Essen - Premieren - Grillo Theater
Januar 2010
PREMIERE/URAUFFÜHRUNG
Transit
nach dem Roman von Anna Seghers in einer Bearbeitung von Reto Finger
Im Jahre 1940 sind hunderttausende Menschen auf der Flucht. Ein junger Deutscher, der aus einem Konzentrationslager und einem Internierungslager entweichen konnte, trifft in Paris ein, wo er dem Schriftsteller Weidel einen Brief übergeben sollte. Aber Weidel hat sich das Leben genommen. Der junge Mann findet in dessen Unterlagen ein Einreisevisum für Mexiko. Er schlägt sich nach Marseille durch und kommt mit Hilfe der Familie Binnet zu Personalpapieren auf den Namen Seidler. Es gelingt ihm, die Behörde davon zu überzeugen, dass er der Visumsberechtigte ist. Nun fehlen ihm nur noch eine Ausreisebewilligung, ein Transitvisum und eine Bordkarte. Alles scheint gut zu gehen, bis der junge Mann auf Marie trifft, die Witwe von Weidel, und sich in sie verliebt. Doch Marie weiß nichts vom Tod ihres Mannes. Ein Versteckspiel beginnt.(üpm)
Mit ihrem Roman „Transit“ ist Anna Seghers 1944 ein wichtiges Stück Exilliteratur gelungen.
Inszenierung: Anselm Weber
Bühne: Patrick Bannwart
Kostüme: Meentje Nielsen
Dramaturgie: Reto Finger
Premiere: 21. Januar 2010, Casa
PREMIERE
Peer Gynt
von Henrik Ibsen
Peer Gynt, das ist die Geschichte von einem, der auszieht, um sich selbst zu finden. Eine Suche, die nie direkt, sondern immer nur auf Umwegen zum Ziel führt. Und so muss auch Peer erst mal weg: er wird Brauträuber und Einsiedler im Wald, Großkapitalist und Sklavenhändler, sucht als Guru metaphysische Tiefe und als Playboy die Erfüllung in allem Fleischlichen. Nur um dann festzustellen, dass das Glück nicht fern, sondern sehr nah liegt. Eine Erkenntnis, die sehr spät kommt. Vielleicht zu spät.
Roger Vontobel, der mit dem „Goldenen Vliess“ und der „Orestie“ am Schauspiel Essen bereits zwei große Weltentwürfe auf die Bühne des Grillo gebracht hat, inszeniert Ibsens Ich-Reise als einen Parforceritt durch den Kopf eines Menschen, der in seiner Phantasie ein Leben lang alles Fremde durchspielen muss, bevor er sich selbst wirklich nah kommen kann. (üpm=
Inszenierung: Roger Vontobel
Bühne: Claudia Rohner
Kostüme: Nadine Grellinger
Video: Immanuel Heidrich
Dramaturgie: Thomas Laue
Premiere: 22. Januar 2010,
Nachtgeschichte
LUTZ Hübner
Essen
Grillo Theater (15. 10. 09)
Weihnachten im August, die Zeit mal wieder die Familie zu treffen. Sommerweihnachten wird dieses Zusammentreffen der Familienmitglieder der „Nachtgeschichte“ eingängig genannt. Im neuen Stück von Lutz Hübner treffen mit den beiden Schwestern Rike und Jana, mit deren Töchtern Lea und Tanja und nicht zuletzt mit deren Mutter und Großmutter Marika sehr unterschiedliche Charaktere dreier Generationen aufeinander. In einem Sommerhaus am Meer kommen alte Konflikte an die Oberfläche und neue werden losgetreten. Als Notfallsanitäter versucht Sam, der Freund von Jana, zwischen den Familienangehörigen zu vermitteln.
„Nachtgeschichte“ thematisiert die offenen und verdeckten Probleme innerhalb einer Familie. Scheiternde Annäherungsversuche durchziehen das Stück. Mit der Zunahme des reellen Drecks in Form von Zigarettenasche, Kuchen und ausgeleerten Reisetaschen auf dem Brettern des Grillo-Theaters wird auch immer mehr der Dreck innerhalb der Familie, deren Streitigkeiten und Geheimnisse, bloßgelegt. Schlagfertige Dialoge durchbrechen stellenweise die Ernsthaftigkeit des Stückes, das durch ein aufwändiges Bühnenbild und gute Schauspieler überzeugt, allen voran brilliert Jutta Wachowiak in der Rolle der Großmutter.
(Bernadette Ahmann)
weitere Vorstellungen
Essen
Premieren in der Neuen saison
Grillo Theater
Romeo und Julia
von William Shakespeare
Sie leben schnell und gefährlich, lieben heftig und sterben jung. Ihre Liebe erfüllt sich in einer einzigen Nacht und wird durch den Tod unsterblich. Sie wird zum Mythos, zum Urbild der Liebe, der wohl größten Liebesgeschichte der Welt: Romeo und Julia.
Er ist ein Montague, sie eine Capulet. Ihre Familien sind bis aufs Blut verfeindet. Auf einer Party begegnen sie sich und sind wie von Blitz getroffen. Von da an geht alles rasend schnell: Sie heiraten heimlich, verbringen die Nacht miteinander, in einem Straßenkampf kommt Romeos bester Freund Mercutio ums Leben und Romeo wird selbst zum Mörder an Julias Vetter Tybalt, er muss fliehen und Julia inszeniert, um der Hochzeit mit Paris zu entgehen, den eigenen Tod. Nach nur vier Tagen, am Ende eines unaufhaltsamen Strudels des großen Gefühls und der Gewalt, gibt es fünf Tote und keine Hoffnung. Aber eine wunderschöne Geschichte: „Die ganz vorzügliche und höchst beklagenswerte Tragödie von Romeo und Julia“, wie der Originaltitel in der Ausgabe von 1599 lautete.
(üpm)
4 19. (P), 23. September, 1., 4. Oktober, Grillo
Info/Karten: www.theater-essen.de
Bochum
Schauspiel
ALICE
Premiere 1. Oktober 2009
Lewis Carroll
Lewis Carrolls surreale, traum-logische Geschichten und irrwitzige Figuren entführen auch den erwachsenen Leser in eine Wunderwelt, die alle Regeln und Gewissheiten auf den Kopf stellt und in der wir
uns selbst fremd werden. Sie sind befreiende Ausbruchsfantasie und verstörende Selbstbegegnung zugleich.
Die junge Regisseurin Anna Bergmann inszeniert Carrolls „Alice“-Geschichten mit Schauspielern und Puppen. (Üpm)
Quelle: Schauspiel Bochum
Regie Anna Bergmann
Uraufführung / Premiere
Nachtgeschichte
von Lutz Hübner
Sommerweihnachten. So nennt die Familie die jährlichen rituellen Zusammenkünfte. Man trifft sich – nicht unterm Weihnachtsbaum, sondern in einem Sommerhäuschen am Meer. Jedes Jahr begegnen sich Jana und Rike, zwei Schwestern mittleren Alters, mit ihren beiden Töchtern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und Marika, die Mutter und Großmutter, Familienoberhaupt und Grand Dame. Drei Generationen von Frauen sind es also, die der Autor Lutz Hübner in seinem neuen Stück zusammenbringt. Und das führt nicht nur zu sommerlicher Harmonie, sondern auch zu Streit und zur altbekannten Frage, wer hier eigentlich Mutter und wer Tochter ist. Diesen Sommer ist alles noch ein bisschen komplizierter, denn Marika erzählt eine Geschichte, mit der nicht nur ein altes Familienproblem, sondern das Trauma einer ganzen Generation auf den Familientisch kommt.
4 26. (P), 30. September, Grillo
Blick zurück im Zorn
von John Osborne
Jimmy Porter ist ein zorniger junger Mann. Er ist wütend auf eine begeisterungs- und gefühllos gewordene Welt, auf eine bürgerliche Wohlstandsgesellschaft, die sich ganz ins Private zurückgezogen hat, auf seine Frau Allison, auf ihren bürgerlichen Vater, auf die Politik egal ob rechts oder links, auf seinen besten Freund Cliff und vor allem auf sich selbst. Er ist befallen von einem Weltekel, in den er sich selbst, sein Selbstmitleid und seine Ohnmacht mit einschließt. Und doch ist Jimmys heilloser Hass geprägt von der unstillbaren Sehnsucht lebendig zu sein. Seine Ausbrüche sind Lebenselixier. Ziel von Jimmys zynischen Attacken ist seine Frau Alison. Ihr gemeinsames Leben in einer viel zu kleinen Mansarde wird zu einer gnadenlosen Beziehungshölle.
Sehr fein und mit großem psychologischem Gespür zeichnet Osborne nach, was zutiefst verzweifelte Menschen einander bei aller Liebe antun können. Mit der Uraufführung 1956 wurde der damals 26-jährige John Osborne über Nacht weltberühmt und zum Wortführer einer Generation, die sich, angelehnt an die Tiraden Jimmy Porters, „angry young men“ nannte. (üpm)
4 27. (P), 30. September, Grillo
"Weites Land" Arthur Schnitzler
Bochum
Schauspielhaus
Premiere: 19.03.09
Arthur Schnitzler hält der großbürgerlichen Wiener Gesellschaft einen Spiegel vor. Noch klammert sie sich an erstarrte Konventionen, die aber schon längst überholt sind. Im Mittelpunkt des Dramas steht die Entfremdung eines Ehepaars
Essen
Grillo Theater
Premiere: 18. Januar 2009
Arthur Miller
Tod eines Handlungsreisenden
Willy Loman ist ausgebrannt. Mit Ende 40 fliegt der Handelsvertreter aus der Kurve. Vom Juniorchef, unter Druck gesetzt, mit einer Provision statt Festvertrag abgespeist, befällt
ihn die Panik. Es kommt die Entlassung und die Erkenntnis, dass er auch von seiner Familie schon lange nichts mehr mitgekriegt hat.
Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ von 1949 ist heute, in einer Zeit, in der Arbeit und Würde eng miteinander verknüpft und dennoch Millionen ohne Job sind, erschreckend brisant. Arbeit
ist „Privatsache“ geworden. Wer sie verliert, hat persönlich versagt, ist abgeschnitten vom Lebensnerv. Was passiert, wenn zwar noch Arbeit, aber dafür keine Menschen mehr gebraucht werden? Und
wissen wir überhaupt noch etwas mit uns anzufangen ohne Arbeit? Diese und andere Fragen wirft Christopher Fricks Inszenierung von „Tod eines Handlungsreisenden“ auf.(üpm)
Essen
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