REISEBERICHTE
DEUTSCHLAND UND DIE WELT
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* TORBAY - "ENGLISCHE RIVIERA"
Bad Tölz
Bad Tölz – eine Stadterkundung der besonderen Art
von Rainer Schwirtzek
Die Kirche ist eher schlicht, lediglich die sieben barocken Altäre beeindrucken den Besucher. Die Stadtführerin Angelika Schmidt, die ich im Garten des ehemaligen Franziskanerklosters mit seinen über fünfzig Rosensorten in Bad Tölz treffe, erzählt mit so viel Begeisterung von dem Gotteshaus und seiner fast 400jährigen Geschichte, dass ich auf den Rest der Führung in der Kurstadt, in der mehr interessante Menschen als die alte Flößerstadt selbst im Mittelpunkt stehen sollen, wirklich gespannt bin.
Ich wundere mich schon etwas, dass mich Frau Schmidt mit einer großen Filmrolle unter dem Arm begrüßt und ahne es – der „Bulle von Tölz“ steht auf dem Programm. Klar, sie hat alle Stories von Kommissar Berghammer alias Ottfried Fischer mit seiner 100 % Mordaufklärungsrate abrufbereit, aber sie beeindruckt mich viel mehr mit der berührenden Geschichte von Gregor Dorfmeister, der unter dem Pseudonym Manfred Gregor Autor des teilweise autobiographischen Romans „Die Brücke“ ist. Den weltberühmten Film von Bernhard Wicki, der das Schicksal von sieben Jungen, von denen sechs in den letzten Kriegstagen bei der sinnlosen Verteidigung einer Brücke sterben, kennt fast jeder. Bereits im Vorwort des Buches wird klar, dass Dorfmeister, der noch heute in seiner Heimatstadt lebt und durch die für ihn so schrecklichen Ereignisse zum Pazifisten wurde, die Tölzer Isarbrücke beschreibt.
Das Bild der prächtigen Markstraße mit ihren herrlichen Lüftlmalereien an den Fassaden wurde maßgeblich durch den bedeutenden Münchener Architekturprofessor Gabriel von Seidl geprägt, der Anfang des 20. Jahrhunderts Bad Tölz sein unverwechselbares Aussehen gab. Auch das Kurhaus, das Neue Rathaus und das Hotel Kolbergarten entstanden nach den Plänen Seidls.
Meine charmante Stadtführerin schlägt eine Pause vor. Wir kehren über die Isarbrücke zurück zum Amortplatz. In der Confiserie „Rendezvous der Genüsse“ serviert uns Beate Rutz nicht nur den auf Rosenblättern drapierten „Mordscocktail“ – der Bulle von Tölz lässt grüßen, eine Mischung aus Prosecco und Rosenlikör, sondern auch noch eine Auswahl feinster Pralinen, die sie von den führenden europäischen Chocolatiers bezieht. Besonders stolz ist sie auf ihr Sortiment der edlen Grand-Cru Bonnat-Schokoladen aus Frankreich – da kann eine Tafel im Retro-Design schon mal an die zehn Euro kosten! Dafür ist der herrliche Blick auf die Kalvarienbergkirche und die idyllische Altstadt im Preis inkludiert!
Mein nächster Weg führt mich aus dem malerischen Ortskern hinaus an der Isar entlang zur Deutschlands Käsepäpstin Susanne Hofmann. Zugegeben, in einer umgebauten ehemaligen Autowerkstatt habe ich die weitgerühmte Affineurin nun wirklich nicht vermutet.
Hier in den verschieden temperierten Reifekammern des Tölzer Kasladens werden die Käserohlinge von der Kuh-, der Schafs- oder der Ziegenmilch in aufwändigen Verfahren handwerklich zu exquisitem Rohmilchkäse veredelt. Frau Hofmann kennt ihre kleinen Zulieferbetriebe aus vielen europäischen Regionen alle persönlich. Nur wer die strengen Qualitätsvorgaben der Käsemeisterin und ihres Bruders, mit dem sie zusammen das Geschäft betreibt, konsequent einhält darf liefern.
Verkauft werden die rund 100 Sorten Käse nicht nur in dem kleinen Laden am Münchener Viktualienmarkt und im Tölzer Stammgeschäft in der Rathausgasse, sondern vor allem die Spitzengastronomie wie das Adlon, das Tantris, der Bayerische Hof, das Grand Hotel Heiligendamm, die MS Europa vertraut auf die Spitzenprodukte der Familie Hofmann.
Hier, fast ganz oben im stillen Hochtal an der Südseite der mächtigen Benediktenwand steht seit Jahrhunderten im Ortsteil Berg der Langerbauerhof mit einer Hofkäserei. Bauer Josef Orterer erwartet mich schon und erzählt von seiner kleinen Käseproduktion.
Sein halbfester Schnittkäse, vom Tölzer Kasladen mit dem Reutberger Klosterbier affiniert, ist mittlerweile im Käferzelt des Münchener Oktoberfestes zu einem kulinarischen Renner geworden. Trotz seines Erfolges bleibt der junge Bauer mit seinen fünfzehn Milchkühen bescheiden. Für ihn ist die Käserei nur ein Nebenerwerb. Die traditionelle Holzwirtschaft und der Tourismus sind die wirtschaftliche Grundlage des bäuerlichen Betriebs. Auf die schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestehende Staffelalm, 1320 Meter hoch gelegen, ist Josef Orterer besonders stolz. Hier hat der Maler Franz Marc, der sich viele Sommer hier oben aufgehalten hat, Wände der Alm bemalt. Doch das ist eine ganz andere Geschichte.
Infos
zum Reisebericht Bad Tölz
Kontakt:
Tölzer Land Tourismus
Prof. - Max - Lange - Platz 1
83646 Bad Tölz
Telefon: 08041 505206
Fax: 08041 505375
info@toelzer-land.de
www.toelzer-land.de
Reisebericht: Eine musikalische Kurzreise durch das Tölzer Oberland - vom tiefen B zur Stub´nmusi.
„Achtung, es wird jetzt laut, sehr laut.“ Thomas Stadler warnt fairerweise seine Zuhörer bevor er die gewaltige B–Tuba anbläst. Der sympathische junge Tubist, Absolvent des Salzburger Mozarteums und Mitglied des Blechbläserquintetts esBRASSivo beherrscht sein 9 ½ Kilo schweres Instrument scheinbar mühelos. Der tiefe Ton der solo gespielten Tuba fasziniert mich sofort – Richard Strauss klingt auf einmal so anders als gewohnt.
Ich bin in Geretsried. Die erst 1950 gegründete Stadt zwischen Loisach und Isar nahe Wolfratshausen im Oberland gelegen hat nichts von der anheimelnden Gemütlichkeit, die man sonst von den bayerischen Kleinstädten kennt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort von Heimatvertriebenen besiedelt, die durch ihre vielfältigen landsmannsc haftlichen Bräuche das kulturelle Leben bis heute bereichern.
Auch die Musikinstrumenten-Manufaktur Melton stammt mit ihrer über 200jährigen Tradition ursprünglich aus dem Sudentenland; der handwerklich überaus begabte Anton Meinl führte ab 1947 das Unternehmen in der sechsten Generation in Geretsried fort.
Thomas Stadler
Von Geretsried nach Lenggries-Schlegldorf sind es nicht einmal 25 km. Gefühlt bin ich in einer anderen Welt – ein Dorfidyll mit gepflegten Bauernhäusern, üppigem Blumenschmuck an den Balkonen und malerischen Gärten lässt mich durchatmen. So kenne ich das Tölzer Land.
Der junge Zupfinstrumentenmachermeister Hubert Neumüller erwartet mich bereits mit seiner Frau Katharina, sie ist Geigenbauerin, und den zwei Kindern vor ihrem schmucken alten Bauernhaus.
Franz Reindl erklärt den Bau eines Blechblasinstrumentes
Der Zupfinstrumentenmachermeister Hubert Neumüller mit Familie
Die kleine Werkstatt riecht angenehm nach frischem Holz und Leim. Hubert Neumüller ist stolz auf seine edlen Tonhölzer, die er sorgsam lagert und in reiner Handarbeit in rund achtzig Stunden zu hochwertigen Akustikgitarren verschiedener Bauart verarbeitet, wobei jeder Arbeitsschritt sorgfältig dokumentiert wird.. Er erzählt, wie die Kombination verschiedener Hölzer an den Resonanzdecken, den Böden, Zargen und Hälsen den Klangcharakter der Gitarren verändert – so entstehen individuelle, auf den Kundenwunsch abgestimmte Instrumente. Die haben auch ihren Preis – rund 3.000 Euro verlangt Hubert Neumüller für seine Unikate.
Die Werkstatt von Katharina und Hubert Neumüller in Lengries-Schlegldorf
Eigentlich möchte ich das gastliche Haus gar nicht verlassen, aber ich habe für das Abendessen im nahegelegen “Schweizer Wirt“ einen Tisch reserviert. Barbara Hipp kocht selbst in ihrem gemütlichen historischen Gasthaus mit frischen Produkten aus der Region. Ich entscheide mich für ein Zanderfilet und werde nicht enttäuscht. Es ist echt lecker!
Die Kirche am Jasberger Hof bei Dietramszell
Wer eine urbayerische Bauernfamilie kennenlernen will, sollte den Jasberger Hof bei Dietramszell besuchen. Die nette Familie Eichner mit ihren fünf Kindern betreibt hier einen großen Bauernhof mit Laden, der an den Samstagen von 8:30 bis 12.00 Uhr geöffnet ist und fast alles bietet, was ein Städter von einem bäuerlichen Direktvermarkter erwartet. Von agrarindustrieller Produktion findet man keine Spur. Dafür läuft dem Besucher vom Kleintier bis zum Großvieh alles über den Weg, was man sich auf einem Bauernhof so vorstellt. Mich beeindruckt aber die Familie selbst am meisten. Vater Josef erzählt in seiner ausgeprägten bayerischen Mundart, zugegeben, da habe ich schon mal Schwierigkeiten mitzukommen, von Leben und Arbeiten auf dem Hof. Ich habe das Gefühl, das Wort Stress ist in seinem Dialekt nicht enthalten! Ehefrau Barbara, ihre Schwester Josefa und die fünfzehnjährige Tochter Katharina haben noch eine Überraschung für uns. In der kleinen Kirche, die sich auf dem Grundstück befindet, spielen sie in bester alpenländischer Tradition zur Stub´nmusi auf. Die auf zwei Hackbrettern und einer Gitarre entstehenden gefühlvollen, manchmal melancholisch wirkenden Melodien berühren den Zuhörer sofort. Schade, ich wäre auch hier gerne länger geblieben.
Familie Eichner vom Jasberger Hof
Die letzte Station meiner kleinen musikalischen Reise durch das Tölzer Land führt mich bei herrlichem Spätsommerwetter zum Herzogstand am Walchensee. Eine Bergmesse mit Bläserbegleitung und Böllerschießen erwartet mich
Walchensee vom Herzogenstand
Ich habe das Gefühl, ganz München hat sich aufgemacht, um den schönen Sonntag in der Natur zu genießen – entsprechend lang ist jedenfalls die Autoschlange. Die Auffahrt mit der Seilbahn zum Herzogstandhaus ist in wenigen Minuten erledigt und der Weg auf den Martinskopf strengt nicht allzu sehr an. Ein kleiner, blumengeschmückter Altar am Gipfelkreuz, eine vierköpfige Blaskapelle und die Gläubigen, vielfach in Tracht, bilden den Rahmen für die Messe.
In dem beeindruckenden Bergpanorama findet keine Folkloreveranstaltung für Touristen statt, sondern hier wird das religiöse Brauchtum durch die einheimische Bevölkerung sorgsam gepflegt. Die Blechbläser begleiten stimmungsvoll den Gottesdienst und der Böllerschütze erschreckt mit drei Schüssen zum richtigen Zeitpunkt die Gemeinde. Die Menschenmassen, die auf den gegenüberliegenden Herzogstand wandern, stören die ruhige Stimmung der Messe nicht.
Ich wandere zufrieden wieder zurück.
Bergmesse am Martinskopf
Infos:
Tölzer Land Tourismus
Prof.-Max-Lange-Platz 1
83646 Bad Tölz
Tel.: 08041/505206<
www.toelzer-land.de
www.esbrassivo.de
Wenzel Meinl GmbH
Musikinstrumentenmanufaktur
Seniweg 4
D-82538 Geredsried
Tel.: 08171/92187-0<
www.melton.de
Hubert Neumüller
Rieschenhöfe 6
D-83661 Lenggries
Tel.: 08042/974603<
www.gitarrenbau-lenggries.de
Gasthaus Schweizer Wirt
Schlegldorf 83
83661 Lenggries
Tel.: 08042/8902<
www.schweizer-wirt.de
Josef Eichner
Jasberg 1
83623 Dietramszell
Tel: 08024/2340<
jasberger-hofladen@t-online.de
BAYREUTH
Bayreuth -
Reisebericht von Rainer Schwirtzek
Zwischen Maserati und fränkischer Bratwurst
Bayreuth für alle
Wie immer seit neun Jahren: Post vom Bayreuther Festspielhügel. Das Erstaunen und die Freude sind groß, diesmal ist es nicht die übliche Absage mit dem Bestellformular für die nächste Spielzeit, sondern eine Zusage für die „Meistersinger“ am 2. August.
Wer, wie wir, die Natur liebt und die „Festspielpreise“ der Bayreuther
Hotels nicht besonders mag, sucht sich eine Übernachtungsalternative zur Stadt. Wir haben sie in dem familiär geführten „Landhaus Preißinger“ in Warmensteinach, herrlich ruhig im Fichtelgebirge mit einem schönen Weitblick auf den Ochsenkopf gelegen, gefunden. In gut zwanzig Minuten ist man in der Stadt.
Im Gegensatz zur Festspielstadt Salzburg mit ihren jährlich rund 1,8 Millionen Übernachtungsgästen, geht es im oberfränkischen Bayreuth auch während der fünfwöchigen Spielzeit angenehm ruhig zu.
Den Besucher beeindrucken vor allem die repräsentativen Bauten aus dem Rokoko: das Neue Schloss mit dem weitläufigen Hofgarten, die Friedrichstraße mit ihren einheitlich gestalteten Sandsteinbauten, die Eremitage vor den Toren der Stadt und vor allem das Markgräfliche Opernhaus.
Richard Wagner hatte ursprünglich vor, das prächtig ausgestattete Logentheater als Spielstätte für seine geplanten Opernfestspiele zu nutzen. Schnell wurde ihm klar, dass seine Vorstellungen für eine Bühne ausschließlich seiner Werke hier nicht zu realisieren war.
Er wollte ein schmuckloses Haus mit einem als Amphitheater angelegten Zuschauerraum und einem verdeckten Orchestergraben. Wagner hat seine Ideen auf dem Grünen Hügel verwirklicht. Der holzverkleidete Innenraum ohne Seitenlogen bietet seit der Eröffnung im Jahre 1876 fast 2000 Zuschauern Platz. Durch die überragende Akustik und den hölzernen Schalldeckel ergibt sich der einmalige „Bayreuther Mischklang“, der sich im gesamten Raum gleichmäßig verteilt. Da die Musiker nicht sichtbar sind, wird in der oftmals drückenden Augusthitze auch schon mal in kurzen Hosen musiziert. Der Dirigent zieht zum Schlussapplaus nur mal kurz den Frack an.
Der rote Teppich mitsamt der Kanzlerin, einer großen Wagner-Liebhaberin, und den übrigen Vip´s sind zwischenzeitlich verschwunden. Der Tross reiste wohl nach Salzburg weiter – Anna Netrebko wartete ja bereits.
Die Richard-Wagner-Festspiele sind doch etwas Besonderes. Wir erleben es schon gut zwei Stunden vor Beginn der Aufführung. Die in der Stadt logierenden Gäste schlendern bei hochsommerlichen Temperaturen in Smoking und elegantem Abendkleid den Hügel hinauf. Oder, und das ist wirklich einmalig, man wechselt die Garderobe einfach auf dem Parkplatz. Das zahlende Publikum vermischt sich am Festspielhaus mit den Zaungästen, die den röhrend vorfahrenden Maserati scheinbar genauso interessant finden wie die anwesenden Prominenten.
Festspielgäste, Bayreuth
Fünfzehn Minuten vor Beginn der Aufführung ertönt vom Balkon die dreimal Fanfare mit einem Motiv aus den Meistersingern.
Bayreuther Festspiele
Die glücklichen Kartenbesitzer nehmen auf den schmalen Sitzen Platz. Armlehnen und Polster fehlen. Das nun beginnende fünfstündige kollektive körperliche Leiden nimmt seinen Anfang. Wohl dem, der an ein Sitzkissen gedacht hat und einen schlanken Sitznachbarn hat. Ich hatte Glück: die elegante ältere Dame zu meiner Rechten läßt mir genug Raum zum Atmen. Das soll aber nicht den ganzen Abend so bleiben. Nach der zweiten Pause hat den Platz ein Bayreuther Bürger in Jeans eingenommen, der die Karte von der Dame, der die bisherigen zwei Akte wohl nicht zugesagt haben, geschenkt bekommen hat..
Der Saal verdunkelt sich vollkommen, es herrscht absolute Stille, als das Vorspiel in donnerndem C-Dur einsetzt und einen musikalisch überzeugendes und inszenatorisch fragwürdiges Opernerlebnis einleitet. Um es vorwegzunehmen – Katharina Wagner hat sich von ihrem Urgroßvater mit ihrem Hügel Debüt weitest möglichst entfernt: keine Katharinenkirche, keine Schusterstube und keine Festwiese. Die simple Butzenscheibennostalgie von Vater Wolfgang muss es heute ja wirklich nicht mehr sein, aber nur textferne Provokation als intellektuelles Verwirrspiel ist auch keine gelungene Interpretation der wagnerschen Grundidee, die archaischen mittelalterlichen Traditionen der Nürnberger Meistersingergesellschaft mit Walther von Stolzings neuer Gesangskunst zu verschränken.
Stolzing, von Klaus Florian Vogt mit seiner lyrisch-hellen, kräftigen Tenorstimme wunderbar interpretiert und nach dem Schlussvorhang mit viel Applaus bedacht, wandelt sich im Laufe der Inszenierung vom hyperaktiven Dreadlock-Hippie zum angepassten, korrumpierten Anzugträger, der zum Schluss sowohl den goldenen Preishirsch als auch den überdimensionierten Scheck ablehnt. Wieso Walther von Stolzing statt als Musiker eher als mit seinem weißen Farbeimer alles beklecksender Maler inszeniert wird, hat sich mir nicht erschlossen.
Als Gegenentwurf tritt Sixtus Beckmesser auf, der sich, zunächst pedantischer Oberbürokrat, seltsamerweise zum T-Shirt (Beck in town!) tragenden avantgardistischen Außenseiter verwandelt. Der jugendlich wirkende Bariton Adrian Eröd singt kraftvoll und gut verständlich –er wird zu Recht vom Publikum gefeiert.
Auch der Brite James Rutherfort erobert mit seiner weichen Baritonstimme das kritische Bayreuther Publikum. Leicht hat er es als Hans Sachs bei Katharina Wagner nicht, der als singender Schustermeister zunächst barfuß, rauchend und auf einer Schreibmaschine klimpernd, auftritt. Später, im langen dritten Aufzug, wird er zunächst in seiner schönen neuen Designerwelt von absurd karnevalesken Schwellköpfen, die deutsche Geistesgrößen, einschließlich Wagner selbst, darstellen, gefangen und orgiastisch umtanzt. In seiner Schlussansprache mit dem Lob auf die Meister läßt die Regisseurin Hans Sachs als faschistoid agierenden Parteitagsredner agieren.
Was bleibt von einer denkwürdigen Vorstellung außer der mit heftigen Buh- und wenigen Bravorufen bedachten Inszenierung? Bei geschlossenen Augen, vor allem im dritten Aufzug, ein musikalischer Genuss. Neben dem engagiert spielenden Festspielorchester unter Sebastian Weigle und den Gesangsprotagonisten brilliert der grandiose Chor, der leider zu häufig nur aus der Off zu hören ist.
Es ist schon ein besonderes Erlebnis auf dem Grünen Hügel – die elegante, aber nie elitär wirkende Atmosphäre, das sachkundige Publikum zwischen zwölf und neunzig Jahren und die traditionelle Pausenbratwurst, als Alternative zum Steigenberger Gourmet-Angebot im Restaurant, ist lecker; wie wohl immer, verköstigen sich nicht Wenige während der einstündigen Pausen mit einem selbstmitgebrachtem Imbiss auf dem Parkplatz. So ist es eben in Bayreuth.
Rainer Schwirtzek
Weitere Infos:
http://www.bayreuther-festspiele.de/
Literaturtipps:
Martin Gregor Dellin: Richard Wagner, Piper
Joachim Köhler: Der letzte der Titanen, Claassen
Brigitte Hamann: Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth, Piper
Jonathan Carr: Der Wagner Clan, Hoffmann und Campe
Oliver Hilmes: Herrin des Hügels. Das Leben der Cosima Wagner,Siedler
Oliver Hilmes: Cosimas Kinder, Siedler
Gestern, 14:22 von Schwirtzek
BULGARIEN
Reise in die Vergangenheit
Anreise: Flughafen Sofia (Individuell)
Reisedauer: 6 Tage ab Sofia (organisiert, durchgeführt mit
Kleinbus max. 12 Personen)
Start/Ende: Sofia
Übernachtung: Sofia 2x, Dobarsko 1x, Plovdiv 1x, VelikoTarnova 2x
Allgemeines
Den meisten Menschen ist nur der Sonnenstrand ein Begriff, wenn sie von Bulgarien hören. Wie interessant und reizvoll der Balkanstaat als Reiseland ist, darüber sind nur wenige Menschen informiert. Das Land kann auf eine wechselhafte Geschichte zurückblicken. Viele Kulturen haben hier ihre Spuren in Form von Baudenkmälern hinterlassen, insbesondere Klöster, Kirchen und antike Grabmale findet man in großer Zahl. Darüberhinaus bietet das Land herrliche Sandstrände, Gebirge mit schneebedeckten Bergen und eine üppige Vegetation.
Bulgarien ist im Verhältnis zu vielen anderen Ländern noch ein preiswertes Reiseland. Zwar haben vielerorts die Preise kräftig angezogen, doch in den verschlafenen Bergdörfern sind sie noch erstaunlich niedrig. In den größeren Städten gibt es moderne Einkaufsstraßen und überdachte Einkaufszentren, die ein Angebot internationaler Designer führen. Im Gegensatz dazu findet man aber auch noch viele Geschäfte, die ausschließlich einheimische Produkte verkaufen.
Die bulgarische Küche ähnelt der griechischen und türkischen. Ein Mix aus Gurken, Tomaten und Schafskäse (Sopska salata) wird gerne als Vorspeise gegessen. Sehr beliebt sind auch panierte oder frittierte, mit Käse gefüllte Paprika. Eine Spezialität des Landes ist Sauerjoghurt aus Schaf-Kuh oder Büffelmilch. Viele Gerichte werden mit Joghurt, Käse, Gewürzen und frischen Kräutern angerichtet. Die Bulgaren lieben frisches Gemüse; ein typisches Hauptmahlzeitgericht ist Güvetsch, es besteht aus verschiedenen Gemüsesorten und geschmortem Fleisch aus dem Tontopf, weitere Gerichte sind Kebaptscheta (Fleischröllchen aus Hackfleisch) und Mussaka, (Auflauf aus Kartoffeln, Hackfleisch und Auberginen), als griechische Spezialität bei uns schon länger bekannt.
1. Tag Sofia
Um die Vielfalt des Landes kennenzulernen, kann man verschiedene Touren unternehmen. Interessante Orte mit kulturellen Highlights, Klöstern, Kirchen und Museen lernt man am besten während einer Fahrt ins Landesinnere kennen. Ein idealer Ausgangspunkt ist Sofia, die Hauptstadt Bulgariens, mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten. Von Sofia aus ist es nicht weit bis in den Ort Bojana, der im Vitoscha Gebirge liegt. Hier besichtigt man das historische Museum und die Kirche von Bojana, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Danach geht es durch das Rilagebirge zum Rilakloster (UNESCO Weltkulturerbe), einem Höhepunkt der Rundreise. Das nächste Ziel ist Plovdiv mit der malerischen Altstadt und das nur 30 km davon entfernte Kloster Batschkowo, dass zweitgrößte Bulgariens. Durch die Rhodopen geht es dann zum Shipka Pass. Von dort aus besucht man das Rosental, auch als Tal der thrakischen Könige bekannt und das berühmte Grabmal von Kasanlak, das ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Veliko Tarnova, eine der schönsten Städte Bulgariens, ist ein weiteres Ziel dieser Reise. Auf dem Rückweg nach Sofia besichtigt man noch die Stadt Trojan. Die Tour ist in sechs Tagen (ca. 1600 km) bequem zu schaffen.
Geschichte Sofias
Sofia ist seit 1879 die Hauptstadt Bulgariens. Mit 1, 2 Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt des Landes, sowie ihr kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt. Sie liegt am nördlichen Hang des 2290 m hohen Vitoscha-Gebirges. Der thrakische Stamm der Serden soll sie einst gegründet haben. Die Geschichte Sofias verlief wechselhaft. Viele Völker haben hier ihre Spuren hinterlassen; Thraker, Griechen, Römer, Byzantiner und Osmanen wurden sesshaft.
Im Gebiet des heutigen Bulgariens schlossen sich Ende des 2. Jahrtausend v. Chr. wandernde Völker zu einem Stamm zusammen. Sie wurden als Thraker bekannt. Die Thraker bewohnten den größten Teil Bulgariens, Nordgriechenlands, der Nordtürkei und einen Teil Kleinasiens. Zwei Grabmale der Thraker, die Kuppelgräber in Kasanlak und Mezek, geben Zeugnis von ihrer faszinierenden Baukunst und ihrer Lebensart. Die Wandmalereien in den Gräbern von Kasanlak zeigen stilistisch den Einfluss griechischer Kunst, spiegeln aber auch die Lebenskunst und den Totenkult der Thraker wieder. Den Verstorbenen wurden Waffen, Schmuck und Pferde mit ins Grab gegeben. In der Kunst der Thraker kann man eine Verschmelzung griechischer, keltischer und skytischer Elemente erkennen. Ein berühmter Thraker war Spartacus.
Unter den Erobern Sofias sind viele berühmte Namen: "Alexander der Große " (356-323 v. Ch.) und sein Vater, "Philipp von Makedonien " (382-336 v. Ch.), sowie "Konstantin der Große" (275-337 n. Ch.), dem die Stadt ihre Blütezeit zu verdanken hat. Während seiner Herrschaft entstanden zahlreiche öffentliche Bauten und Kirchen. Zwischen dem vierten und sechsten Jahrhundert begann der Niedergang des römischen Reiches. Goten und Hunnen fielen in das Land ein und verwüsteten die Stadt. Im Jahr 809 wurde sie Teil des 1. Bulgarischen Reiches und erhielt den Namen „Sredez“.
Im 14. Jahrhundert bekam sie den Namen „Sofia“ verliehen. Nach Beendigung der über 500 Jahre andauernden Herrschaft der Osmanen wurde Sofia 1879 zur Hauptstadt Bulgariens ernannt. Über 250 denkmalgeschützte Häuser spiegeln heute den Einfluss der verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Stadtbild
Majestätisches Wahrzeichen von Sofia ist die Alexander Nevski Kathedrale mit ihren goldenen Kuppeln. Die gewaltige orthodoxe Kathedrale wurde zwischen 1882 und 1924 aus Dankbarkeit für die russische Hilfe bei der Befreiung von den Osmanen erbaut. Ihren Namen hat sie von dem russischen Fürsten "Alexander von Nowgorod", der die Kreuzritter 1242 am Pelpssee vernichtend geschlagen hatte. Besonders wertvoll in der Kathedrale ist die Ikonostase, eine große Holzwand mit Ikonen. Die Ikonen illustrieren die wichtigsten Glaubensaussagen und geben damit Einblick in die bulgarisch-orthodoxe Religiosität.
In der orthodoxen Kirche spielen Ikonen eine wichtige Rolle. Das Wort „Ikone“ ist vom griechischen Wort „Eikoon“ abgeleitet, und bedeutet: Bild, Abbild oder Ebenbild. Ikonen sind Kultbilder, geweihte Heiligenbilder, die die Verbindung zwischen Gott und den Gläubigen herstellen sollen. Der Ursprung der Ikonenmalerei geht bis ins 4. Jahrhundert zurück und liegt im palästinensisch syrischen Raum, dort wo sich das Christentum zunächst verbreitete. Die Bulgaren sind ein religiöses Volk. 86 % sind Bulgarisch-Orthodoxe, 13% Muslime.
Sehenswert im historischen Zentrum sind die russische Kirche mit ihren goldenen Türmchen und den Fresken aus dem Jahr 1914, die für die russische Gemeinde in Sofia erbaut wurde. Ebenso die älteste Kirche Sofias, die Rotunde des heiligen Georgs aus dem 4. Jahrhundert. Sie wurde außerhalb der Stadtmauern über zwei Kirchen (4 Jh.), errichtet. Das einzige islamische Gotteshaus in Sofia ist die Banja-Baschi-Moschee aus dem Jahr 1576. Die Moschee besticht durch ihre schöne Arkaden Halle mit den drei aufgesetzten Kuppeln und dem rötlichen Minarett.
Hinter der Moschee befindet sich die zentrale Markthalle. Sie wurde zwischen 1909 und 1911 im Jugendstil erbaut. Lange Zeit drohte sie zu verfallen, mittlerweile erstrahlt sie wieder im alten Glanz. Heute kann man dort in über 100 Läden einkaufen.
Weitere sehenswerte Gebäude im historischen Zentrum sind: das im prachtvollen Neoklassizismus erbaute Nationaltheater, der Präsidentenpalast aus dem 20. Jahrhundert, (Sitz des bulgarischen Staatsministers), das Haus der Partei (hier war das Zentralkomitee der kommunistischen Partei untergebracht) und das Thermalbad im Stil einer orientalischen Moschee.
Im Stadtgebiet verteilt findet man noch etliche Skulpturen, die an die kommunistische Zeit erinnern, zum Teil mit monumentalem Charakter.
Das Stadtbild von Sofia hat sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt. Die Stadt hat mehr und mehr westliches Hauptstadt- Flair angenommen. Teure Geschäfte, Banken, Restaurants, Cafés, Einkaufszentren und überdachte Einkaufstempel prägen die Metropole heute. Wer Ruhe und Erholung sucht, findet sie in den großzügig angelegten Parks oder in den zahlreichen Grünanlagen. Obwohl die einst graue Metropole einen deutlichen Aufschwung genommen hat, gibt es noch Etliches , was verbessert werden könnte.
Viele Häuserfassaden weisen noch beträchtliche Schäden auf und warten dringend auf eine Sanierung. Besonders die Fenster machen häufig einen renovierungsbedürftigen Eindruck. Ganze Straßenzüge Sofias wirken grau, schon mit wenig Farbe ließe sich ein wesentlich freundlicheres Bild erzielen. Der Asphalt in den Straßen wird nicht selten zur Stolperfalle, Löcher und Vertiefungen lassen sorgloses Flanieren nicht zu. Straßenbeschilderungen sind ausnahmslos in kyrillischer Schrift, die Orientierung ist schwierig, nicht sehr viele Touristen beherrschen die Schrift. Noch längst nicht in allen Restaurants findet man die Speisekarte in englischer Sprache vor. Die Suche nach einem geeigneten Menü erweist sich deshalb als relativ schwierig; mehrsprachige Menükarten würden die Wahl erheblich erleichtern.
v. l . n. r. Historisches Museum, Kirche Bojana, Blick auf Sofia, Kulturpalast (1981) (durch Anklicken vergrößern)
THERMALBAD, MARKTHALLE, KOMMUNISTISCHES DENKMAL, IKONASTASE
ALEXANDER NEVSKI KATHEDRALE
Majestätisches Wahrzeichen von Sofia
Bojana
In Bojana, einem Außenbezirk von Sofia befindet sich das historische Museum, ein unbedingtes „Muss“ in Sofia. Alles Wesentliche über die Geschichte und die Kultur Bulgariens von der Prähistorie bis in die Gegenwart kann man hier erfahren. Mehr als 500 000 Exponate werden präsentiert. Für das Museum sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. Zu besichtigen sind: der berühmte Thrakerschatz, eine Sammlung mit kostbar gearbeitetem Schmuck, filigranen Ketten und Ohrringen, Trinkgefäße aus purem Gold, Ikonen und Wandmalereien, sowie hochwertige Kunstobjekte aus verschiedenen Epochen.
Die Bojana Kirche gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Bulgariens (UNESCO Weltkulturerbe). Die Kirche wurde in drei Bauphasen errichtet. Genau genommen besteht der Gebäudekomplex aus drei Kirchen. Die älteste stammt aus dem 11. Jahrhundert, die mittlere aus dem 13. und die dritte wurde erst im 19. Jahrhundert errichtet. Von außen wirkt die Kirche eher unscheinbar. Welche Schätze sich hier verbergen, ahnt man zunächst nicht. Die Fresken aus dem 13. Jahrhundert sind von unbekannten Malern geschaffen worden. Über 200 verschiedene Szenen an Decken und Wänden beeindrucken durch ihre unglaubliche Farbigkeit und Lebendigkeit. Thematisch sind sie dem Mittelalter zuzuordnen, doch in ihrer Ausdruckskraft dieser Zeit weit voraus. Die Wandmalereien spiegeln eine Umbruchphase wieder und sind deshalb für die Kunstgeschichte von großem Wert. Die schönsten Fresken sind im Erdgeschoss zu sehen. Sie zeigen Jesus beim Abendmahl und bei der Kreuzigung. Das Leben des Heiligen Nikolaus, der von den Bulgaren besonders verehrt wird, wird in 18 Szenen dargestellt.
Lange Zeit konnten die Wandmalereien nicht besichtigt werden, da sie einem aufwendigen Restaurierungsprozess unterzogen werden mussten. Erst seit 2002 sind sie wieder für die Öffentlichkeit freigegeben. Um sie zu schützen, sind nur kurze Aufenthalte in der Kirche erlaubt.
Der Abend steht zur freien Verfügung. Kulturell wird viel geboten in Sofia. Ob Oper, Theater oder Konzerte, für jeden Geschmack lässt sich etwas finden. Die Eintrittspreise sind erschwinglich.
Übernachtung in Sofia
"RILA KLOSTER" Weltkulturerbe UNESCO
2. Tag
Rila Kloster
Auf der Rundreise geht es am nächsten Tag weiter zum Kloster Rila. Es liegt ca. 120 km von Sofia entfernt und ist der meist besuchteste Ort in Bulgarien. Das Kloster wurde im 10. Jahrhundert von St. Ivan von Rila gegründet, der als Weiser und Heiliger verehrt wurde. Der Klosterkomplex liegt inmitten bewaldeter Hügel und wirkt mit seinen 20 Meter hohen Mauern wie eine Festung. Bis zur Zerstörung durch die Osmanen im 15. Jahrhundert blühte das Klosterleben.
Während der osmanischen Unterdrückung hielten die Mönche die bulgarische Sprache und Kultur am Leben. Durch einen Brand wurde das Kloster 1833 zerstört und später durch reiche bulgarische Geldgeber wieder aufgebaut. Es ist heute nicht nur nationales Heiligtum und gehört zum Weltkulturerbe, es symbolisiert auch den wiedererwachten Nationalstolz der Bulgaren. Gleichzeitig ist das Rila Kloster das bedeutendste Denkmal der bulgarischen Architektur des 19. Jahrhunderts. Im Kloster befindet sich die größte Klosterkirche Bulgariens, die Kirche der „Geburt Jesus“ mit wunderbaren Wandmalereien und Ikonen. Der bekannte bulgarische Maler, Zacharias Zutraf, hat hier als einziger seine Werke signiert. Eine besondere Rarität ist die 10 m breite, vergoldete Ikonostase, die von Holzschnitzern angefertigt wurde. Menschen, Tiere, Blumenmotive und biblische Szenen sind darauf zu erkennen.
Das Klostermuseum präsentiert wertvolle Exponate, darunter uralte Handschriften und Bibeln, sowie das berühmte Raphaels-Kreuz. Es wurde von einem Mönch kunstvoll geschnitzt.
Für einen längeren Aufenthalt bietet das Kloster Übernachtungsmöglichkeiten an.
Nicht weit entfernt vom Rila Kloster liegt die Höhle, in die sich Ivan von Rila zurückgezogen hatte. In einem einstündigen Fußmarsch geht es steil nach oben (gutes Schuhwerk ist sehr zu empfehlen). Über eine hohe Treppe gelangt man ins Innere der engen Höhlenöffnung. Der Überlieferung nach, schaffen es Menschen mit reinem Herzen, sich durch die Öffnung zu zwängen. Wer nicht schwindelfrei ist oder Angst um seine Garderobe hat, sollte auf das Abenteuer besser verzichten. Von der Höhle aus kann man noch etwas bergauf wandern und gelangt dann zu einem Fels, auf dem der "Weise" in früheren Zeiten gebetet haben soll.
KIRCHE UND HEILQUELLE IN DOBARSKO
Dobarsko
Vom Rila Kloster aus geht die Fahrt weiter durch die landschaftlich reizvolle Gegend der Rhotopen in das stille Bergdorf Dobarsko. Das Dorf liegt besonders malerisch im Rasloger Tal, nur ca. 2o km entfernt von Bansko, einem bekannten Wintersportort. Es hat nur ca. 1000 Einwohner. Im Hintergrund sieht man auf die schneebedeckten Berge des Balkangebirges. Die Hauptattraktion des Dorfes ist die Kirche Hl. Theodor Tyron und Hl. Theodor Stratilates, die im Jahr 1614 errichtet wurde. Um die Kirche vor den Türken zu schützen, hatten die Bulgaren sie bei der Erbauung gut versteckt. Äußerlich wirkt sie wie ein Wohnhaus, nur ein Zeichen am Mauerwerk verrät, dass sich dahinter eine Kirche befindet. Bei dem Zeichen handelt es sich um ein Kreuz, das in das Mauerwerk gemeißelt wurde. Das Kreuz stammt aus dem Iran und symbolisiert Sonne und Wohlstand. Im Innenraum der Kirche sind gut erhaltene Fresken zu sehen.
Während der Führung durch die Kirche wird man ganz besonders auf die Darstellung der Himmelfahrt Christi aufmerksam gemacht. Die Wandmalereien zeigen Christus, der umgeben ist von einem dreieckigen Gebilde, wie er in in den Himmel auffährt. Experten glauben eine Rakete darin zu erkennen. Ufologen analysierten angeblich schon vor vielen Jahren die Fresken in der Kirche und bestätigten dann, die Theorie der "Raumfahrt Jesu".
Mit viel Fantasie kann man diese Assoziation nachvollziehen, doch denkbar sind auch andere Ansätze.
Unmittelbar an der Kirche sprudelt eine Heilquelle, das heilende Wasser soll besonders den Augen gut tun. Der Überlieferung nach hatte Zar Samuils 1014 mit seinem Heer in Dobarsko Halt gemacht, nachdem der byzantinische Kaiser Basileios die Soldaten hatte blenden lassen. Das heilende Wasser linderte ihre großen Schmerzen.
Eine besondere Attraktion in Dobarsko ist die Folkloregruppe „Die Omas von Dobarsko“ Es ist keine professionelle Gruppe, die alten Frauen haben sich privat zusammengefunden und singen mit Inbrunst Volkslieder. Die Touristen werden ausdrücklich zum "Mitsingen und Mittanzen"animiert. Will man sich einen vergnüglichen typisch bulgarischen Abend gönnen, sollte man sich die Omas nicht entgehen lassen. Um die Stimmung zu heben, wird zu Beginn der Darbietung gleich ein Schnaps serviert. Dazu wird dann ein schmackhaftes Essen gereicht. Am besten ist es hungrig zu kommen, denn die Teller werden sehr gut gefüllt und es wird dauernd nachgelegt, ob man will oder nicht.
Übernachtung in Dobarsko
"Himmelfahrt Jesu mit Rakete", Kirche Dobarsko
3. Tag Plovdiv - Kloster Batschkowo
Am nächsten Morgen geht es weiter zur zweitgrößten Stadt Bulgariens, nach Plovdiv. Für diese Etappe müssen mindestens 3 Stunden eingeplant werden. Die Fahrt ins Landesinnere geht durch eine malerische Gegend, Wälder, Täler, Flüsse und einsame Bergdörfer wechseln sich ab. In den Dörfern leben Bulgaren mit christlicher Religion und Muslime friedlich zusammen. In jedem Dorf findet sich nicht nur eine christliche Kirche, sondern meistens auch eine Moschee. Ein typisches Bergdorf ist beispielsweise „Siroka Laka“, mit vielen unverputzten Häusern. Die Dächer der Häuser bestehen zum größten Teil aus Steinen, die in Schwerstarbeit aus dem Steinbruch geschleppt werden mussten. In den Dörfern kann man preiswert und gut essen.
Unterwegs säumen einige Verkaufsstände den Wegesrand. Honig ist hier erhältlich, bei den Touristen ist er sehr beliebt.
Vor einer römischen Brücke aus dem 2.-4. Jahrhundert, sollte man einen kurzen Stopp einlegen, denn von hier aus hat man einen herrlichen Blick in die Umgebung.
In Plovdiv fallen die schönen Häuser und das Kopfsteinpflaster gleich ins Auge. Außergewöhnliche Häuser sind beispielsweise das imposante Chindlijan Haus eines reichen Amerikaners aus dem Jahr 1835, das Georgjadi Haus eines türkischen Kaufmanns (1846), das Kujumzioghu Haus von 1874 und das Lamartine-Haus (1833), nach dem französischen Dichter Lamartine benannt. Es gehört jetzt dem bulgarischen Schriftstellerverband und ist ein Heimatmuseum. Besonderer Blickfang in Plovdiv ist das römische Theater aus dem 2. Jahrhundert nach Ch. Es wurde erst 1972 bei Ausgrabungen entdeckt und dient heute als Aufführungsort für Konzerte, Opern- und Theaterinszenierungen. 6000 Besucher finden dort Platz. Neben dem römischen Theater sind auch die Ruinen eines antiken Stadions zu sehen.
In Plovdiv haben sich viele Künstler angesiedelt. Es gibt Museen und Galerien mit interessanten Ausstellungen. Reisende berichteten schon in früheren Zeiten über die außergewöhnliche Schönheit dieser Stadt. Die Altstadt von Plovdiv steht seit 1956 komplett unter Denkmalschutz.
Kloster Batschkovo
Nicht weit entfernt von Plovdiv liegt das Batchschkovo Kloster. Gegründet wurde es 1083 von den Brüdern Grigorij und Abassi Bakuriani. Beide dienten als Heerführer in der bulgarischen Armee und wurden für ihre Dienste vom Imperator Alexej I. Komnin mit einem feudalen Eigentum belohnt. Das Kloster ist der Mutter Gottes gewidmet. Die Wandmalereien im Beinhaus, dem ältesten Teil des Klosters, stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Für die Öffentlichkeit sind sie leider nicht mehr zugänglich.
Die Malereien im Refektorium entstanden 1643. Sie sind eine Rarität, denn sie zeigen altgriechische Philosophen, die als Könige dargestellt sind. Darunter sind: Sokrates, Platon und Aristoteles. Auch eine Frau ist zu sehen, die Seherin <Sybille<. Es gibt nur zwei bemalte Refektorien mit einer Klosterküche auf der Welt.
Original erhalten ist der große Marmor-Eßtisch aus dem Jahr 1601, der den Speiseraum der Länge nach ausfüllt.
Die Ikone der Mutter Gottes, wird von den Gläubigen besonders verehrt. Sie trägt einen silbernen Mantel (1819) und soll der Legende nach, in den ersten Jahren des Christentums gemalt worden sein. Die Ikone ist als die >Mutter Gottes aus Iwer< in die bulgarische Kirchen-Geschichte eingegangen.
Übernachtung in Plovdiv
Häuser in Plovdiv, antikes Theater, Kloster Batschkowo, römische Brücke, Rosental, Destillation
4. Tag
Das Tal der Rosen - Veliko Tarnova
Die Stadt Kazanlak liegt im Rosental und ist die Hauptstadt der bulgarischen Rosenöl Industrie. Das Rosental nennt man auch das Tal der Könige, weil hier besonders viele antike Gräber entdeckt wurden. 1992 wurde in der Nähe von Shipka das erste, nicht geplünderte Grabmal, gefunden. In dem Grabmal soll ein großer thrakischer Herrscher begraben worden sein. Neben schönen Fresken die thrakische Rituale zeigen, entdeckten die Archäologen auch kostbaren Gold-und Silberschmuck, sowie wertvolle Gefäße.
Das berühmte "Grabmal von Kazanlak" stammt aus dem 3 Jh. v. Chr. Es wurde schon in der Antike ausgeraubt. Leider ist es nicht mehr zugänglich. Es wurde aber eine originalgetreue Kopie errichtet, die besichtigt werden kann. Die Wände des Grabmals sind mit kämpfenden Kriegern, galoppierenden Streitwagen und Teilnehmern eines Festmahles bemalt.
Im Tal der thrakischen Könige wurden bisher schon 15 Gräber freigelegt. Archäologen vermuten, dass hier noch wesentlich mehr zu finden sind.
Bulgarien ist der zweitgrößte Hersteller von Rosenöl. In der Destillation wird in einem hochtechnisierten Verfahren Rosenöl hergestellt und in die ganze Welt verkauft. Durch die idealen Klimabedingungen im Tal wurde die Rosenproduktion im 20. Jh. zu einem wichtigen Industriezweig.
Die Rosen blühen von Ende Mai bis Ende Juni. Sie müssen vor Tageseinbruch gepflückt werden, damit der Ölgehalt nicht verloren geht. Fünf Tonnen Blüten ergeben einen Liter Rosenöl. Der Besuch in einer Destillation ist auf jeden Fall zu empfehlen. Bei einem erfrischenden Getränk oder auch einem Espresso, lässt sich die Atmosphäre des Ortes besonders gut genießen. Vom betörenden Duft der vielen Rosenarten umgeben, wird man von einem Mitarbeiter über die Rosenölgewinnung informiert. Ganz nebenbei erhält man noch (wenn es ein netter Mitarbeiter ist) wertvolle Tipps rund um das Thema „Rosen.“
Seife, Bodylotion oder Marmelade, hergestellt mit Rosenöl sind nur einige der Mitbringsel, die der kleine Souvenirshop bereithält.
Eine Serpentinenstraße führt zum Shipka Pass. Auf dem Weg dorthin liegt die schöne Shipka Gedächniskirche. Schon von weitem leuchten ihre goldenen Kuppeln. Die Kirche ehrt die gefallenen Russen und Bulgaren aus dem Russisch-Türkischen Krieg (1877). An die Schlacht erinnert auch das Freiheitsdenkmal, das in einer Höhe von 1326 auf dem Gipfel des Shipka Berg steht. Das Denkmal ist 32 Meter hoch. Innen gibt es ein kleines Museum mit Bildern über die kriegerischen Auseinandersetzungen.
Shipka Gedächniskirche mit goldenen Türmchen
"GRABMAL VON KASANLAK"
Unesco Weltkulturerbe
Arbanassi, "Konstanzalievhaus", Veliko Tarnova, Trojan, Kunstgewerbemuseum
Veliko Tarnova
Veliko Tarnova hat knapp 70 000 Einwohner (210 m ü. M.) und liegt majestätisch auf drei historischen Hügeln: Sveta Gora, Zarevez und Trapesiza im nördlichen Teil des Balkangebirges am Fluss Jantra.
Die Stadt war von 1187 bis 1393 die Hauptstadt des zweiten bulgarischen Reiches und gleichzeitig religiöses, politisches und kulturelles Zentrum des Landes. Ihre Blütezeit dauerte bis zur Eroberung durch die Osmanen im Jahr 1393. Schon im Mittelalter hatte sie 20 000 Einwohner. Mit ihrer interessanten Architektur und den historischen Sehenswürdigkeiten ist Veliko Tarnova eine der schönsten Städte Bulgariens. Am Zarevezhügel sind noch die Ruinen der alten Festung zu sehen, die mit ihren dicken Mauern (12 m hoch und 3 m dick) einst als uneinnehmbar galt. Innerhalb der Festung befand sich der Zarenpalast mit repräsentativen Gebäuden auf einer Fläche von 4872 qm und die Bulgarische Patriarchalkirche, die einen Raum von 3000 qm umfaßte. Die alte Festungsmauer wurde restauriert, ebenso die Grundmauern einiger Wohn- und Wirtschaftshäuser. Am Südöstlichen Ende der Festung befindet sich der restaurierte Balduin-Turm. Er erinnert an den Sieg des Zaren Kolojan im Jahre 1205 über den flämischen Imperator Balduin. Am nördlichen Ende der Festung erkennt man den Felsen, von dem die Verräter in die Schlucht geworfen wurden.
Bei einem Erdbeben (1913) wurden große Teile der Stadt zerstört.
Im Mittelalter entwickelte sich in Veliko Tarnova eine eigene Stilrichtung in der Malerei, die ihre Wurzeln in der mittelalterlichen- und in der bulgarischen Malerei hatte. Als Malschule von Tarnova ist sie in die Kunstgeschichte eingegangen. Meisterwerke dieser Stilrichtung sind zum Beispiel die Malereien in der Bojana Kirche.
Für viel Furore bei den Touristen sorgt die alljährliche, in den Sommermonaten präsentierte Light- and Soundshow auf der Festung.
Übernachtung in Veliko Tarnova
5. Tag
Arbanassi - Veliko Tarnova
4 km entfernt von Tarnova liegt das schön gelegene Dorf Arbanassi. Hier wohnten einst viele reiche Bürger. Um 1200 sollen sich hier Siedler niedergelassen haben. Über ihre Herkunft gibt es viele Spekulationen. Eine Hypothese lautete, die Siedler seien bulgarische Bojaren gewesen, eine andere behauptete: christianisierte Albaner hätten sich hier niedergelassen.
Seine Blütezeit erlebte das Dorf zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Während dieses Zeitraumes war Arbanassi für die osmanischen Herrscher von großer Bedeutung. Im Dorf soll es über 1000 prunkvoll ausgestattete Häuser gegeben haben. Einige der reichen Kaufmannshäuser können heute wieder besichtigt werden. Das beeindruckenste Haus ist das Konstanzalievhaus aus dem 17 Jh. Das Haus verfügt über mehrere Notausgänge und Verstecke. Auch damals schon hatten reiche Bürger große Angst vor Überfällen und versuchten sich entsprechend zu schützen. Das ist heute nicht anders. Im Empfangsraum ist noch die aufwendig gearbeitete Holzdecke erhalten. Neben dem Wohnbereich können u.a. die Küche, die Backstube und ein beheizbarer Raum für eine Wöchnerin besichtigt werden.
Auch zu empfehlen ist der Besuch der „Christi Geburt“ Kirche mit vielen Fresken. Sie ist die älteste Kirche in Arbanassi. Eine Besonderheit dieser Kirche ist die Abbildung eines Freskenzyklus mit 12 antiken Philosophen, darunter: Homer, Aristoteles Platon, Sokrates und Pythagoras
Übernachtung in Veliko Tarnova
6. Tag
Trojan
Thraker gründeten vor etwa 3000 Jahren an den Hängen der Stara Plantina eine Siedlung. Aus der Siedlung entstand der Ort Trojan, der sich zu einem Zentrum für viele verschiedene Handwerkszweige entwickelte. Besonders wegen seiner Ton- und Keramikwaren wurde er berühmt. Die Waren wurden nach Rumänien, Serbien und Konstantinopel exportiert.
Das Kloster Trojan ist nach Rila und Batschkovo das drittgrößte Kloster Bulgariens. Vermutlich wurde es Anfang des 17. Jahrhunderts gegründet. Das "Trojanski Manastir" liegt 10 km südöstlich von Trojan, am Rande des Balkangebirges. Seine berühmteste Sehenswürdigkeit ist die dreischiffige Kreuzkuppelkirche aus dem Jahr 1835 mit interessanten Wandmalereien. Dargestellt sind 2000 Szenen und Figuren, die Innenwände, Narthex (Raum für Frauen in der Kirche) und Galerie bedecken. Die Fresken sind phantasievoll gemalt. Zu sehen sind Teufelsgestalten, die die Menschen bedrängen, Szenen aus der Apokalypse und des Jüngsten Gerichts. Besonders interessant in der Kirche sind neben den Wandmalereien auch die wunderbaren Holzschnitzereien der Ikonostase aus dem Jahr 1840.
Ein Besuch im Kunstgewerbemuseum sollte man nicht versäumen. Das Museum für Kunstgewerbe ist das einzige seiner Art in Bulgarien. Es zeigt Exponate des regionalen Kunsthandwerks und gibt darüberhinaus einen ausgezeichneten Überblick über die Keramikindustrie des Bulgariens.
Übernachtung Sofia
7. Tag Rückflug
PORTUGAL
Lissabon
KITZBÜHEL
Das Skigebiet rund um Kitzbühel bietet
53 Seilbahnen und Lifte, 200 km Abfahrt, schöne Gasthäuser, Ferienwohnungen in allen Preisklassen und Hotels in ale Preisklassen
Fotos: Sven Harms
Fotos: Sven Harms
HAMBURGER HAFEN - das Tor zur Welt
Hafenstimmung
"LONDON" Impressionen einer Weltstadt
Fotos: Sven Harms
Informativ Kritisch Unabhängig













