Düsseldorf

Schauspielhaus Düsseldorf

Gottfried Greiffenhagen
"Die Comedian Harmonists"


Musikalische Einrichtung: Franz Wittenbrink
Regie: Mathias Schönsee

Bühne und Kostüme: Dietrich von Grebmer

Musikalische Einstudierung: Klaus-Lothar Peters

Dramaturgie: Oliver Held


Berlin 1927. Die Zeiten sind unruhig. Mit der Wirtschaft geht es bergab. Und die Nationalsozialisten stehen bereits mit einem Fuß in der Tür. Keine besonders guten Voraussetzungen um eine Musikgruppe zu gründen. Doch das stört „Harry Frommermann“ wenig. Er hat eine Vision.

Harry, gerade ins Erwachsenenalter gestolpert, ist besessen davon eine Boygroup, zu gründen. „The Revellers“, eine amerikanische Formation, ist sein großes Vorbild. Er sucht nach geeigneten Musikern für seine Idee. Robert Biberti ist der Einzige von über 70 Bewerbern, der sich  für das Projekt eignet. Denn er verfügt über eine enorm schöne Bassstimme. Nun geht es Schlag auf Schlag. Biberti bringt aus dem Schauspielhaus den Bulgaren Ari Leschnikoff und den Polen Roman Cycowski mit. Alle drei singen im Opernchor. Später kommen noch Erich Collin und der Piano spielende Erwin Bootz, der gerade sein Musikstudium abgeschlossen hat, hinzu. Mit spritzigen Liedern und frechen Texten will das Ensemble das Publikum begeistern. Sie proben intensiv bis zur Erschöpfung. Die ständige Geldnot macht ihnen sehr zu schaffen, denn nur Bootz verfügt über ein festes Einkommen. Harry ist es, der die Anderen auch in tiefster Resignation immer wieder aufbaut und zum Weitermachen veranlasst. Eines Tages erhalten sie einen Anruf. Sie dürfen im Berliner Vergnügungspalast vorsingen. Der Auftritt wird ein Reinfall. Ihr Stil entspricht nicht den Erwartungen des Hauses. Sie lassen sich jedoch nicht entmutigen und haben Glück, Levy, ein Musikagent, vermittelt sie an einen Varietekönig, dem sie ihr gesamtes Repertoire vortragen dürfen. Ihre Karriere kommt ins Rollen. Mit schwarzpolierten Schuhen, gestriegelten Haaren und elegantem Frack treten sie auf. Das schlagkräftige Sextett spielt vor ausverkauften Häusern, Tourneen im In- und Ausland schließen sich an. Der Durchbruch ist geschafft.

Die Inszenierung setzt die Gründung und Auflösung der legendären Comedian Harmonists,   bestehend aus fünf Sängern und einem Pianisten, in Szene. Die Performance mit den Schauspielern: Benjamin Hoffmann (Robert Reichinek), Moritz von Treuenfels, Dominik Raneburger, Andreas Helgi Schmid, Heisam Abbas und Danny Exnar zeigt die beispiellose Karriere der Vokalgruppe, die mit ihren nicht leicht zu intonierenden A-cappella-Liedern zu umjubelten Stars avancieren. Es gelingt ihnen vortrefflich, die Charaktere der ganz unterschiedlichen Sängerpersönlichkeiten herauszubilden. Ob solo oder im Chor, sie begeistern mit exzellent vorgetragenen Vokalgesang, stimmgewaltigen Arrangements und Komik. Die schönen Evergreens: »Ich bin ein kleiner grüner Kaktus«, »Wochenend und Sonnenschein« oder »Veronika der Lenz« ist da, präsentieren sie mit Bravour.

Bei Andreas Helgi Schmid in der Rolle des Harry Frommermannns laufen von Beginn an alle Fäden zusammen. Mit seiner unglaublichen Disziplin, seinem eisernen Willen und dem unerschüttlichen Glauben an den Erfolg motoviert er die Gruppe stets aufs Neue, nicht aufzugeben. Schmid verkörpert den Initiator  der Gruppe, sehr authentisch. Heisam Abbas als Biberti, punktet als Sänger und geschäftstüchtiger Verhandler, wenn es um Verträge und Gagen geht. Gegen den Vorwurf der persönlichen Vorteilsnahme muss er sich öfter wehren. Danny Exnar als eleganter Klavierspieler Booz, integriert sich nach anfänglichen Querelen schnell in die Gruppe. Moritz von Treuenfels, der den Intellektuellen Collin mimt, nervt mit seinem Französischunterricht, da er ständig die unkorrekte Aussprache seiner Freunde reklamiert. Und Benjamin Hoffmann als verträumter Ari Leschnikoff besitzt viel komödiantisches Talent und singt mit Dominik Raneburger, in der Rolle des Roman J. Cycowoski und dem übrigen Ensemble mit viel Inbrunst. Gleich in mehreren Rollen brilliert Lutz Wessel, ob umtriebiger Musikagent, feister NS Mann oder tundige Vermieterin. Er ist perfekt.

Dass Erfolg und Popularität nicht immer nur Positives mit sich bringen, veranschaulichen die Ensemblemitglieder recht deutlich. Sie zeigen, wie Neid, Misstrauen und Geltungsdrang früh in die Gruppe einziehen und die Atmosphäre vergiften.
Doch trotz aller Differenzen, die Formation versöhnt sich wieder. Als eines Tages die Nerven blank liegen und von Trennung die Rede ist, stimmen sie spontan und wie aus einem Mund das Lied: „Ein Freund, ein guter Freund“ an..

Nach der Machtübernahme der Nazis geraten die Comedian Harmonists in Schwierigkeiten. Die Streitigkeiten nehmen zu. Drei von ihnen: Frommermann, Cycowski und Leschnikoff  sind »Nichtarier«. Ihnen ist es verweigert, weiter mit den „Ariern« aufzutreten. SA Bonze »Lutz Wessel« wedelt mit dem Erlass der Reichsmusikkammer. Die Auflösung der Gruppe ist nicht mehr zu stoppen. Die drei »Nichtarier« verlassen nacheinander still die Bühne. Ein tragischer Moment. Der deprimierendste der Inszenierung.

 

Mit zwei Zugaben verabschiedet sich das umjubelte Ensemble.


Karten

Mo bis Sa, 11 bis 18.30 Uhr
Abendkasse jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn

Telefonisch zusätzlich
sonntags und feiertags von 16.00 bis 18.00 Uhr
Telefon 0211. 36 99 11
Fax 0211. 85 23 439



 

 

Dortmund

Konzerthaus

20. April 2015


Die K&K Philharmoniker und der K&K Opernchor – unter der Leitung ihres Gründers Matthias Georg Kendlinger. © DaCapo/Nawrath
Die K&K Philharmoniker und der K&K Opernchor – unter der Leitung ihres Gründers Matthias Georg Kendlinger. © DaCapo/Nawrath

Die schönsten Opernchöre 2015

 

Es gibt sie: Menschen, die nur wegen der Chöre Konzerthäuser besuchen. Sie und alle anderen Musik-Begeisterten, die an diesem Abend das Konzert der K&K Philharmoniker und der K&K Opernchöre in Dortmund besuchten, kamen voll auf ihre Kosten.

 

Im Konzerthaus gastierten »Die schönsten Opernchöre 2015« unter der Leitung von Vasyl Yatszyniak (Chorleiter) und Georg Kugi (Dirigat). Bereits seit 2004 begeistern die Opernchöre und die Philharmoniker mit ihren Meisterwerken das Publikum. Ihre Tourneen, produziert von Da Capo Musikmarketing Gmbh Österreich, führen sie in die renommiertesten Musik-Häuser Europas und sind fast immer ausverkauft. Das war am 20. April 2015 im Dortmunder Konzerthaus nicht anders. Fast jeder Platz war belegt. Die Zuhörer erlebten eine abwechslungsreiche Aufführung mit vielen Highlights. Auf dem Programm standen berühmte Werke von Bizet, Gounod, Lortzing, Nicolai,  Weber, Humperdink, Tschaikowski, Verdi und Wagner. Matthias Georg Kendlinger war mit der Ouvertüre zur Oper „Der Priester“ vertreten und aus »Samson & Delila von Camille Sain Saens war Baccanal zu hören.

 

Den Auftakt bildete die Poetisch-Romantische Ouvertüre zur Oper „Die lustigen Weiber von Windsor«, die schon gleich zu Beginn den berühmten Funken überspringen ließ. Gefolgt von Lortzings »Zar und Zimmermann«,  eine der vergnüglichen deutschen Spielopern, aus der das Lied »Hoch lebe die Freude« zu hören war. Im Repertoire der Musiktheater eroberte sich das Werk nach seiner Uraufführung im Jahr 1837 rasch einen festen Platz. Besonders unter die Haut ging das Sandmännchenlied Abendsegen & Traumpantomine« aus der Oper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdink. Beeindruckend interpretiert von zwei hervorragenden Solistinnen. Gleich zweimal vertreten im Programm: Verdi mit Il tovatore und Aida. Auch dabei, "Carmen" so populär ist kaum eine Opernfigur. Deshalb durfte sie auf dem Spielplan nicht fehlen. Bizets mythenumrankte Titelheldin stand mit  »Les voici«auf dem Spielplan. Weiter ging es mit Faust von Gounod und »Gloire immortelle« aus dem 4. Akt sowie »Vin ou biere« aus dem 2. Akt. Der opulente Triumphmarsch >Gloria all'Egitto< aus Verdis »Aida« gehört sicher zu den Herzstücken des Programms.  Bläser und Chor, kraftvoll und voller Dramatik dargeboten, vermitteln die ganze Bannbreite großen Könnens. Ebenso entfesselte die Ouvertüre zur Oper »Der Priester« ein Gewitter der Gefühle. Ein weiterer Höhepunkt stand mit Richard Wagners »Lohengrin« auf dem Programm, dessen Vorspiel & Brautchor zu den Glanzlichtern des Abends zählten.

 

Der exzellente Chor, stimmgewaltig, perfekt von Vasyl Yatszyniak einstudiert und die fulminant spielenden Philharmoniker unter der Leitung von Georg Kugi, singen und spielten klangschön  mit größter Präzision und bescherten dem Publikum Momente höchster Intensivität. Harmonisches Zusammenspiel, Charisma, emotionale Kraft und Freude des Ensembles sind permanent zu spüren. Für die großartige Darbietung erhielt das Ensemble tosenden Beifall. Es gab vier Zugaben.

Weitere Infos zur Saison der schönsten Opernchöre 2015/2016

Tel. +43/5373/4 33 34-0

info@dacapo.at

Internet: www.dacapo.at






Wuppertal

Fotograf: Christoph Sebastian
Fotograf: Christoph Sebastian

SCHÖNE MÜLLERIN IM ENGELSGARTEN

Susanne Abderedis begann ihre Intendanz im neuen Theater am Engelsgarten mit Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ und erntete oft heftige Kritik. Im örtlichen Generalanzeiger wurde von geringer Besucherzahl berichtet, von Missfallensbekundungen während der Aufführung und von sehr kurzem Beifall. Also konnte man sehr gespannt sein.

 

Natürlich: das alte (!?), große Schauspielhaus, das jetzt langsam verfällt, war ein architektonisches Schmuckstück, aber so schlecht ist das aus einer alten Lagerhalle entstandene Theater am Engelsgarten auch nicht. Selbstverständlich ist alles viel kleiner und es gibt nur 150 Plätze. Deren Anordnung ist aber geschickt gelöst, weil die Reihen recht steil ansteigen, und aushalten lässt es sich in den Sitzen sogar mit einem Hexenschuss. Die Bühne ist nicht sehr breit, verfügt aber doch über eine beträchtliche Tiefe, so dass Jan Ros, der Bühnenbildner mehrere Podestreihen, die im Stück unterschiedliche Funktionen erfüllen, vertikal hintereinander anordnen konnte.

Und dann, in der besuchten Aufführung am 31.10.2014: das Haus war voll, nur wenige Plätze blieben frei, das Publikum verfolgte das Geschehen interessiert und neugierig, und am Ende gab es langen Beifall, der die Beteiligten sichtbar freute.


Was wollte Susanne Abderedis als neue Intendantin durch ihre Stückauswahl deutlich machen? Mir scheint: eine deutliche Affinität zur Musik, die wahrscheinlich auch in nur von der Sprache geprägten Stücken spürbar sein wird, wenn auch nicht so vordergründig wie bei diesem Liederzyklus. Das zeigt sich auch in den Biographien der Schauspieler, von denen doch einige einen zusätzlichen musikalischen Hintergrund haben und den auch ausspielen dürfen.


Deshalb war die musikalische Seite der Aufführung durchaus erfreulich. Klar ist: Schauspieler singen anders als Opernsänger, auch und vor allem, wenn sie dies nach einer kompletten Gesangsausbildung geworden sind. Aus der Musik geborene Nuancierungen spielen weniger eine Rolle, man nähert sich eher dem Liedermacher, bei dem der Text vor allem wichtig ist und der sich schon mal einen schiefen Ton erlauben darf. Diese Art des Vortrags habe ich noch in sehr positiver Erinnerung durch eine Aufführung des anderen Liederzyklus' Schuberts, der "Winterreise" im Schauspielhaus Bochum im Jahre 1984, wo auf der Bühne, mit Blick auf das sonst leere große Schauspielhaus, später so bekannte Schaupieler wie Kirsten Dene, Ulrich Pleitgen und Branko Samarovsky in dieser Art sangen (vielleicht haben einige der aktuellen Schauspieler in 30 Jahren ja auch so eine Karriere hinter sich!). Das hat mich ermutigt - persönliche Bemerkung! -, als Musiklehrer immer wieder Arien und Lieder  (auch aus der "Schönen Müllerin"!) in Klassen und Kursen zu singen. Die musikalische Faktur ist oft einfacher als man denkt, und das Verständnis für die Lieder steigt ungemein, wenn man sie einmal "in der Kehle" hat. In diesem Sinne waren in Wuppertal alle Lieder professionell, bis auf die letzte Silbe verständlich und mit großer Sicherheit vorgetragen. Unterstützt wurden sie dabei durch die hervorragende Arbeit zweier Personen. Die erste ist Marlijn Helder, die Schuberts Musik für das Ensemble arrangiert hat. In einleuchtender aber dezenter Weise hat sie dabei in die Musik eingegriffen, indem sie diese auf mehrere Personen verteilt hat, sie von einigen mal einstimmig, mal mehrstimmig singen läßt, Echos eingefügt hat; Maßnahmen, die wirkungsvoll sind und es den Sängern nicht etwa schwerer, wie man glauben könnte, sondern leichter machen. Geschickt integriert wurde auch das gekonnte Waldhornspiel Uwe Dreysels im Umkreis der Jäger-Lieder.


Die andere Person: Christoph Schnackertz, der jetzt in Wuppertal angestellte Pianist, mit dem man ganz offenbar einen Volltreffer gelandet hat. Er spielte nicht nur den Franz Schubert, am Anfang schlafend und am Ende tot wie der Müllersbursch im Bach, sondern gestaltete den Klavierpart ganz außergewöhnlich: auswendig spielend, absolut sicher, dabei kleine Unstimmigkeiten der Sänger Schauspieler unmerklich ausbügelnd machte er sogar noch die Brüche innerhalb der Lieder deutlich. Nur die letzte Strophe des letzten Liedes spielte er nicht, weil er den Flügel schon verlassen hatte; hier vertrat ihn dann die Schauspielerin Julia Reznik  am Klavier.

 

Die Inszenierung von Jos van Kann war wohl die eher problematische Seite der Aufführung. Nur an wenigen Stellen war eine schlüssige erzählerische Verbindung zu den Liedern zu erkennen, so etwa bei der Versammlung des Mühlenpersonals in „Am Feierabend“, oder beim Auftreten des Jägers. Gleichzeitig wurden hier aber auch alle Klischees bedient, die mit der Jägerei verbunden sind, bis hin zum Hirschgeweih, das an die Rückwand gehängt wird und andeutet, dass das Mädchen wie das Reh als Beute betrachtet wird. Ansonsten arbeitete der Regisseur illustrativ und assoziativ. Da bleibt ein Gipsreh die ganze Zeit an wechselnden Plätzen auf der Bühne, rechts oben hängt ein Stuhlgewirr ohne weitere Funktion, die zwölf Podeste werden mal hochgeklappt und mit Texten versehen, einmal verschwindet eine Frau eine ganze Zeitlang unter einem der Podeste. Ein Stuhl, wie eine Frau gekleidet (oder eine Frau als Stuhl?) hängt an der Wand oder wird herumgetragen, ein grünes Band wird in einem Sandkasten verbrannt und vergraben, in den auch der Schauspieler Thomas Braus seine Glatze stecken muss, Brautkleider kommen vor und ein grünes Tuch, das über die ganze Bühnentiefe gezogen wird und sogar den Pianisten verdeckt. Bei dem Lied „Mein“ hauen sich die drei Sänger auf die Schenkel wie beim Südtiroler Schuhplatteln. Immerhin werden am Anfang Schuhe an- und am Ende wieder ausgezogen. Vieles bleibt unklar oder rätselhaft, so wie in manchen Stücken von Christoph Marthaler, ein narrativer Faden ist nicht erkennbar. Das muss auch nicht so sein, lässt viel Raum für Gedanken und eigene Assoziationen und Interpretationen. Das Wuppertaler Publikum kennt dies ja aus vielen Stücken von Pina Bausch.

Das, was in einigen Kritiken missbilligt wurde, fand ich gelungen: Die Kreuzung der Darstellung der Lieder mit Schuberts berühmten Traumtext vom 3.7.1822, aus der Zeit der Komposition, und einem nicht vertonten Gedicht vom schwarzen „Blümlein Vergissmein“ aus Müllers Zyklus. Durch das Rezitieren von Teilen daraus an verschiedenen Stellen der Aufführungen und entsprechendem darstellerischen Reagieren darauf wurden starke Kontraste gewonnen und sehr deutliche Bezüge zwischen Leben und Liedern klar gemacht.

 

Allerdings: Die Gedanken des Regisseurs Jos van Kan zu seiner Arbeit im Programmheft fand ich wenig hilfreich. Diese Heft ist ansonsten aber zu loben: Aussagekräftige Informationen finden sich neben Bildern, die die Erinnerung an das Stück wachrufen und auch die Schauspieler vorstellen (bisher nicht genannt: Tinka Fürst, Philippine Pachl, Miko Greza, Daniel F. Kamen, Konstantin Shklyar, Stefan Walz). Auch die in der Aufführung rezitierten Texte und ein Überblick über den Ablauf des Liederzyklus sind abgedruckt, was wesentlich zum Verständnis des Ganzen beiträgt.

Wie am Anfang schon angedeutet: Vieles gelungen, viel Stoff zum Diskutieren, man darf auf die weiteren Stücke im Theater am Engelsgarten gespannt sein.

 

Fritz Gerwinn

3.11.2014

 

 

Bochum

Foto: KFR/Frank Mohn
Foto: KFR/Frank Mohn

Klavier-Festival Ruhr 2014 glanzvoll gestartet

 

Leon Fleisher, Nicholas Angelich und die Neue Philharmonie Westfalen unter Dennis Russell Davies begeistern mit einhändigen Klavierkonzerten von Prokofjew und Ravel weiter ...

 

Mit Klavierkonzerten für die linke Hand allein eröffneten Leon Fleisher, Nicholas Angelich und die Neue Philharmonie Westfalen am Freitagabend (9. Mai) das Klavier-Festival Ruhr 2014, das mit dieser besonderen Klavierliteratur an die vielen Verletzten des nunmehr 100 Jahre zurückliegenden Ersten Weltkriegs erinnert.

 

In der Jahrhunderthalle Bochum begeisterte der große Pianist, Dirigent und Pädagoge Leon Fleisher, Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2002, durch seine Interpretation von Sergej Prokofjews 4. Klavierkonzert (für die linke Hand). Sein hoch renommierter Meisterschüler Nicholas Angelich ließ im Anschluss den Farbenreichtum des Klavierkonzerts von Maurice Ravel aufleuchten. Die Neue Philharmonie Westfalen umrahmte die Klavierkonzerte mit Sergej Prokofjews Suite aus der Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ und Maurice Ravels feurig auftrumpfender „Rhapsodie Espagnole“. Die Leitung hatte amerikanische Dirigent Dennis Russell Davies. Als Zugabe spielten Leon Fleisher und Nicholas Angelich den Slawischen Tanz Nr. 10 von Antonín Dvořák für Klavier zu vier Händen.

 

Unter der Schirmherrschaft von Traudl Herrhausen präsentiert das diesjährige Klavier-Festival Ruhr bis zum 12. Juli ein Programm mit insgesamt fünf Schwerpunkten. Das weltweit wichtigste Pianistentreffen erkundet die Klavierliteratur für die linke Hand, feiert den 150. Geburtstag von Richard Strauss, präsentiert einen exklusiven Beethoven-Gipfel, wendet sich intensiv dem Thema Etüden zu und veranstaltet acht hochkarätige Jazzkonzerte.

Erstmals stellt das Klavier-Festival Ruhr einen Großteil seiner Education-Aktivitäten für Schüler, Studierende und Erwachsene unter ein Jahresthema. Das spartenübergreifende Projekt „Ein Jahr mit Ligeti“ entstand in enger Zusammenarbeit mit dem französischen Pianisten und Ligeti-Experten Pierre-Laurent Aimard. Es umfasst einen öffentlichen Meisterkurs, ein Familienkonzert, eine „Große Ligeti-Nacht“ und knüpft zudem an den großen Erfolg seines Inklusionsprojekts in Duisburg an.

 

Hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Rundfunk und Presse waren beim Auftaktkonzert zugegen, unter ihnen Bochums Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz, der Präsident der Kunststiftung NRW Dr. Fritz Behrens, der Vorsitzende des Siemens-Aufsichtsrats Dr. Gerhard Cromme sowie zahlreiche Persönliche Mitglieder des Initiativkreises Ruhr und viele der rund 250 Mitglieder des Gründerkreises und des neuen Silver Circle der Stiftung Klavier-Festival Ruhr.

 

Der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats des Klavier-Festivals Ruhr Dr. Herbert Lütkestratkötter erinnerte daran, dass das Programm des weltweit größten und wichtigsten Pianistentreffens erst möglich wurde durch die tatkräftige Unterstützung des Initiativkreis Ruhr, durch 58 Sponsoren und Förderer, durch eine Reihe von Partnerstiftungen sowie durch die neuen Mitglieder des Silver Circle. Dr. Lütkestratkötter lobte den „unermüdlichen Einsatz und Elan“ von Festival-Intendant Franz Xaver Ohnesorg und seinem Team. Zugleich drückte er seine Freude darüber aus, dass Ohnesorg das Angebot des Stiftungsrats zu einer erneuten Vertragsverlängerung angenommen hat.

Das Klavier-Festival Ruhr 2014 umfasst 65 Konzerte in 23 Städten auf 28 Podien an Rhein und Ruhr. Davon sind 16 Veranstaltungen bereits jetzt ausverkauft. WDR, Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur werden zahlreiche Konzerte im Hörfunk übertragen. Der diesjährige Preis des Klavier-Festivals Ruhr geht an den polnischen Pianisten Krystian Zimerman, der am 3. Juni in der Historischen Stadthalle Wuppertal konzertiert.   (HA-K, üPm)

 

 

Theater-im-Rathaus

"Motown" - Die Legende

Der richtige Groove muss es sein

von Ursula Harms-Krupp

 

Raus aus dem Alltag - rein in die faszinierende Welt der Musik. Die Revue, «Motown - Die Legende«, macht es möglich, so richtig abzutauchen und sich von den grandiosen Hits berühmter Künstler verzücken zu lassen. Dabei ist es erlaubt, einen Blick hinter die Kulissen der legendären Plattenfirma zu werfen. Berry Gordy gründete das Label „Motown“ 1961 in Detroit mit nur 800 geliehenen Dollars.

 

Gordy hatte eine Vision. Seine Songs sollten Geschichten erzählen, Menschen von den Stühlen reißen und sie zum Tanzen animieren. Er verpflichtete afroamerikanische Künstler wie Diana Ross & die Supremes, Marvin Gaye, die Temptations, Stevie Wonder, die Jackson Five und noch viele andere. Die Plattenfirma produzierte bald Songs am laufenden Band und wurde zur Hitfabrik par exzellence. Der neu kreierte Klang «The Sound of Amerika« stellte sich als Riesen-Erfolg heraus und erlangte Berühmtheit in der ganzen Welt.

 

Von 1961 bis 1971 veröffentlichte »Motown« 537 Singles, davon kamen 357 in die amerikanischen Charts, 110 in die Top Ten und 28 standen auf Platz eins der Hitlisten.

 

Schauplatz der Revue ist eine kalte, abbruchreife Garage.  Dort treffen sich fünf begeisterte Sänger und die Band zur Probe. Und das Publikum erfährt so ganz nebenbei, Ironisches und Amüsantes, Ernstes und Privates aus der berühmten Plattenküche. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die erfolgreichen Hits des Plattenlabels, allesamt Ohrwürmer, die bis heute unvergessen sind. Auf der Bühne geht es hoch her, besonders nach der Pause – die Garage ist mittlerweile abgebrochen – die Künstler geflohen. Sie geben nun ein Konzert und legen so richtig los. Die Idole der Motown Zeit von den Temptations über Gladys Knight bis hin zu Lionel Richie sind wieder präsent. Die Spielfläche dröhnt, die Stimmen röhren. Die Darsteller singen, tanzen, was das Zeug hält und werden stürmisch gefeiert. Das Publikum klatscht, summt und wiegt sich im Takt. Füße stillhalten, geht nicht mehr. Die 60er sind voll da und so lebendig wie eh und je.

 

Die vergleichsweise kleine Band auf der Rathaus-Bühne mit Keyboard, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Saxofon harmoniert bestens mit den hervorragenden Sängern. Ihre hinreißenden Stimmen versetzen das Publikum in höchste Begeisterung. Und natürlich geht es im Sinne von Gordy immer um den „richtigen Groove“. Alwin Le-Bass, Tertia Botha, Marion Campell, Wilson D. Michaels und David-Michael Johnson repräsentieren perfekt die aufregende Ära der schwarzen Musikfabrik. Es ist eine Zeit, die es so nie mehr geben wird.

Begeisterter Applaus und Standing Ovations für das großartige Ensemble.

23.10.2013 (U-HK)

 

Karten/Tickets

0201-2455555

www.theater-im-rathaus.de