Pablo Picasso

 

 

Pablo Picasso, Nature morte au crâne de bœuf / Stilleben mit Stierschädel / Still Life with Bull's Skull, 5.4.1942, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn, 2019, Foto: Walter Klein, Düsseldorf

Düsseldorf
Die Kunstsammlung Nordrhein Westfalen zeigt vom
15.2. bis 14.6.2020

die Ausstellung


Pablo Picasso Kriegsjahre 1939 – 1945
 
Gezeigt werden 70 Werke, darunter Gemälde, Skulpturen, Illustrationen und Zeitdokumente. Die Präsentation der Ausstellung erfolgt in chronologischer Abfolge. Sie gibt Einblicke in das künstlerische Schaffen Picassos während der Kriegsjahre und macht auf Widersprüche in Leben und Werk des Malers aufmerksam.
 
Picasso und Dora Maar, seine Lebensgefährtin, fliehen 1939 in den kleinen Badeort Royan. Er liegt an der französischen Atlantikküste.1940 kehren sie ins besetzte Paris zurück. Picassos Kunst gilt als entartet - die Nazis erteilen ihm Ausstellungsverbot. Er zieht sich ins Private zurück, arbeitet aber unermüdlich weiter. Sein Werkverzeichnis (1937-1944) listet 2200 Sujets auf. 
 
Picasso lebt und arbeitet in seinem Atelier in der Rue des Grands-Augustins. Er  malt zahlreiche Porträts u.a. die "Frau mit Hut", die "Frau im Lehnstuhl" und die "sich kämmende Frau", die in der Ausstellung zu sehen sind, sowie Akte und Stillleben. Seine Muse während dieser Jahre ist Dora Maar, Fotografin und Malerin. Sie gilt als das "Gesicht der Besatzung und des Krieges". Zunächst malt Picasso noch Sujets voller Schönheit und Harmonie, doch das ändert sich, je länger der Krieg anhält. Mehr und mehr verunstaltet er die Frauengestalten, konstruiert und dekonstruiert, gibt ihnen fast animalische Züge. Es sind Allegorien des Schmerzes, der Verzweiflung und der inneren Zerissenheit. Zustände, die auch mit dem persönlichen Schicksal von Dora Maar, seiner Geliebten ab 1936, in Verbindung gebracht werden können. Sie gilt als labil.

Picasso lernt 1943 Françoise Gilot kennen und trennt sich von seiner Geliebten. Über Dora Maar sagt er: „Für mich ist sie die weinende Frau. Vor Jahren habe ich sie in verzerrten Formen gemalt, nicht aus Sadismus und auch nicht aus Vergnügen, sondern nur einer Vision folgend, die sich mir aufzwang. Es war eine tief verwurzelte Realität". Er  betitelt seine Werke als "Frauenköpfe", später wird der Name "Dora" zugefügt.

 

Die Komposition "Frau in Grau und Weiß" aus dem Jahr 1941 assoziiert Grausamkeit, Hass und Schrecken. Picasso greift auf kubistische Stilelemente zurück und verzichtet auf jegliche Ausschmückungen. Gliedmaße und Körperteile sind asymmetrisch angeordnet und kaum noch zu erkennen, auffallend sind die scharfen Zähne. Weitere Schlüsselwerke der Ausstellung sind die "Sitzende Frau" und "Studien für das Ständchen", beide aus dem Jahr 1941" .


Picasso war während der Besatzungszeit, den sogenannten "schwarzen Jahren" weiter produktiv, unterbrach nur kurz seine Malerei (September 1940 bis Januar 1941). in der kurzen Zeit entstehen nur einige wenige Illustrationen und das Drama: " Wie man Wünsche beim Schwanze packt", das er in nur vier Tagen schreibt. Danach widmet er sich wieder der klassischen Malerei und seinen bevorzugten Motiven: Porträts, Stillleben und Aktdarstellungen. Obwohl er sich vordergründig nicht mit dem Krieg auseinandersetzt, drücken sich in seinen Sujets doch Angst und Bedrückung, Schmerz und Tod aus. Die Deformationen der Körper, die groteske Gestalten annehmen, erschrecken, blutige Tier- und Totenschädel deuten auf Terror, Gewalt und die Grausamkeit des Krieges.
Zu Zeugnissen des düsteren Alltags werden seine Stillleben: Zahlreiche Kompositionen zeigen kulinarische Motive, eine Reaktion auf die Zeit der Entbehrungen - er malt Gemälde mit Vanitas Motiven und einfache Dinge des alltäglichen Lebens, die einen enormen Stellenwert bekommem. Er sammelt alles, womit er sich künstlerisch ausdrücken kann, malt auf Papierschnipsel und Serviertten.
 
Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1940 in Paris hatte fatale Folgen für die Bevölkerung: Ausgehverbote, Hunger und Kälte - die Liste der Repressalien ist lang. Ab September 1940 werden Lebensmittelkarten ausgegeben. Juden und Kommunisten sind der Willkür und der Verfolgung der Besatzer zunehmend ausgeliefert. Im Juli findet in Paris eine große Razzia statt. Mehr als 12 000 Menschen werden verhaftet. Grauen und Entsetzen lähmen das Leben der Menschen. Ab Dezember 1942 beginnt die systematische Deportation der Juden aus Frankreich. Picasso unterschreibt eine Erklärung, "Ich gebe mein Ehrenwort, das ich kein Jude laut dem Gesetz von 1941 bin". Arno Breker,  Lieblingsbildhauer Hitlers, behauptete nach Beendigung des Krieges, die Gestapo habe Picasso unter Beobachtung gestellt. Er habe seine schützende Hand über ihn gehalten. Picasso besuchte 1942 die Ausstellung Brekers in Paris. Vermutlich inspiriert ihn der Besuch zur Schaffung der Skulptur "Mann mit Schaf". Sie gilt als künstlerischer Widerstand gegen die Besatzung und die "Naziathleten".


Picassos Berühmtheit schützt ihn nicht nur vor den Besatzern, auch von bitterer Armut ist er weit weniger betroffen, als viele andere Künstler und Künstlerinnen. Der Verwalter seine Gutes in Boisgeloup versorgt ihn regelmäßig mit Lebensmitteln.

Er war nie Mitglied der Résistance. Nach der Befreiung von Paris 1944 tritt er in die kommunistische Partei ein. Die wiedergewonnene künstlerische Freiheit wird als politisches Ereignis zelebriert und Picasso als Ikone der Freiheit gefeiert. Der bedeutendste Künstler der Moderne präsentiert sein bis dato verbotenes Werk der Öffentlichkeit.


Eine Ausstellung des Musée de Grenoble in Zusammenhang mit der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen und in Kooperation mit dem Musée national Picasso-Paris.
 
K20 Grabbe Platz
Grabbeplatz 5
40213 Düsseldorf
 
Öffnungszeiten
Dienstag - Freitag                  10.00  - 18.00
Samstag, Sonntag, Feiertag   11.00 -  18.00
www.kunstsammlung.de