Der Nachtschreck

Kinderoper von Corinna Jarosch für Kinder ab acht Jahren nach Motiven aus der Erzählung von E.T.A. Hoffmann, mit Musik von Jacques Offenbach                  

Premiere am 11.3.2016, besuchte Aufführung am 13.3.2016

DER NACHTSCHRECK , Oper Wuppertal, Nina Koufochristou , Johannes Grau, Sandra Borgarts,  Herren des  Opernchor, Foto: Uwe Stratmann
DER NACHTSCHRECK , Oper Wuppertal, Nina Koufochristou , Johannes Grau, Sandra Borgarts, Herren des Opernchor, Foto: Uwe Stratmann

Die Oper Wuppertal zeigt die Kinderoper "Der Nachtschreck" frei nach der fantastischen Oper "Hoffmanns Erzählungen". Nicht nur die Kinder hatten ihren Spaß an der Geschichte über Ängste, Träume und das Zusammenfinden von Freunden, auch viele Erwachsene erfreuten sich an der Kinderoper.

Opernchor, James Wood, Sandra Borgarts, Foto: Uwe Stratmann
Opernchor, James Wood, Sandra Borgarts, Foto: Uwe Stratmann

Sonntag 16 Uhr, dritte Aufführung des „Nachtschrecks“. Das Parkett ist gerade mal halb gefüllt, die Kinder, für die die Oper geschrieben wurde, sind nicht mal in der Mehrzahl. Was ist los? Nach Zeitungsberichten war bei der Premiere der Saal voller Kinder, und das Stück wurde bejubelt und heftig beklatscht. Viel Beifall auch hier, aber viel dünner, weil es viel weniger Zuschauer gab. Folgen die Aufführungen zu dicht aufeinander? Wollen die Wuppertaler nach der Premiere erst einmal die Kritik abwarten? Rätselhaft.

 

Dabei hätte dieses Stück ein volles Parkett voller Kinder auch diesmal verdient gehabt. Die Handlung ist gut überlegt, nachvollziehbar auch für Jüngere auf die Bühne gebracht, die Solisten singen gut und dabei auch verständlich, der Opernchor ist komplett aufgebotenen, und schließlich spielt im Graben das voll besetzte Orchester hervorragend.

 

Dabei ist keine einzige Note neu komponiert. Die Musik ist komplett aus Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ entnommen, aber mit einer neuen, ganz anderen Geschichte verbunden. Die einzelnen Stücke müssen also in eine andere Reihenfolge gebracht werden, bei einigen muss der Text kaum geändert werden, bei anderen komplett. Die Hits aus Offenbachs Oper kamen aber alle vor, so die Barcarole und das Lied von Klein-Zack sowie das bewegende Finale. Ging es im Original um den romantischen Künstler, der nicht glücklich werden darf, so stand hier die Welt der Träume im Mittelpunkt. Der böse Sandmann und das Traummännchen streiten um die Herrschaft über den Schlaf der Hauptperson, die auch hier Hoffmann heißt. Das ist kindgerecht dargestellt und gegenüber dem Original verändert, denn Träumen und Alpträumen begegnen Kinder schließlich auch im täglichen Leben. Erwachsene, die die Oper schon einmal gesehen haben, erkennen aber doch viele Motive daraus wieder.

 

Wer von den anwesenden Kindern einmal das Original sehen wird, wird sich aber wundern, in welche menschlichen Abgründe dort geblickt wird.

 

Die im Nachtschreck entwickelte Geschichte packt die Kinder, - in der Vorstellung war es bemerkenswert ruhig -, enthält aber auch vergnügliche und witzige Elemente. Und die jungen Sängerinnen und Sänger können in größeren Rollen ihr Können zeigen. Johannes Grau sang die Rolle der Hauptperson Hoffmann mit gut geführtem Tenor, der Sandmann, in dem die Operngegenspieler Hoffmanns zusammengefasst sind, wurde von dem sehr schwarzen Bass Peter Paul verkörpert. Sehr viel Beifall erhielt Sandra Borgarts als Hoffmanns treue Begleiterin Niki, und Nina Koufochristou als Antonia (mit Anteilen von Olympia) produzierte glitzernde Koloraturen. Auf diese Sängerin kann man sich freuen, wenn sie mal die Königin der Nacht singt.

 

Der Wuppertaler Opernchor glänzte, wie die Solisten auch mit großer Spielfreude, in vielen kleine Charakterrollen. Die Namen der solierenden Chormitglieder hätten aber durchaus genannt werden dürfen. Auch das Orchester, unter Leitung von Alexander Steinitz, agierte sehr überzeugend.

 

Verantwortlich für das Ganze war Corinna Jarosch, die seit dem Intendanzantritt von Kamioka jede Opernaufführung als Spielleiterin betreut, eine ganz entscheidende Aufgabe, die sie immer kompetent erledigt hat. Diesmal hat sie mit ihrem Stück sogar einen wichtigen Teil der Wuppertaler Opernsaison gerettet. Ursprünglich geplant war nämlich die Kinderoper „Der Goldmacher“ von Ralf Soiron, der im Wuppertaler Opernhaus als Klavierkorrepetitor arbeitet. Die wurde zwar in der Pressekonferenz am Anfang der Saison groß angekündigt, ist aber nicht rechtzeitig fertig geworden. Also musste schnell Ersatz her, und das ist mit dem „Nachtschreck“ durchaus gelungen. Offenbachs Musik wirkt auch in anderer Anordnung, wenn auch zu merken ist, dass entscheidende Aktionen und Wendepunkte der Handlung (z.B. der Kampf der beiden Hoffmanns und die Zerstörung des Kristalls) ohne Musik auskommen müssen.

 

Wenn diese Kritik erscheint (und die soll ja eigentlich ermutigen, das besprochene Stück zu besuchen), gibt es gerade noch drei Aufführungen, um hineinzugehen, müsste man sich sehr beeilen. Alle acht Aufführungen wurden und werden innerhalb von zehn Tagen abgewickelt, Folge des von Kamioka eingeführten Stagione-Prinzips. Eine solch dichte Taktung kann dazu führen, dass Aufführungen direkt nach der Premiere trotz einer guten Inszenierung nicht voll werden. Ich hoffe aber, dass die von mir besuchte Vorstellung die einzige war, die so leer blieb.

 

Fritz Gerwinn, 16.03.2016

Weitere Aufführungen: 17., 18., 20. März 2016