Wuppertal

SALOME

Nach dem ambitiösen und deshalb umstrittenen Parsifal feierte das Wuppertaler Publikum die neue „Salome“ mit einhelligem Beifall. Nicht nur in Hinsicht auf die musikalische Umsetzung kam das Publikum auf seine Kosten, auch das Regieteam erhielt in der Premiere viel Applaus. Anders als der Regisseur des Wuppertaler Parsifals, Thilo Reinhard, in seiner Berliner „Salome“ betonte Michiel Dijkema den vorgegebenen Spannungsbogen und legte besonderen Wert auf genaue und nachvollziehbare Personenführung, bezog aber hierbei auch neue Sichtweisen im Detail ein.

 

In überwältigendem Blau zeigt sich die Bühne beim Öffnen des Vorhanges, rechts drüber der Mond. Links unten ein schwarzes Loch mit beachtlichem Tiefgang und mühsamen Einstieg. Dazu zwei Treppen, eine führt über einen Steg in den Festsaal. In diesem Ambiente spielt sich alles ab.

Dass der Hauptmann Narraboth und der Page ein Paar sind, wird von Anfang an betont, umso stärker erscheint deshalb Narraboths Hinwendung zu Salome, die offenbar von seiner Verliebtheit weiß und sie auch durch körperlichen Kontakt ausnutzt. In ebensolcher Weise bedrängt sie auch den Propheten, der dies mehrfach geschehen lässt, wohl auch genießt, bevor er sich dann doch wieder besinnt und sich fast gewaltsam von ihr losreißt. Die beiden Soldaten sind in dieser Szene hilflos, wissen nicht, ob sie eingreifen sollen; einerseits fürchten sie die Stärke Jochanaans, andererseits die erotische Aggressivität Salomes.

Narraboths Selbstmord interessiert Salome wenig; Nachdem Jochanaan sie zurückgewiesen hat und in sein Gefängnis zurückgekehrt ist, ist sie nicht nur enttäuscht, sondern verzweifelt. Gleichzeitig scheint sie einen Entwicklungssprung zu machen vom mit der Liebe spielenden jungen Mädchen, das auch sonst alles bekommen hat, was sie wollte, zur abgewiesenen Frau. Auf die Idee, Jochanaan den Kopf abschlagen zu lassen, um ihn doch zu erreichen, kommt sie wohl erst, als sie in das Blut des toten Narraboth fasst.

Das verändert auch ihr Verhältnis zu ihrem Stiefvater Herodes, dessen Avancen sie lange mit Ekel zurückweist. Erst als er ihr für ihren Tanz einen Wunsch erfüllen will und darauf einen Eid schwört, ändert sich ihr Verhalten sofort und konsequent, und keiner begreift, warum sie das tut. Auch während des Tanzes wird dies noch nicht klar. Dafür hat sich der Regisseur der Hilfe des Choreographen Matthew Tusa versichert. Wirkt der Tanz am Anfang noch etwas statisch, verlebendigt er sich im weiteren Verlauf ungemein, weil Salome alle Anwesenden mit einbezieht: zuerst die Soldaten, dann den Jüngeren der Jesus bewundernden Nazarener, der erst von seinem älteren Begleiter von diesem sündigen Tun erst gerettet wird, bevor dieser dann selbst mitmacht und von Salome besonders gern berührt wird, weil seine Haare denen von Jochanaan besonders gleichen. Auch die fünf Juden, deren grotesker Streit vor dem Tanz ebenfalls sehr schön choreographiert war, und die übrigen Festgäste werden von Salome, die sich schließlich Jochanaans liegen gebliebenen Umhang über die Schultern legt, zum Tanzen gebracht. Lediglich Herodias macht nicht mit, versteht ebenfalls noch nicht, was ihre Tochter will, und deutet ihr Verhalten als Überlaufen zu ihrem Mann. Größer kann das Entsetzen aller – außer Herodias - aber nicht sein, als Salome ihre wahre Absicht verkündet. Herodias versteht dies dann wiederum sofort, trinkt nach der Hinrichtung auch von Jochanaans Blut und beschmiert damit die Brust des muskelbepackten Henkers.

Auch ihre Beziehung zu Herodes wird klar akzentuiert: nur in angstbesetzten Momenten halten sie noch zusammen, ansonsten sind sie bis zur körperliche Gewalt zerstritten.

Der Schluss ist überraschend und nicht ganz unproblematisch. Während sich auf der hinteren Wand ein roter Neonstreifen wie ein Menetekel bildet, wird auf die ganz dunkel gewordene Bühne plötzlich ein Riesenscheinwerfer getragen, der auch ins Publikum leuchtet und in Sekundenbruchteilen Salomes Hinrichtung zeigt. Dies erscheint mir etwas anachronistisch, zumal die meistens Kostüme (Tatjana Ivchina) auf die Zeit des tatsächlichen Geschehens hinweisen und die neueren Kostüme einiger Festgäste den Anspruch der Zeitlosigkeit nicht ganz erfüllen können.

Das Orchester folgte dem Dirigenten des Abends, Ari Rasilainen, präzise, die Zusammenarbeit in der Probenphase hat den Musikern offensichtlich gefallen. Lediglich zu Beginn des Salome-Auftritts mussten sich Sängerin und Orchester lautstärkemäßig aufeinander einstellen. Das ging aber ganz schnell und fast unmerklich, und danach klappte die Zusammenarbeit hervorragend; dass die SängerInnen sich vom Orchester getragen und unterstützt fühlten, zeigten einige, indem sie sich schon beim ersten Applaus beim Orchester bedankten.

Cristina Baggio zeigte sich in jeder Hinsicht als ausdrucksvolle Sängerin, Darstellerin, Tänzerin ihrer schwierigen Aufgabe gewachsen. Michael Hendrick und Dubravka Musovic brillierten als zerstrittenes Ehepaar Herodes und Herodias. Thomas Gazheli als Jochanaan, der schon in der Matinée-Veranstaltung und vorher als Amfortas das Publikum mit seiner voluminösen Stimme beeindruckt hatte, füllte damit auch diesmal das gesamte Opernhaus, selbst wenn er gar nicht auf der Bühne war. Auch Emilio Pons als Narraboth und die übrigen Darsteller der kleineren Rolle erfüllten sowohl sängerisch als auch darstellerisch ihre Rollen gut aus.

Weil zur Zeit für die Nachfolge Kamiokas nicht nur ein neuer Opernintendant, sondern auch ein neuer GMD gesucht wird, dirigieren außer Ari Rasilainen, der auch für die Einstudierung verantwortlich zeichnete, fünf weitere Kandidaten jeweils eine der nach der Premiere noch folgenden fünf Vorstellungen: Am 19.4. Johannes Pell, am 26.4. Lutz Rademacher, am 8.5. Ivan Törzs, am 17.5. Aleksandar Markovic und am 30.5. Kwame Ryan. Man darf gespannt sein, ob einer von ihnen das Rennen machen wird.

 

Fritz Gerwinn  19.4.2015

 

Weitere Termine: 26. April, 8., 17., 30. Mai 2015

 

 

Die Csárdásfürstin

OPERETTE IN DREI AKTEN VON
EMMERICH KÁLMÁN
LIBRETTO: LEO STEIN UND BELA JENBACH
Uraufführung 1915

Musiktheater-im-revier

Premiere:19. Dezember 2014

Musikalische Leitung:  Svetoslav Borisov
Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf

„Ganz Europa soll den Csárdás spielen“, so heißt es provokativ in der Inszenierung von Dietrich Hilsdorf. Zu den feurigen Rhythmen tanzen möchten bestimmt viele Gaste im Publikum.
Zur großen Freude der  Operettenfreunde inszenierte Hilsdorf die Csárdásfürstin für das Musiktheater in Gelsenkirchen. Ein Genre, dass oft todgesagt wurde.

Der ungarische Komponist Emmerich Kálmán (1882 - 1953) komponierte die Operette 1913. Die Uraufführung fand 1915 in Wien unter großem Jubel statt.
Die Csárdásfürstin gilt als eine der schönsten Operetten und ist so beliebt, dass im Laufe der vergangenen hundert Jahre fast jedes Gesangstück zu einem „Ohrwurm“ geworden ist. Sie verhalf Kálmán zu Weltruhm.

Operettenleichtigkeit und 1. Weltkrieg, wie passt das zusammen? Dietrich Hilsdorf gelingt der Spagat. Den historischen Kontext hat der Regisseur trotz aller Komik stets im Blick. Er verarbeitet Liebe und Eifersucht, Traurigkeit und Verlust, Spannung und Intrige, Vergangenheit und Gegenwart zu einer schmissigen, ideenreichen Aufführung. An mehreren Schauplätzen findet die Handlung statt: im Orientexpress, Grandhotel und auf einem schäbigen Bahnhof.

Die Liaison zwischen der erfolgreichen Varietesängerin Sylva und Edwin, dem Sohn des Fürsten zu Lippert-Weylersheim durchzieht das gesamte Werk. Standesunterschiede machen die Heirat des verliebten Paares zunächst unmöglich. Edwins Vater hat sich schon lange dazu entschlossen, seinen Sohn mit Komtess Anastasia  zu verkuppeln. Es folgen allerlei Verwicklungen, an denen auch Graf Boni und die Mutter Edwins beteiligt sind, Schließlich scheint sich alles zum Besten zu wenden, wenn da nicht Edwins Einberufungsbescheid zum Militär wäre

Orientexpress und Grandhotel markieren Glanz und Reichtum der K&K Monarchie, deren Untergang sich schon zu Beginn der Inszenierung abzeichnet. Der Zug auf dem Weg von Budapest nach Wien markiert die Zeitenwende. Noch hat die feine Gesellschaft nicht begriffen, dass sich die Welt um sie herum radikal verändert und Krieg herrscht. Sie haben nur eines im Sinn: sich zu vergnügen, Champagner fließt in Strömen und die eleganten Herren amüsieren sich mit den Damen des Varietés. Da passt es dann auch ins Bild, dass Boni nicht ernst genommen wird, als er vorgibt sein Leben ändern zu wollen und fortan arbeiten will. Er wird laut ausgelacht,

Die Inszenierung punktet mit stimmungsvollen Bildern und abwechslungsreichen Gags: Slapstick Einlagen mit kreischenden Frauen, die über die Bühne jagen, ein jiddisches Trio auf dem Bahnsteig, dessen wehmütige Musik ergreifend wirkt und die bunte Truppe der Csardastänzer (choreographiert von Ex-Ballettchef Bernd Schindowski, Kostüme Renate Schmitzer).
Am Ende sind es nicht mehr die feinen Leute, die im Zug transportiert werden, sondern  Soldaten. Die Waggons sind mit Parolen wie: „Jeder Schuss ein Ruß!“ und „Serbien muss sterben!“ beschmiert.


Die Sängerriege bietet eine solide Leistung. Hervorzuheben ist E. Mark Murphy, der als »Boni» eine hinreißend komische Figur abgibt. Dorin Rahardja beeindruckt als Komtesse Anastasia mit klangvoller Stimme. Peter Schönes lyrischer Sopran verliert ab dem zweiten Akt in den Höhen an Kondition. Etwas mehr Temperament wünscht man sich für Petra Schmidt in der Rolle der Sylva.

Für das Ensemble und die mitreißend gespielte Musik der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Chefdirigent Svetoslav Borisov gab es vom Publikum begeisterten Applaus.

(U. HA_K)

 

weitere Aufführungen

 

"HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN"

"Les Contes d`Hoffmann"

Aalto-Theater

Keine Anstrengung kann groß genug sein, um der Kunst zum Erfolg zu verhelfen. Das dachten sich wohl auch Stefan Soltesz, Generalmusikdirektor des Aalto Theaters in Essen und Dietrich W. Hilsdorf, Regisseur, als sie sieben Tage in Klausur gingen und „Hoffmanns Erzählungen“ in der Fassung von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck durchforsteten. Stunde um Stunde prüften sie jeden Satz und Takt. Vor 15 Jahren war die Oper zum letzten Mal in Essen aufgeführt worden. Nun kann sich das Publikum auf die Neuinszenierung freuen. Premiere ist am 21. Oktober.

 

Mit seinen Operetten erzielte Jacques Offenbach Weltruhm. In den Bouffes parisennes, wo Offenbach als sein eigener Theaterdirektor fungierte, begeisterte er das Publikum mit seinen Stücken, die durch Satire, Komik und zündende Rhythmen beeindruckten. Mit "Orpheus in der Unterwelt" kreierte er die erste zweiaktige Operette. Doch bei allem Operetten-Ruhm, seine Sehnsucht galt der Oper. Sein Traum war es eine große Oper zu komponieren, wobei Offenbachs Vorstellung einer großen Oper nicht unbedingt mit der heutigen Vorstellung einer "Grand Opera" korrespondierte. Seine Werke wurden fast ausschließlich in Vorstadt-Theatern mit einer kleinen Orchesterbesetzung aufgeführt.

Als Offenbach 1880 verstarb, waren "Hoffmanns Erzählungen" noch nicht fertiggestellt, insbesondere der "Guiletta Akt" war zum größten Teil unvollendet. Bereits bei der Uraufführung im Februar 1881 an der Opéra Comique wurden Veränderungen an dem Werk vorgenommen. Hauptverantwortlich dafür war Carvalho, der Direktor der Opéra, der sich schon im Vorfeld die Rechte an der Oper gesichert hatte. In der Folgezeit gestaltete sich eine originalgetreue Aufführung durch die desolate Quellenlage immer schwieriger. Es gab einfach zu viele unterschiedliche Fassungen.

In der deutschen Oper Berlin dirigierte Stefan Soltesz vor 20 Jahren das Werk rund 40-mal. „Das reichte dann auch erst mal", meinte er. Er zögerte, als man ihn um eine Neuinszenierung bat. Doch jetzt war die Zeit für eine Neueinstudierung des Werkes offenbar reif. Zumal Soltesz die musical- und chansonartigen Melodien Offenbachs sehr schätzt. Immerhin startete er seine Karriere am Theater an der Wien mit einem Musical.

Hoffmanns Erzählungen wird auf der Aalto Bühne in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln aufgeführt. Die Handlung kreiert ein Künstlerdrama, indem der Dichter, Träumer und Trinker E.T.A. Hoffman als fiktive Gestalt auf dem Weg nach dem Glück seinen Fantasien erliegt. Realität und Fiktion verschwimmen. Gleich drei Frauen: Antonia, Olympia und Giuletta sind an dem faszinierenden Verwirrspiel beteiligt. Die Figuren sind Erscheinungen, Visionen, die seine Fantasie beflügeln. Er sucht in den drei Frauengestalten nur eine einzige.

 

Die Essener Spielfassung in fünf Akten hält sich streng an die Kayes/Keck Fassung (Ende 1990 erschienen). Sie verzichtet auf die berühmte Spiegelarie, die nicht original aus Hoffmanns Erzählungen stammt, sondern aus einer seiner Operetten. Die Inszenierung beinhaltet knapp gesprochene Dialoge. Arien und Couplets kommen dadurch besser zur Geltung. Die Guilleta Arie erfährt eine Veränderung. In der Konzeption wird deutlich, warum Hoffmann mordet. Die Spielzeit beträgt knapp drei Stunden. Es gibt eine Pause. (H-K)

 

Weitere Vorstellungen: 29.10., 1., 4., 6., 10., 13., 17., 19., 27., 30., November

26. Dezember, 13., 15., April, 17., 20. Juni 2012

 

Tel. 0201-8122-200

tickets@theater-essen.de

 

 

"DER GESTIEFELTE KATER"

17. 03. 2011

Oper in fünf Bildern

XAVIER Montsalvatge

Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg

 

Musikalische Leitung: Rainer Mühlbach

Inszenierung: Svenja Tiedt

Dramaturgie: Bernhard F. Loges

Bühne/Kostüme: Tatjana Ivschina

 

Großer Jubel in Duisburg bei der Premiere der Kinderoper: „Der gestiefelte Kater". Svenja Tiedt hat sie für die Rheinoper inszeniert. Viele Schulklassen waren gekommen um sich den gestiefelten Kater anzusehen. Der französische Dichter, Charles Perraut, schrieb das Märchen 1695 auf. Bedeutende Interpreten nahmen sich der Erzählung an und berichteten vom mutigen Kater, der seinem Herrn Reichtum und Ehre bescherte. Darunter auch die Gebrüder Grimm und Erich Kästner. Die Musik zur Oper schrieb Xavier Montsalvatge; ein schon zu Lebzeiten berühmt gewordener spanischer Komponist, der über 100 Werke komponierte. 1948 wurde die Erfolgsoper, „El gato con botas“, „Der gestiefelte Kater“, in Barcelona uraufgeführt.

Eine Kinderoper benötigt eine andere Herangehensweise, als eine Oper für Erwachsene. Für Kinder ist es wichtig, dass sie die Handlung verstehen. Darüber hinaus soll die Inszenierung abwechslungsreich und farbenfroh sein, damit keine Langeweile aufkommt. Für den "Gestiefelten Kater" hat sich die Rheinoper an den Wünschen der Kinder orientiert. Dabei wurden in puncto Ausstattung keine Kosten gescheut, so wie bei großen Opern wirken Solisten und die Duisburger Philharmoniker mit. Mittels schlichter schwarz-weiß Zeichnungen, die wie Piktogramme wirken, wird zu Beginn der Oper die Handlung erklärt. So schließen die Kinder den niedlichen kleinen Kater (zunächst nur als Zeichnung) gleich in ihr Herz. Im weiteren Verlauf der Inszenierung schlüpft Iryna Vakula in die Rolle des Katers, der mit einem alten Müller und dessen drei Söhnen in einer Mühle lebt. Als der Müller stirbt, wird das Vermögen aufgeteilt. Für den jüngsten Sohn bleibt nur der Kater übrig. Beide müssen die Mühle verlassen und hausen fortan ganz armselig unter einer alten Brücke. Plötzlich fängt der Kater an zu sprechen und verspricht dem Müller Ruhm und Reichtum. Allerdings benötigt er für sein Vorhaben einen Hut, einen Mantel, ein Schwert und ein Paar Stiefel.

Die Inszenierung beeindruckt mit interessanten Bühnenbildern und wunderschönen Kostümen; die düstere Brücke in der Stadt, die Angst einflößend wirkt, das heruntergekommene Kastell des Königs mit dem schillernden Interieur, die romantisch beleuchtete Landschaft am Fluss und das verzauberte Schloss des Monsters, indem die Hasen in engen Käfigen auf ihr Ende warten, sowie mit vielen pfiffigen Ideen und Überraschungen. Die Prinzessin düst auf dem Soziussitz eines bunten Motorrollers munter durch die Gegend und rettet den Müller mit dem Regenschirm aus dem Wasser. Hasen schlagen wilde Kapriolen, der schlaue Kater betätigt sich als Troubadour und stimmt wunderschöne Liebesarien an, um die Prinzessin für seinen Herrn zu gewinnen, obendrein besiegt er mit einer List das böse Monster (Oleg Bryjak), der König (Bruno Ballmelli) sieht überhaupt nicht majestätisch aus, sondern wie ein Pistolenheld.

Iryna Vakula begeistert in der Rolle des sprechenden, schlauen Katers. Eindrucksvoll demonstriert sie den Charakter des intelligenten Tieres. Michael Pflumm als ängstlich wirkender Müllersohn, der sein Glück findet, wirkt herrlich komisch. Ende gut, alles gut, heißt es zum Schluss. Im prunkvollen Palast wird ein schönes Hochzeitsfest gefeiert, die Musik kommt noch mal so richtig in Schwung. Pauken und Trompeten erschallen. Der Kater erhält einen Ehrenplätzchen auf dem Thron.

Das spielfreudige Ensemble begeistert die Kinder. Besonders der Kater und die Hasen haben es ihnen angetan. Immer wenn der Kater auf der Brücke zu sehen ist, ruft ein kleiner Junge im Publikum: "Das bin ich, das bin ich“. Die Identifikation mit dem Geschehen auf der Bühne ist bei den Kindern zweifellos unglaublich groß.

Begeistert klatschen, pfeifen, und trampeln die Kinder am Schluss. Eine wunderbare Inszenierung, die Kindern und Erwachsenen viel Spaß bereitet. (U-HK, Deianira)

 

www.operamrhein.de

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_gestiefelte_Kater

http://www.1000-maerchen.de/fairyTale/852-der-gestiefelte-kater.htm

 

 

„Die lustige Witwe“

16. Januar 2011 

Düsseldorf  -- Deutsche Oper am Rhein

„Die lustige Witwe“

Franz Lehàr

Musikalische Leitung: Ralf Lange

Inszenierung: Harald Schmidt, Christoph Brey

 

 

In Düsseldorf steht Franz Lehàrs „lustige Witwe“ wieder auf dem Programm. Sehr zur Freude der Operettenliebhaber. Die „Lustige Witwe“, ist nicht nur eine der erfolgreichsten Werke des berühmten Komponisten, sie zählt auch zu den beliebtesten.

Inszeniert wurde sie von Harald Schmidt und Christoph Brey.

Dass ausgerechnet Harald Schmidt, einer der bekanntesten und scharfzüngigsten Kabarettisten unseres Landes sich des Genre „Operette“ annimmt und als Operettenliebhaber zu erkennen gibt, sorgte für ziemliches Aufsehen. Für sein Engagement wurde er jedoch vielfach gelobt.

 

Die Story um Graf Danilo Danilowitsch, der die millionenschwere Witwe, Hanna Glawari, heiraten soll, um sein Vaterland vor dem finanziellen Ruin zu retten, hat nichts von seinem Charme verloren. Gleichzeitig ist ihr Stoff aktuell, denn in einer Zeit internationaler Finanzkrisen dringen tagtäglich Hiobsbotschaften an unser Ohr. Doch ist es vor allen Dingen die Musik der „lustigen Witwe“, die Generationen begeisterter Operettenliebhaber ins Opernhaus lockte und sie zum Schwärmen brachte.

 

In der Pause seufzte eine ältere Dame:“ Diese schönen Melodien, immer wieder höre ich sie gerne. Ach, würden hier doch viel mehr Operetten gespielt“.

Ihr kann geholfen werden- ginge es nach Harald Schmidt. Sein Anliegen ist es,  der „Operette“ zu neuer Popularität zu verhelfen, ihr die Würde zurückzugeben.

 

Das Komödiantische hat eine wichtige Funktion in der Operette. Das Publikum soll sich amüsieren und gut unterhalten Harald Schmidt und Christoph Brey servieren 2 1/2 Stunden vorzügliche Operettenkost. Annette Hachmann und Elisa Limberg haben das moderne Bühnenbild für die lustige Witwe entworfen: Spiegeldrehtüren sind in einem Halbkreis aufgestellt, ein spielbegeistertes Ensemble mit hervorragenden Solisten, Schauspielern und mitreißenden Tänzern belebt die Szenerie. Dekoriert wird das ganze mit fantasievollen Kostümen, Discokugeln, bunt glänzenden Jeff Koons Skulpturen und Luftballons. Derart musicalartig aufgepeppt wird die lustige Witwe noch köstlich garniert mit flotten Sprüchen, witzigen Dialogen, gelegentlichen schlüpfrigen Bemerkungen und spitzfindigen Jokes von Harald Schmidt. Besonders amüsant ist das Duo: Baron Mirko Zeta (Peter Nikolaus Kante) und sein Botschafts-Adlatus Njegus (Lutz Salzmann). Der gehörnte Ehemann und sein schlauer Gehilfe sind ein hinreißend komisches Gespann.

 

Johannes Heesters Markenzeichen war der weiße Schal. Damit eilte er ins Maxim und schrieb Operettengeschichte. Graf Danilo (Will Hartmann) trägt in der Inszenierung zwar keinen Schal, doch auch er schwärmt von dem Etablissement und singt verzückt:“

„Heute geh ich ins Maxim“ und wenn er und Hanna Glavari (Christina Dietzsch) zum Schluss endlich zueinanderfinden und das berühmteste Liebeslied der Operette anstimmen, dann ist nicht nur Romantik pur angesagt, es wird auch so richtig warm ums Herz.

 

Musikalisch spielen die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Ralf Lange auf höchstem Niveau.

 

Das Publikum zeigte sich begeistert und applaudiert lange dem gesamten Ensemble.

 

 

„DIE WUNDERSAME REISE NACH ESMIR“

LOHENGRIN

Lohengrin"
Romantische Oper in drei Akten
Musik und Dichtung von Richard Wagner
Uraufführung: 28. August 1850 am Hoftheater in Weimar
Dortmund: Neuinszenierung

Musikalische Leitung: Jac von Steen                                              

Regie: Christine Milietz

(14. März 2010)

 

Liebe ist nicht genug

 

Elsa von Brabant liebt den geheimnisvollen Ritter aus dem fernen Land. Seine Identität will er nicht preisgeben. Doch damit gibt sich Elsa nicht zufrieden. Von Neugierde geplagt, stellt sie ihm die alles entscheidende Frage nach seiner Herkunft und zerstört damit eine Utopie.


Christine Milietz inszenierte das Melodrama in Dortmund. Um die seelische Tragödie der beiden Hauptpersonen, Elsa und Lohengrin, darzustellen, hat Bühnenbildner Frank Fellmann unterschiedliche Räume mit beeindruckenden Bildern geschaffen. Die Bühnenbilder geben die düstere Atmosphäre der Handlung excellent wieder. Die impornierende Guernicawand und die grauschwarzen Kostüme der Personen sind Metaphern für existentielle Bedrohung, Angst und Schrecken. Permanent sich verschiebende Blöcke, in denen Gruppen der Brabanter Aufstellung nehmen, assoziieren Starrheit- und Ausweglosigkeit des Systems. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn die Brabanter als graue Masse im Kollektiv auftreten, marschieren, wenden und wie auf Kommando wieder verharren. Die Inszenierung zeigt, dem Einzelnen wird hier keine Bedeutung beigemessen. Dominierend ist das System, chancenlos derjenige, der sich ihm widersetzt. Und doch gibt es die Utopie auf ein besseres Leben, das Rad der Geschichte kann jederzeit neu erfunden werden. Alle Hoffnung richtet sich deshalb auf den Heilsbringer, in Gestalt des Schwanenritters. Er soll ein besseres Leben und die Erlösung realisieren. Der geheimnisvolle Ritter wiederum hofft auf die bedingunglose Liebe Elsas. Nur dann kann er in der Welt der Menschen bleiben.

Ein faszinierendes Bühnenbild transportiert den Erlösungsgedanken. Auf eine große Wand wird die Zeichnung des letzten Abendmahles projeziert. Richard Wagner hat sich Zeit seines Lebens mit der Erlöser Thematik beschäftigt. Dass der Schwanenritter kein Garant für irdisches Glück ist und die Erlösung von aussen nur ein Wahn ist, wird im Verlauf des Dramas deutlich.

 

Milietz gibt besonders Ortrud als Rivalin von Elsa eine unglaubliche starke Bühnenpräsenz. An der Seite von Telramund integriert sie,

kämpft um die Macht, will die Krone für ihren Gatten, ist stimmlich und darstellerisch in jeder Phase Elsa ebenbürtig. Obwohl es den Anschein hat, Elsa sei eine moderne, taffe Frau, trügt der Schein.  In Milietz Inszenierung ist Elsa eher unsicher, ängstlich und realitätsfern. Stimme und Gestik verraten ihre hochgradig emotionalen Stimmungen. Warum sie sich gerade in den Schwanenritter verliebt, bleibt ein Geheimnis. Denn anziehend wirkt der Muskelpaketstarke Held nicht gerade. In seinem silbrigglänzenden Anzug steckt er wie in einem Korsett und scheint eher für eine Cyber Welt geeignet zu sein. Doch vielleicht ist es gerade das, was die Inszenierung uns sagen will: auch er kann nicht aus seiner Haut heraus, ist wie Elsa, Ortrud und Telramund gefangen in seiner Welt.

 

Großartiges leisteten der Chor und die Dortmunder Philharmoniker unter der Leitung von Jac von Steen. Präzise arbeiteten sie die unterschiedlichen Klangfarben der Partitur heraus. Perfekt die Harmonie zwischen Orchester und Sängern, stets wird den Sänger der Vorrang gegeben. Charles Kim sprang für den erkrankten Marco Jentzsch ein, der die Partie des Lohengrin übernehmen sollte. Die Theaterleitung informierte vor der Aufführung, dass auch Kim stimmlich angeschlagen sei. Trotzdem meisterte er die Herausforderung mit Bravour. Susanne Schubert beeindruckte als Elsa, ist auch in den Spitzentönen fehlerlos. Szilvia Rálik ist eine stimmstarke Ortrud und faszinierte mit ihrem brillianten Mezzo. Mit großer Ausdruckskraft überrraschte Stephan Klemm als König Heinrich. Anton Keremidtden gelang es die Figur des Telramund in seiner Ambivalenz darzustellen. Allerdings wirkte er manchmal etwas blaß.

 

Großen Beifall gab es für das Ensemble, besonders Jac von Steen wurde mit Jubel überschüttet.

www.theaterdo.de

 

 

DAS SCHLOSS

von Franz Kafka

Düsseldorf

Schauspielhaus

Premiere: 17. Oktober 2009

 

In einer kalten, stürmischen Winternacht kommt der Landvermesser K. in ein kleines Dorf und gibt an, auf das Schloss gerufen worden zu sein, wo man seine Dienste wünsche. Die Dorfbewohner reagieren mit Misstrauen und Ablehnung. Dennoch versucht K., zu dem Schloss zu gelangen. Immer wieder stellen sich ihm die Dorfbewohner und eine undurchschaubare und unlogische Bürokratie in den Weg. Letztlich scheitert K.s Vorhaben, es gelingt ihm nicht, zu dem Schloss durchzudringen.

Am Samstag, den 17. Oktober fand im Düsseldorfer Schauspielhaus die Premiere von „Das Schloss" in der Inszenierung von Alexander Müller-Elmau statt. Die Musik Gustav Mahlers wird von Thomas Hertel arrangiert, der das musikalische Ensemble auf drei Streicher, zwei Bläser, einen Gitarristen und ein Schlagwerk reduziert. So kommt es, dass sich dem Zuschauer ein buntes Treiben aus Musikern, Sängern und Schauspielern bietet, die auf der Bühne miteinander agieren. Im Wechsel wird gemeinsam gespielt, gesungen und erzählt. Komische Elemente lockern bisweilen die ernste, bedrohliche Thematik auf. Daniel Christensen als K. überzeugt genauso wie die weiteren Darsteller. Diese spielen fast alle mehrere Rollen, wodurch K.s Verwirrung widergespiegelt und zum Teil auf den Zuschauer übertragen wird. Dieser Umstand wird durch die „dicht besiedelte" Bühne weiter verstärkt. Einzelne Akteure an dieser Stelle hervorzuheben, würde den anderen Unrecht tun, denn sie musizieren, singen und spielen ausnahmslos hervorragend. Man merkt, dass alle Beteiligten miteinander harmonieren und Freude bei der Inszenierung des Stücks haben. Die Kombination von Musikern, Sängern und Schauspielern mag vielleicht ungewöhnlich sein, birgt allerdings für denjenigen, der sich darauf einlässt, ein bemerkenswertes Theatererlebnis. Auch das Premierenpublikum zeigte seine Begeisterung durch minutenlangen Beifall.

(Lisa Wettlaufer)

www.rheinoper.de

weitere Termine: 18.10., 24.10., 25.10., 28.10., 3.11., 4.11., 19.11., 20.11.

 

 

Essen

Aalto Theater

Alexander Borodin
Fürst Igor

Oper in vier Akten
Premiere: 31.01.2009
Dichtung vom Komponisten


Der russische Komponist Alexander Borodin beschäftigte sich 18 Jahre lang mit „Fürst Igor“ und konnte die Oper zeitlebens dennoch nicht abschließen. Nach seinem Tod 1887 vollendeten Alexander Glasunow und Nikolai Rimskij-Korsakow das Werk und brachten es drei Jahre später in St. Petersburg zur Uraufführung. Der Stoff geht auf das „Igorlied“ zurück, ein aus dem 12. Jahrhundert stammendes russisches, von einem anonymen Dichter verfasstes Heldenpoem. Es erzählt von Igors Feldzug gegen das im Süden Russlands nomadisierende Turkvolk der Polowetzer, deren Lebensraum im heutigen Kasachstan und Usbekistan lag. Das Thema entsprach dem im 19. Jahrhundert aufblühenden künstlerischen Interesse an nationaler Geschichte und Selbstfindung. Die Idee zu dem Bühnenopus ging auf den Kunstkritiker und ästhetischen Mentor des „Mächtigen Häufleins“ Wladimir Stassow zurück, nach dessen Vorschlägen Borodin das Sujet zu einer mitreißenden Dramaturgie verdichtete. Diesem Grenzgang zwischen den Kulturen verlieh er zudem durch die zwischen westeuropäischen, russischen und fernöstlichen Musiktraditionen oszillierende Tonsprache eine eindringliche und kraftvolle Atmosphäre. Fürst Igor aus der altrussischen Stadt Putiwl gerät mit seinem Sohn Wladimir im Krieg gegen die Polowetzer in Gefangenschaft. Obwohl er das Friedensangebot des Khans Kontschak voller Stolz ausschlägt, zollt dieser ihm Respekt und lässt die Schönheiten des Landes zu seinen Ehren tanzen. Wladimir und Kontschaks Tochter Kontschakowna verlieben sich trotz der Feindschaft ihrer Völker heimlich ineinander. Währenddessen feiert Igors Schwager und Stellvertreter Galitzki hemmungslos Orgien in Putiwl und versucht die Macht an sich zu reißen. Igors Frau Jaroslawna stellt sich ihm in den Weg. Den Einfall der Polowetzer kann sie jedoch nicht mehr verhindern. Als Igor von der Zerstörung der Stadt hört, entschließt er sich zur Flucht, um die Heimat zu retten … In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln (üpm) Quelle: Aalto Theater

 

 

"Rusalka"

Premiere: 6.12.2008

Deutsche Oper am Rhein

Dvořáks lyrisches Märchen Rusalka hat Premiere in Düsseldorf
Musikalische Leitung: John Fiore

Inszenierung: Jiří Nekvasil

Ausstattung: Daniel Dvořák

 

In der Heimat des tschechischen Komponisten Antonin Dvořák wird das lyrische Märchen Rusalka seit seiner Uraufführung im Jahre 1901 innig verehrt. Die beiden tschechischen Künstler Jiři Nekvasil (Regie) und Daniel Dvořák (Bühne und Kostüme) zeigen nun in Düsseldorf, wie sie sich die an Andersen (Die kleine Seejungfrau) und Fouquets (Undine) angelehnte Märchenoper auf einer deutschen Opernbühne vorstellen. Chefdirigent John Fiore liegt Dvořáks Rusalka, die er schon 1993 und 1997 an der Metropolitan Opera in New York dirigierte, ganz besonders am Herzen. Unter seiner musikalischen Leitung hat die Neuproduktion am Samstag, dem 6. Dezember, um 19.30 Uhr Premiere im Düsseldorfer Opernhaus.
In einer stark von Richard Wagner beeinflussten, in Melodik und Rhythmik aber doch ganz eigenen Tonsprache erzählt Antonin Dvořák die Geschichte von der Wassernixe Rusalka, die sich in einen Prinzen verliebt und die Wasserwelt verlassen will. Der Preis ist hoch, denn die Hexe, die ihr menschliche Gestalt verleiht, nimmt nicht nur ihre Stimme, sondern verlangt auch, dass Rusalka ihren Prinzen tötet, sollte er ihr jemals untreu werden. Voller Vertrauen in die Kraft ihrer Liebe wagt Rusalka sich ins Menschenreich und erlebt eine große Enttäuschung: Der Prinz, von ihrer Schweigsamkeit irritiert, gibt dem Werben einer anderen nach. Tief getroffen zieht Rusalka sich zurück, und da sie sich weigert, den Geliebten zu töten, bleibt ihr die Heimkehr ins Wasserreich verwehrt. Der Prinz begibt sich schließlich auf die Suche nach der geheimnisvollen Schönen und findet sie als Irrlicht am Ufer des Sees. Einem Kuss, der seinen Tod bedeuten würde, widersetzt sie sich zunächst, doch der Prinz will die Versöhnung auch zu diesem hohen Preis.
Jiři Nekvasil und sein Ausstatter Daniel Dvořák setzen ganz auf die Symbolkraft des Opernmärchens. Mit einem anspielungsreichen Bühnenbild betonen sie die verschiedenen Ebenen und die Magie der mythisch-märchenhaften Geschichte.
In Nataliya Kovalova hat der Regisseur die Idealbesetzung für seine Rusalka gefunden. Hans-Peter König (Wassermann), Anke Krabbe, Lisa Griffith und Laura Nykänen (drei Elfen) repräsentieren die heile Wasserwelt, aus der sie stammt. Die Hexe Jezibaba (Renée Morloc) reicht ihr den Schlüssel zur ersehnten Menschenwelt, in der ihr Corby Welch (Prinz), Victoria Safronova (fremde Fürstin), Bruno Balmelli (Heger), Katarzyna Kuncio (Küchenjunge) und Heikki Kilpeläinen (Jäger) begegnen.
Vorstellungen im Düsseldorfer Opernhaus: Sa. 6.12.08 (Premiere) I Di. 9.12.08 I Sa. 13.12.08 I Di. 16.12.08 I Fr. 19.12.08 I Mo. 22.12.08 I Do. 25.12.08 I jeweils um 19.30 Uhr
Übernahme-Premiere im Theater Duisburg: So. 1.3.09 I 19.30 Uhr
Karten sind erhältlich in den Opernshops Düsseldorf (Tel. 0211 / 89 25 211) und Duisburg (Tel. 0203 / 9 40 77 77) und online über www.rheinoper.de. (üpm)

 

"Siegfried"

Oper von Richard Wagner)

Besuchte Aufführung: Aalto Theater, Essen, 19.10.2009

Premiere:16.10.09

 

Inszenierung: Anselm Weber

Musikalische Leitung: Stefan Soltesz

 

Es muss nicht immer Bayreuth sein

 

Der Ring der Nibelungen in Essen, ist das möglich? Ja, es ist möglich. Die guten und erfolgreichen Inszenierungen der einzelnen Teile des Ringes (2. Teil: Siegfried, inszeniert von Anselm Weber) beweisen es.

 

Die Geschichte um Siegfried erinnert ein wenig an das Märchen der Gebr. Grimm "Von einem der auszog das Fürchten zu lernen". Siegfried ist ein junger Mann, stark und selbstgefällig, und lebt seit ca. 20 Jahren mit dem Zwerg Mime, seinem Ziehvater, in einer Höhle. Sein Leben ist bestimmt durch seine Freude an der Jagd. Er weiß nichts von seiner Herkunft und von der Schuld, die auf ihm lastet. Mime, der das Geheimnis kennt, hatte ihm auf Fragen immer nur ausweichend geantwortet Siegfried zerschlägt Mime, der ein erfahrener und begabter Schmied ist, jedes Schwert. Er kennt keine Furcht und will das Fürchten auch nicht lernen. Auch das Schwert Notung, das Mime für unzerstörbar hielt, fällt der Kraft Siegfrieds zum Opfer und Siegfried macht sich über Mime lustig.

 

Als Gott Wotan, Siegfried Großvater, in Gestalt eines Wanderers daher kommt erlaubt er Mime drei Fragen. Mime aber verspielt die Chance, Wotan die wesentlichen Fragen zu stellen, in dem er ihn nach den Bewohnern der Erde, des Himmels und der Tiefe fragt und muss von Wotan schließlich hören, dass nur wer das Fürchten nie erfuhr, Notung neu schmieden könne.

 

Damit ist Mime klar, dass nur der unerfahrene Siegfried das Schwert schmieden und den Drachen, der den Ring der Nibelungen bewacht, töten kann, den Ring, den Mime braucht, um die von ihm angestrebte Weltherrschaft zu erringen. Mime beschließt also, sich seines Ziehsohnes zu bedienen und ihn anschließend zu töten.

 

Siegfried schafft es tatsächlich, ein neues Schwert zu schmieden. Er zerkleinert die Bruchstücke des Schwertes Notung, schmilzt sie ein und schmiedet ein neues Schwert, um das sich Mime so lange vergeblich bemüht hatte. Aus Chaos ist etwas Neues entstanden.

 

Er tötet den Riesen Fafner, der in der Gestalt eines Drachen den Ring der Nibelungen bewacht und nimmt den Ring an sich. Durch einen Waldvogel erfährt Siegfried, der die Sprache der Vögel versteht, vom Plan Mimes, ihn aus Machtgier zu töten und tötet Mime.

 

Nun steht ihm die Welt offen.

 

Er hört von Brünnhilde, der Lieblingstochter Wotans, die Siegfried nach seiner Geburt gerettet hatte, als er der Rache Frickas, der Ehefrau Wotans zum Opfer fallen sollte. Er ist voller Begier, sie kennen zu lernen und sucht sie überall. Schließlich findet er sie auf einem Felsen schlafend. Er zerschneidet mit seinem Schwert den Panzer der sie umgibt, verliebt sich in sie, begehrt sie, bedrängt sie. Aber er hat ein Tabu verletzt. Sie weigert sich, sich ihm hinzugeben, obwohl auch sie ihn liebt. Nun hat Mime sein Ziel doch noch erreicht. Siegfried ist voller Furcht, die Liebe, die er gerade gefunden hat, zu verlieren. Sie ist ihm wichtiger als der Ring, dessen Bedeutung er nicht kennt. Die Weissagung: Nur wer der Minne Macht entsagt, kann den Ring der Weltherrschaft schmieden, dringt nicht zu ihm durch. Er setzt sich über alle Warnungen hinweg, steckt sich den Ring an den Finger und übergibt ihn später Brünnhilde. Und die Liebe scheint stärker zu sein. Ein großes strahlendes Leuchten hüllt beide ein und lässt Hoffnung zu.

 

Die von Anselm Weber inszenierte Geschichte um Siegfried ist eine Geschichte um Macht und Habgier mit einem Bühnenbild, dass die Folgen dieser Selbstsucht deutlich macht. Siegfried ist der Held eines bösen Märchens. Es gibt furchterregende magische Gestalten, Riesen, Zwerge, Drachen und Götter. Es geht um die Gier nach Macht und Gold, ja um die Weltherrschaft. Wie nahe die jahrtausendealten Mythen der Menschheitsgeschichte der Jetztzeit kommen, versucht das Ensemble des Aalto-Theaters unter der Leitung von Anselm Weber aufzuzeigen.

 

Unterstrichen wird dieser Versuch durch ein beeindruckendes Bühnenbild.

Es gibt keinen Wald sondern erkaltetes Gestein, das auf eine wie auch immer gefestigte "Ursuppe" zu Beginn der Menschheitsgeschichte zu verweisen scheint, aus der alles Leben hervorgegangen ist. Es symbolisiert eine Welt, die noch im Werden ist

Plötzlich wird das Gestein lebendig. Ein riesiger Drache füllt die Bühne aus. Fafner, der den Ring bewacht, wird in ganzer Größe sichtbar und niemand kommt an ihm vorbei. Nachdem Siegfried den Drachen getötet und den Ring an sich genommen hat, wird es plötzlich hell. Ein Strahlen fällt auf den toten Drachen, dessen Körper sich in goldene Hügel verwandelt und die Erde ein goldener Schatz zu sein scheint. Dann wechselt plötzlich die Farbe. Alles wird grün und lässt Hoffnung auf eine lebensfreundliche Umwelt erwachen. Der Mensch aber scheint blind zu sein für die Möglichkeiten, die ihm die Welt bietet und beachtet die Schönheit der Natur nicht. Diese Blindheit und Ignoranz für die Veränderungen in der Umwelt haben einen deutlichen Gegenwarts- und Zukunftsbezug und zeigen, dass die Menschen sich nicht verändern, dass sie durch maßlose Selbstüberschätzung und Arroganz Schuld auf sich laden, wenn sie die Folgen ihres Handelns nicht sehen wollen. So fällt die Erde zum Ende des 2. Aktes wieder in ihren Urzustand zurück. In der Wiederholung scheint die Zukunft schon Vergangenheit zu sein.

 

Insgesamt war es ein gelungener Theaterabend, trotz eines etwas statischen Beginns mit einem zum Nachdenken anregenden Bühnenbild und großen Stimmen. Sollte man jemanden hervorheben, obwohl jeder in seinem Part großartige Leistungen vollbrachte. Ja, natürlich, Johnny von Hals als Siegfried, ein wunderbarer Tenor, der sich nach etwas schleppendem Start im 2. und 3. Akt noch steigerte, sowie Kirsi Tiihonen als Brünnhilde.

 

Nicht zu vergessen und immer wieder zu loben die Essener Philharmoniker, die mit einer glänzenden Wagner-Interpretation unter ihrem Dirigenten Stefan Soltesz aufwarteten.

 

Es gab verdienten Applaus, stehende Ovationen und immer wieder Bravo-Rufe.

 

Die vielen Gäste aus dem In- und Ausland bestätigten wieder einmal die große Zugkraft Wagners und des Aalto-Theaters.

 

EKla

 

Nächste Vorstellung: 8. November 2009

 

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