Gelsenkirchen

 

La Grande Magia

von Manfred Trojahn

Libretto von Christian Martin Fuchs

Nach dem gleichnamigen Schauspiel von Eduardo De Filippo

 

Premiere: 24 März 2012

 

Spiel mit der Illusion

 

Ehezwistigkeiten im Haus Di Spelta. Ehemann Calogera hat es nicht leicht mit Marta, seiner frustrierten Frau. Was tun? Therapie, Trennung oder Scheidung? Nichts von alledem. In Manfred Trojahns Oper „La Grande Magia“. hat der Autor eine viel bessere Idee. Die unzufriedene Ehefrau wird kurzerhand weggezaubert.

 

La Grande Magia ist Trojahns vierte Oper. Das zeitgenössische Musikstück wurde 2008 in der Semperoper in Dresden uraufgeführt. Das gleichnamige Schauspiel von Eduardo de Filippo stand Pate für das Werk. Das Musiktheater im Revier wagte es jetzt als zweites Haus die Oper erneut auf die Bühne zu bringen. Sie wird in fünf Bildern aufgeführt.

 

Schauplatz ist die Terrasse eines Hotels in einem italienischen Badeort. Dort haben sich Mitglieder der Großfamilie Di Spelta versammelt. Unübersehbar sind die Differenzen in der Familie. Marta möchte der Enge der bürgerlichen Welt entfliehen und träumt von einer Karriere als Sängerin. Der junge Mariano erscheint auf der Bildfläche und bedrängt den Zauberkünstler Otto Marvuglia, ihm zu einem Rendezvous mit Marta zu verhelfen. Marta wird weggezaubert und Mariano brennt mit ihr durch. Sie kehrt nicht zurück und der Zauberkünstler gerät in arge Bedrängnis. Um den wütenden Ehemann zu beschwichtigen, zeigt Otto ihm ein japanisches Kästchen. Calogero soll es nur öffnen, wenn er sich der Liebe und Treue Martas sicher ist. Die Schachtel bleibt verschlossen. Die Zeit ist stehen geblieben. Calogero verharrt weiter in der Spielsituation und hat sich für die Illusion einer idealen Frau entschieden.

 

Die komplexe Handlung der Oper gibt bis zum Schluss Rätsel auf. Ist alles nur ein Spiel, eine Illusion der Calogero unterlegen ist oder ist er dem Wahn verfallen und verrückt geworden. Das Psychogramm der Protagonisten, in der sich die Zerbrechlichkeit des Lebens und der Beziehungen manifestiert, wird szenisch entwickelt (Marta geht weg und lebt ihren Traum, Calogero verfällt der Zauberei und Magie, Amelia stirbt). Strich für Strich zeichnet die Regie die Risse hinter der schönen Fassade nach. Der Verfall der Familie, am Ende unübersehbar, vollzieht sich auf mehreren Ebenen. Wirtschaftlicher Ruin bedroht sie, auf der psychischen Ebene sind Neurotische Verhaltensweisen erkennbar (zwanghafte Wiederholungen: Kerzen werden ständig angezündet und wieder gelöscht), Calogera konstruiert sich eine eigene Welt.

 

Renée Lister steckt die gut situierte Familie Di Spelta in passende Kleidung und Dieter Richter entwirft ein abwechslungsreiches Bühnenbild: Die vornehme Hotelfassade mit italienischem Flair wird am Schluss zur morbiden Fassade eines Sanatoriums.

 

In der packenden Inszenierung von Gabriele Rech sind die Figuren von Anfang an durch eine eigene Musiksprache gekennzeichnet. Trojahn ordnet jedem Charakter eine Melodie und ein Instrument zu, um die Charaktere wiederzuerkennen und das Motiv ihrer Handlungen zu verdeutlichen. Der aufmerksame Zuschauer fühlt sich bisweilen an Rossini, Strawinsky oder Richard Strauss erinnert. Trojahn greift auf Traditionen zurück und kreiert eine eigene Tonsprache. Die Inszenierung ist mit einem großartigen Sängerensemble besetzt, Bass- und Alt Stimmen fehlen. Emotionalität wird durch die hohen Stimmlagen ausgedrückt. So ist Alfia Kamalovas (Marta) schmerzliche Sehnsucht nach Freiheit in jeder Phase spürbar nachzuempfinden. Mit ihrem silber-hellen Sopran meistert sie scheinbar mühelos die Notensprünge. Und Urban Malmberg, der schon in der Uraufführung in Dresden die Rolle des Zauberers verkörperte, fasziniert mit seinem geschmeidigen Bariton. Daniel Magdal beeindruckt mit höhem sicherem Belcanto Tenor. Auch die übrigen Rollen sind hochrangig besetzt.

 

Die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Lutz Rademacher beeindruckt mit großem Facettenreichtum. Präzise arbeiten sie die unterschiedlichen Klangfarben der Partitur heraus

 

Große Begeisterung für das gesamte Ensemble mit lang anhaltendem Beifall.

 

 (HA-KRU)

 

www.musiktheater-im-revier.de