Dirigentin:  Mirga Gražinytė-Tyla, Foto TUP
Dirigentin: Mirga Gražinytė-Tyla, Foto TUP

 

 

Rudolf Buchbinder spielt Brahms’ 2. Klavierkonzert

 

Mirga Gražinytė-Tyla dirigiert City of Birmingham Symphony Orchestra am Sonntag, 2.12.2018 um 19 Uhr

 

„Es ist eines der größten Klavierkonzerte der gesamten Klavierliteratur und es gehört zu meinen Lieblingskonzerten“, sagt Rudolf Buchbinder über das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms. Wenn der österreichische Pianist dieses Werk nun am Sonntag, 2. Dezember 2018, um 19 Uhr in der Philharmonie Essen spielt, steht ihm mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra ein exzellenter musikalischer Partner zur Seite. Dirigentin ist Mirga Gražinytė-Tyla: Die Litauerin leitet den renommierten Klangkörper seit 2016 und konnte mit gerade einmal 30 Jahren erfolgreich in die Fußstapfen von Sir Simon Rattle und Andris Nelsons treten. Wie inspirierend diese Beziehung funktioniert, wird auch im zweiten großen Werk an diesem Abend zum Ausdruck kommen: einer Auswahl aus Pjotr I. Tschaikowskis berühmten Ballett „Der Nussknacker“.

 

Rudolf Buchbinder konzertiert seit über 50 Jahren mit den renommiertesten Orchestern und Dirigenten weltweit. Rund um seinen 70. Geburtstag in der Saison 2016/2017 wurde die Künstlerpersönlichkeit an so herausragenden Orten wie der Carnegie Hall New York, dem Musikverein Wien und der Berliner Philharmonie gewürdigt. Buchbinders Interpretationen basieren auf akribischer Quellenforschung. Unter anderem verfügt er über eine umfangreiche Sammlung von Erstdrucken, Originalausgaben und Kopien der eigenhändigen Klavierstimmen und Partitur der Klavierkonzerte von Johannes Brahms.

 

Für Kinder ab 10 Jahren bietet die Philharmonie während des ersten Konzertteils eine separate Einführung an. Im zweiten Teil können sie Tschaikowskis „Nussknacker“ dann gut vorbereitet live erleben

 

Für Kinder und Eltern gibt es ermäßigte Karten (€ 10,00 für Erwachsene; € 6,60 für Kinder; Reservierung erforderlich unter canan.guezel@tup-online.de

Tel. 02 01 81 22-826

 

 

Mozarts „Zauberflöte“ im Aalto-Theater

Wiederaufnahme am Freitag, 16. November 2018, um 19:30 Uhr

 

„Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart gehört Jahr für Jahr zu den meistgespielten Opern an deutschen Theatern. Auch am Aalto-Theater erfreut sich die Produktion großer Beliebtheit: Am Freitag, 16. November 2018, um 19:30 Uhr findet die erste von sechs Vorstellungen in dieser Spielzeit statt. Weitere Termine: 2., 26. Dezember 2018; 3., 13. Januar; 21. April 2019). Unter der musikalischen Leitung von Friedrich Haider bzw. Johannes Witt sind viele Sängerinnen und Sänger des Aalto-Ensembles beteiligt, darunter Tijl Faveyts als Sarastro, Dmitry Ivanchey als Tamino und als neues Aalto-Ensemblemitglied Tamara Banješević als Pamina. Als Königin der Nacht ist die Sopranistin Emily Hindrichs zu erleben, seit 2015 Ensemblemitglied an der Oper Köln.

 

„Die Zauberflöte“ ist Mozarts letzte Oper, die 1791 nur wenige Wochen vor seinem Tod in Wien uraufgeführt wurde. Bis heute hat dieses Werk, das Märchen und Mythos, Freimaurerweisheit und vitale Komödie, Ernst und Spaß, Liebe, Lust und Eifersucht, Rätsel und Aufklärung, adelige Geisteshaltung und unterhaltsame Volkstümlichkeit, Feuer und Wasser, Tag und Nacht vereint, nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt. Der Mozart-Forscher Alfred Einstein brachte es auf den Punkt: „Die Zauberflöte gehört zu den Stücken, die ebenso ein Kind entzücken wie den Erfahrensten der Menschen zu Tränen rühren, den Weisesten erheben können. Jeder einzelne und jede Generation findet etwas anderes darin.“ Über die Wiederaufnahme der Oper am Aalto-Musiktheater dürfen sich daher junge Menschen ebenso freuen wie erfahrene Opernbesucher.

 

Karten (€ 11,00 – 55,00) unter T 02 01 81 22-200 oder www.theater-essen.de.

 

Wuppertal, 24. August 2018

Hochkarätig besetzte Spielzeiteröffnung mit Massenets ›Werther‹ in der Historischen Stadthalle 

 

 

Die Eröffnungspremiere der Spielzeit 2018/19 ist erstmals gleichzeitig der Saisonauftakt der Oper sowie des Sinfonieorchesters Wuppertal: Am 8. September um 19:30 Uhr ist mit Jules Massenets ›Werther‹ ein Werk zu hören, das gerade in konzertanter Aufführung die Bandbreite der Qualitäten sowohl des Orchesters als auch der Sänger herauszustellen vermag. Nach der Premiere in der Historischen Stadthalle zieht die Produktion ins Opernhaus um. 

 

Jules Massenet, einer der populärsten Komponisten seiner Zeit, hat die schwierige Aufgabe, Goethes Briefroman ins Operngenre zu überführen, gelöst, indem er den anderen Figuren neben dem Titelhelden mehr Raum und Persönlichkeit verleiht. Neben Werther (Sangmin Jeon), einer Paraderolle für lyrischen Tenor, wird Charlotte, die der Leser sonst nur durch die Augen Werthers kennt, zur zweiten Hauptfigur. In der Opernfassung ist sie nicht mehr die kindhafte ›Lotte‹, sondern eine erwachsene Frau, hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Gefühl — eine Figur, die in der Tradition der Opernheroinen des 19. Jahrhunderts steht, in Wuppertal mehr als adäquat besetz mit der Mezzosopranistin Catriona Morison, der letztjährigen Gewinnerin des BBC Cardiff Singer of the World‹ - Wettbewerbs. 

 

 

Unter der szenischen Konzeption von Karin Kotzbauer-Bode wird die Aufführung visuell gestaltet durch die Videokünstler Momme Hinrichs und Torge Møller von fettFilm, die sich u.a. bereits an den Salzburger und Bregenzer Festspielen sowie zuletzt an der Oper Bonn einen Namen gemacht haben.  

 

 

 

Am Pult des Sinfonieorchester Wuppertal wird mit John Nelson ein international geschätzter Massenet-Experte stehen. Er wird in dieser Spielzeit zudem das 3. Sinfoniekonzert dirigieren.  

 

 

 

 

Jules Massenet: WERTHER 

 

Konzertante Aufführung mit Videoprojektionen 

 

Premiere:  

 

Sa. 8. September, 19:30 Uhr, Historische Stadthalle 

 

Weitere Termine:  

 

So. 30. September, 18:00 Uhr, Opernhaus 

 

So. 2. Dezember, 16:00 Uhr, Opernhaus 

 

 

 

Mit: Catriona Morison, Ralitsa Ralinova, Lea Homann/Marlene Guthseel; Sangmin Jeon, Simon Stricker, Sebastian Campione, Sebastiá Peris, 

 

Mark Bowman-Hester, Pascal Siebel/Kai Selbach 

 

 

 

Kinder- und Jugendchor und Damenchor der Wuppertaler Bühnen 

 

Sinfonieorchester Wuppertal 

 

 

 

Musikalische Leitung: John Nelson 

 

Szenische Konzeption: Karin Kotzbauer-Bode 

 

Video: fettFilm 

 

Chor: Markus Baisch 

 

Dramaturgie: David Greiner 

 

 

 

Ticket- und Abo-Hotline: 0202 563 76 66 

 

KulturKarte Wuppertal, Kirchplatz 1

Wuppertal

Saisoneröffnung in Wuppertal

Das hätte der neue Intendant Berthold Schneider wohl nur in seinen kühnsten Träumen erwartet: Großer Beifall bei den „Three Tales“ am ersten Abend, und sogar standing ovations bei „Hoffmanns Erzählungen“ am Abend darauf. Das lag nicht nur an den hervorragend ausgeführten und gut ausgewählten Stücken, das Wuppertaler Publikum zeigte damit auch, dass ihr neuer Intendant durch seine publikumsnahe Arbeitsweise den richtigen Nerv getroffen hat, sich nicht nur am Rande der Wuppertaler Kulturszene bewegt oder gar über ihr schwebt, sondern schon mittendrin ist.

 

Erster Abend: „Three Tales“ von Steve Reich und Beryl Korot

Am 17. September also „Three Tales“ von Steve Reich, einem der Hauptvertreter der Minimal Music, und seiner Frau Beryl Korot, eine Video-Installation aus dem Jahr 2002, bisher nur aufwändig auf großen Festivals aufgeführt.

Eine begrenzte Zahl von Besuchern wartete gespannt im Foyer, denn die Türen zum Parkett waren geschlossen. Schließlich die Durchsage, alle mögen sich fünf Minuten vor Beginn an der Tür zur Bühne versammeln. Von hier wurde man durch vorher nie gesehene Treppenhäuser und Gänge auf die große Bühne geleitet. Hier stießen die Besucher auf festgeschraubte, aber drehbare Stühle. Vor dem „Eisernen Vorhang“, dem hölzernen Abschluss zum Zuschauerraum, waren die Instrumente und Pulte der Musiker aufgebaut, die aber noch locker im Saal herumspazierten. Trotz einer sehr entspannten Atmosphäre kam eine gewisse Ratlosigkeit auf, weil eine größere Videoleinwand nicht zu entdecken war. Vor der eigentlichen Aufführung gab es aber noch eine Überraschung: Noch bevor ein Bühnenpodest, auf dem der Intendant und ein Schlagzeuger standen, in spektakulärer Weise ganz hochgefahren war, wurden alle zuerst begrüßt und dann gebeten, die „clapping music“ von Steve Reich gemeinsam aufzuführen, um einen Eindruck der Minimal Music zu bekommen. Der von allen zu klatschende Rhythmus stand intelligenterweise schon auf der Eintrittskarte, wurde vorgeführt und vom Publikum sofort und korrekt aufgenommen. Der auf dem Podest stehende Schlagzeuger änderte nach je zwölf Durchgängen seinen Rhythmus, indem er sein erstes Achtel verlor und hinten wieder anhängte, die von allen im Stehen geklatschte Figur also anders akzentuierte. Auf diese Weise entstand ein sich immer wieder verändertes Klang- oder besser Klatschband, bis der Schlagzeuger oben auf dem Podest wieder den Anfangsrhythmus erreicht hatte. Eine hervorragende Idee, dem Publikum auf diese Weise ein wichtiges Prinzip der dann folgenden Musik nicht nur zu erklären, sondern körperlich erfahrbar zu machen! Entsprechend begeistert machten alle mit.

 

Dann nahmen die Musiker ihre Plätze ein: Zwei Pianisten, zwei Schlagzeuger, zwei Vibraphonisten und ein Streichquartett, alle aus dem Wuppertaler Sinfonieorchester, dazu zwei Sopranistinnen und drei Tenöre (einer davon, Christian Sturm, war Mitglied des Ensembles unter Johannes Weigand). Deren schwierige Aufgabe war es, ihre Musik zehntelsekundengenau mit dem Video und der zusätzlichen Tonspur zu synchronisieren. Das gelang im gesamten Verlauf bestechend. Der mitten unter den Zuschauern sitzende Inspizient, mit Partitur und Mikrofon bewaffnet, um im Falle eines Falles dem mit Kopfhörer versehenen Dirigenten, Jonathan Stockhammer, zu warnen, brauchte nicht einzugreifen.

 

Das Video mit der ersten Geschichte lief dann auf der hinteren Wand, den Musikern gegenüber. Danach senkte sich über den Musikern eine große Leinwand herab, während der eiserne Vorhang hochgezogen wurde und so neben der Leinwand einen Blick in den Zuschauerraum freigab. Teil zwei und drei wurden dort gezeigt.

 

Die erste Geschichte behandelte die Explosion des Luftschiffes „Hindenburg“ in Lakehurst im Jahr 1937, die erste Katastrophe, von der Filmbilder existieren. Am Beginn standen Bilder der Katastrophe, dann wurde zurückgeblendet mit Bildern des mit einem großen Hakenkreuz markierten Zeppelins über deutschen Landschaften, u.a. dem Kölner Dom, die den Stolz über den Besitz des größten Transportmittels der Welt ausdrücken sollte, ehe man wieder auf die Bilder der Katastrophe zurückkam.

 

Die zweite Geschichte, die Atombombenversuche auf dem Bikiniatoll von 1946 bis 1952, lassen Reich und Korot wie einen Countdown ablaufen: am Schluss die Katastrophe, die das Atoll für ewige Zeiten unbewohnbar machte. Dieser Countdown wurde aber immer wieder verzögert, mit unterschiedlichem Material angereichert. Deutlich gemacht wurde, dass die höllischen Explosionen als nützlicher Fortschritt für die Menschheit verkauft wurden, und die immer wieder eingeblendete Zeitungsschlagzeile „Der König hat wenig zu sagen.“ lässt die Frage, wie man damals mit ganzen Völkern umging, immer stärker ins Bewusstsein treten. Immer wieder spielen auch eingeblendete Bibelworte, die den Umgang des Menschen mit der ihm anvertrauten Erde thematisieren, eine wichtige Rolle.

 

In der dritten Geschichte, „Dolly“, geht es um das Problem des Klonens, keine Geschichte, sondern eher bearbeitete Interviews mit unterschiedlichen Ansichten dazu. Auffällig in diesem Teil ist die musikalische und videotechnische Bearbeitung der oft und immer wieder geäußerten Meinung, dass jeder Mensch und jedes Tier eine Maschine sei, die beliebig verändert und optimiert werden könnte. Auch hier werden oft Bibelworte eingeblendet, erzählt wird auch die Geschichte von Jeremiah, der einen Menschen schuf, der aber von ihm verlangte, seine Schöpfung wieder rückgängig zu machen. Den Schluss bilden überraschende Pointen.

 

Viele Elemente der Minimal Music werden in der Tat verwendet, am nachhaltigsten merkbar, wenn im 3. Teil vom Maschinenmenschen die Rede ist. Als Kritik dieser Aussage nähert sie sich an solchen Stellen der Maschinenmusik. Man tut Steve Reich aber Unrecht, wenn man ihn auf Minimal Music reduziert. Rhythmisch bewegt ist diese Musik zwar immer, bezieht aber auch immer wieder andere Musikarten mit. An zwei Stellen sind sogar Anklänge an einen Trauerchoral zu hören. Zwar bleibt die Musik oft in herkömmlicher Harmonik, verschlingt sich mit dem Video, ist aber auch oft dissonant, vor allem oft dann, wenn der Gesang hervortritt. Deshalb hatten es die Sänger nicht leicht. Intendiert ist wohl auch, dass die Musik z.T. bewusst nervt, weil sie zu dissonant, nie leise ist und immer weitergeht, insofern ein Abbild der dargestellten Probleme ist, weil die ja alles andere als gelöst sind, brennend aktuell wohl für alle Zeiten.

 

Die von Beryl Korot verwendeten Videotechniken sind auf allerhöchstem technischen und intellektuellen Niveau, nehmen einerseits Techniken der Musik auf, gehen aber auch im eigenen Bereich neue Wege, durch Wiederholung, Zerhackung, unterschiedlichste Formen der Bild- und Videobearbeitung. Dies passiert aber niemals als Selbstzweck oder gar als Spielerei, sondern öffnet, sich mit der Musik verschlingend, durch die hochspezialisierte technische Bearbeitung neue Zusammenhänge und Perspektiven.

 

Langanhaltender Beifall am Schluss.

 

 

 

Zweiter Abend: „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach

Einen Tag später, am 18. September, dann große Oper mit großen Erwartungen. Von vier RegisseurInnen (eine Frau und drei Männer) hatte einer Vor- und Nachspiel inszeniert und die übrigen drei jeweils einen Akt dieser Oper. Das kann gutgehen, aber auch große Gegensätze aufzeigen und im schlimmsten Fall Stückwerk bleiben. Alle vier, die sich kennen und einander freundschaftlich verbunden sind, hatten erst drei Wochen getrennt gearbeitet, dann beim Austausch aber überrascht festgestellt, dass sie so weit gar nicht voneinander entfernt waren. Und ihre Inszenierung, im Zusammenspiel mit Bühnenbild und Musik, war dann auch wie aus einem Guss. Und viel Mutiges und Überraschendes gab es auch.

 

Nachdem der Dirigent, David Parry, vom Publikum mit Beifall begrüßt worden war, betrat eine blonde Dame die Bühne, stellte sich als Dramaturgin der Wuppertaler Bühnen vor, geriet alkoholbedingt aber sehr schnell ins Stocken. Der Dirigent beschwerte sich laut über die Störerin, diskutierte mit ihr, rief den hilflosen Inspizienten und konnte sie nur durch die dann einsetzende Musik zum Schweigen bringen.

Die blonde, meist heftig betrunkene Dame, das stellte sich bald heraus, war die Muse des Dichters Hoffmann. Zusammen mit Niklausse, einer weiteren Begleiterin Hoffmann, hindert sie ihn, mit einer Frau bürgerliches Glück zu finden. Er soll vielmehr, vom Alkohol gedopt, voll in der Kunst aufgehen. In vielen Inszenierungen werden diese beiden Personen von einer einzigen Sängerin verkörpert, hier nicht. In Wuppertal gibt es also zwei Musen (Kerstin Brix und Catriona Morison als Niklausse). Eine davon wird am Schluss erwürgt.

 

Nach dem Abgang der betrunkenen Muse führt uns der Regisseur dieses Teils und des Nachspiels, Charles Edwards, zuerst per Video ins Kronleuchterfoyer des Opernhauses, wo die Geister des Weins beschworen werden. Per Video wird dann auch die vierfache Gegenspielerin Hoffmanns eingeführt, die aber schon in der Seitenloge sitzt und von dort aus singt (Lucia Lukas mit grandioser Bassstimme). Erst dann betreten vom Zuschauerraum aus Verbindungsstudenten und auch Hoffmann die Bühne, der, von der Muse betreut, das Lied von Klein-Zack singt und seine Liebesgeschichten ankündigt.

Das ist schon einmal ein überraschender, spektakulärer Anfang, der vom Publikum sofort honoriert wurde. Aber auch die anderen Regisseure und Bühnenbildner hatten sich viel einfallen lassen und setzten neue Akzente.

 

Der Olympia-Akt (Regie und Bühnenbild Nigel Lowery) spielt in der Region der Vampire und künstlichen Menschen. Auch Niklausse sieht aus wie ein Gespenst. Zwei Bühnenbilder wechseln sich ab. In einer dunklen Gasse mit kleinen windschiefen Häusern verkauft Coppelius dem Physiker Spalanzani die noch fehlenden Augen für die von ihm geschaffene Olympia. Durch einfaches Hochziehen der Kulisse befindet man sich plötzlich in Spalanzanis Festsaal, der sich irgendwo in diesen Häusern befindet, in dem er seine Kreatur den zahlreich erschienenen Gästen auf einem glänzenden Ball vorführen will. Hoffmann ist auch unter den Gästen und in die Puppe Olympia so verliebt, dass er die rosarote Brille, die ihm sonst von Coppelius aufgesetzt wird, gar nicht braucht. Olympia entwickelt hier aber überraschende menschliche Fähigkeiten, und zwar sehr aggressive: sie greift alle Herren an, die sich ihr nähern, und beißt sie. Den verliebten Dichter Hoffmann bedrängt sie dagegen nach wildem Tanz und zieht ihn aus, beißt ihn dann aber in intime Teile, so dass die Festgesellschaft von Entsetzen gepackt wird und sich zurückzieht. Olympia, die sehr weiblich und wenig puppenhaft wirkt, wird schließlich von Coppelius erschlagen, aber nicht wie sonst üblich in ihre Einzelteile zerlegt. Bemerkenswert in diesem Akt ist das Bühnenbild des Festsaals, in dem sich die Lichter immer wieder in Augen in unterschiedlichen Helligkeiten verwandeln.

 

Im Antonia-Akt (Regie Nigel Lowery) kann man sehen, wie ein scheinbar kleiner Gag dann doch das weitere Geschehen bestimmen kann. Zu Beginn sitzt die Muse vor dem Vorhang auf der Bühne, mit einem großen Seil hantierend wie eine Norne in Wagners Götterdämmerung, zieht dann aber plötzlich daran und scheint dadurch das plötzliche Hochgehen des Vorhangs zu verursachen. Mit diesem Seil fesselt Hoffmann dann aber Niklausse, die zweite Muse, die als gebrochener Engel mit nur einem Flügel auftritt, so dass er sich seiner Geliebten Antonia widmen kann, die nicht singen darf, weil sie dadurch stirbt. Die lebt in einem heruntergekommenen Haus, hat kaum Kontakt zu ihrem auch räumlich weit entfernt sitzenden verwitweten Vater. Dann verschafft sich die Doktorin Miracle, die schon Antonias Mutter zu Tode kuriert hat, gewaltsam Zutritt zu ihr und schneidet das Seil durch, das Niklausse fesselt. Das ist der Moment, von dem an Hoffmann sich wieder dem Schreiben widmet, vom Alkohol beflügelt. Antonia ist vergessen. So hat die Doktorin freie Bahn, sie wieder zum Singen zu verführen. Endgültigen Erfolg hat sie aber erst, als sie die Stimme der Mutter beschwört, die Antonia nochmal eindrücklich auffordert zu singen. Dass die Partie der Mutterstimme von der Muse übernommen wird, ist neu, aber konsequent. Schließlich haben beide das gleiche Ziel.

Bemerkenswert an diesem Akt ist auch der Anfang: in anderen Inszenierungen kann die durchs Singen kranke Antonia ihr Auftrittslied von der Taube unbeschadet vortragen. In der Wuppertaler Inszenierung hustet sie schon bei diesem Lied, und Blutflecken zeigen sich an den Wänden.

 

Überraschendes auch im Giulietta-Akt (Regie Inga Levant, Bühne Petra Korink). Hoffmann, der sich nicht mehr binden, sondern nur noch vergnügen will, scheint zuerst in eine schwüle dämmrige Szenerie einzutauchen, in der die berühmte Barcarole die Stimmung bestätigt. Doch dann geht plötzlich gleißendes Licht an und wir befinden uns in einer Irrenanstalt mit seltsamen Gestalten, einer großen Anzahl von OP-Leuchten, fünf Badewannen und einem Gynäkologenstuhl, in dem schließlich auch Dapertutto Platz nimmt, die als Nonne verkleidete Gegenspielerin Hoffmanns in diesem Akt. Giulietta ist jetzt eine geil scheinende, aber berechnende Krankenschwester im knallroten Minikleid, die nicht Hoffmanns Spiegelbild gewinnt, sondern ihm seine Seele mit medizinischem Gerät stiehlt. Auch das Duell um Giulietta zwischen dem schattenlosen Schlehmil und Hoffmann findet nicht mit Säbeln, sondern mit Elektroschockern statt. Das Duell gewinnt Hoffmann, wird dadurch aber zum Mörder und ist am Ende aber wieder der Betrogene, wie auch schon in den Akten vorher.

 

Zurück in Luthers Weinkeller ist Hoffmann so betrunken, dass er die ihn aufsuchende Stella nicht mehr erkennt. Die vertraut sich daraufhin der Hofrätin Lindorf an. Die Muse versucht ihn zu trösten, will ihm handgreiflich klarmachen, dass sie ihn liebt und nur sein Bestes will, doch Hoffmann – das ist wieder ein neues Element – nimmt ihren Trost nicht an und erwürgt sie.

 

Die dann folgende Apotheose des romantischen Künstlers wirkt dann seltsam fahl. Aus sich bildendem Gewölk treten sämtliche Figuren noch einmal auf die Bühne und singen „Ja, groß ist die Liebe, doch noch größer ist das Leid.“ Musikalisch ein furioses Finale, aber auch für Hoffmann? Der ist von Niklausse, der zweiten Muse, wieder aufgerichtet worden. Sein Lächeln wirkt aber sehr gezwungen.

 

Also viele gute Ideen und neue Lesarten. Den Leistungen der RegisseurInnen standen die Musiker in nichts nach. Chor (mit neuem Chorleiter Markus Baisch) und Orchester (David Parry) sangen und spielten wie befreit, das Orchester erhielt sogar vor dem Giulietta-Akt einen Sonderbeifall.

 

Grandios gesungen und gespielt wurde von den Mitgliedern des neuen Ensembles. Die legten wahrscheinlich alle noch einmal eine Schippe drauf, als sie durch häufigen frühen Zwischenbeifall merkten, dass sie beim Premierenpublikum wunderbar ankamen. Hoffmann wurde von Mickael Spadaccini gesungen, mit strahlenden hohen Tönen, sogar unter der Dusche, aber in anderen Passagen auch sehr differenziert. Die vier Frauenrollen sang Sara Hershkowitz, brillant bis in die höchsten Höhen und hervorragend auch in der Darstellung. Lucia Lucas spielte und sang in ganz unterschiedlichen Kostümierungen und mit profundem Bass die vier GegenspielerInnen Hoffmanns. Die Musen verkörperten Catriona Morison mit voluminöser Stimme und Kerstin Brix. Aus den vielen weiteren Rollen, die z.T. auch von Chormitgliedern besetzt waren, möchte ich stellvertretend Mark Bowman-Hester nennen, der im Antonia-Akt mit einer hinreißenden Charakterstudie des schwerhörigen Dieners Frantz das Publikum zu einem Begeisterungssturm hinriss.

Überhaupt das Publikum! So beifallsfreudig und begeisterungsfähig habe ich es selten erlebt. Die vielen Zwischenbeifälle schienen manchmal fast den Fortgang der Handlung zu stören, andererseits muss man sagen: Alle hatten es verdient, dass die standing ovations am Schluss gar nicht aufhören wollten: Solisten, Chor, Orchester, RegisseurInnen, alle anderen Beteiligten, und vor allem natürlich der neue Intendant, der für alles verantwortlich war, vieles schon erfolgreich auf den Weg gebracht hat und sicherlich noch weiter bringen wird.

 

Fritz Gerwinn

20.9.2016

 

 

 

Weitere Aufführungen:

 

Three Tales

22.9., 29.9., 30.9., 8.10., 16.10., 10. 12., 11.12.2016

 

Hoffmanns Erzählungen

23.9., 1.10., 9.10., 22.10., 5.11., 18.12.2016