Ariodante

Dramma per musica in drei Akten

Von Georg Friedrich Händel

Nach Antonio Salvi

Premiere: 21. 04.2014

Musikalische Leitung: Mathew Halls

Inszenierung: Jim Lucassen

 

Der junge Niederländer Jim Lucassen inszenierte die selten gespielte Händel Oper „Ariodante“ für das Aalto Theater. Wer barocke Bilder-Pracht erwartete, wurde enttäuscht.Der Regisseur brachte das Werk als Familien Saga auf die Bühne ohne opulente Ausstattung, doch mit einem großartigen Sängerensemble.

Ariodante wurde 1735 im Theatre Royal Covent Garden in London erfolgreich uraufgeführt. Die Handlung ist banal. Ariodante steht kurz vor der Vermählung mit Gineva, der schottischen Königstochter. Alles scheint bestens zu laufen. Der König will sogar zugunsten Ariodantes auf den Thron verzichten. Doch die Verbindung soll durch den Intriganten Polinessoverhindert werden. Dieser schmiedet mit Hilfe von Dalinda eine böse Intrige.

Sie verkleidet sich als Gineva und gibt vor die Geliebte Polinessos zu sein. Ariodante ist vor Schmerz wie von Sinnen und will sich umbringen. Die Helfer Polinessos hindern ihn daran und bringen ihn ins Verlies. Wenig später wird auch Dalindal inhaftiert.Sie klärt den Betrug auf.

 

Das Bühnenbild  im Aalto-theater zeigt einen grau ausgestatteten Raum auf dem eine Drehbühne mit zahlreichen Türen kreist. Sie öffnen und schliessen sich permanent.  Ein weiläufiger Adelspalast soll damit angedeutet werden, indem die Bediensteten in streng geschnittener grauer Bekleidung verschiedene Tätigkeiten verrichten. Es wird auch getanzt und gefechtet. Die Szenerie wirkt starr. Es wird deutlich, Polinesso ist an Liebe nicht interessier. Es geht ihm nur um Macht und dazu setzt er jedes Mittel ein. Sogar den König weiß er zu überzeugen und redet ihm ein, Gineva sei schuldig.

 

Prägend für das Werk sind zuweilen ausgedehnte Arien, in denen Schmerz und Verzweiflung der Protagonisten zum Ausdruck gebracht werden. Den
Tod vor Augen spiegelt die Musik Trostlosigkeit und Ausweglosikeit Ginevas und setzt die seelischen Befindlichkeiten Ariodantes in emotionale Klangfarben um.

MATTHEW HALLS am Pult der ESSENER PHILHARMONIKER vermag es das Publikum  zu begeistern.

 

 

Melodrama in zwei Akten von Vincenzo Bellini
Dichtung von Felice Romani nach Charles-Victor Prévost d’Arlincourt

Musikalische Leitung Josep Caballé Domenech
Inszenierung Christof Loy
Bühne Annette Kurz
Kostüme Ursula Renzenbrink
Licht Franck Evin
Choreinstudierung Alexander Eberle
Dramaturgie Thomas Jonigk, Kathrin Brunner
Premiere 2. März 2014
 

Bellinis Frühwerk „La Straniera“ wird hierzulande eher selten aufgeführt. Im Repertoire der Opernhäuser blieb sie eine „Fremde“. Zu Unrecht. In Zürich inszenierte Christoph Loy 2013 die Oper mit großem Erfolg. Das Aalto Theater übernahm nun die Produktion mit Marlis Petersen in der Titelrolle. Vom Publikum gab es viel Beifall.

 

Die Handlung basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich im 12. Jahrhundert ereignet hat. König Philippe Auguste von Frankreich ist mit Prinzessin Isemberga aus Dänemark verheiratet. Das hindert ihn jedoch nicht, sich eine weitere Frau zu nehmen, Herzogin Agnese von Pommern. Die Kirche verurteilt die Bigamie und droht  mit Exkommunion, sollte der könig die Absicht haben, Agnese auf den Thron zu heben. Der König gibt nach und schickt die Herzogin in Begleitung ihres Bruders Leopold ins Exil. Unter dem Namen Alaide und Valburgho leben die Beiden am See von Montelino und warten auf günstigere Entwicklungen am Hofe.

 

Im Mittelpunkt der Handlung stehen im Aalto-Theater Arturo und Alaide. Arturo hat sich unsterblich in Alaide verliebt, ohne zu wissen, wer sie ist und woher sie kommt. Dass er mit Isoletta verlobt ist und kurz vor der Hochzeit steht, stellt für ihn kein Hindernis dar. Über die Indentität Alaides erfährt auch der Zuschauer zunächst wenig, das Geheimnis ihrer Herkunft wird erst später gelüftet. Ebenso werden Verstrickungen und Bindungen der Protagonisten erst im Laufe der Handlung deutlich und erkennbar wird: das Geschehen nimmt keinen guten Verlauf.

 

Isoletta muss schmerzlich erkennen, dass Arturo sie nie geliebt hat. Alaides und Arturos Liebe findet keine Erfüllung. Arturo begeht Selbstmord. Und auch der Tod der Königin bringt dem König kein Liebesglück. Alaide will nicht mehr zu ihm zurück. So geht keine der Bindungen gut aus.

 

Um das Fremdartige der Handlung zu verdeutlichen, geht Loy subtil an die Inszenierung heran. Die Bühne ist mit sparsamen Requisiten ausgestattet, im Stil der Entstehung der Oper. Seilzüge demonstrieren den Szenenwechsel. Alaide und Isabella tragen elegante Roben aus edel-schimmernden Stoffen (Ursula Renzenbrink). Transparente Wandkulissen zeigen eine geheimnisvolle Waldlandschaft. Die Protagonisten halten sich hier auf, sind oft nur als Schatten zu erkennen.

 

Spiegelungen verdeutlichen das Innenleben der Darsteller. Eine Puppe verkörpert Alaide. Sie wird von den  Dorfbewohnern attackiert. In dieser Handlung offenbart sich der ganze Hass auf die Fremde. Sie wünschen ihr den Tod. Die Stilisierung Aalides als Braut mit Krone verdeutlicht ihren Wunschtraum.

 

Doch der Traum erfüllt sich nicht. Die Liebe findet kein Happy end, sie endet tragisch. Ein glückliches Leben an der Seite Arturos bleibt ein Illusion.  Der Beginn der Inszenierung nimmt bereits den tragischen Schluss vorweg.  Der tote Arturo liegt auf dem Boden. Er hat Selbstmord begangen. Alaide breitet ihren Schleier über ihn aus und verstreut Blumen.

 

Das großartige Sängerensemble und der Chor setzen in der Inszenierung immer wieder dramatische Höhepunkte. Die auskomponierten Tableaus fügen sich wirkungsvoll in die Handlung ein. Im Mittelpunkt stehen Marlies Petersen in der Rolle der Alaide und Alexey Sayapin als Arturo. Die Sängerin ist eine großartige Bühnenpersönlichkleit, die mit bemerkenswerter Leichtigket die zahlreichen Koloraturen meistert, sowie Schmerz und Glück in ihrer Stimme gehaltvoll transportiert. Mit Alexey Sayapin (Arturo) harmoniert sie perfekt. Dass die Oper nicht eine einzige Arie für den zentralen Tenor (Arturo) vorsieht, ist eine Besonderheit. Auffallend in dem Werk sind auch die zahlreichen  Deklamationen. 

 

Begeistert spendete das Publikum Beifall für Luca Grassi als Valburgo, der mit seinem markanten Bariton alle Höhen und Tiefen bravourös meisterte. Ieva Prudnikovaite als Isoletta bildete mit ihrem gelegentlich etwas herb klingenden Mezzo einen interessanten  Kontrast. Auch die anderen Partien glänzen durch eine hochkarärige Besetzung.

 

Josep Caballé Domenech lässt die Essener Philharmoniker mit großer Empathie und klanglich differenziert aufspielen. Begeisterter Schlussbeifall.