Auguste Renoir

Ein Film wie ein Gemälde: Porträt eines Besessenen 

 

Der Film porträtiert den gealterten, schwer an Arthritis erkrankten Renoir in seinem Landhaus an der Cote Azur.

Seine Hausangestellten sorgen für ihn. Trotz der schweren Erkrankung ruht der Maler nicht. Renoir sitzt im Rollstuhl, seine Hände sind verkrüppelt und schmerzen höllisch, doch er malt unverdrossen weiter. Inspiriert von Andrée, seinem neuen Modell. Die blutjunge Frau gefällt nicht nur dem Maler, auch sein Sohn Jean hat ein Auge auf sie geworfen. Und Jean weiß von der Vorliebe seines Vaters für seine Modelle.

Ein wunderbarer Film, gedreht in einer herrlichen Landschaft voller stimmungsvoller Bilder.

 

www.essener-filmkunsttheater.de

 

 

Jud Süß

Premiere in der Lichtburg am 17.09.2010

Wie nähert man sich historischen Sachverhalten, die dazu noch so ernst sind? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Auch Oskar Roehler kann sie mit seinem Film „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ nicht beantworten. Doch hat wohl Quentin Tarantino Maßstäbe gesetzt, als er Hitler in „Inglorious Bastards“ in einem Kugelhagel sterben lässt anstatt durch Selbstmord. So lässt Roehler in seinem Film jüdische Häftlinge 1944 Löcher in Felder graben, wo ein KZ entsthehen soll – Auschwitz. Dass die Frau des Schauspielers Veit Harlan in Roehlers Film eine Vierteljüdin und nicht wie in der Realität eine Katholikin war, erklärt er bei der Premiere in der Lichtburg damit, dass er ihre Zweifel an der Rolle ihres Mannes besser verständlich machen wollte. War das nötig? Martina Gedeck spielt diese Rolle wie immer fabelhaft. Auch Tobias Moretti zeigt eine gute Leistung, vermag das promiskuitive Verhalten und die Neigung zum Alkohol bei Veit Harlan darzustellen. Er zeigt die Zerrissenheit des Schauspielers, das Schwanken zwischen Gewissen und Ruhmsucht. Doch dafür hätte der Film auch kürzer sein können. Auf gewisse Fragen geht der Regisseur nicht ein, z.B. warum Harlans Tochter nichts mehr von ihm wissen möchte. Man fragt sich, was wirklich mit seiner Frau passiert ist, wurde sie wie im Film, weil Vierteljüdin, vergast? Die anderen Frauenrollen sind alle geschmacklos, die Sexszene beim Bombenalarm mit Gudrun Landgrebe völlig daneben. Wenn der Film das mörderische Verhalten während der NS-Zeit zeigen soll, ist die Frage ob man mit solchen Bildern nicht auf sich selbst ein schlechtes Bild lenkt und das eigene Gewissen in Frage stellt.

Moritz Bleibtreu wird seiner Rolle als Goebbels nicht gerecht. Aus heutiger Sicht erscheint Goebbels lächerlich und so spielt Bleibtreu ihn auch. Das Dämonhafte des Propagandaministers kommt an zwei Stellen durch, untermalt durch laute dramatische Musik – ein einfaches filmisches Mittel. Ansonsten ist die Rolle an der Grenze zur Albernheit und Peinlichkeit. Tucholsky schrieb: Satire darf alles. Dann sollte sie aber auch durchweg Satire sein. Bei Roehler verschwimmen die Grenzen zwischen Ernsthaftigkeit und Persiflage. Schade – das hätte ein interessanter Film werden können.

 

„Der Vorleser“ in der Lichtburg in Essen am 25.02.2009

 

Der Vorleser

 

Unter Anwesenheit der Schauspieler David Kross, Burghart Klaußner, Volker Bruch und Vijessna Fercik fand am 25.02.2009 in der Essener Lichtburg die NRW-Premiere des Films „Der Vorleser“ statt. Die Hauptdarstellerin Kate Winslet, die am Wochenende für ihre schauspielerische Leistung den Oscar gewann, war nicht vor Ort. Bevor die Verfilmung des Bestsellers von Bernhard Schlink dem Publikum gezeigt wurde, erzählten die Geschäftsführer des Senator-Film-Verleihs jedoch, dass Kate Winslet von der Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen bei dieser deutsch-amerikanischen Ko-Produktion begeistert war. Der 18-jährige Davis Kross drehte für seine Rolle des jüngeren Michael seine ersten Sexszenen mit der Hollywood-Schauspielerin. Auf die etwas unsensiblen Fragen des Moderators bezüglich dieses Teils seiner Arbeit antwortete er souverän, dass er sich jedoch auch mit ihr unterhalten habe.

Applaus bekamen nach der Vorführung nicht nur die Schauspieler, sondern auch die anwesenden Ko-Produzenten Henning Molfenter und Claus Woebcken völlig zu Recht. Die Verfilmung des Themas NS-Verbrechen bedurfte einer intensiven Vorbereitung. Das Produktionsteam wurde dabei vom Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt unterstützt, einem der weltweit größten Archive über die Kriegsverbrechen der Nazis.

Die Wandlung von Kate Winslet in ihrer Rolle als Hannah Schmitz von einer jungen zu einer stark gealterten Frau ist nicht nur ihren wirklich überragenden Fähigkeiten als Schauspielerin zu verdanken, sondern auch der Haar- und Make Up-Expertin Ivana Primorac.

Vor dieser Romanverfilmung brauchen die Leser im Publikum keine Angst zu haben, denn sie ist sehr gut gelungen. (Anna Dettmer)