Wuppertal
von der Heydt-Museum
Eine neue Kunst. Fotografie und Impressionismus
vom 2. Oktober 2022 - 8. Januar 2023
Claude Monet
Vétheuil, um 1901
Leinwand, 81 x
92 cm
von der Heydt Museum
Claudes Monets prachtvolles Gemälde erwarb das Museum im Jahr 1910.
Kuratoren der Ausstellung: Frau Anna Baumberger und Herr Dr. Ulrich Pohlmann, (Gastkurator, Leiter der Sammlung Fotografie am Stadtmuseum München).
Am 25. Oktober 2022 feiert das von der Heydt-Museum seinen 120-zigsten Geburtstag. Ein willkommener Anlass um auf die Gründungsphase des
Museums (1902) zurückzublicken, findet Museumsdirektor Dr. Mönig auf der Pressekonferenz (30. September 2022). In den frühen Jahren seines Bestehens konzentrierte sich das Museum
hauptsächlich auf die Sammlung der Kunst aus dem 19. Jahrhundert. Die Historienmalerei spielte eine wichtige Rolle, erklärte er. Nach dem Umzug in das heutige Gebäude sei dann sehr schnell ein
spannender Wandel vollzogen worden.
Das von der Heydt empfand sich schon früh als Avantgarde, sammelte Werke der Impressionisten und präsentierte sie in einem eigenen Saal. Die neue Ausstellung führt durch die Geschichte der
Fotografie, zeigt Anfänge und Entwicklung, spürt der Wechselwirkung von Fotografien und Bildern nach und verdeutlicht den Emanzipationsprozess beider Medien. Dabei möchte sie besonders auf
motivische Überschneidungen in Fotografie und Malerei aufmerksam machen und deutlich machen, wie sich die Fotografie zu einer autonomen Kunstform entwickelte.
Präsentiert werden mehr als 80 hochkarätige Unikate, die sonst kaum zu sehen sind. Darunter Werke von Gustave Le Gray, Eugène Cuvelier, Louise Deglane, August Kotzsch und Heinrich
Kühn. Schon sehr früh sammelte das von der Heydt-Museum Werke der Impressionisten und verfügt über einen hervorragenden Bestand, darunter: Claude Monet, Camille Pissaro, Paul Cézanne, Albert
Sisley und Paul Signac. Ihnen ist ein eigener Saal gewidmet.
1839 schlug die Geburtsstunde der Fotografie. Durch die neuen technischen Möglichkeiten präzisierte sich der Akt des Sehens und ermöglichte eine andere Art der visuellen Wahrnehmung. Insbesondere die Malerei sah sich mit dem Medium „Fotografie“ konfrontiert. Es eröffneten sich neue Formen der Bildgestaltung.
Die Fotografie kämpfte lange Zeit um die künstlerische Anerkennung, hatte es schwer sich durchzusetzen. Die Skepsis gegenüber dem neuen Medium hielt lange an. Die Fotografie galt als nicht gleichberechtigt mit der Malerei. Von Beginn an versuchte sie deshalb mittels neuer Materialien und Techniken sich künstlerisch zu verwirklichen. Sie etablierte sich zuerst in der Industrie und im Gewerbe. Erst 1861 erhielt sie den Zugang zum Pariser Salon. Malerei und Fotografie befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einem regen Austausch, befruchteten sich gegenseitig, lagen aber auch im Wettstreit. Jede Gattung strebte nach einer neuen künstlerischen Ausdrucksform. Während die Impressionisten den flüchtigen Augenblick einzufangen versuchten, gelang es der Fotografie, die Realität bis ins kleinste Detail wiederzugeben. Allerdings hatte sie zu Beginn mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Equipment war umständlich. Um im Freien arbeiten zu können, mussten nicht nur gewichtige Kameras transportiert werden, sondern auch Chemikalien, Dunkelzelte und Glasplatten. Die Maler dagegen profitierten durch die Entwicklung der Tubenfarben, ermöglichte es ihnen doch problemlos mit ihrer Staffelei im Freien vor dem Motiv zu arbeiten.
Der Siegeszug der Fotografie war aber nicht mehr aufzuhalten. Daran beteiligt waren auch Wissenschaftler, die neue Verfahren erprobten. Zunächst war das neue Medium Hilfsmittel, dann Konkurrent für das Geschäft der Maler. Schließlich entstanden zwei neue Künste, denn parallel zur Fotografie erneuerte sich auch die alte Kunst der Malerei.
Die Ausstellung ist in sechs Kapitel unterteilt. Im ersten Raum fallen sogleich zwei Gemälde der Vorimpressionisten, Vertreter der Schule von Barbizon, auf: Jean Baptiste Camille Corot mit "Landschaft bei Ètretat" (1872) und Gustave Courbet "Steilküste von Ètretat" um 1870. Die Steilküste von Étretat und die moderne Metropole Paris waren beliebte Motive für die Künstler*innen. Sie studierten wechselnde Lichtsituationen und Wetterverhältnisse zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Die Linse einer Plattenkamera, aus der Sammlung des Münchener Stadtmuseums, ist auf die Werke gerichtet. Sie soll den Dialog zwischen Malerei und Fotografie aufzeigen.
Ein weiteres Kapitel der Ausstellung: „Majestätische Weite – Himmel und Meer“
Gustave Le Grays Seestücke beeindrucken in diesem
Raum, sowie Werke mit Wolken, Licht und Wetterphänomen. Anfänge der Farbfotografie durch Edeldruckverfahren sind zu sehen.
Von der Großstadt führt der Weg in den Wald als Rückzugs- und Sehnsuchtsort. Der technische Fortschritt ermöglichte den Künstlern zu reisen und in der Natur
zu malen. Die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit beflügelte sie. Der Wald von Fontainebleau, nah bei Paris, ist nicht nur ein geschichtsträchtiger Ort, der an besondere Momente der
französischen Geschichte erinnert, sondern auch ein Mythologischer. Bäume tragen Namen, die historische Ereignisse bezeichnen. Fotografen und Maler hielten sich in dem kleinen Ort "Barbizon", in
der Nähe von Fontainebleau auf. Der Wald lieferte ihnen wichtige Inspirationen.
Beliebt bei der Bevölkerung:
"Autochrome", Glasplatten wurden eingefärbt und ergaben farbige Bilder, die an der Wand projiziert wurden.
Der zweite
Ausstellungsraum führt nach Paris, in die Stadt der Kunst und der Künstler*innen, ins Zentrum der Moderne. Als erste Metropole der Moderne schrieb sie Geschichte. Durch die architektonische
Umwandlung des dörflichen Lebens zur Großstadt erfuhr sie einen radikalen Wandel. Der Fotograf Édouard Baldus wirkte hier. Die Ausstellung zeigt den Blick auf die Pont d’Arcole und das Hôtel de
Ville“ (um 1860), Paul Signacs Stadtansicht ist als Pendant platziert.
Ein umfangreiches Kapitel gilt der Stilrichtung des
Piktorialismus. Dessen Blütezeit reichte vom 19. Jahrhundert bis zum 1. Weltkrieg. Die Piktorialisten hatten es sich zum Ziel gesetzt als Kunst anerkannt zu werden und entwickelten komplexe
bildnerische Strategien. Mittels neuer Materialien und Edeldruckverfahren veränderten sie die Bildherstellung. Es entstanden faszinierende Lichtbilder, die zerbrechlich wie Glas wirkten, z.B.
Adolphe de Meyers „Seerosen“ (um 1906).
Dem Thema "Land und Fluss", ist ein weiteres Kapital der Ausstellung. gewidmet. Präsentiert werden alltägliche Motive, denen keine große Beachtung
zuteil wurde. Sie wurden als bildwürdig angesehen.
Es gibt Fotografien, die sich kaum von einer Graphik oder einem Gemälde unterscheiden.
Im 19. Jahrhundert steigerte sich die Konkurrenz zwischen Malerei und Fotografie. Die Malerei verteidigte mit neuen Strategien ihre Kunst, versuchte sich abzugrenzen gegen die Fotografie.
Abgerundet wird die
Ausstellung mit einer Einladung der Besucher*innen in den Bürgersaal. Der Titel: "Ein neuer Blick“ regt an, die Werke der Impressionisten unter dem Aspekt der veränderten Wahrnehmung
perspektivisch neu zu betrachten.
Die Kooperation mit dem Museum Barberini in Potsdam, ist bis zum 8. Januar 2023 im Von der Heydt-Museum Wuppertal zu sehen. Öffnungszeiten: Di. - So. 11 bis 18 und Do. bis 20 Uhr. Der Eintritt: zwölf Euro (ermäßigt zehn Euro).