Eine Nacht in Venedig von Johann Strauss

 

Endlich eine Operette auf dem Spielplan des Aalto Theaters. Die Freunde dieser Gattung freut es. Bruno Klimek begeistert  in Essen mit seiner Inszenierung der Operette „Eine Nacht in Venedig“.


Schnee rieselt herab. Von weitem tönt ein verzweifelter Ruf. "Wo ist meine Frau"? Ein Mann irrt durch die eisige Winternacht auf der Suche nach seiner Angetrauten. Es ist Karneval in Venedig und klirrend kalt. Die Lagunenstadt ist wie jedes Jahr im Ausnahmezustand und wie jedes Jahr hat sich der Herzog von Urbino zum nächtlichen Maskenfest angekündigt. Als berüchtigter Frauenheld verrufen fürchten ihn die Männer, die Frauen dagegen umschwärmen ihn. Sein Leibbarbier Caravello unterstützt ihn tatkräftig bei seinen amourösen Abenteuern. Dieses Mal hat er die schöne Barbara, Ehefrau des Senators, im Visier. Über das brüchige Eis schlittern derweil warm eingepackt in Muff und Pelz die Verehrerinnen des Herzogs. Er wird sehnsüchtig am Lido erwartet.


Die vermeintliche angestaubte Strauß Operette bringt Klimek mit vielen Gags und Parodien zum Glänzen. Gespielt wird die Fassung von Korngold. Klimek arrangiert die Operette neu, stellt Szenen um, bearbeitet das Libretto und frischt die Dialoge auf. Eine Musiknummer streicht er, nimmt eine neue dazu. Liebe, Lust, Betrug und Verwirrung, all das findet Platz in der Inszenierung. Ort der Handlung ist Venedig. Die Stadt bietet die perfekte Kulisse für das Verwirrspiel der Masken. Nur für wenige Stunden – für eine Nacht, gerät sie aus den Fugen, danach ist die alte Ordnung wiederhergestellt.
Mit komödiantischem Spielwitz erheitert das Ensemble das Publikum. Riesige Kreuzfahrtschiffe tauchen auf und auf der Bühne ist ein Miniatur-Markusplatz mit Dogenpalast aufgebaut, der sich aber nicht als standfest erweist, der Aalto Chor sprüht nur so von fantasievollen Einfällen und wechselt etliche Male die Kostüme. Senator Delaqua beauftragt den Makkaronikoch Pappacoda Barbara, seine Ehefrau, in Sicherheit zu bringen, doch die denkt gar nicht daran Venedig zu verlassen. Sie hat längst andere Pläne und schickt ihre Freundin Annina nach Murano. Anina wiederum  beginnt einen heißen Flirt mit dem Herzog, was Caravello mißfällt. Die Verwirrung ist perfekt.
Dass die Dialoge nicht immer Lachsalven hervorrufen, ist da nicht weiter schlimm. De Stimmung ist ausgezeichnet.

Die Operette wurde 1883 in Berlin uraufgeführt und spiegelt eine andere Zeit. Den Text an die heutige Zeit anzupassen ist ein mühsamer Prozess und gelingt Klimek mal gut und mal weniger gut. Die grandiose Musik von Johann Strauß garantiert aber trotzdem Operettenseligkeit. Die berauschend schönen Melodien "Komm in die Gondel", "Treu sein, das liegt mir nicht" oder der Lagunenwalzer, um nur einige zu nennen, sind alle bekannt und bereiten einen vergnüglichen Abend.


Musikalisch sind die Essener Philharmoniker bestens aufgelegt und das Sängerensemble – hier setzen sich besonders die Damen gut in Szene, begeistert. Sie beherrschen nicht nur das Spiel in Liebesdingen virtuos, sie setzen auch sängerisch starke Akzente.