Jaana Caspary, Sweet Monument 2025
Jaana Caspary, Sweet Monument 2025
Schneeschmelze bei Elgersburg, Munch, Edvard,
Schneeschmelze bei Elgersburg, Munch, Edvard,
Mädchen mit rotem Kleid und roter Mütze, Munch, Edvard
Mädchen mit rotem Kleid und roter Mütze, Munch, Edvard
Karstieß, Markus, Giottos Schaffen, 2025
Karstieß, Markus, Giottos Schaffen, 2025
Narziß Figur Nr.1 , Manfred Karstieß, (1971)
Narziß Figur Nr.1 , Manfred Karstieß, (1971)
Jaana Caspary, Landschaft, 2025
Jaana Caspary, Landschaft, 2025


Wuppertal

Museum von-der-Heydt

Ausstellung: Freundschaftsanfrage No. 3

von 11.10.2025 bis 08.02.2026

Mit der Ausstellung „Freundschaftsanfrage No. 3“ setzt das von-der- Heydt-Museum Wuppertal seine erfolgreiche Reihe fort: Werke der klassischen Moderne treten mit zeitgenössischen, künstlerischen Positionen bewusst in einen direkten Dialog. Die Gegenüberstellungen sind nicht zufällig, sondern bewusst gewählt

Die Ausstellung präsentiert Werke von Jaana Caspary, Guido Jendritzko und Markus Karstieß. Trotz unterschiedlicher künstlerischer Handschriften verbindet alle drei ein gemeinsames Interesse: das Denken vom Material aus. Keramik, Alltagsobjekte und abstrakte Skulptur werden nicht nur als ästhetische Formen gezeigt, sondern als Träger von Bedeutung, Wahrnehmung und Erfahrung. So entstehen spannende Dialoge zwischen Malerei und Plastik, Farbe und Oberfläche, Leinwand und Keramik. Die Objekte wirken durch ihre Eigenständigkeit und fordern die Besucher zu einer neuen Wahrnehmung auf.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Bildhauer Markus Karstieß. Er verleiht dem archaischen Werkstoff "Keramik" zeitgenössische Aktualität. Seine großformatigen Skulpturen sind rätselhaft, die Formen wirken eigenwillig und verstörend. Mensch und Fabelwesen, Figuration und Abstraktion, die Wahrnehmung erlaubt unterschiedliche Interpretationen  und erschwert eine exakte Festlegung. Die schillernden Glasuren der Oberflächen reflektieren Licht und scheinen sich ständig zu verändern. Obwohl die Skulpturen statisch sind, vermitteln sie Bewegung und Sinnlichkeit. Ihre eigentliche Verwandlung findet dabei weniger im Objekt selbst als im Blick der Betrachtenden statt. Karstieß nutzt Keramik als Ausdrucksform, die körperlich, sinnlich und zugleich konzeptuell erfahrbar ist. Seine Skulpturen treten u.a. in einen intensiven Dialog mit Werken der klassischen Moderne von Edvard Munch und Paula Modersohn Becker. Sie eröffnen neue Perspektiven auf bekannte Bildwelten.

Jaana Casparys Werke setzen einen anderen Akzent. Ihre Arbeiten sind ebenfalls stark materialbezogen, stammen aber aus einem ganz anderen Kontext. Caspary greift auf Gegenstände des Alltags und des Massenkonsums zurück und verfremdet sie. Durch Abformungen, Vervielfältigungen und Verschiebungen entstehen Skulpturen und Reliefs, in denen das Ursprüngliche kaum noch zu erkennen ist. Ihr Interesse gilt weniger dem Einzelobjekt, sondern vielmehr der seriellen Struktur, Materialität und formale Reduktion. Konsequent entwickelt Caspary ihre Formensprache. Ihre Werke wirken zurückhaltend, fast nüchtern — und schärfen gerade dadurch den Blick auf sie.

Aus Anlass seines 100-jährigen Geburtstags ehrt das Museum den Bildhauer und Konzeptkünstler Guido Jendritzko, dessen große künstlerische Bandbreite in der Ausstellung sichtbar wird. Frühere plastische Arbeiten stehen neben grafischen Serien, Fotografien und Dokumentationen seiner performativen und konzeptuellen Projekte. Jendritzko zeigte sich stets offen für Experimente und beschäftigte sich intensiv mit der Frage nach der Form- und ihrer Auflösung. Die Ausstellung präsentiert ihn als Suchenden, als einen Künstler, der sich nie auf einen Stil festlegte, sondern immer wieder neue Wege ging. Bis 1990 lehrte er an der Werkkunstschule in Wuppertal, die später Teil der Bergischen Universität wurde.

Gemeinsam ist allen drei Künstlern die Auseinandersetzung mit Fragen um Form, Oberfläche, Transformation und Wahrnehmung. Freundschaftsanfrage No. 3 lädt dazu ein, bekannte Sehgewohnheiten zu hinterfragen und Kunst als lebendigen Dialog zu betrachten.

Ulla Harms-Krupp