beifall für alle Beteiligten, den insbesondere der Kinderchor verdient hat, der unter der Leitung von Justine Wanat eine grandiose Leistung erbringt. (A-D)

 

SIEGFRIED

(Oper von Richard Wagner)

Besuchte Aufführung: Aalto Theater, Essen, 19.10.2009

Premiere:16.10.09

Inszenierung: Anselm Weber

Musikalische Leitung: Stefan Soltesz

 

Es muss nicht immer Bayreuth sein

 

Der Ring der Nibelungen in Essen, ist das möglich? Ja, es ist möglich. Die guten und erfolgreichen Inszenierungen der einzelnen Teile des Ringes (2. Teil: Siegfried, inszeniert von Anselm Weber) beweisen es.

 Die Geschichte um Siegfried erinnert ein wenig an das Märchen der Gebr. Grimm "Von einem der auszog das Fürchten zu lernen". Siegfried ist ein junger Mann, stark und selbstgefällig, und lebt seit ca. 20 Jahren mit dem Zwerg Mime, seinem Ziehvater, in einer Höhle. Sein Leben ist bestimmt durch seine Freude an der Jagd. Er weiß nichts von seiner Herkunft und von der Schuld, die auf ihm lastet. Mime, der das Geheimnis kennt, hatte ihm auf Fragen immer nur ausweichend geantwortet Siegfried zerschlägt Mime, der ein erfahrener und begabter Schmied ist, jedes Schwert. Er kennt keine Furcht und will das Fürchten auch nicht lernen. Auch das Schwert Notung, das Mime für unzerstörbar hielt, fällt der Kraft Siegfrieds zum Opfer und Siegfried macht sich über Mime lustig.

Als Gott Wotan, Siegfried Großvater, in Gestalt eines Wanderers daher kommt erlaubt er Mime drei Fragen. Mime aber verspielt die Chance, Wotan die wesentlichen Fragen zu stellen, in dem er ihn nach den Bewohnern der Erde, des Himmels und der Tiefe fragt und muss von Wotan schließlich hören, dass nur wer das Fürchten nie erfuhr, Notung neu schmieden könne.

Damit ist Mime klar, dass nur der unerfahrene Siegfried das Schwert schmieden und den Drachen, der den Ring der Nibelungen bewacht, töten kann, den Ring, den Mime braucht, um die von ihm angestrebte Weltherrschaft zu erringen. Mime beschließt also, sich seines Ziehsohnes zu bedienen und ihn anschließend zu töten.

Siegfried schafft es tatsächlich, ein neues Schwert zu schmieden. Er zerkleinert die Bruchstücke des Schwertes Notung, schmilzt sie ein und schmiedet ein neues Schwert, um das sich Mime so lange vergeblich bemüht hatte. Aus Chaos ist etwas Neues entstanden.

Er tötet den Riesen Fafner, der in der Gestalt eines Drachen den Ring der Nibelungen bewacht und nimmt den Ring an sich. Durch einen Waldvogel erfährt Siegfried, der die Sprache der Vögel versteht, vom Plan Mimes, ihn aus Machtgier zu töten und tötet Mime.

Nun steht ihm die Welt offen.

Er hört von Brünnhilde, der Lieblingstochter Wotans, die Siegfried nach seiner Geburt gerettet hatte, als er der Rache Frickas, der Ehefrau Wotans zum Opfer fallen sollte. Er ist voller Begier, sie kennen zu lernen und sucht sie überall. Schließlich findet er sie auf einem Felsen schlafend. Er zerschneidet mit seinem Schwert den Panzer der sie umgibt, verliebt sich in sie, begehrt sie, bedrängt sie. Aber er hat ein Tabu verletzt. Sie weigert sich, sich ihm hinzugeben, obwohl auch sie ihn liebt. Nun hat Mime sein Ziel doch noch erreicht. Siegfried ist voller Furcht, die Liebe, die er gerade gefunden hat, zu verlieren. Sie ist ihm wichtiger als der Ring, dessen Bedeutung er nicht kennt. Die Weissagung: Nur wer der Minne Macht entsagt, kann den Ring der Weltherrschaft schmieden, dringt nicht zu ihm durch. Er setzt sich über alle Warnungen hinweg, steckt sich den Ring an den Finger und übergibt ihn später Brünnhilde. Und die Liebe scheint stärker zu sein. Ein großes strahlendes Leuchten hüllt beide ein und lässt Hoffnung zu.

 

Die von Anselm Weber inszenierte Geschichte um Siegfried ist eine Geschichte um Macht und Habgier mit einem Bühnenbild, dass die Folgen dieser Selbstsucht deutlich macht. Siegfried ist der Held eines bösen Märchens. Es gibt furchterregende magische Gestalten, Riesen, Zwerge, Drachen und Götter. Es geht um die Gier nach Macht und Gold, ja um die Weltherrschaft. Wie nahe die jahrtausendealten Mythen der Menschheitsgeschichte der Jetztzeit kommen, versucht das Ensemble des Aalto-Theaters unter der Leitung von Anselm Weber aufzuzeigen.

Unterstrichen wird dieser Versuch durch ein beeindruckendes Bühnenbild.

Es gibt keinen Wald sondern erkaltetes Gestein, das auf eine wie auch immer gefestigte "Ursuppe" zu Beginn der Menschheitsgeschichte zu verweisen scheint, aus der alles Leben hervorgegangen ist. Es symbolisiert eine Welt, die noch im Werden ist.

Plötzlich wird das Gestein lebendig. Ein riesiger Drache füllt die Bühne aus. Fafner, der den Ring bewacht, wird in ganzer Größe sichtbar und niemand kommt an ihm vorbei. Nachdem Siegfried den Drachen getötet und den Ring an sich genommen hat, wird es plötzlich hell. Ein Strahlen fällt auf den toten Drachen, dessen Körper sich in goldene Hügel verwandelt und die Erde ein goldener Schatz zu sein scheint. Dann wechselt plötzlich die Farbe. Alles wird grün und lässt Hoffnung auf eine lebensfreundliche Umwelt erwachen. Der Mensch aber scheint blind zu sein für die Möglichkeiten, die ihm die Welt bietet und beachtet die Schönheit der Natur nicht. Diese Blindheit und Ignoranz für die Veränderungen in der Umwelt haben einen deutlichen Gegenwarts- und Zukunftsbezug und zeigen, dass die Menschen sich nicht verändern, dass sie durch maßlose Selbstüberschätzung und Arroganz Schuld auf sich laden, wenn sie die Folgen ihres Handelns nicht sehen wollen. So fällt die Erde zum Ende des 2. Aktes wieder in ihren Urzustand zurück. In der Wiederholung scheint die Zukunft schon Vergangenheit zu sein.

Insgesamt war es ein gelungener Theaterabend, trotz eines etwas statischen Beginns mit einem zum Nachdenken anregenden Bühnenbild und großen Stimmen. Sollte man jemanden hervorheben, obwohl jeder in seinem Part großartige Leistungen vollbrachte. Ja, natürlich, Johnny von Hals als Siegfried, ein wunderbarer Tenor, der sich nach etwas schleppendem Start im 2. und 3. Akt noch steigerte, sowie Kirsi Tiihonen als Brünnhilde.

Nicht zu vergessen und immer wieder zu loben die Essener Philharmoniker, die mit einer glänzenden Wagner-Interpretation unter ihrem Dirigenten Stefan Soltesz aufwarteten.

Es gab verdienten Applaus, stehende Ovationen und immer wieder Bravo-Rufe.

Die vielen Gäste aus dem In- und Ausland bestätigten wieder einmal die große Zugkraft Wagners und des Aalto-Theaters.

EKla

Nächste Vorstellung: 8. November 2009

www.theater-essen.de

 

 

 

 

 

 

"OPER FÜR ALLE" IN DÜSSELDORF

Die festliche Eröffnungsgala  der Spielzeit der Deutschen Oper am Rhein  am 29. August in Düsseldorf mit Public Viewing auf dem Burgplatz war ein großer Erfolg. Das abwechslungsreiche Programm endete mit einem Feuerwerk und dem berühmten „Nessun-dorma“  der drei Tenöre Neil Shikoff, Peter Seiffert und Alfred Kim.  Der Querschnitt durch die Opernwelt  mit Ensemblemitgliedern des Hauses  und international  bekannten Solisten sorgte für viel  Furore beim Publikum.  Auch mit den beiden Entertainern,  Harald Schmidt und Eckhart von Hirschhausen hatten die Veranstalter das große Los gezogen. Mit viel Sachkompetenz und eben so vielen  flotten Sprüchen ergänzten die beiden sich ideal und verbreiteten allseits Heiterkeit und gute Stimmung. Insgesamt nahmen fast 10000 Menschen (im Opernhaus und auf dem Burgplatz) an der Gala teil.  Viele Besucher standen etliche Stunden dichtgedrängt in der Menge und folgten der Live-Übertragung  des Weltklasseprogramms. Die hochprofesionelle Technik, eine 70 qm große LED-Wand mit sieben Kameras und 80 Mikrofonen ermöglichte eine hervorragende Bild- und Klangqualität. Die Begeisterung für die klassische Musik war vielen Menschen spürbar anzumerken. Sie lauschten fasziniert den Klängen und reagierten höchst unwillig auf "Störenfriede", die sich mit und ohne Fahrrad einen Weg durch die Menschenmenge bahnten. „Oper für alle“, lautete das Motto dieses großartigen Abends. Der Auftakt ist geglückt, der Start in die neue Saison mit neuer Leitung  vielversprechend.

(Ha-K)

Harald Schmidt und Eckhart von Hirschhausen Harald Schmidt und Eckhart von Hirschhausen

Monteverdi Zyklus in der Rheinoper



Als erste der drei frühen Opern ist ab Samstag, dem 10. Januar, um 19.00 Uhr (!) „Die Heimkehr des Odysseus" im Opernhaus zu erleben
Claudio Monteverdis bekannteste Opern L'Orfeo, Il ritorno d'Ulisse in patria und L'incoronazione di Poppea markieren den Beginn der Operngeschichte vor rund 400 Jahren. Dass sie nicht zu reinen Museumsstücken verkommen sind, sondern heute noch jung und unverbraucht erscheinen könnte, zeigte sich vor wenigen Jahren an der Deutschen Oper am Rhein: In der Regie von Christof Loy - gerade wieder zum Regisseur des Jahres 2008 ernannt - entstand hier ein höchst lebendiger, viel beachteter Monteverdi-Zyklus, dem die Neue Düsseldorfer Hofmusik unter Christoph Spering und Andreas Stoehr zu einem musikalischen Elan verhalf, der genauso ansteckend wirkte wie vier Jahrhunderte zuvor.
Als Markstein der Intendanz von Prof. Tobias Richter darf der Monteverdi-Zyklus auch im Finale furioso, seiner letzten Spielzeit am Rhein, nicht fehlen. Am Samstag, dem 10. Januar um 19.00 Uhr erscheint zunächst Die Heimkehr des Odysseus (Il ritorno d'Ulisse in patria) auf dem Spielplan, Monteverdis musikalische Version der Odyssee von Homer. Ihr folgt ab 20. Februar L'Orfeo, sein erstes dramma per musica und die erste Oper überhaupt. Die Krönung der Poppea (L'incoronazione di Poppea) wird Christof Loy neu einstudieren und bis zur Wiederaufnahme am 7. März szenisch überarbeiten. Musikalischer Partner im Orchestergraben ist wiederum die Neue Düsseldorfer Hofmusik unter der Leitung von Andreas Stoehr.
Ein Sängerensemble, das schon in früheren Aufführungen „mit packend realistischen Figuren" (WAZ) begeisterte, erzählt am kommenden Samstag, dem 10. und Mittwoch, dem 14. Januar, von der Heimkehr des Odysseus: Zur vielköpfigen Personnage zählen Tassis Christoyannis als Ulisse, Marta Márquez als Penelope, Sylvia Hamvasi als Amore, Sami Luttinen als Nettuno und Tempo sowie Bruce Rankin als Giove. Der junge Tenor Michael Pflumm stellt sich als Telemaco und neues Ensemblemitglied vor.(üpm)

Die Vorstellungen beginnen um 19.00 Uhr.
Monteverdi-Zyklus - alle Aufführungen im Düsseldorfer Opernhaus:
Die Heimkehr des Odysseus (Il ritorno d'Ulisse in patria): 10.1. I 14.1. I 18.6. I jeweils 19 Uhr
L'Orfeo: 20.2. I 25.2. I 7.6. I jeweils 19.30 Uhr
Die Krönung der Poppea (L'incoronazione di Poppea): 27.3. I 29.3. I1.4. I 3.4. I 19.6. I jeweils 19 Uhr
Karten und weitere Informationen: Opernshops Düsseldorf (Tel. 0211 / 89 25 211) und Duisburg (Tel. 0203 / 9 40 77 77) sowie online über www.rheinoper.de.

Dr. Johannes Bultmann wird neuer Intendant in Essen

Dr. Johannes Bultmann wird der neue Intendant der Philharmonie in Essen. Nach wochenlanger Suche ist man in Essen nun fündig geworden und hat sich für Johannes Bultmann, den langjährigen Direktor des künstlerischen Bereiches am Festspielhaus Baden entschieden. Bultmann gilt in Fachkreisen als erfahrener Musikmanager. In Essen hofft man nun, dass mit dem Antritt von Bultmann endlich wieder Ruhe einkehrt und die leidige Angelegenheit um die Entlassung Michael Kaufmanns ad acta gelegt werden kann. Zumal der Ex Intendant gestern abend den Aufhebungsvertrag unterzeichnet hat. Zuvor hatte Oberbürgermeister Reiniger noch eine Ehrenerklärung für Kaufmann abgegeben. Er würdigte dessen Verdienste um die Philharmonie und räumte Fehler bei der Entlassung von Kaufmann ein. Hochkarätige Sponsoren der zukünftigen Kulturhauptstadt 2010, darunter Bertold Beitz, der Vorsitzende der Krupp Stiftung  und Dr. Matthias Mitscherlich, der Vorsitzende des Vorstandes der MAN Ferrostaal AG und Gründer des Kuratoriums der Philharmonie Essen hatten sich in den vergangenen Wochen vehement für Kaufmann eingesetzt.