REISEN


Die Schlösser der Loire

Eine Reise in die Zeit der Renaissance

Fotos bitte Anklicken und Vergrößern!

 

Die Loire ist mit 1020 km der längste Fluß Frankreichs. Die liebliche Landschaft des Loiretales wird auch als "Garten Frankreichs" bezeichnet. Kulturinteressierte fahren gerne an die Loire, um die vielen Schlösser zu besichtigen.

 

Im November an die Loire? Da fängt manch einer an zu frösteln. Als Reisemonat ist der November nicht besonders beliebt. Nebel, Kälte, frühe Dunkelheit, kurzum nicht die allerbeste Reisezeit.

Für Kunstinteressierte, die der Schlösser wegen an die Loire reisen, ist dieser Monat jedoch ideal. Nur noch wenige Touristen, der Ansturm der Gruppen vorbei, keine langen Schlangen mehr an den Kassen, kein Gedränge und Geschubse. Überall sehr freundliches und unauffällig agierendes Personal, Interieur und Kunstobjekte können aus nächster Entfernung besichtigt werden, ohne ständige Ermahnung, ihnen ja nicht zu nah zu kommen. Optimale Bedingungen also, um die beeindruckenden Schlösser der Loire mit ihren Kunstschätzen, kennenzulernen.

 

Das Klima: Die Sonne lässt sich Anfang November noch häufig blicken und der Himmel ist an manchen Tagen sogar tiefblau. Die Bäume tragen noch immer viel Laub und lassen den Herbst nur erahnen. Nur ab und zu wehen einzelne, blassgelbe Blätter auf den Weg, so als hätten sie sich verirrt.  Mit durchschnittlichen 14- 17 Grad ist es angenehm mild. Ohnehin muss man sich vor Kälte nicht fürchten. Für die wunderschönen Kamine in den Schlössern liegen fast überall wuchtige Holzscheide bereit, die eine wohlige Wärme abgeben.

 

Sechs Tage sind für die Schlösser-Tour vorgesehen. Chambord, Chenonceau, Amboise, Azay-le -Rideau, Langeais, Villandry und Ússe stehen auf dem Programm.

Von Essen aus geht es in Richtung Aachen, danach zügig weiter durch Belgien bis nach Paris, von da aus an die Loire (ca. 7 Stunden). Rund um Paris geht es leider nur noch stockend voran. Mit Staus muss dort  immer gerechnet werden. Das Fahren erfordert zudem höchste Konzentration. Rasant fahrende Motorradfahrer überholen ständig zwischen zwei Fahrspuren, sodass man beim Spurwechsel höllisch aufpassen muss. Wem die Fahrt durch die franz. Hauptstadt zu anstrengend ist, sollte sich nach Alternativen umsehen. Mit dem Flugzeug, dem Thalys oder der Deutschen Bundesbahn anzureisen, kann für manchen Reisenden angenehmer sein.

 

TGW in Tours
TGW in Tours

Ab 15. Dezember 2013 verkehren täglich drei Thalys-Züge von Essen nach Paris, zum Bahnhof Gare du Nord. Die Seine-Metropole wird in ca. 4:30 erreicht. Von dort aus steigt man in die Metro Nr. 4 und fährt zum Gare Montparnass. Mit dem TGV geht es weiter nach Orleons, Tours (90 Minuten), Nantes oder Vendom. Auch Regionalbahnen verkehren.

Um zu den Loireschlössern zu gelangen, braucht man einen PKW. (Sportliche können es auch mit dem Rad versuchen). Am einfachsten ist es, direkt mit Flug- oder Bahnticket einen Leihwagen zu buchen.

 

 

Château le Colliers

Château le Colliers an der Loire
Château le Colliers an der Loire


Versteckt

 

Ausgangspunkt für diese Schlössertour ist der kleine Ort: Muides

Sur Loire. Eine lange, schmale Allee und plötzlich taucht es zwischen den Bäumen auf: Château le Colliers. Von der Rückseite aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Loire. Das kleine Palais ist teilweise  liebevoll restauriert; doch gibt es immer noch einiges zu tun, das ist unübersehbar.

Im Château de Colliers lässt es sich wunderbar übernachten. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und liegt verträumt und ziemlich versteckt direkt an der Loire. Abends ist der Weg von der Straße zum kleinen Schloss nicht beleuchtet. Es ist stockdunkel, sodass es ratsam ist, eine Taschenlampe mitzuführen.

Will man den Ort erkunden, ist es nicht weit. Zu Fuß ist der Ortskern in wenigen Minuten erreicht. Dort lässt es sich vorzüglich speisen im Restaurant »Auberge Du Bon Terroir« (leicht zu finden). Für eine kleine Stärkung kann man es mit dem Bistro im Zentrum versuchen. Es ist meistens sehr gut besucht. Bei der Bestellung muss man fast schreien, um gehört zu werden, so laut geht es zu. Hauptsächlich sind es wohl Einheimische, die sich hier treffen.

Schloss Chambord - Verlaufen ist möglich

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es nächsten Morgen weiter zur ersten Schlossbesichtigung nach Chambord.

Bereits nach wenigen Kilometern ist das riesige Waldgebiet erreicht, indem das Schloss inmitten von Wäldern, Seen und Teichen liegt.

 

Mehr als 90 Räume können besichtigt werden, darunter die prachtvollen Gemächer Franz I. und Ludwig des XIV., imposante Kamine, wertvolle Gemälde, beeindruckende Treppen und herrliche Terrassen mit traumhaften Ausblicken auf den 5540 ha großen Park.

Schloss Chambord, Meisterwerk der französischen Renaissance
Schloss Chambord, Meisterwerk der französischen Renaissance

Chambord ist mit einer Länge von 156 m und einer Höhe von 56 m das größte Schloss an der Loire. Mit seiner Größe und Architektur fasziniert es die Besucher und sprengt alle Maßstäbe. Wie kein anderes in dieser Gegend repräsentiert es königliche Macht und Prunk.

 

Alleine auf Entdeckungstour

Ein festgelegter Rundgang für die Schlossbesichtigung ist nicht vorgegeben. Mit einem Audioguide ist man bestens gerüstet und kann entspannt auf Entdeckungsreise gehen. Sich einer Führung anzuschließen ist ebenso möglich.

 

Nicht sattsehen kann man sich an all den Türmen und Türmchen, Kapitellen, Nischen und Konsolen. Mittelalterliche Formensprache und Renaissancearchitektur treffen sich zu einer perfekten Symmetrie. Dass Konstruktion und Proportionen streng mathematischen Regeln folgen, lässt die Architektur erkennen.

 

Franz I. begann 1519 mit den Arbeiten für den Schlossbau. Ursprünglich plante er Chambord als Jagdschloss. Der Grundriss besteht aus einem Donjon (Wohnturm) und vier Ecktürmen, die mit weiteren vier Türmen verbunden sind, desweiteren gibt es 365 Schornsteine, 77 Treppen und 426 Räume. In früheren Zeiten konnten hier 2000 Personen untergebracht werden. Heute sind 90 Räume zur Besichtigung freigegeben.


Tapisserien mit doppelter Funktion: Sie schmücken die Wände und halten gleichzeitig die Kälte ab. Mythologische Szenen oder Jagdmotive kommen besonders häufig vor.

König Franz I. regierte 32 Jahre. Davon hielt er sich nur 72 Tage in Chambord auf. Der König reiste viel. War er unterwegs in die verschiedenen Provinzen seines Landes, begleitete ihn der gesamte Hofstaat, einschließlich aller Minister und Beamter. Auch die Königin und die Prinzen reisten jeweils mit eigenem Gefolge mit ihm.

 

Reservierung nicht erforderlich

Für den Herrscher war immer ein Appartement frei. Ludwig der XIV. hatte per Dekret das Recht auf freie Kost und Logis erlassen.

Das königliche Schlafgemach mit Prachtbett als Schauplatz des Hofzeremoniells. Aufstehen und Zubettgehen zelebrierte der König als einen besonderen Akt. Die Höflinge mussten in einem Vorraum warten und sich in Geduld üben, wenn sie vorgelassen werden wollten. Nicht immer war ihnen das Glück hold.

Marie Louise d'Orléans
Marie Louise d'Orléans

Das Leben bei Hofe ein Traum? Von vielen Menschen wird es heute idealisiert. Doch wie war es tatsächlich? In den Schlössern war es meist zugig und kalt, also wenig gemütlich. Der Adel unterlag den strengen Regeln der Etikette. Hofintrigen waren an der Tagesordnung. Von Harmonie keine Spur. Das Leben des Königs glich einer Inszenierung, indem jeder Augenblick zum Teil eines Schauspiels wurde und öffentlich präsent war. Privatsphäre gab es so gut wie gar nicht. War der Königin ein männlicher Nachkomme versagt, wurde sie nicht selten geächtet, manchmal auch verstoßen. Der König gönnte sich gleich mehrere Mätressen und hatte auch Kinder mit ihnen.


Frauen hatten es nicht leicht

 

Marie Louise d'Orléans wurde von ihrem Onkel, dem Sonnenkönig Ludwig XIV. mit Karl II., König von Spanien, (behindert, vermutlich wegen Inzucht), verheiratet. Sie war darüber sehr unglücklich. Arrangierte Ehen waren in diesem Zeitalter die Regel. Die Ehe blieb kinderlos (lag offenbar nicht an ihr). Mehrmals täuschte Marie-Louise eine Schwangerschaft vor, da sie aufgrund ihrer Kinderlosigkeit mit Intrigen konfrontiert wurde. Sie starb mit 26 Jahren an einer Vergiftung. Ihr Tod rief große Bestürzung hervor. Ihre Verwandschaft in Versailles vermutete eine Verschwörung.

 

 

Und noch eine unglückliche Dame:

Marie-Thérèse d'Autrich, jüngste Tochter des spanischen Königs Philipp IV.  und dessen Ehefrau Isabella von Bourbon, heiratete  Ludwig XIV., den Sonnenkönig. Er betrog sie ungeniert mit zahlreichen Mätressen.

Von ihren sechs Kindern überlebte nur ihr ältester  Sohn.

Sie starb mit 44 Jahren und soll auf ihrem Sterbebett gesagt haben:

"Nur an einem einzigen Tag in meinem Leben war ich glücklich".

 

 

 

 

Die berühmte Doppelwendeltreppe, ein Entwurf Leonordo da Vincis, verbindet die drei Stockwerke Chambords miteinander. Vier Personen können gleichzeitig auf der Treppe auf- und abschreiten, ohne sich zu begegnen.

Auf Wunsch König Franz I. war Leonardo 1510 nach Frankreich gereist. Er starb vier Jahre vor Baubeginn des Schlosses. Vermutlich beteiligte er sich auch an anderen Entwürfen für Chambord.

 

 

 

 

Der große Kachelofen des Marschalls von Sachsen. 

 

Im Schloss war es feucht und oft bitterkalt. Die bereits vorhandenden Kamine spendeten nicht genügend Wärme.

 

Überzeugt davon, dass Kacheln die Wärme weitaus besser speichern als Kamine, ließ der Marschall den großen Ofen von Dresden nach Chambord schaffen.

 

Für die Besichtigung der Appartements, der Kapelle, der Wohnungen von Franz I. und Claudia, seiner Gemahlin, sollten mindestens zwei Stunden eingeplant werden. Danach ist ein Spaziergang im Park zu empfehlen. Auf befestigten Wegen kann man stundenlang die Gegend erkunden. Mit Glück tauchen Wildschweine oder Hirsche auf.

 

Das nächste Schloss wartet schon

Schloss Chenonceau - Damen bevorzugt


Durch eine traumhaft schöne Allee fällt der Blick auf Chenonceau. Als "Schloss der Damen" ist es berühmt geworden. König Heinrich II. schenkte es 1547 seiner Mätresse Diane de Poitiers. Sie hatte einen ausgesprochenen Sinn für Schönheit und Eleganz. Mit der Gestaltung wunderschöner Räume und Gärten, sowie einer spektakulären Brücke über dem Cherfluß, bekam das Anwesen eine herausragende Bedeutung. Als Heinrich II. starb, verdrängte seine Witwe, Katharina von Medici, die Favoritin des Königs.

 

Katharina von Medice übernahm die Regie in Chenonceau und baute es nach ihren Vorstellungen weiter aus. Die Galerie entwarf sie nach italienischem Vorbild. Sie hat 18 Fenster, ist 60 m lang und 6 m breit und hat einen schwarz-weiss gefliesten Fußoden. Das Untergeschoss diente als Festsaal. Eingeweiht wurde die Galerie 1577. Die Königin liebte rauschende Feste und Prunk. An den Banketten, Maskenbällen und wilden Gelagen nahmen auch ihre Söhne teil.

 

 

 

 

Wunderschöne Gärten nach historischen Vorbildern
Wunderschöne Gärten nach historischen Vorbildern

Der Duft der Rosen liegt in der Luft.

Die zartrosafarbenen Rosenstämmchen stehen noch in voller Blüte.

Im Salon Louis XIV. steht der herrliche Renaissancekamin mit Emblemen von Francois I. und Gemahlin Claude de France
Im Salon Louis XIV. steht der herrliche Renaissancekamin mit Emblemen von Francois I. und Gemahlin Claude de France
Der Sonnenkönig: Louis XIV in jungen Jahren, Porträt von Rigoud
Der Sonnenkönig: Louis XIV in jungen Jahren, Porträt von Rigoud

 Weiter geht es nach Amboise

Amboise
Amboise


Amboise

 

Amboise liegt malerisch auf einem Felsen. Seine Blütezeit war im 15. Jahrhundert. Nach seiner Italienreise 1492 forcierte Karl VIII. die Restaurierung und Erweiterung des Schlosses. Der italienische Lebensstil hatte ihn  begeistert. Deshalb brachte er Handwerker und Künstler von seiner Reise mit an den Hof.

Karl VIII. starb mit nur 28 Jahren plötzlich nach einem Unfall.

Die Geschichte von Amboise ging blutig weiter. Protestantische Verschwörer entführten 1560 König Franz II. Die Entführung scheiterte. Die Drahtzieher wurden gefangen genommen. Sie und weitere 1500 Menschen wurden geköpft und aufgehängt. Dem Spektakel wohnten König Franz II., Maria Stuart, seine Frau, sowie seine Mutter, Katharina von Medici, bei.

 

Während der Französischen Revolution wurde Amboise beschlagnahmt, geriet 1806 in Brand und wurde schwer zerstört. Keine Spur mehr vom einstigen Glanz. Es diente nur noch als Gefängnis.

Heute ist Amboise vollkommen restauriert.

 

Auf geht es zum Schloss

Ein wunderschönes Panorama.

Blick auf die Loire und Amboise



 

 

Es hat Geschichte geschrieben und blickt zurück auf eine bewegte Vergangenheit.

 

Amboise symbolisiert auf eindrucksvolle Weise den Übergang von der gotischen Stilrichtung zur französischen Renaissance. Es beherbergte alle Valois- und Bourbonenkönige. Und es war der Schauplatz bedeutender politischer Ereignisse. Karl VIII. wurde in Amboise geboren und verbrachte dort seine Kindheit. Und auch die Kinder Katharina von Medicis wuchsen hier auf.

 

 

Büste Leonardo da Vincis, im 10. Jahrh. stand hier eine Kirche.
Büste Leonardo da Vincis, im 10. Jahrh. stand hier eine Kirche.
Das Grab Leonardos befindet sich in der Kapelle.
Das Grab Leonardos befindet sich in der Kapelle.

Im obersten Stockwerk liegen die Salons von Louis-Philippe, (Herzog von Orlèans), dem späteren König von Frankreich (1830-1848). In den Räumen dominiert die Farbe rot, ausgestattet sind sie mit Möbeln und Porträts der Familie d`Orlèans.

 

Renaissancezimmer
Renaissancezimmer

Der Ratssaal Karl VIII. , hier fanden Audienzen und Festlichkeiten statt.

Der Saal der adeligen Garde mit dem Porträt von Charles de Batz de Castelmore, Comte d’Artagnan. Er gehörte zu den französischen Musketieren und hielt sich 1661 für 12 Tage in Amboise auf.

Auch sehenswert die Gemächer Henri II. mit Möbel und Wandteppichen im Stil der Renaissance.

Als Leonardo da Vinci 1516 nach Frankreich kam, stellte ihm Franz I. den Landsitz Cloux (heute Clos Luce) zur Verfügung und ernannte ihn zum ersten Maler und Architekten seines Reiches. Er erhielt eine Apanage von 700 Goldtalern jährlich. Leonardo starb 1519. Sein Grab befindet sich in der Kapelle »St. Hubert« auf dem Schlossgelände.

 

Im Untergeschoss des Schlosses kann man sich eine Vorstellung von den genialen Erfindungen Leonardos machen. Dort sind 40 Modelle nachgebaut worden.

Nach der Schlossbesichtigung macht es Spaß durch die kleinen Gassen am Fuße der Burg zu bummeln. Sie machen den Flair des Städtchens »Amboise« aus. Während des Rundgangs sieht man einige Häuser, die direkt in den Fels gebaut wurden.

Die hübsche Patisserie Bigot bietet sich für eine kleine Kaffeepause an. Das Café ist immer gut besucht; nur mit Mühe lässt sich oft noch ein Platz ergattern.

 

Herrliches Wetter, Azay le Rideau will erobert werden

 

Schloss Azay le Rideau


 

Wo ist das "Schönste" im ganzen Land?

 

Inmitten der Indre liegt es romantisch und verträumt, ein Märchenschloss voller Poesie. Die leuchtend weiße Fassade hebt sich ab vom azurblauen Himmel.  Wie ein Schiff liegt es dort und spiegelt sich voller Stolz im Wasser.

 

Das Juwel der Renaissance streitet mit Chambord und Chenonceau um die Gunst der Besucher.

Reichlich Ornamente an der Fassade, Pilaster, Putten und Kandelaber

Die Architektur, die Stille, der herrliche Park mit den alten Bäumen, deren Blätter sich sanft im Wind wiegen, all das setzt den Besucher in Verzücken.

 

Das herrschaftliche Anwesen wurde zwischen 1518 und 1527 von Gilles Bertholet, einem Schatzmeister König Franz I., erbaut. Während der Franz. Revolution erwarb Charles de Biencourt den Besitz, restaurierte ihn und legt einen englischen Garten an. Bis ins 18. Jahrhundert gehörte der Familie Raffin das Anwesen. 1905 fiel es an den Staat. Über die große Treppe gelingt man in die drei Etagen mit Loggien. Die Treppe mit geradem Treppenlauf befindet sich im Haupttrakt und ist nicht mehr, wie es sonst im Mittelalter üblich war, in einem Turm. Im Prunksaal sind die schmucken Kassettendecken mit dekorativen Medaillon-Bildnissen sowie die Wandteppiche aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit Jagdmotiven, unbedingt sehenswert

 

Das Appartement Ludwig XIII. Im 16. Jahrhundert galt das Recht der Herberge (droit de gite). Jeder Herr musste dem König Kost und Logis gewähren, wenn dieser sich auf Reisen befand. Die Räumlichkeiten für den Herrscher bestanden aus einem Gemach und einem Vorzimmer.

 1619 hielt sich der König in Azay le Rideau auf.

 

 

 

 Seltenheit

 

Die ungewöhnlichen Wandteppiche aus Weiden fallen sofort auf. Für die Teppiche wurden die Weiden im Winter geschnitten, gebündelt und ins Wasser gelegt, im Frühjahr wieder  herausgenommen und zugeschnitten.

 

Das Handwerk hatte Tradition und wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Langeais freut sich schon

 

"Stark und wehrhaft, niemand kann mich besiegen,“  glaubt man von Langeais zu hören.

Mit dicken Mauern, spitzen Rundtürmen, dem Wehrgang und der Zugbrücke wirkt die Burg wie eine mittelalterliche Festung. Jahrhunderte hat sie überstanden; trotz Brand, Beschlagnahme und häufig wechselnder Besitzer.

 

Schloss Langeais ist Schauplatz eines historisch bedeutsamen Ereignisses. 1491 vermählen sich hier Anna de Bretagne und Karl, der VIII. Die Bretagne war die Mitgift Annas; mit der Hochzeit fiel sie endgültig an Frankreich.

Fast noch ein Kind: die erst 14-jährige Anna de Bretagne und Karl VIII. als Wachsfiguren. Keines ihrer vier Kinder überlebte.
Fast noch ein Kind: die erst 14-jährige Anna de Bretagne und Karl VIII. als Wachsfiguren. Keines ihrer vier Kinder überlebte.

Der Ehevertrag. Formalitäten müssen sein, heute wie damals. In Langeais wird dargestellt, wie die Eheverhandlungen zwischen Anna de Bretagne und Karl dem VIII. abliefen. Wachsfiguren in historischen Gewändern stellen das Ereignis nach. Außerdem wird ein Videofilm (mehrere Sprachen) gezeigt. Anna war eine heiß umworbene Erbin.

Sie musste sich vertraglich verpflichten, (Ludwig II., Cousin Karls), zu ehelichen, falls ihr Ehemann sterben würde. Das junge Paar bekam vier Kinder, die alle im Kindesalter starben. Mit 28 Jahren erlitt Karl einen Unfall und verstarb. Er hinterließ keinen Erben.

 

 


Erlesene Renaissancemöbel und Tapesserien

Die Tapisserien in Langeais gehören zu den schönsten in Europa. Sie stammen hauptsächlich aus Flandern. Besonders die herrlichen Millefleurs Teppiche verdienen es, genau betrachtet zu werden. Einer der ersten Renaissanceschränke und die Hochzeitstruhe Annas zählen zu den Schätzen im Schloss.

 

 

Auf gehts nach Villandry

Villandry - Eins mit der Natur

Leuchtend rote Begonien und satter Buchsbaum

Zauberhafte Gärten in Komplimentärfarben angelegt

Arkadengänge und Maßwerkfenster mit großen Pilastern, großflächige Schieferdächer, die stark geneigt sind. Eine Architektur, die Eleganz ausstrahlt, ohne pompös zu wirken. Das ist Villandry. Erbaut wurde es 1536 von Jean le Breton, Finanzminister unter Franz I. Für den Bau des Schlosses ließ er eine mittelalterliche Festung abreißen. Nur der Bergfried steht heute noch. 1754 erwarb der Marquis de Castellane das Anwesen und stattete es mit zeitgemäßem Komfort aus. 1906 wurde es von Joachim Carvallo, dem Urgroßvater des heutigen Besitzers, erworben. Er restaurierte das Schloss und gab ihm den wohnlichen Charakter, auch die Gärten ließ er im Stil der Renaissance aufs Feinste herrichten

 

 

Mathematisch genau: Nichts wird dem Zufall überlassen. Die Gestaltung der Gärten unterliegen einer sorgfältigen Planung.

 

115 000 Blüh- und Gemüsepflanzen werden jedes Jahr gepflanzt. Eine riesige Anzahl von Buchsbäumen und Linden (1015) benötigen regelmäßig einen Schnitt.

Gemüsegarten, Ziergarten, der Wassergarten, von Ludwig XVIII eigenhändig geplant, sowie die vielen Beete, nach historischen Vorbildern angelegt, bedürfen einer konstanten Pflege.

 

 

Hier möchte man gerne länger verweilen: Ästhetisch gestaltete Gemächer in sonnengelb und zartem Grün, ein lachsfarbener Speisesaal mit vornehmer Holzvertäfelung, dazu herrlich angelegte Grünflächen im Stil der Renaissancegärten.

 

»Schloss Ussè«, ein weiterer Höhepunkt der Tour

 

In fantastischer Lage, mit zahlreichen Türmen, den Wald von Chinon als Kulisse, liegt es verträumt an einem Steilhang. Wie geschaffen für ein Märchen.

 

Schloss Usse
Schloss Usse


Es war einmal: Dornröschen und die böse Fee.

Ùsse kann sich glücklich schätzen. Eine liebreizende Prinzessin wohnt im Schloss. Wer Dornröschen besuchen will, muss  die steile Treppe zum Wehrgang hoch klettern. Da liegt es ganz still hinter Glas.

Türme und Türmchen, ein Wehrgang und Pechnasenkranz. Die Gemächer in der Burg sind mit wertvollen Seidenstoffen geschmückt, die aus den Manufakturen von Tours stammen. Außerdem sind aufwendig gearbeitete Truhen und flämische Wandteppiche ausgestellt.

Sehenswert: die imposante Treppe aus dem 17. Jahrhundert mit schmiedeisernen Gelände, die wunderschöne Galerie und das Jagdzimmer.

 

Ach, wie ist es doch so schön
Ach, wie ist es doch so schön

Bei seinem Besuch auf Ùsse soll dem Schriftsteller Charles Perrault die Inspiration für das Märchen "Dornröschen" gekommen sein.

 

Tours

Erinnerungen an das Mittelalter

 

 

Sehenswert: die Basilique Saint Martin, das Museè des Beaux Arts und die Kirche Saint Julien in der Rue Colbert. Sie kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Gregor von Tours gründete hier im 6. Jahrhundert ein Benediktinerkloster. Die Rue Colbert ist eine der ältesten Straßen Tours. Der Überlieferung nach, bestellte Jeanne d Art ihre Rüstung im Haus Nr. sechs.

 

Ein Ensemble schöner Fachwerkhäuser steht  am Place Plumereau in Tours.

Im Straßencafe sitzen und das Treiben dort beobachten, macht Spaß.

Bei schönem Wetter sind der Platz und die kleinen Gassen der historischen Altstadt ein Anziehungspunkt für Studenten und Touristen.

 

Tours: Bahnhof mit schöner Fassade

 

 

 

In Tours

Hotel de Ville, abends besonders schön

 
Nach den Schlossbesichtigungen bleibt noch genügend Zeit, einen ausgiebigen Bummel durch Tours zu unternehmen, einen Abstecher nach Chinon zu machen oder eines der umliegenden Weingüter zu besuchen.

Chinon oder ein großer Wein

 

Die große Burg in Chinon thront über dem kleinen Städtchen. Derzeit wird sie aufwendig restauriert. In den kleinen Gassen der Altstadt reihen sich schmucke Fachwerkhäuser aus dem 14 - 16 Jahrhundert wie Perlen aneinander. Chinon ist berühmt geworden für seinen exzellenten Wein, an dem sich viele Besucher schon berauscht haben. Im Weinmuseum, Musee du vin, Rue Voltaire 12, gehört eine Weinprobe unbedingt zum Besuch. Die größte Weinhandlung ist Couly Doutheil, in der Altstadt.

 

Ursula Harms-Krupp

 

 

Infos:

Anreise: Mit dem PKW von Essen an die Loire  in ca. 6:30 Stunden oder mit dem Thalys von Essen nach Paris in 4:30 Stunden. dann mit dem TGW weiter an die Loire (90 Minuten)

Europa-Spezial Ticket ab 39,- Euro oder Frühbucherrabatt nutzen.

Tanken: Carrefour city, (Einkaufszentrum) hier ist das Tanken weitaus günstiger als an den Tankstellen

 

Internet:

http://schloesser-der-loire.com/

Eintrittsgelder für die Schlösser: ohne Ermäßigung  9 bis 13 Euro, am teuersten ist es in Ùsse (13 €uro).

Öffnungszeiten: zwischen 9 und 18 Uhr  (Jahreszeit berücksichtigen).

 

Unterkunft:

Château le Colliers

Doppelzimmer 140 Euro

inklusive Frühstück

schöner Frühstücksraum

 

Wohnen wie Napoleon

Hotel L'univers

boulevard heutelcorp,

Bonaparte hat hier genächtigt

Schönes Hotel mit prachtvoller Eingangshalle, renovierte Zimmer, Gourmet Restaurant, freundliches Personal

Doppelzimmer: ab 200 € Euro

 

Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt

Hotel Kyrias Tours Centre, sehr sauber, freundliches Personal, Parken in der Tiefgarage

Frühstücksraum etwas unpersönlich.

Doppelzimmerr: ab 80 Euro

Frühstück: 10 €uro

Parken: 9 €uro

 

Kulinarisches:

Muides-Sur-Loire

Auberge du bon Terroir

Rue du 8. Mai 1945

 

Tours

Restaurant Chope, Avenue de Grammont, Michelin 1 Stern, Fischesser kommen hier voll auf ihre Kosten, zu Preisen, die man sich leisten kann.

www.lachope.de

 

 

Kulturschock Indien – oder doch ein Traumland?

 

-Eine privat organisierte Reise -

 

Wenn man noch nie in Indien war, fragt man sich natürlich spontan, ob eine privat organisierte Reise denn überhaupt sinnvoll erscheint, oder ob man nicht besser dran wäre, eine durchgeplante Pauschalreise zu machen. Man weiß im Allgemeinen recht wenig über dieses Land – alles ist fremd: Geschichte, Religion, soziales Leben. Man kennt weder Sprache noch Schrift; Verständigung in Englisch ist kein großes Problem und dies ist schließlich die Amtssprache in Indien, aber wird das auch im Land funktionieren? Wir wollen es wagen.

 

Die Reisevorbereitungen:

 

Wir sind 8 Leute, 6 Frauen und 2 Männer – bunt zusammengewürfelt, was die Berufe angeht, auch altersmäßig unterschiedlich. Fest steht die Reisezeit: 30.3. – 18.4.12. Zwei aus dieser Gruppe kennen Indien durch mehrere Reisen sehr gut und machen den „Anfängern“ Mut: wir brauchen zunächst nichts weiter als die (möglichst frühzeitige) Flugbuchung Frankfurt – Delhi – Frankfurt und vor Ort einen zuverlässigen Kleinbus mit Fahrer, denn eines ist von vornherein klar: Indiens Straßenverhältnisse, sei es in den Städten, sei es auf dem Land, sind für Europäer kaum zu bewältigen. Es herrscht Linksverkehr, die Verkehrsregeln bleiben zuweilen ein Geheimnis, auch wenn es in großen Städten Ampelanlagen gibt; Straßennamen sind nur in Großstädten lesbar und auch da nur die Hauptstraßen. Es ist unüblich, dass westliche Besucher selbst Autos leihen und lenken – viele Vermieter gehen da kein Risiko ein. Ein aktueller Reiseführer (Dumont oder Iwanowski) nennt zwar auch Adressen von Reiseveranstaltern, aber wir haben eine von anderen Indien-Fans erprobte und weitergereichte Adresse eines indischen Unternehmers, der uns als zuverlässig beschrieben wird. Mit ihm sprechen wir per email die Bedingungen für unsere Reise ab: Zeitraum und ein vorläufiger, selbst erstellter Reiseplan werden übermittelt und man wird sich handelseinig. Er wird uns am 2. April im Hotel in Delhi abholen und am 18.4. wieder zum Flughafen bringen.

 

 

Für die ersten zwei Nächte buchen wir selbst aus der Auswahl, die das Internet bietet, ein Hotel in der mittleren Kategorie in der Hoffnung, dass dies unseren Mindestansprüchen gerecht wird. Nunmehr muss jeder Reiseteilnehmer noch für das notwendige Visum sorgen. Man kann dies über Reiseveranstalter erledigen lassen oder – wie wir – alles selbst probieren (gute Englischkenntnisse sind da gefragt). Über die Adresse www.indianembassy.de stellen wir fest, dass es vier verschiedene Konsularabteilungen gibt, die in Deutschland je nach Bundesland zuständig sind. Für mich ist es das Frankfurter Konsulat, wobei die Visa-Angelegenheiten von einer ausgelagerten Dienststelle bearbeitet werden: www.igcsvisa.de. Es empfiehlt sich, alles frühzeitig in Angriff zu nehmen, denn es nimmt einige Zeit in Anspruch, vorher z. B. das geforderte Foto machen zu lassen (abweichendes Format!), den Fragebogen auszufüllen und auszudrucken und mit dem Pass und dem Zahlungsnachweis für die geforderten Gebühren per Einschreiben dorthin zu schicken.

 

Eine langwierige Reisevorbereitung kann auch in den vorbereitenden Impfungen versteckt sein. Hier hilft das örtlich zuständige Gesundheitsamt bei den Informationen. Der Hausarzt bespricht mit mir meinen aktuellen Impfstatus und wir legen fest, was noch zu erledigen ist. Da unsere Reise in der Hauptsache nach Rajasthan führen wird, gibt es keine Vorschriften, nur Empfehlungen, z. B. die oft vernachlässigte Hepatitis-Impfung durchführen zu lassen. Die Malaria-Prophylaxe wird nur in Form von Tabletten für den Notfall mitgeführt. Die örtliche Apotheke (und der zurate gezogene Reiseführer) helfen, die sinnvolle Reise-Apotheke zusammenzustellen. Wir besorgen auch für alle Fälle jeder noch einen Reiseschlafsack und ein Moskitonetz. Die Koffer (bzw. besser: Reisetaschen mit Rollen) werden gepackt.

 

 

…und dann geht’s endlich los/der erste Tag

 

Treffpunkt Flughafen Ffm – Check-in-Schalter. Das Flugzeug hebt sehr pünktlich um 22.10 h ab und wir sind nach nicht ganz 8 Stunden in Delhi, fast zweieinhalb Stunden eher, als auf dem Flugschein steht – die Air India hat sich wohl bei der Berücksichtigung unserer Sommerzeit in der falschen Richtung vertan. Dies hat zur Folge, dass wir nun recht viel Zeit haben, bis unser Abholservice vom Hotel erscheint. Wir nutzen die Zeit zum Devisentausch und kaufen für jedes Handy eine indische Prepaid-SIM-card. Auch dafür braucht man wieder ein aktuelles Foto in indischem Format. Diese Maßnahme ist für uns sehr sinnvoll, denn zu acht Personen können wir uns nicht überall als geschlossene Gruppe bewegen. Wir müssen uns verständigen können, falls wir uns aus den Augen verlieren. Telefonieren ist in Indien ausgesprochen billig: mit meinem ersten Guthaben über 200 indische Rupien (ca. € 3) kam ich mehr als eine Woche aus und habe dabei noch mehrere kurze Gespräche nach Deutschland geführt. Wenn man einen der großen Anbieter als Vertragspartner wählt, kann man in den meisten Orten wieder aufladen.

 

 

Dann endlich kommt der Abholservice. Nach einer kunstvollen Verladeaktion unserer Gepäckstücke werden wir mit zwei Autos quer durch die Stadt zum Hotel gebracht. Die Fahrt ist rasant; ständiges Hupen begleitet uns, es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm in der Innenstadt – Autos, Motorräder, Mopeds, Fahrräder, Rikschas, die Massen von Autoscootern, die als Taxi in jeden Winkel der Stadt kurven, alle fahren in für uns kaum berechenbaren Bahnen, hupen, drängeln sich nach der besten Ausgangsposition suchend vor den Ampeln, Menschen bewegen sich dazwischen zu Fuß über die Straße, laute Musik dringt ans Ohr – wir tauchen zum ersten Mal ein in eine völlig fremde Welt.

 

Das Hotel wird gefunden. Die Zimmer erweisen sich als akzeptabel. Nach dem Duschen schwimmt wohl das ganze Badezimmer – wie sich später herausstellt, ist das nicht nur hier so – aber es trocknet auch wieder. Die Klimaanlage ist ein wenig laut und recht kalt, man kann sie nicht individuell einstellen. Auch das ist im weiteren Verlauf der Reise mehrmals vorgekommen: entweder man hat’s zu warm oder zu kalt. Man kann natürlich auch die vielerorts vorhandenen internationalen Hotelketten ansteuern, die preislich deutlich höher liegen, aber unsere Vorstellung ist, doch möglichst in indischen Mittelklasse-Hotels zu wohnen und dabei einen besseren Einblick ins indische Leben zu erhalten.

Noch am gleichen Tag stürzen wir uns in dieses indische Leben, indem wir zur nächsten Hauptstraße gehen und dort zwei der überall anzutreffenden grün-gelben Autoscooter (auch Tuk-Tuk genannt) für die Fahrt zum Connaught-Place – dem absoluten Zentrum von Delhi – mieten. Dafür sind gute Verhandlungstaktiken gefragt, wenn man nicht völlig überzogene Preise bezahlen will. Nichts geht in Indien ohne vorherige Preisabsprachen, selten gibt es „fixed price“, man muss schon vorher eine Vorstellung haben, was das Ganze kosten darf. In unserem Fall liegt die „Verhandlungsmasse“ bei 8 Personen = 2 Scooter – es findet sich fast immer einer, der als Sprecher über eine gewisse Anzahl dieser Gefährte verfügt und den Gesamtpreis aushandelt. Wir lassen uns in der Nähe der „Tourist Information“ absetzen und erhalten dort einen Innenstadt-Plan sowie die Adresse eines guten indischen Restaurants in fußläufiger Entfernung. Das „Pand Palucci“ stellt sich tatsächlich als sehr indisch heraus, wir sind die einzigen Ausländer da, das Ambiente ist aber sehr angenehm und die Bedienung freundlich. Die Speisekarte gibt es auch in englischer Sprache, aber die Speisenbezeichnung umschreibt nur in etwa den Inhalt. Die Meinung ist geteilt: diejenigen, die ohnehin gerne etwas schärfer essen, sind sehr angetan, aber ich habe Schwierigkeiten, die Schärfe meiner Spinatküchlein mit meinem europäischen Gaumen zu vereinbaren. Dies wird sich im weiteren Verlauf der Reise ändern: unterwegs hat zum Teil unser Fahrer durch Kontakt-Aufnahme mit der Küche dafür gesorgt, dass nicht zu viele Gewürze in die für uns gekochten Speisen kam, zum Teil habe ich mich auch einfach daran gewöhnt und fand sehr viele Gerichte ausgesprochen lecker. Die Hälfte des Angebots ist vegetarisch und von großer Vielfalt. Fleischspeisen sind naturgemäß ziemlich eingeschränkt: Schwein gibt es nicht, Rind selten, Lamm gibt es oft (meist ist es allerdings nicht das erwartete zarte Lamm, sondern ein ziemlich trockener Hammel), die Alternative ist immer Geflügel in vielerlei Ausführung, überwiegend sehr lecker. In den Restaurants kann man meistens auch schon bei der Bestellung mitteilen, wie „hot“ es sein darf; dies ist abhängig von den mehr oder wenig guten Englisch-Kenntnissen des Obers. Und wie gesagt: man gewöhnt sich! Wir haben an unserem letzten Tag noch einmal im „Pand Palucci“ gegessen und ich kam wunderbar mit dem Angebot zurecht.

 

Der Reiseplan


Die Reise wird uns nach einem weiteren Tag in Delhi nach Agra führen, nach Jaipur, Jodhpur, Jaisalmer, Bikaner, Amritsar, Dharamsala und über Chandigarh wieder zurück nach Delhi: alles in allem werden wir ca. 3.500 km in knapp drei Wochen zurücklegen. Zunächst sind wir noch in Delhi: 

 

Allein in Dehli könnte man sich viele Tage aufhalten: Old-Delhi, sowie die Moschee Jami Masjid als größte Moschee Indiens vermitteln Eindrücke, die man nicht vergisst. Nicht auslassen wollen wir auch Humayums Grabmal“. Es ist das erste der vielen prächtigen Grabmäler, in perfekter Symmetrie erbaut und bildet eine Vorläufer-Architektur für das Taj Mahal, das wir schon bald sehen werden.

Taj Mahal- atemberaubende Schönheit- ein Traum, der für immer in der Erinnerung bleibt

Bei Sonnenaufgang millionenfach fotografiert, man weiß wie es aussieht, und dennoch: sobald man den ersten Blick auf dieses Gebäude wirft, ist man zutiefst beeindruckt von seiner Schönheit und majestätischen Größe, die sich perfekt in den Wasserbecken spiegelt. Die Kuppel ragt mit ihrer Spitze 44 m hoch. Die Marmorfassade ist über und über mit feinen Blumenmotiven und Intarsien verziert. Die perfekte Symmetrie wird betont von den vier Minaretten, jedes 40 m hoch. Das Gartenmausoleum soll ein Abbild des islamischen Paradieses darstellen. Trotz der frühen Morgenstunde sind schon Hunderte von Besuchern hier. Das Grabmal selbst darf nur entweder barfuß oder mit Schuhschonern betreten werden. Vom Flußufer gegenüber genießen wir am Abend noch einmal den Blick auf dieses traumhafte Gebäude bei Sonnenuntergang.

In Agra unbedingt ebenfalls besichtigen: das Grabmal für Itimad-ud-Daulah, dem Schatzkanzler des Mogulreichs, erbaut ab 1622 – kurz vor dem Taj Mahal. Es weist eine polierte Marmorfassade auf, ist mit wunderbaren Steinintarsien verziert und ist der bauliche Vorläufer, landläufig deswegen auch „Baby-Taj“ genannt.

 

Auf dem Weg nach Jaipur: die riesige Anlage von Fatehpur Sikri, für einige Jahre Hauptstadt des Mogulreiches. Der königliche Bezirk des Herrschers Akbar ist eine weitläufige Anlage, in der man die Gebäude der Audienzhalle, der Schatzkammer, Schlafkammern, Haremshaus besichtigen kann.

In Jaipur auf keinen Fall versäumen: das Wahrzeichen der Pink City, den berühmten „Palast der Winde“

Gleich daneben die lebhaften Innenstadt-Straßen und Bazargassen für Stoffe, Schmuck, Bücher, Waren des täglichen Bedarfs, man taucht ein in ein buntes, lautes Gedränge, nimmt die unterschiedlichsten Gerüche wahr.

Die Ladengeschäfte sind zur Straße offen. Bei Kaufinteresse betritt man den Laden ohne Schuhe und läßt sich bequem nieder. Die Verkäufer breiten mit großem Eifer ihre Ware aus. Nach langwierigen Verhandlungen verläßt man das Geschäft schließlich mit mehr als dem einen Schal, den man eigentlich erwerben wollte …

Hier handelt es sich um einen staatlichen Angestellten: die Elefanten von Amber, das 12 km von Jaipur entfernt liegt, sind geschützt und werden von ihrem Mahout versorgt. Wir sahen sie morgens zur Arbeit gehen. Sie tragen die Touristen paarweise den Hügel hinauf zum Jaigarh Fort, einem Prachtbau, der hauptsächlich im 17. Jrh. errichtet wurde. Um die Tiere nicht zu überanstrengen, dürfen sie nur von 8.00 h bis 12.00 h laufen. Man muss sich also zeitig anstellen, denn die Zahl der Touristen, die dieses Erlebnis nicht missen wollen, ist groß.

Unglaublicher Reichtum und Kunstfertigkeit bringen Gebäude und Räume von perfekter Schönheit hervor. Im Spiegelsaal genügte eine Kerze, um zauberhafte Lichteffekte hervorzubringen und den Saal zu erhellen.

 

Auf der Fahrt nach Jodhpur liegt Pushkar, ein Brahma-Heiligtum (oder wie eine bayrische Touristin bemerkte: „dös is Alt-Ötting auf indisch!!!!“). Wie auch immer man es sehen will: tausende von Pilgern drängen sich an jedem Tag des Jahres durch die kleine Stadt, die bis zu 400 Tempel beherbergen soll, um sich an einem der Ghats (Zugänge zum Pushkar Lake) von den Sünden reinzuwaschen und im Tempel Erlösung zu finden.

 

 

 

Heilige Männer streifen durch die Bazarstraßen. Wer „Puja“ (= Opfer) gibt, hat Aussicht auf Erlösung. Von unserem Fahrer haben wir allerdings die strenge Anweisung „no puja“ auf den Weg bekommen. Er wird wohl wissen, weshalb er das sagt!

In Jodhpur wohnen wir für zwei Nächte in einem Haveli, einem ehemaligen Stadtpalais, das zu einem der an vielen Orten vorhandenen Heritage-Hotels umgebaut wurde. Man darf sich in edle Kreise versetzt fühlen: Die Zimmer und Badezimmer sind entsprechend groß, die Betten von mehr als bequemem Ausmaß. Das Frühstück ist wie fast überall in Indien: die englische Kolonialmacht hat neben Butter und Marmelade nur noch Toasts sowie Rührei und Tee in verschiedenster Ausführung vorgesehen. In einem Fall erhielten wir allerdings zusätzlich den englischen porridge, den die meisten der Gruppe mit Schaudern betrachteten. Die Preise sind auch hier moderat: wir bezahlen für ein Doppelzimmer mit Frühstück ca. € 45.

 

Unterwegs von Pushkar nach Jodhpur müssen wir lange Zeit über kleinere Landstraßen fahren. Nachdem wir nun schließlich vom Hunger übermannt wurden, soll an dieser Stelle berichtet werden, dass wir zunehmend mutiger wurden, zum Mittagessen auch einfache „Dhabas“ aufzusuchen:

 

Diese war die einfachste von allen. Trotz ungewöhnlicher Uhrzeit wurde für uns im Steinofen sofort Brot gebacken und ein „Dal“, das indische Linsengericht, zubereitet. Es sei angemerkt, dass keiner aus der Gruppe im Verlauf der Reise krank wurde. Wir wurden immer und überall freundlich und aufmerksam bedient. In Gegenden wie dieser hilft allerdings keine englische Sprachkenntnis. Ohne unseren landeskundigen Fahrer wären solche Erlebnisse unmöglich gewesen.

 

 

In Jodhpur muss man unbedingt Gewürz- und Teeläden aufsuchen. Auch der Markt, der sich über viele Straßen der Innenstadt hinzieht, ist voll von Menschen, bunt, laut und bietet alles, was das Herz der indischen Hausfrau begehrt. Dazwischen laufen auch die berühmten indischen Kühe herum, offenbar wohl wissend, dass niemand sie verjagt. 

Hier erwartet uns ein absolutes Highlight: das großartige Mehrangarh-Fort. Es thront hoch über der blauen Stadt (schön von oben zu sehen: viele der Stadthäuser sind tatsächlich in dieser Farbe gestrichen). Seine Außenmauern ragen bis zu 40 m hoch und sollen stellenweise bis zu 24 m dick sein.

Seine Ursprünge gehen auf das Jahr 1459 zurück, in seiner jetzigen Form wurde es zwischen dem 17. und 19. Jrh. ausgebaut. In seinem Inneren finden sich sehr sehenswerte Museen (Waffen, Bilder, königliche Wiegen) und Gemächer von einer bisher nicht gesehenen Pracht

Die Säule wurde vor 1000 Jahren angefertigt
Die Säule wurde vor 1000 Jahren angefertigt

Die Stadt Osian liegt auf dem Weg nach Jaisalmer. Hier begegnen wir dem Jainismus. In einem der schönsten Tempel werden wir vom dortigen Priester geführt, der uns in verständlichem Englisch die Regeln der Jains erklärt.

 

Strenge Jains nehmen 10 Minuten nach Sonnenaufgang Wasser und Nahrung zu sich sowie nach Sonnenuntergang. Keine tierischen Produkte werden verwendet, kein Lebewesen darf getötet werden, weshalb auch das Tragen von Leder nicht erlaubt ist. Alles wird zu Fuß erledigt.

 

 

Zwischen diesen Städten liegen Strecken von 200 bis 400 Kilometern. Auch wenn wir auf guten Straßen unterwegs sind, benötigen wir immer mindestens einen halben Tag für die Strecke. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 80 km/h, es herrscht lebhafter Verkehr und der Straßenzustand ist nicht überall zufriedenstellend.

 

Jaisalmer liegt am Rande der Wüste Thar. Die Temperaturen steigen jetzt im April merklich an. Die beeindruckende Lage der Altstadt hoch auf dem Rücken des Hügels hat große Nachteile. Bedingt durch die Bemühungen um die Begrünung der Wüste gibt es ein Wasserproblem: durch das sehr trockene Klima wurden ursprünglich keine Vorrichtungen vorgesehen, in denen Wasser ablaufen könnte. Die Altstadt wird aber mit fließendem Wasser versorgt, das an etlichen Stellen austritt und den Stein zersetzt. Das Problem wartet auf Lösung.

Aber der Anblick der Stadt in der späten Nachmittagssonne ist faszinierend:

 

Die Altstadt ist bewohnt und präsentiert sich mit lebhaftem Alltagsleben sowie mit einem Palastkomplex, Jain-Tempeln, die zur Besichtigung frei sind und vielen hübschen Restaurants, auch mit „Roof top“, von wo aus wir beim Abendessen auf die Lichter der in der Ebene liegenden Stadt blicken.

 

Auch in der Wüstenstadt Bikaner, dem nächsten Ziel unserer Reise, gibt es ein sehenswertes Herrscherhaus zu sehen, sowie eine große Zuchtstation für die „Wüstenschiffe“:

 

Dieses wurde einen Tag zuvor geboren. Für die Mutigen: man kann auch Kamelmilch probieren

Weiter geht es ca. 500 km, für die mindestens 8 Stunden veranschlagt werden müssen, immer entlang der Wüste. Dann erreichen wir einen weiteren Höhepunkt dieser Reise: die Stadt Amritsar hat eine spektakuläre Attraktion: den goldenen Tempel, das absolute Heiligtum der Sikhs:

 

 

Der Tempelbezirk ist ein riesiger Komplex mit Verwaltung, Museum usw. Das Hauptheiligtum liegt mitten im Amrit Sarovar = Nektarteich, an dem sich die Gläubigen reinigen, bevor sie sich in die Reihe der Wallfahrer begeben und über einen 60 m langen Damm Schritt für Schritt dem „Guru Granth Sahib“ nähern, dem heiligen Buch, aus dem von morgens bis abends die Priester Verse rezitieren. Über riesige Lautsprecher-Anlagen sind die Gesänge in der gesamten Anlage zu hören. Auch wir als Touristen müssen unsere Schuhe im Schuhhaus abgeben, Frauen müssen den Kopf bedecken und beim Betreten der Anlage durch ein Wasserbecken waten, um mit gereinigten Füßen den Tempelbezirk zu betreten.

 

Zum Tempelbezirk gehört auch eine Garküche, die allen Pilgern ein kostenloses Essen reicht. Ein beeindruckendes Erlebnis.

 

Nach weiteren ca. 200 km, für die wir zwischen 4 und 5 Stunden benötigen, erwartet uns nun endlich nicht nur kühlere Luft, sondern vor allem eine grandiose Landschaft:

 

Wir sind am Fuße des Himalaya angelangt! Die Straße wird immer schmaler, sie windet sich in unzähligen Kurven den Berg hinauf. Da unser Tourist-Kleinbus nicht das einzige Fahrzeug ist, das hier unterwegs ist, ergeben sich manchmal abenteuerliche Überholvorgänge

 

Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch
Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch

Unsere Unterkunft befindet sich in McLeod Ganj, einige km von Dharamshala in den Bergen gelegen. Dort haben die aus Tibet vertriebenen Menschen eine neue Heimat gefunden, auch der Dalai Lama lebt dort. Der Ort ist bevölkert von vielen Touristen. Er ist Ausgangspunkt für Himalaya-Trekking-Touren, manche sind auch aus religiöser Neugier hier, es gibt buddhistische Tempel und viele Wege, an denen entlang die buddhistischen Gebetsfahren aufgehängt sind. Die Tibeter leben vom Verkauf der selbst hergestellten traditionellen Waren: viel Gestricktes, viele Schmuckwaren.

 

Nachmittags kann man die Debattierschule der buddhistischen Mönche besuchen. Auch wenn man nichts versteht, so ist doch der konzentrierte Ernst, mit dem zumeist zu zweit debattiert wird, interessant zu beobachten. Auch an der buddhistischen Andacht im Tempel darf man teilnehmen.

Die rot gekleideten Mönche gehören zum Straßenbild. Es gibt ein tibetisches Museum und eine tibetische Bibliothek. Auch wenn man sich keiner Trekking-Tour anschließen will, kann man in der Umgebung schöne Wanderungen unternehmen.

 

Unsere Reise führt uns wieder die Berge hinab in die Ebene. Nach 240 km erreichen wir Chandigarh. Hier haben wir den absoluten Gegensatz zur seitherigen Reise: diese Stadt wurde von Le Corbusier in den 50er Jahren entworfen; 57 Blöcke oder Sektoren sind durchnummeriert, die Straßen breit; es ist die erste Stadt des modernen Indien. Eine Hauptattraktion ist hier der „Rock Garden“: der Künstler Nek Chand schuf ein Landschaftsprojekt auf 1,6 Hektar Fläche: in Stein gestaltete Landschaft mit Hügeln, Wasserfällen und Höhlen, man geht hindurch wie in einem Labyrinth, entdeckt an jeder Biegung neue Formen. Skulpturen aus Abfallmaterialien wie z.B. Glas, Tonscherben, Steckdosen, Neonröhren etc. bevölkern den Weg und fordern unser Nachdenken über den Umgang mit der Umwelt:

 

Man versichert uns, dass der Rock Garden zu den meist besuchten Sehenswürdigkeiten Indiens gerechnet wird. Tatsächlich herrscht an manchen Stellen großes Gedränge.

 

Das moderne Indien begegnet uns dann noch dadurch, dass wir Gelegenheit erhalten, die indische Produktionsstätte eines deutschen Landmaschinenherstellers zu besichtigen. Der indische Produktionsleiter und der deutsche Marketingleiter führen uns durch das Werk und stehen für unsere vielen Fragen nach den gegenwärtigen Arbeitsverhältnissen zur Verfügung: es gibt Mindestlohn, aber es wird von Firmen wie dieser deutlich darüber entlohnt. Wir erfahren einiges über die Fortschritte in der Landwirtschaft und die Entwicklung der Grundstückspreise. Zum Schluss sind wir sogar eingeladen, in der Werkskantine zu essen, die allen Mitarbeitern zur Verfügung steht.

 

Die Rückfahrt nach Delhi steht an. Unser Fahrer drängt auf zeitigen Aufbruch. Kurz vor Delhi wissen wir warum. Er biegt von der Hauptstraße ab und fährt in sein Dorf: wir sind eingeladen bei seiner Familie! Vorher holen wir die Tochter von der Schule ab. Rektor und Lehrer der Schule erwarten uns mit einem kleinen Snack und wir dürfen die Schule besichtigen:

 

Hier gibt es strenge Regeln. Wenn der Rektor erscheint, stehen alle stramm, auch die Lehrerin.


Im Dorf wird der Bus mit den Fremden unverhohlen bestaunt. Hier wohnen die Familien zwar in getrennten Wohnungen, aber der familiäre Clan ist gleich nebenan: die Häuser sind so verschachtelt gebaut, dass man nicht auf Anhieb sieht, wo die eine und wo die andere Wohnung betreten wird. Gemeinsam hat man auch die Kuh im Stall.

Die ganze Familie erwartet uns und wir werden mit einem typisch indischen vegetarischen Essen bewirtet: verschiedene Gemüse einschließlich „Dal“ und Reis. Es hat wunderbar geschmeckt. Darüber hinaus erleben wir den harmonischen Umgang der Familienmitglieder miteinander. Es war eine gelungene Überraschung an unserem letzten Tag.

 

 

Gut und sicher erreichen wir das Hotel in Delhi für die letzte Übernachtung.

 

War Indien nun ein Kulturschock? Auf unserer Reise haben wir so vieles gesehen: die mangelhafte Infrastruktur der Kanalisation und der Elektroanlagen in den Innenstädten:

 

 

 

Extrem ist dies natürlich in den alten Vierteln einer Stadt, wie hier in Old Delhi

Wir haben zwar Bauern gesehen, die den Boden mit Ochse und Pflug bearbeiten, aber wir sahen auch immer wieder, wie Landmaschinen über die Straßen transportiert wurden. Die Bauern schließen sich in Kooperativen zusammen, um gemeinsam die teuren Maschinen benutzen zu können. Wir sahen überall Menschen fleißig und zumeist freundlich ihrer Arbeit nachgehen; wir begegneten bildungshungrigen jungen Menschen, die ehrgeizige Vorstellungen für ihre Zukunft haben. Das Kastenwesen ist zwar längst per Gesetz abgeschafft, aber trotzdem herrscht noch vielfach traditionelles Denken, so dass z. B. oft Ehen arrangiert werden, man lese die Seiten für Heiratsanzeigen in der „Hindustan Times“: hier suchen die Eltern für ihre Kinder die adäquaten Partner. Geändert hat sich vielleicht, dass heutzutage eine gebildete Frau mehr wert ist, denn dies wird häufig als positive Eigenschaft gefordert, bzw. angeboten.

 

Vieles, sogar sehr vieles ist anders und fremd in diesem Land. Wir sahen den geringen Lebensstandard vieler Menschen, aber gebettelt wird nur dort, wo Touristen in Massen auftreten, aber nicht, wenn man einfach irgendwo über eine normale Einkaufsstraße schlendert oder über einen indischen Markt geht. Ob man diese Eindrücke als Kulturschock wahrnimmt, mag individuell verschieden sein. Für unsere Gruppe war es das nicht. Es ist sicherlich vieles verbesserungswürdig, wie wir nicht zuletzt durch viele Zeitungsartikel wissen, aber wir haben versucht, mit offenen Augen und wachem Interesse das Andere aufzunehmen und zu sehen, wie ein Entwicklungsland in seine Zukunft strebt. Ein Traumland ist es dort, wo landschaftliche Schönheiten und Sehenswürdigkeiten im Rang des Weltkulturerbes bewundert werden können.

5.7.12/GBW

 

Spaß pur - mit dem Pedelec vom Main in den Spessart

 

Oberhalb der südwestlich ausgerichteten Erlenbacher Steillagen werden wir bereits von der angehenden Weinbetriebswirtin Verena Waigand und dem Wengertschütz Erich Becker bei Wasser und jungem Wein erwartet. Frau Waigand, deren Familie im Nebenerwerb einen 1,6 Hektar großen Betrieb führt, beschreibt uns die äußert mühevolle Handarbeit in den terrassierten Steillagen.

Abends, im „Weingut Stadt Klingenberg“, das von dem noch jungen, aber bereits weitgereisten Winzer Benedikt Baltes und einem ebenso jungen chinesischen Partner von der Stadt gekauft wurde, wird deutlich, dass sich Zukunft der Rotweinregion Main nicht über Höchsterträge sondern über lagen- und sortenreine Spitzenqualitäten definieren muss.

 

 

Am nächsten Tag geht es mit dem Pedelec vom Main hinauf in den Spessart. Brigitte Duffeck, die Marketingleiterin der touristischen Arbeitsgemeinschaft „Mainland Miltenberg - Churfranken“ ist davon überzeugt, dass die Idee, Radler nicht nur an der Flussroute entlang zu führen, sondern auch für die Spessart-Hügel zu begeistern, durch ein dichtes Netz von Pedelec - Verleih und Akkuwechselstationen zahlreiche Anhänger finden wird. Die 30 Kilometer Strecke zum Wasserschloss Mespelbrunn macht mit den Rädern der Schweizer Firma Flyer wirklich Spaß, der Motor schnurrt leise und wir kommen entspannt an dem Touristenmagneten an. Jetzt, an einem Wochentag Ende September ist es ruhig - ohne Wartezeit lassen wir uns das Schloss zeigen.

 

Die Region vermarktet sich immer noch über „Spessart Räuberland“. Liselotte Pulver, Carlos Thomson und der Film „Das Wirtshaus im Spessart“ sind allgegenwärtig. Die attraktive Kultur-und Naturlandschaft hat wirklich viel mehr zu bieten als alte Räubergeschichten.

 

 

Wir belohnen uns mit einem gepflegten Bier in der ältesten Fürstenherberge Deutschlands, dem „Riesen“. Der Diplom - Ingenieur Werner Jöst hat den Renaissancebau mit enormen finanziellen Mitteln restauriert. Das Haus beherbergt heute ein Hotel mit liebevoll eingerichteten Zimmern und ein traditionelles Gasthaus.

Unser Akku ist nach der Halbetappe noch voll - das Pedelec erwartet jedoch frische Elektro - Power. Kein Problem, nach wenigen Handgriffen ist das Aggregat ausgetauscht und weiter geht´s auf dem Weg nach Miltenberg. Noch ein paar Steigungen und die schnelle Abfahrt bringt uns zum Tagesziel. Die letzten Strahlen der Abendsonne tauchen den Fluss und den Ort mit seinen malerischen Fachwerkhäusern und der über der Stadt thronenden Miltenburg in ein sanftes Licht.

Extrem ist dies natürlich in den alten Vierteln einer Stadt, wie hier in Old Delhi.

Cornelius Faust, Brauereibesitzer, Biersommelier und Pächter der Riesen - Gaststätte zelebriert mit geradezu unerschöpflichem Wissen humorig die Bierkultur des Hauses. Der letzte Höhepunkt seines kreativen Schaffens ist der holzfassgereifte Eisbock aus dem Jahre 2010. Diese längst ausverkaufte Rarität hat von der Weinfachzeitschrift „Selektion“ fünf Sterne bekommen.

 

Ich verrate ein kleines Geheimnis: Cornelius Faust hat in seiner Schatzkammer noch eine Flasche für uns aufgetan. In Kombination mit der hausgemachten Zartbitterschokoladentarte, die zarteste Versuchung seit Erfindung des Gerstensaftes!

 

Ich habe noch eine ganz persönliche Hotelempfehlung: das Flair - Hotel „Hopfengarten“ der Familie Holzinger im Herzen Miltenbergs und trotzdem wunderbar ruhig gelegen.

Das Hotel Hopfengarten in Miltenberg

Übrigens, nach eineinhalb Tagen Pedelec - Radeln war vom anfangs beschriebenen „Reha - Image“ keine Spur übrig geblieben. Es hat einfach nur Spaß gemacht.

 

Rainer Schwirtzek


Infos:

 

Region Mainland Miltenberg - Churfranken: www.churfranken.de

Region Mainland - Spessart: www.spessart-touristinfo.de

 

Verleihstationen für Pedelecs:

 

Amorbach: mb-rad-sport, Am Bahnhof 2, Tel. 09373/20 35 55, www.mb-rad-sport.de

Bürgstadt: ADLER Landhotel, Hauptstr. 30, Tel. 09371/97 880, www.adler-landhotel.de

Großostheim: E-Bike Cafe, Pflaumheimerstr. 50, Tel. 06026/70 90 400, www.e-bike-cafe.de

Miltenberg: Flair Hotel Hopfengarten, Ankergasse 16, Tel. 09371/97 370, www.flairhotel-hopfengarten.de

Mönchberg:Hotel-Restaurant Schmitt, Urbanusstr. 12, Tel. 09374/20 90

Sulzbach: Fahrrad & Service Pfeiffer, Industriestr. 11, Tel. 06028/12 39 950

 

Stadt Obernburg: www.obernburg.de

 Stadt Klingenberg: www.klingenberg-main.de

 Stadt Miltenberg: www.stadt-miltenberg.de

 Wasserschloss Mespelbrunn: www.schloss-mespelbrunn.de

 Weingut Waigand: www.waigand-wein.de

 Weingut Stadt Klingenberg: www.weingut-klingenberg.de

 Gaststätte Riesen: www.riesen-miltenberg.de

 

 

 

ROCK of CASHEL- IRLAND

gehört zu den interessantesten und meist besuchtesten Kulturdenkmälern in Irland

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