Aktuell Kritisch Unabhängig

PROSERPINA

»Gloriana«: Benjamin Brittens Krönungsoper am

29. Mai um 19.30 Uhr, Premiere im

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen


Als Gegenspielerin Maria Stuarts ist sie in die Geschichte eingegangen, Elisabeth I. Ihr Schicksal inspirierte Dichter , Filmschaffende und Opernkomponisten.

Gloriana, wurde 1953 während der Krönungsfeierlichkeiten Elisabeths II. in Covent Garden uraufgeführt. 

 

Premiere: 29. Mai 2010

Weitere Vorstellungen

06., 11., 17., 19., 27. Juni2010

Ein Monodrama nach Johann Wolfgang Goethe

Von Wolfgang Rihm

Premiere: 11. April 2010

Wuppertal: Opernhaus

Musikalische Leitung: Florian Frannek

Inszenierung: Hans Neuenfels

 

Die Uraufführung der Proserpina 2009 in Schwetzingen erregte beachtliches Aufsehen. Die Zeitung „Opernwelt" kürte das Werk zur interessantesten Aufführung des Jahres 2009. Wolfgang Rihm hat die Musik für den mythologischen Stoff komponiert, Hans Neuenfels inszenierte das Werk. Proserpina ist „jetzt" in Wuppertal angekommen. Das Monodrama feierte Premiere mit Elena Fink, einer Sängerin, die die Titelpartie bravourös meisterte.

 

Das Libretto greift zurück auf Goethes gleichnamiges Monodrama aus dem Jahr 1776. Im Drama geht es um den griechischen Mythos von Persephone, der von Hades geraubten, gegen ihren Willen in die Unterwelt gebrachten Frau. Persephone ist die Tochter Zeus und der Demeter, der Göttin des Getreides. Nach der Entführung Persephones durch Hades, den Herrscher der Unterwelt, sucht Demeter verzweifelt ihre Tochter. Sie bekommt sie schließlich zurück, allerdings nur für acht Monate im Jahr, die restliche Zeit muss Persephone in der Unterwelt verbringen. So sieht es der Kompromiss vor, den Demeter und Hades geschlossen haben. Nach der Mythologie ist es Sommer auf der Erde, wenn Persephone bei ihrer Mutter weilt,  kehrt sie zurück in die Unterwelt, ist es Winter, denn Demeter trauert um ihre Tochter.  Als Persephone in der Unterwelt in einen Granatapfel beißt, ist ihr Schicksal besiegelt. Sie wird für immer ins Totenreich verbannt.

 

Hans Neuenfels Inszenierung beginnt mit der Ankunft Proserpinas  (lat.) in der Unterwelt. Die Unterwelt wird auf der Bühne als ein kühler, ästhetischer Raum, der zeitlos wirkt, dargestellt. Düstere Gestalten, die Angst und Schrecken einjagen, sucht man bei Neuenfels vergebens. Die Parzen und Pluto, der Gott des Todes, der sich in Proserpina verliebt hat, werden als verführerische junge Männer präsentiert. Doch soll man sich nicht täuschen lassen. Die Bühne als nüchterner, steril wirkender Raum wird schnell zu einer  Stätte  existentieller Bedrohung, als dort ein gynäkologischer Stuhl aufgestellt wird, der an einen Folterstuhl erinnert. Hier kommt nun auch die Sexualität ins Spiel, die in der Inszenierung Neuenfels und seiner Deutung des Mythos eine gravierende Rolle spielt. Proserpinas Degradierung zur Sexsklavin wird demonstriert, als die Parzen ihr Spiel mit ihr treiben und sie von ihnen auf dem Stuhl gefesselt wird.  Die drei Parzen, die als szenische Gegenspieler in der Inszenierung fungieren, sind Objekte der eigenen Gedankenwelt Proserpinas, denn alles was passiert, vollzieht sich in ihrem  Inneren und in der Musik.

 

Während Goethe die Figur der Proserpina eher als schwache Persönlichkeit entwickelt  hat, ordnet Rihm ihr starke Charaktereigenschaften zu. Seine Protagonistin wehrt sich mit aller Kraft gegen ihr Schicksal. Ihre inneren Gedanken und Reflexionen werden durch ihre Stimme, ihre vehemente Klage, ihre Frage nach dem „Warum, warum gerade Ich," und durch die Musik, den Frauenchor und die Gestalten aus der Unterwelt artikuliert. In dem Monodrama  ist es nur Proserpina , der man eine Stimme verliehen hat, alle anderen Beteiligten, ausgenommen der Chor, bleiben stumm.

 

Die Musik unterstreicht mit einem differenziert ausgewählten Instrumentalensemble die psychologische Charakterstudie der Proserpina. Um alle Instrumente exakt heraushören zu können, bedarf es größter Konzentration seitens des Publikums. Denn die eigene Wahrnehmung wird vom Geschehen auf der Bühne und den Erklärungen durch das Laufband stark beansprucht.

 

Die tiefe Symbolwelt, die in dem Stück angesprochen wird, erfährt mit dem Biss in den Granatapfel einen absoluten Höhepunkt. Fraglos wird der Biss in den Apfel sowohl vom Komponisten, als auch von Neuenfels als sexuelle Metapher aufgefasst. Mit dem Apfelbiss entdeckt Proserpina ihre Sexualität.

 

Geistesgeschichtlich werden mit dem Apfelbiss Erinnerungen an Adam und Eva geweckt. Dennoch bestehen gravierende Unterschiede, Adam und Eva kannten die Konsequenzen ihrer Handlung, wussten um ihre Schuld. Proserpina kennt keine Schuld und keine Moral. Schuld und Sühne als Begriffe existieren nicht für sie.

 

Neuenfels prangert mit seiner Inszenierung gesellschaftliche Missstände an. Mit imposanten Bildern führt er Proserpina gleichsam als "Prototyp" aller unterdrückten und geschändeten Frauen seit der Antike vor. Die Protagonistin in Neuenfels Inszenierung ist aber nicht stumm leidend. Ebensowenig wie bei Rihms. Beider Blicke auf Proserpina konstituieren die Heldin als starke, aktive Persönlichkeit. Ihre Rebellion assoziiert den unbändigen Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung.

 

Damit scheint die Inszenierung deutlich machen zu wollen, jeder Mensch gehört nur sich selber und muss sich seiner Verantwortung bewusst werden. Was er aus seinem Leben macht, ist einzig und allein in seine Entscheidung gestellt. Der Protest der Proserpina fordert dazu auf, sich seines Verstandes zu bedienen um der eigenen Freiheit willen. Eine Geisteshaltung, die den  Einsatz der eigenen Vernunft als Lebensmaxime propagiert, scheint das besondere Anliegen der Inszenierung zu sein.

 

Elena Fink singt und spielt die Titelpartie mit einer ungeheuren Ausstrahlung und einer Bühnenpräsenz, die bis zum Schluss nichts von ihrer Faszination einbüßt. Der Frauenchor setzt zuverlässig die dramatische Verschärfung der inneren Konflikte der Proserpina um

 

Viel Beifall für das Orchester unter der Leitung von Florian Frannek und dem gesamten Ensemble.  (HA-K)

 

TRUE LOVE

Musicalstars in Concert - True Love: Die schönsten Liebeslieder des Musicals
Oberhausen
Freitag, 20.02.2010

Im Rahmen der Reihe „Musicalstars in Concert" traten Maya Hakvoort und Felix Martin am Freitag, den 20. Februar 2010 vor ausverkauftem Haus im Ebertbad in Oberhausen auf. Unter dem Titel „True Love: Die schönsten Liebeslieder des Musicals" gelang es den beiden Musicaldarstellern von der ersten Minute an, das Publikum in ihren Bann zu singen. Es bot sich eine harmonische Mischung von Liedern aus den bekanntesten Musicals, wie beispielsweise „Elisabeth", „Les Misérables", „Phantom der Oper" und Tanz der Vampire". Zwischendurch lockerten Hakvoort und Martin das Konzert durch Gespräche und persönliche Anekdoten auf, wobei sie auch ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellten. Die elegante Marina Kommissartchik begleitete das Konzert hervorrangend am Piano.
Dieser Abend war genau das Richtige für echte Kenner und Musicalfans. Es war nicht überraschend, dass es nach dem Konzert minutenlangen Applaus und Standing Ovations für Hakvoort und Martin gab, die es sich nicht nehmen ließen, mehrere Zugaben zu singen. Einziger Wermutstropfen bleibt die Tatsache, dass die beiden Musicaldarsteller die Chance ungenutzt ließen, einen Schritt über die Musicalgrenzen hinaus zu wagen und durch neue eigene Interpretationen dem Abend eine weniger musicallastige dafür mehr konzertartige Note zu geben.
(Li- W)

SIEGRIED

Am 10. Oktober hat am Aalto-Theater Richard Wagners „SIEGFRIED“ Premiere, „Zweiter Tag“ desBühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“. Schauspielintendant Anselm Weber inszeniert im
Bühnenbild von Raimund Bauer und Kostümen von Bettina J. Walter, GMD Stefan Soltesz dirigiert.
Die in Essen realisierte Idee, die vier Abende des „Rings“ von vier verschiedenen Regisseuren und Produktionsteams gestalten zu lassen (Tilman Knabe inszenierte bereits „Das Rheingold“, Dietrich Hilsdorf setzte „Die Walküre“ in Szene), gestattet es, die Vielzahl der möglichen Perspektiven auf das kolossale Werk zu verdeutlichen. Für Anselm Weber bedeutet das eine Akzentuierung der
märchenhaften Elemente. Er folgt Wagners Ideen von einer archetypischen Welt und versetzt uns in einen futuristisch-mythologischen Kosmos, in dem phantastische Kreaturen hausen.

Der goldene Ring der Weltherrschaft ist verflucht. Trotzdem wollen alle ihn besitzen.Der RieseFafner hat sich in einen Lindwurm verwandelt und erwartet schlafend seinen Drachentöter. Die Zwerge Alberich und Mime, verfeindete Brüder, setzen ihre Hoffnung in den unwissend
aufwachsenden Wotanenkel Siegfried. Und der ewig gierige, vertragsbrüchige Gott Wotan sucht Hilfe ausgerechnet bei Urmutter Erda, die er einst vergewaltigte. Doch seine mit ihr gezeugte
Lieblingstochter, die Walküre Brünnhilde, musste er selbst in einen von Feuer umschlossenen Schlafverbannen, weil sie ihm zuliebe das inzestuös gezeugte Kind Siegfried rettete. Ehe Brünnhilde von
Siegfried erweckt wird, erlebt das Publikum die erbarmungslosen Kämpfe der Machtbesessenen. (üpm)

 

Debussys „Pelléas und Melisande“ in Duisburg Übernahme-Premiere

Pellèas und Melisande Pellèas und Melisande

 

Übernahme-Premiere am Sonntag, dem 8. Februar, um 19.30 Uhr im Theater Duisburg

John Fiore dirigiert – Marta Márquez und Tassis Christoyannis in den Titelpartien

„Die Musik beginnt dort, wo die Sprache zum Ausdruck unfähig ist; die Musik wird für das Unaus­sprech­liche geschrieben.“ Als wollte er es beweisen, stellte Claude Debussy 1903 seine ganz dem Seelenempfinden nachlauschende Oper Pelleas und Melisande vor. In der Inszenierung von Christof Nel ist sie am Sonntag, dem 8. Februar um 19.30 Uhr erstmals im Theater Duisburg zu erleben.(üpm)

Info/Karten: www.rheinoper.de

 


PETER GRIMES

von Benjamin Britten

Oper in drei Akten und einem Vorspiel von Benjamin Britten

 

Am Samstag, den 24. Januar 2009 um 19.30 Uhr hat die Oper „Peter Grimes“ von Benjamin Britten Premiere.

Anna Melcher, Dramaturgin am MIR bezeichnet die Oper als das zentrale Stück der Spielzeit, da es eine einzigartige Verbindung zwischen Tradition und Moderne bildet. Zugleich ist „Peter Grimes“ für Orchester und Chor eine unglaubliche Herausforderung, da die Oper mit einer Dauer von 2 Stunden und 25 Minuten nicht nur sehr lang ist, sondern auch technisch alle Ressourcen fordert. In keiner anderen Oper hat das Orchester so viele Zwischenspiele und ist gleichsam ein Protagonist, da es genau umsetzt was passiert. Für den Dirigenten Rasmus Baumann ist „Peter Grimes“ eine seiner Lieblingsopern, vergleichbar mit dem „Figaro“ für das 20. Jahrhundert. 1945 geschrieben bildet auch die Musik eine Mischung aus Tradition und Moderne.

Inhaltlich handelt es sich um ein engagiertes Stück, in dem moderne Begriffe aus dem 20. Jahrhundert thematisiert werden, wie die der Opfer/Täterproblematik und der Frage von Schuld. Auch die Außenseiterproblematik spielt eine Rolle, Peter Grimes ist in dieser Inszenierung von Elisabeth Stöppler ein besessener, autistischer Arbeiter, der keine Hilfe anderer möchte. Der Fischer wird von den Dorfbewohnern angeklagt, einem Jungen auf See Gewalt angetan zu haben. Obwohl er freigesprochen wird, haftet ihm dieser Makel an. Britten gestaltet die Figur des Peter Grimes differenzierter als in der Vorlage von George Crabbe, der ihn als gewalttätigen Trinker betrachtete. Hier wird in den Szenen mit dem Kind eine liebevolle Zugewandtheit sichtbar. Gewalt kommt eher auf der psychischen Ebene zum Vorschein, weil er das Kind komplett überfordert, indem er es zu seinem Lebenspartner macht. Das Besondere an dieser Inszenierung ist, dass es eine filmische Ebene geben wird, die die musikalischen Zwischenspiele bebildern. Auch wird hier dem Element Wasser Raum gegeben, welches in dem Fischerdorf essentiell ist. Das Meer ist eine Naturgewalt, die gleichzeitig Arbeit bringt, aber auch zerstörerisch wirkt. Diese Kraft verdeutlicht den inneren Sturm des Peter Grimes. Das Bühnenbild wird durch die Videografie ergänzt, wodurch eine surreale Ebene entsteht. Die Akteure interagieren mit der Leinwand. Die berufliche Identität der insgesamt 70 Darsteller wird durch individuelle Kostüme verdeutlicht. Diese Informationen versprechen eine aufwendige Inszenierung, für die alle Beteiligten an ihre Grenzen gehen.

(Anna Dettmer)

 

Peter Grimes Peter Grimes
Peter Grimes Peter Grimes