Essen

 

Die schweigsame Frau
Komische Oper in drei Aufzügen von Richard Strauss
Dichtung von Stefan Zweig frei nach Ben Jonson


Inszenierung: Guy Joosten
Musik: Martyn Brabbins

Bühne: Johannes Leiacker

 

Premiere: 14. März 2015
 
Im Aalto Theater in Essen hatte die selten gespielte Strauss Oper „Die Schweigsame Frau“ Premiere. Die Inszenierung von Guy Joosten ist szenisch unterhaltsam, musikalisch auf hohem Niveau.

Alt – aber nicht weise
Reicher, alter Mann sucht junge, hübsche Frau. Nicht aufregend, allenfalls ein Thema für die Boulevardpresse, handelt es sich um Prominente. Doch wenn ein Greis nach einer Gefährtin Ausschau hält, die sanft und vor allen Dingen schweigsam sein soll, steht das „Warum“ im Raum.
In der Strauss Oper fällt Sir Morosus, ein ehemaliger Kapitän, der Intrige seines Neffen zum Opfer als er nach einer Gemahlin mit diesen Attributen fahndet. Die Farce endet mit seiner Läuterung. Er schließt Frieden mit sich und seiner Umwelt.

Die Partner
Richard Strauss begegnete Stefan Zweig 1931, als er einen neuen Librettisten für sein Opernprojekt suchte. Zweig schrieb das Libretto für ihn nach der Komödie „Epicoene“ von Ben Johnson aus dem Jahr 1609, die sich großer Beliebtheit erfreute. Voller Begeisterung stimmte Strauss dem Libretto zu und übernahm es ohne irgendwelche Einwände für seine Komposition. Die Premiere der "Schweigsamen Frau" wurde 1935 gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt war Zweig bereits aus Deutschland geflohen. Die Nazis setzten das Werk ab.

Hauptakteur in der Oper ist der grantige Kapitän Sir Morosus. In der Neuinszenierung von Guy Joosten brilliert Franz Hawlata in der Rolle. Jahrelang schippert der Kapitän auf den Ozeanen der Welt. Er erlebt viele Abenteuer und häuft große Schätze an. Bis eine gewaltige Explosion auf seiner Galione ihn schwer verletzt. Seitdem ist er hörgeschädigt, verträgt keinen Lärm mehr.

Johannes Leiacker (Bühne/Kostüme) setzt in der Inszenierung auf grelle Farben. Die Bühne ist wie eine Insel gestaltet mit stacheligen Kakteen, Sandbergen und einer überproportional großen Schatzkiste. Während noch die Lustspiel-Ouvertüre erklingt, flimmern bereits Videoprojektionen über die Leinwand. Gewaltige Wellenbrecher, furchteinflößende Piraten und ein gefräßiger Hai tauchen auf. Die Retrospektive soll vermutlich auf die vergangenen Abenteuer Sir Morosus hinweisen. Filmklassiker wie : »Fluch der Karibik« und der weiße Hai« stehen dabei Pate.


Als Seestück angelegt, balanciert die Handlung zwischen purer Lebensfreude der Protagonisten (sichtbar durch das fröhliche Spiel der Komödianten) und der totalen Abschottung Morosus (legt sich in die Schatzkiste, um Ruhe vor Lärm und Klamauk zu finden ).

Neffe Henri (Michael Smalwood mit geschmeidigem Tenor), erbt das Vermögen seines Onkels.
Doch mit seinem Lebenswandel ist der alte Herr nicht einverstanden, kreuzt Henri doch mit einer schrägen Theatergruppe bei ihm auf, statt verdienstvoll mit Soldaten. Flugs ist er sein Erbe wieder los. Die Dramaturgie fährt nun schärfere Geschütze auf. Barbier und Neffe fädeln ihr intrigantes Spiel ein, eine passende Frau für den Onkel muss her. Martyn Comet als windiger Barbier zieht alle Register. Mit einschmeichelndem Bariton setzt er dem alten Herrn einen Floh ins Ohr und motiviert ihn zur Heirat.

Ruhe - nichts als Ruhe
Ein brillantes Ensemble unterstützt Regisseur Guy Joosten um Witz und Komik, Schüchternheit und Naivität der Figuren darzustellen. Franz Hawlata führt die Riege an. Beherrscht er doch mit seinem komödiantischem Können und kräfigen Bass die gut dreistündige Aufführung und steht fast ununterbrochen auf der Bühne. Dabei zeigt er Charaktereigenschaften von schrullig, über jähzornig bis hin zu liebenswert. Das Ende der Inszenierung berührt: Da schlägt Morosus versöhnliche Töne an, die Heiratsabsichten sind endgültig passe, das Erbe wieder an den Neffen übertragen. Nur noch nach Ruhe dürstet es ihm. Langsam steigt er ab von der Bühne und wandert singend durch das Parkett,
:« Wie schön ist doch die Musik aber wie schön erst, wenn sie vorbei ist.« Das klingt emotional und geht ans Herz.
 
Julia Bauer als Aminta, vollbringt eine Glanzleistung. Beeindruckend  wie sie sich mit kleinen Trippelschritten ganz langsam Morosus annähert und später ihre Wandlung vom braven Unschuldslamm zur Furie vollzieht. Ihr Koloratursopran schwingt sich mühelos zu den höchsten Tönen auf. Auch die anderen Sängerdarsteller erfüllen ihre Aufgabe souverän.

Unter der Leitung von Martyn Brabbins spielen die Essener Philharmoniker virtuos und klangschön die Partitur.

 

(HA-KRU)

Viel Beifall vom Publikum.