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LOHENGRIN

Lohengrin"
Romantische Oper in drei Akten
Musik und Dichtung von Richard Wagner
Uraufführung: 28. August 1850 am Hoftheater in Weimar
Dortmund: Neuinszenierung

Musikalische Leitung: Jac von Steen                                              

Regie: Christine Milietz

(14. März 2010)

 

Liebe ist nicht genug

 

Elsa von Brabant liebt den geheimnisvollen Ritter aus dem fernen Land. Seine Identität will er nicht preisgeben. Doch damit gibt sich Elsa nicht zufrieden. Von Neugierde geplagt, stellt sie ihm die alles entscheidende Frage nach seiner Herkunft und zerstört damit eine Utopie.


Christine Milietz inszenierte das Melodrama in Dortmund. Um die seelische Tragödie der beiden Hauptpersonen, Elsa und Lohengrin, darzustellen, hat Bühnenbildner Frank Fellmann unterschiedliche Räume mit beeindruckenden Bildern geschaffen. Die Bühnenbilder geben die düstere Atmosphäre der Handlung excellent wieder. Die impornierende Guernicawand und die grauschwarzen Kostüme der Personen sind Metaphern für existentielle Bedrohung, Angst und Schrecken. Permanent sich verschiebende Blöcke, in denen Gruppen der Brabanter Aufstellung nehmen, assoziieren Starrheit- und Ausweglosigkeit des Systems. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn die Brabanter als graue Masse im Kollektiv auftreten, marschieren, wenden und wie auf Kommando wieder verharren. Die Inszenierung zeigt, dem Einzelnen wird hier keine Bedeutung beigemessen. Dominierend ist das System, chancenlos derjenige, der sich ihm widersetzt. Und doch gibt es die Utopie auf ein besseres Leben, das Rad der Geschichte kann jederzeit neu erfunden werden. Alle Hoffnung richtet sich deshalb auf den Heilsbringer, in Gestalt des Schwanenritters. Er soll ein besseres Leben und die Erlösung realisieren. Der geheimnisvolle Ritter wiederum hofft auf die bedingunglose Liebe Elsas. Nur dann kann er in der Welt der Menschen bleiben.

Ein faszinierendes Bühnenbild transportiert den Erlösungsgedanken. Auf eine große Wand wird die Zeichnung des letzten Abendmahles projeziert. Richard Wagner hat sich Zeit seines Lebens mit der Erlöser Thematik beschäftigt. Dass der Schwanenritter kein Garant für irdisches Glück ist und die Erlösung von aussen nur ein Wahn ist, wird im Verlauf des Dramas deutlich.

 

Milietz gibt besonders Ortrud als Rivalin von Elsa eine unglaubliche starke Bühnenpräsenz. An der Seite von Telramund integriert sie,

kämpft um die Macht, will die Krone für ihren Gatten, ist stimmlich und darstellerisch in jeder Phase Elsa ebenbürtig. Obwohl es den Anschein hat, Elsa sei eine moderne, taffe Frau, trügt der Schein.  In Milietz Inszenierung ist Elsa eher unsicher, ängstlich und realitätsfern. Stimme und Gestik verraten ihre hochgradig emotionalen Stimmungen. Warum sie sich gerade in den Schwanenritter verliebt, bleibt ein Geheimnis. Denn anziehend wirkt der Muskelpaketstarke Held nicht gerade. In seinem silbrigglänzenden Anzug steckt er wie in einem Korsett und scheint eher für eine Cyber Welt geeignet zu sein. Doch vielleicht ist es gerade das, was die Inszenierung uns sagen will: auch er kann nicht aus seiner Haut heraus, ist wie Elsa, Ortrud und Telramund gefangen in seiner Welt.

 

Großartiges leisteten der Chor und die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Jac von Steen. Präzise arbeiteten sie die unterschiedlichen Klangfarben der Partitur heraus. Perfekt die Harmonie zwischen Orchester und Sängern, stets wird den Sänger der Vorrang gegeben. Charles Kim sprang für den erkrankten Marco Jentzsch ein, der die Partie des Lohengrin übernehmen sollte. Die Theaterleitung informierte vor der Aufführung, dass auch Kim stimmlich angeschlagen sei. Trotzdem meisterte er die Herausforderung mit Bravour. Susanne Schubert beeindruckte als Elsa, ist auch in den Spitzentönen fehlerlos. Szilvia Rálik ist eine stimmstarke Ortrud und faszinierte mit ihrem brillianten Mezzo. Mit großer Ausdruckskraft überrraschte Stephan Klemm als König Heinrich. Anton Keremidtden gelang es die Figur des Telramund in seiner Ambivalenz darzustellen. Allerdings wirkte er manchmal etwas blaß.

 

Großen Beifall gab es für das Ensemble, besonders Jac von Steen wurde mit Jubel überschüttet.

www.theaterdo.de

DAS SCHLOSS

Das Schloss

von Franz Kafka

Düsseldorf

Schauspielhaus

Premiere: 17. Oktober 2009

 

In einer kalten, stürmischen Winternacht kommt der Landvermesser K. in ein kleines Dorf und gibt an, auf das Schloss gerufen worden zu sein, wo man seine Dienste wünsche. Die Dorfbewohner reagieren mit Misstrauen und Ablehnung. Dennoch versucht K., zu dem Schloss zu gelangen. Immer wieder stellen sich ihm die Dorfbewohner und eine undurchschaubare und unlogische Bürokratie in den Weg. Letztlich scheitert K.s Vorhaben, es gelingt ihm nicht, zu dem Schloss durchzudringen.

Am Samstag, den 17. Oktober fand im Düsseldorfer Schauspielhaus die Premiere von „Das Schloss" in der Inszenierung von Alexander Müller-Elmau statt. Die Musik Gustav Mahlers wird von Thomas Hertel arrangiert, der das musikalische Ensemble auf drei Streicher, zwei Bläser, einen Gitarristen und ein Schlagwerk reduziert. So kommt es, dass sich dem Zuschauer ein buntes Treiben aus Musikern, Sängern und Schauspielern bietet, die auf der Bühne miteinander agieren. Im Wechsel wird gemeinsam gespielt, gesungen und erzählt. Komische Elemente lockern bisweilen die ernste, bedrohliche Thematik auf. Daniel Christensen als K. überzeugt genauso wie die weiteren Darsteller. Diese spielen fast alle mehrere Rollen, wodurch K.s Verwirrung widergespiegelt und zum Teil auf den Zuschauer übertragen wird. Dieser Umstand wird durch die „dicht besiedelte" Bühne weiter verstärkt. Einzelne Akteure an dieser Stelle hervorzuheben, würde den anderen Unrecht tun, denn sie musizieren, singen und spielen ausnahmslos hervorragend. Man merkt, dass alle Beteiligten miteinander harmonieren und Freude bei der Inszenierung des Stücks haben. Die Kombination von Musikern, Sängern und Schauspielern mag vielleicht ungewöhnlich sein, birgt allerdings für denjenigen, der sich darauf einlässt, ein bemerkenswertes Theatererlebnis. Auch das Premierenpublikum zeigte seine Begeisterung durch minutenlangen Beifall.

(Lisa Wettlaufer)

www.rheinoper.de

weitere Termine: 18.10., 24.10., 25.10., 28.10., 3.11., 4.11., 19.11., 20.11.

 

MOSES UND ARON

MOSES UND ARON, Ruhrtriennale

Am Samstag (22.08.09) gab es die erste große Premiere bei der Ruhrtriennale: Die Oper „Moses und Aron", von Arnold Schönberg. Inszeniert wurde sie von Willy Decker, zu sehen war sie in der Jahrhunderthalle in Bochum. Ein idealer Ort, wie sich zeigen sollte. Das Publikum bejubelte die Aufführung, die Kritiker überboten sich an Lob. Die Handlung beginnt im Zuschauerraum, nicht auf der Bühne. Diese, so sieht es zunächst aus, ist gar nicht vorhanden. Die Zuschauer nehmen auf zwei gegenüberliegenden ansteigenden Tribünen ihre Plätze ein. Wo befindet sich das Orchester? Suchend wird der Raum mit den Blicken abgetastet.tasten Plötzlich ertönt eine Stimme. Es ist Moses. Er sitzt inmitten der Menge. Und nicht nur Moses sitzt dort, auch die Stimmen anderer Chormitglieder tönen nun durch den Raum.Wenig später gleiten die Tribünen auseinander und wie von Zauberhand erscheint nun das Orchester auf der Bühne. Ein beeindruckender Auftakt zu einer aufregenden Auseinandersetzung mit einer der schwierigsten Opernwerke überhaupt. Von Schönberg vor gut siebzig Jahren komponiert, ist das göttliche Gesetz: „Du sollst dir kein Bildnis machen", eines der zentralen Elemente in der Oper. Ein anderes ist die Auseinandersetzung zwischen Moses und Aron, die in dem Tanz um das goldene Kalb ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

 

MOSES UND ARON - Arnold Schönberg.
Premiere am 20. März 2009
Arnold Schönbergs 1930 begonnenes Opernfragment spiegelt religiöse und weltanschauliche Grundfragen ebenso wie die ästhetische Revolutionierung der Musiksprache durch die Zwölftontechnik. Moses, der als Vertreter der Reinheit des Gedankens auftritt, verlangt vom Volk Israel blindes Vertrauen in den einzigen Gott. Als Moses vierzig Tage fern bleibt, um auf dem Berg der Offenbarung die Gesetze Gottes entgegenzunehmen, verliert sein Volk den Glauben an seine Botschaft und wendet sich den alten Götzen zu. Durch den Tanz um das goldene Kalb verwirkt es die Gnade der Auserwähltheit. Der zurückkehrende Moses zerbricht resigniert die göttlichen Gesetzestafeln.
„Moses und Aron" ist eine äußerst dramatische und bühnenwirksame Auseinandersetzung über menschliches Verhalten, über Lust und Verbot und über die Schwierigkeit, an eine sinnstiftende Wahrheit zu glauben.
Leitung: Chien, Nel, Aeschlimann, Willrett, Michalski
  Symphoniker (üpm) Quelle: Rheinoper

Info/Karten: www.rheinoper.de

Essen

Aalto Theater

Alexander Borodin
Fürst Igor

Oper in vier Akten
Premiere: 31.01.2009
Dichtung vom Komponisten


Der russische Komponist Alexander Borodin beschäftigte sich 18 Jahre lang mit „Fürst Igor“ und konnte die Oper zeitlebens dennoch nicht abschließen. Nach seinem Tod 1887 vollendeten Alexander Glasunow und Nikolai Rimskij-Korsakow das Werk und brachten es drei Jahre später in St. Petersburg zur Uraufführung. Der Stoff geht auf das „Igorlied“ zurück, ein aus dem 12. Jahrhundert stammendes russisches, von einem anonymen Dichter verfasstes Heldenpoem. Es erzählt von Igors Feldzug gegen das im Süden Russlands nomadisierende Turkvolk der Polowetzer, deren Lebensraum im heutigen Kasachstan und Usbekistan lag. Das Thema entsprach dem im 19. Jahrhundert aufblühenden künstlerischen Interesse an nationaler Geschichte und Selbstfindung. Die Idee zu dem Bühnenopus ging auf den Kunstkritiker und ästhetischen Mentor des „Mächtigen Häufleins“ Wladimir Stassow zurück, nach dessen Vorschlägen Borodin das Sujet zu einer mitreißenden Dramaturgie verdichtete. Diesem Grenzgang zwischen den Kulturen verlieh er zudem durch die zwischen westeuropäischen, russischen und fernöstlichen Musiktraditionen oszillierende Tonsprache eine eindringliche und kraftvolle Atmosphäre. Fürst Igor aus der altrussischen Stadt Putiwl gerät mit seinem Sohn Wladimir im Krieg gegen die Polowetzer in Gefangenschaft. Obwohl er das Friedensangebot des Khans Kontschak voller Stolz ausschlägt, zollt dieser ihm Respekt und lässt die Schönheiten des Landes zu seinen Ehren tanzen. Wladimir und Kontschaks Tochter Kontschakowna verlieben sich trotz der Feindschaft ihrer Völker heimlich ineinander. Währenddessen feiert Igors Schwager und Stellvertreter Galitzki hemmungslos Orgien in Putiwl und versucht die Macht an sich zu reißen. Igors Frau Jaroslawna stellt sich ihm in den Weg. Den Einfall der Polowetzer kann sie jedoch nicht mehr verhindern. Als Igor von der Zerstörung der Stadt hört, entschließt er sich zur Flucht, um die Heimat zu retten … In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln (üpm) Quelle: Aalto Theater

 

 

"Rusalka"

 

Premiere: 6.12.2008

Deutsche Oper am Rhein

 

Dvořáks lyrisches Märchen Rusalka hat Premiere in Düsseldorf
Musikalische Leitung: John Fiore I Inszenierung: Jiří Nekvasil Ausstattung: Daniel DvořákPremiere: In der Heimat des tschechischen Komponisten Antonin Dvořák wird das lyrische Märchen Rusalka seit seiner Uraufführung im Jahre 1901 innig verehrt. Die beiden tschechischen Künstler Jiři Nekvasil (Regie) und Daniel Dvořák (Bühne und Kostüme) zeigen nun in Düsseldorf, wie sie sich die an Andersen (Die kleine Seejungfrau) und Fouquets (Undine) angelehnte Märchenoper auf einer deutschen Opernbühne vorstellen. Chefdirigent John Fiore liegt Dvořáks Rusalka, die er schon 1993 und 1997 an der Metropolitan Opera in New York dirigierte, ganz besonders am Herzen. Unter seiner musikalischen Leitung hat die Neuproduktion am Samstag, dem 6. Dezember, um 19.30 Uhr Premiere im Düsseldorfer Opernhaus.
In einer stark von Richard Wagner beeinflussten, in Melodik und Rhythmik aber doch ganz eigenen Tonsprache erzählt Antonin Dvořák die Geschichte von der Wassernixe Rusalka, die sich in einen Prinzen verliebt und die Wasserwelt verlassen will. Der Preis ist hoch, denn die Hexe, die ihr menschliche Gestalt verleiht, nimmt nicht nur ihre Stimme, sondern verlangt auch, dass Rusalka ihren Prinzen tötet, sollte er ihr jemals untreu werden. Voller Vertrauen in die Kraft ihrer Liebe wagt Rusalka sich ins Menschenreich und erlebt eine große Enttäuschung: Der Prinz, von ihrer Schweigsamkeit irritiert, gibt dem Werben einer anderen nach. Tief getroffen zieht Rusalka sich zurück, und da sie sich weigert, den Geliebten zu töten, bleibt ihr die Heimkehr ins Wasserreich verwehrt. Der Prinz begibt sich schließlich auf die Suche nach der geheimnisvollen Schönen und findet sie als Irrlicht am Ufer des Sees. Einem Kuss, der seinen Tod bedeuten würde, widersetzt sie sich zunächst, doch der Prinz will die Versöhnung auch zu diesem hohen Preis.
Jiři Nekvasil und sein Ausstatter Daniel Dvořák setzen ganz auf die Symbolkraft des Opernmärchens. Mit einem anspielungsreichen Bühnenbild betonen sie die verschiedenen Ebenen und die Magie der mythisch-märchenhaften Geschichte.
In Nataliya Kovalova hat der Regisseur die Idealbesetzung für seine Rusalka gefunden. Hans-Peter König (Wassermann), Anke Krabbe, Lisa Griffith und Laura Nykänen (drei Elfen) repräsentieren die heile Wasserwelt, aus der sie stammt. Die Hexe Jezibaba (Renée Morloc) reicht ihr den Schlüssel zur ersehnten Menschenwelt, in der ihr Corby Welch (Prinz), Victoria Safronova (fremde Fürstin), Bruno Balmelli (Heger), Katarzyna Kuncio (Küchenjunge) und Heikki Kilpeläinen (Jäger) begegnen.
Vorstellungen im Düsseldorfer Opernhaus: Sa. 6.12.08 (Premiere) I Di. 9.12.08 I Sa. 13.12.08 I Di. 16.12.08 I Fr. 19.12.08 I Mo. 22.12.08 I Do. 25.12.08 I jeweils um 19.30 Uhr
Übernahme-Premiere im Theater Duisburg: So. 1.3.09 I 19.30 Uhr
Karten sind erhältlich in den Opernshops Düsseldorf (Tel. 0211 / 89 25 211) und Duisburg (Tel. 0203 / 9 40 77 77) und online über www.rheinoper.de. (üpm)