Münster

 

Der Besucher

von Éric-Emmanuel Schmitt

 

Premiere 8. April 2010

 

Siegmund Freuds Wiener Wohnung im Jahr 1938. Es ist der Abend des 22. März. Wien ist von den Nazis besetzt.

 

Vor diesem Hintergrund spielt „Der Besucher" von Éric-Emmanuel Schmitt. Anlässlich des 70. Todestages von Siegmund Freud wird das Stück zurzeit im Wolfgang Borchert Theater Münster aufgeführt. Seit 2006  werden die Werke von Éric-Emmanuel Schmitt vom Borchert Theater in Münster immer wieder inszeniert, so ist „Der Besucher" schon das fünfte Stück des französischen Theaterautors, dass hier gezeigt wird. Dem Dramatiker gelang 1993 damit der internationale Durchbruch. Ausgezeichnet wurde das Theaterstück mit dem „Prix Molière". Meinhard Zanger führte in Münster Regie..

 

Von Beginn an wird der Zuschauer vom Geschehen auf der Bühne gefangen genommen. Schauplatz ist die Wohnung Siegmund Freuds, in der Freud (Andreas Weißert) und seine Tochter Anna (Sabrina vor der Sielhorst) sich aufhalten. Ein großer Bücherberg liegt auf dem Boden. Freud hebt die verstreuten Bücher lauf und stellt sie langsam wieder zurück in das Regal. Man merkt ihm das Alter und seine Krankheit an. Trotzdem könnte die Szene fast idyllisch sein, wären da nicht die Nazilieder, die durch das Fenster in die Wohnung dringen. Wer den Ernst der Lage nocht nicht erahnt, wird spätestens durch die schweren Stiefelschritte, die aus dem  Treppenhaus zu hören sind, eines besseren belehrt. Ein Mann der Gestapo (Jens Ulrich Seffen) betritt die Bühne. Es wird deutlich, dass er Freud  regelmäßig besucht und ihn erpresst. So ist es auch diesesmal. Anna, Freuds Tochter, kann es nicht mehr mit ansehen, wie ihr Vater unter Druck gesetzt wird. Sie provoziert den Gestapomann und muss deshalb zum Verhör auf die Wache. Bevor sie geht, bittet sie ihren Vater noch die Formulare für die Emigration zu unterschreiben.

 

Siegmund Freud bleibt alleine zurück. Ein alter Mann, der voller Sorge um seine Tochter ist. Darum entschließt er sich die Papiere zu unterzeichnen und bescheinigt damit, immer gut von den Nazis behandelt worden zu sein. In diesem Moment taucht der Besucher (Sven Heiß) auf. Zunächst bedroht Freud ihn noch mit einer Pistole, aber nach und nach gewinnt der Unbekannte das Vertrauen des berühmten Psychoanalytikers. Der Besucher weiß Dinge über ihn, die Freud nie jemandem erzählt hat. "Wer ist er, ist er vielleicht Gott"? Warum sucht er aber dann den Atheisten Freud auf. Viele Fragen tauchen auf. Plötzlich werden die beiden gestört. Der Nazi kommt zurück. Er erpresst Freud mit dessen Testament, aus dem hervorgeht, dass Siegmund Freud Konten im Ausland hat. Das Geld will der Erpresser haben.

 

Als Freud und der Besucher wieder alleine sind, weiß der Unbekannte genau, was mit Anna auf der Wache der Gestapo passiert. Diese Ungeheuerlichkeit veranlaßt den Atheisten Freud über sein Verhältnis zu Gott und zum Glauben nachzudenken. Doch nach wie vor hat er Zweifel an der Existenz Gottes.

Der Mann der Gestapo, bestärkt ihn darin, denn er behauptet, der Besucher sei ein Verrückter, der von ihm gesucht werde.

Der Zuschauer sitzt staunend da und weiß selbst nicht mehr, was er von allem halten soll. Ist der Besucher Gott? Ist er es nicht? Die Verwirrung ist komplett.

 

Während der Aufführung  fiebert der Zuschauer mit Siegmund

Freud mit. Kann es sein, dass Gott wirklich zu Besuch kommt, einfach so? Leidet Gott an der Welt? Verzweifelt er an den Menschen? Was wird aus der Welt, wenn es wirklich nur der Mensch ist, der für sie verantwortlich ist? Themen, die die gesamte Menschheit betreffen, werden von Freud und dem unbekannten Besucher heftig diskutiert. Die Verantwortung eines jeden Menschen für die Welt rückt in den Fokus der Überlegungen Freuds und des fremden Besuchers. Fragen, auf die sich keine schnellen Antworten finden lassen, die auch dem Publikum  Rätsel aufgeben. Es wurde mit ihnen nachhause entlassen.

 

(Lara Sasse)